Kopfbedeckung im Christentum

18 Antworten

Wenn eine Frau langes Haar hat, gilt dies als Kopfbedeckung. Frauen mit langem Haar müssen demnach nicht noch extra eine Kopfbedeckung tragen, wenn das Haar entsprechend ist. Bei vielen anderen "Verstößen" liegt es einfach daran, daß der Werteverfall dazu geführt hat, daß solche Regeln heute als "überholt" gelten, was definitiv nicht so ist. Ein Vorteil hat es allerdings - jede Frau, die gegen das Gebot verstößt, kann als unmündig angesehen werden...

Ganz falsch! Lies den 1. Korintherbrief Kapitel 11,2-16.

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@Rowal

Auch wenn ich mir ungern was vorschreiben lasse, habe ich nachgelesen. Eine Frau soll als Zeichen ihrer Befugnis eine Kopfbedeckung tragen. Langes Haar ist ihr als Ersatz für die Kopfbedeckung gegeben. Auch meine Anmerkung, eine Frau ohne Kopfbedeckung oder langes Haar wäre demnach "unmündig" ist laut der von dir geschriebenen Bibelstelle richtig, da sie ohne Zeichen der Befugnis einfach nicht ernst genommen werden muss... Wenn du mir jetzt erklärst, was an meinem Text "Ganz falsch" ist, wäre ich dir sehr verbunden, denn in Bezug auf die Bibelstelle kann ich keinen Fehler entdecken.

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Kopfbedeckung und auch die Frisur (lange Haare - kurze Haare) haben zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen nun einmal unterschiedliche Bedeutung. Das wird man wohl auch dem Apostel Paulus zugestehen müssen. Von Gleichberechtigung ist er weit entfernt, sieht die Frau ganz klar dem Mann untergeordnet - aber, dass mus man auch sagen: Er bringt Frauen eine Wertschätzung entgegen, die für seine Zeit keineswegs typisch ist. Seine Haltung in Sachen Kopfbedeckung sehe ich aus einem anderen Blickwinkel: Er sorgt sich (... schön patriarchal, zugegeben ...) um die "Ehre" der Frau, und ich vermute, dass dies nicht nur ihn allein bewegt. Wenn eine Frau "kahlgeschoren" ist, wird sie im damaligen Empfinden wohl als Sklavin betrachtet (und damals vermutlich auch als in Sachen Sex als frei verfügbar, für Männer, versteht sich). Diese Sicht auf Frauen will er in den von ihm gegründeten Gemeinden unbedingt etwas anderes entgegensetzen. Dies weniger in dem Bewusstsein göttlicher Weisungen, sondern als sehr pragmatische Anweisungen (... die man deswegen auch kritisch befragen darf, ohne gleich Paulus in Bausch und Bogen abzulehnen). Es gibt übrigens heute eine erstaunliche Parallele in der Diskussion um das Tragen des Kopftuches im Islam: Es gibt bekennende Musliminnen, die das Kopftuch als Symbol der Frauenunterdrückung vehement ablehnen (der Koran schreibt es ja nicht vor) - zugleich gibt es Musliminnen, die ganz bewusst und sehr stolz eben dieses Kopftuch tragen, es als Teil ihrer Idendität betrachten. Auch in der christlichen Tradition gibt es da große Unterschiede: In vielen Ländern war das Kopftuch eine Art Statussymbol: erst eine Frau "unter der Haube" galt als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, es war eine Ehre es tragen zu dürfen.

Sehr gut zusammengefasst! Die Kopfbedeckung ist tatsächlich kein Symbol der Unterdrückung, sondern eigentlich eine Art von "Ehre", was den Stellenwert der Frau im Positiven unterstützt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es wirklich eine Form von Ehre ist, eine Kopfbedeckung tragen zu dürfen, weil es auch eine Form der Legitimation darstellt, bestimmte Aufgaben ausführen zu dürfen. Mit Unterdrückung im heutigen Sprachgebrauch hat das gar nix zu tun, das wird in der Gesellschaft einfach falsch verstanden - wie so viele andere Sachen auch.

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Es wäre schön, wenn die immer zitierten Verse mal weiter gelesen würden. Da stellt nämlich Paulus fest, dass es Sitte der Korinther ist, sich zu bedecken. Das können sie gern machen, aber es ist nicht Pflicht für alle:

1.Kor 11,14f.

14 Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt, 15 aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr als Schleier gegeben. 16 Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht.

Die Bibel schreibt die Kopfbedeckung für die christlichen Frauen NICHT vor. Paulus rät im 1. Korintherbrief zwar, daß Frauen Kopfbedeckungen in bestimmten Situationen tragen sollen, das ist aber weder ein Gebot Christi, das ihm überliefert wäre, noch erläßt er selbst eine Vorschrift. Im Judentum war es üblich, daß Frauen UND Männer den Kopf zum Gebet bedeckten, das ist m. W. noch heute so. Von dieser Gewohnheit, findet Paulus, sollte man nicht ohne Not abweichen. Weil das aber für die Frauen, die nicht aus dem Judentum Christinnen geworden sind, nicht selbstverständlich galt, rekurriert er auf die Schicklichkeitsregeln der hellenistischen Antike, die für eine Frau der höheren Stände in der Öffentlichkeit Kopfbedeckung vorsahen und männliche Begleitung (im Gegensatz zur Jüdin). Einfache Frauen durften keinen Kopfputz tragen und keine Schleier, wie sie z. B. auf den antiken Bildwerken gezeigt werden. Die Christinnen in Korinth hatten offenbar sehr verschiedene Auffassungen, was Kopfbedeckungen betrifft und wann sie zu tragen seien. Deshalb gibt Paulus eine ALLGEMEINE EMPFEHLUNG, damit die Gemeindefrauen in ihrer Umgebung nicht unangenehm auffallen. Das ist KEINE Vorschrift. Für uns in Mitteleuropa gilt, daß es für Frauen keineswegs unschicklich ist, die Haare offen zu tragen und den Kopf unbedeckt zu lassen. Deshalb tragen Christinnen Kopfbedeckungen, wenn sie möchten, und lassen es, wenn sie möchten. Beides ist sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Kirche angemessen. Gruß, q.

Ganz richtig kann das mit den Männern aber nicht sein. 1Kor 11:7 sagt ganz klar, dass Männer keine Kopfbedeckung tragen dürfen (beim Gottesdienst natürlich).

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Es geht natürlich, wie schon gesagt wurde, auf den Apostel Paulus zurück, dass Frauen in der Kirche das Haar bedecken sollen. Ob Kopftuch oder Hut ist gleich (1. Korinther-Brief 11,2-16). Er sagt z.B.: "Urteilt selber! Gehört es sich, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet?" Offensichtlich meinen viele Frauen (und auch Männer), dass dies nicht mehr unschicklich ist. Das hängt wahrscheinlich mit der Emanzipationsbewegung im 20. Jahrhundert zusammen und in der katholischen Kirche mit dem 2. Vatikanischen Konzil. Ich würde vor allem letzteres vermuten, denn das 2. Vatikanische Konzil hat den Charakter des Gottesdienstes verändert. Nimmt man an einem der seltenen Messen nach dem tridentischen Modus teil, so sieht man, dass dort die allermeisten Frauen eine Kopfbedeckung tragen. Aber Pflicht ist es auch hier nicht. Insofern ist es nicht ganz richtig, wenn du im letzten Satz sagst "... und die Bibel es vorschreibt." Beim Mann ist das natürlich anders. Paulus schreibt "Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen [Anm.: beim Gottesdienst natürlich], weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes" (1Kor 11,7). Daher nimmt der Mann beim Gottesdienst den Hut ab. Dagegen wird nach meiner Einschätzung sehr selten - und wenn dann aus Versehen - verstossen.

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