Kann mir jemand die Antwort auf diese Frage über den veranstalteten Hinterhalt von Hannibal nennen?

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1 Antwort

Eine Erklärung ist nicht leicht. In einem gewissen Ausmaß sind nur Vermutungen möglich, besonders was die genauen Darstellungsziele betrifft, die in dem Textabschnit hatte.

Bei dem Werk von Cornelius Nepos über Hannibal handelt es sich um eine kurze Biographie. In so einen Rahmen wird vieles nur knapp dargestellt oder fällt sogar weg.

Die Schlacht am Trasimenischen See (217 v. Chr.) war tatsächlich ein großer Sieg Hannbals, eine bedeutende Leistung und ein herausragendes Ereignis (ungefähr 15000 tote und 15000 gefangene römische Soldaten, Tod des Konsuls Gaius Flaminius). Trotzdem nimmt sie weniger als einen einzigen vollständigen Satz ein.

Cornelius Nepos, Hannibal 4, 3:

hoc itinere adeo gravi morbo afficitur oculorum, ut postea numquam dextro aeque bene usus sit. qua valetudine cum etiamnum premeretur lecticaque ferretur, C. Flaminium consulem apud Trasumenum cum exercitu insidiis circumventum occidit, neque multo post C. Centenium praetorem cum delecta manu saltus occupantem.

„Auf diesem Weg/Marsch befiel ihn eine so schwere Augenkrankheit, dass er später sein rechtes Auge niemals gleich/gleichermaßen gut benutzen konnte. Als/obwohl er immer noch von dieser Krankheit niedergedrückt/bedrängt wurde/an dieser Krankheit litt und in einer Sänfte getragen wurde/sich in einer Sänfte tragen lassen musste, tötete er den am Trasimenischen See mit seinem Heer durch einen Hinterhalt umzingelten Konsul Gaius Flaminius und nicht viel später danach den Prätor Gaius Centenius, der mit einer ausgewählten/auserlesenen Schar/Truppe die Waldschluchten/Gebirgspässe/waldigen, hügeligen Weideplätze besetzte/besetzt hielt.“

Das Töten ist in diesen Fällen nicht so verstehen, als habe Hannibal die römischen Befehlshaber persönlich getötet. Gemeint ist, als Feldherr die Schlacht geleitet und damit den Tod der in der Schlacht getöteten Römer bewirkt zu haben.

Erklärungsansätze für die nur sehr knappe Darstellung der Schlacht am Trasimenischen See

literarische Gattung Biographie: Cornelius Nepos hat eine Kurzbiographie Hannibals geschrieben. Vollständigkeit und Ausführlichkeit bei der Beschreibung militärischer Ereignissse ist in einer kurzen biographischen Darstellung nicht notwendig gewesen. Kennzeichnende Chrakterzüge und innere Entwicklung konnten größere Bedeutung haben. Die Überlieferung bot ihm an für die Person interessanten Sachverhalten wahrscheinlich nicht mehr als den erschwerenden Umstand einer ihm noch zusetzenden Augenerkrankung und einen klug geplanten Hinterhalt.

Absicht, einen Eindruck eines Vormarsches mit hoher Geschwindigkeit herbeizuführen: Cornelius Nepos schildert die Ereignisse vom Eintreffen in Italien (218 v. Chr.) bis einschließlich der Schlacht bei Cannae (216 v. Chr.) ingesamt nur kurz. Die Erzählung ist zeitlich gerafft, hat so eine hohe Geschwindigkeit. Es entsteht der Eindruck eines schnellen Vormarsches, der Gegner rasch und ohne große Mühe überwindet.

Absicht, einen Eindruck eines zu dieser Zeit unbesiegbaren, unüberwindlichen Feldherrn Hannibal hervorzurufen: Die Darstellung enthält keine Hinweise auf starke römische Gegenwehr mit ernsthaften Chancen auf einen Sieg in den Schlachten. Der Vormarsch erscheint als ein sich steigernder Siegeszug eines Feldherrn, dem die Römer zu dieser Zeit nicht standhalten können. Cornelius Nepos, Hannibal 5, 4 (quamdiu in Italia fuit, nemo ei in acie restitit, nemo adversus eum post Cannensem pugnam in campo castra posuit.) behauptet (mit sachlich nicht ganz richtiger Übertreibung), solange Hannibal in Italien gewesen sei, habe niemand ihm in einer Schlacht Widerstand entgegengesetzt, niemand habe nach der Schlacht bei Cannae gegen ihn auf offenem Feld ein Lager errichtet.

Bücher zu den Kämpfen:

Pedro Barceló, Hannibal. Stratege und Staatsmann. Stuttgart : Reclam, 2012 (Reclam-Taschenbuch ; Nr. 20263). ISBN 978-3-15-020263-0 (Taschenbuchausgabe eines Buches, zuerst Stuttgart : Klett-Cotta, 2004)

Pedro Barceló, Hannibal. Originalausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2003 (Beck'sche Reihe ; 2092 : C. H. Beck Wissen). ISBN 978-3-406-43292-7

Karl Christ, Hannibal. 1. Auflage Darmstadt : Primus-Verlag, 2003 (Gestalten der Antike). ISBN 3-89678-472-2

Robert Garland, Hannibal : das gescheiterte Genie. Aus dem Englischen von Elisabeth Begemann. 1. Auflage. Darmstadt ; Mainz : von Zabern, 2012. ISBN 978-3-8053-4540-8

Herbert Heftner, Der Aufstieg Roms : vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280 - 146 v. Chr.). 2., verbesserte Auflage. Regensburg : Pustet, 2005. ISBN 3-7917-1563-1 (S. 201 – 312 und S. 448 – 460 [Anmerkungen]: Vierter Teil. Hannibal gegen Rom: Der Zweite Punische Krieg)

Werner Huß, Die Geschichte der Karthager. München : Beck, 1985 (Handbuch der Altertumswissenschaft : Abteilung 3 ; Teil 8). ISBN 3-406-30654-3 (S. 284 – 424: XXVII. Der zweite Römische Krieg [dies ist eine Benennung des Zweiten Punischen aus karthagischer Sicht])

Serge Lancel, Hannibal : die Biographie. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Düsseldorf : Albatros-Verlag, 2000. ISBN 3-491-96005-3

Tassilo Schmitt, Hannibals Siegeszug : historiographische und historische Studien vor allem zu Polybios und Livius. München : tuduv-Verlagsgesellschaft, 1991 (Quellen und Forschungen zur antiken Welt ; Band 10). ISBN 3-88073-430-5

Jakob Seibert, Hannibal. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993. ISBN 3-534-12029-9

Jakob Seibert, Forschungen zu Hannibal. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993. ISBN 3-534-12091-4

Jakob Seibert, Hannibal. Feldherr und Staatsmann. Zabern : Mainz, 1997 (Zaberns Bildbände zur Archäologie). ISBN 3-8053-1800-6

Klaus Zimmermann, Rom und Karthago . 3., durchgesehene, bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2013 (Geschichte Kompakt). ISBN 978-3-534-26025-6 (Zweiter Punischer Krieg ist S. 45 – 83 dargestellt)

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