Kann man die sogenannte Ego/Ich-Auflösung mit kognitiver Dissonanz und Dissoziation erklären?

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4 Antworten

Ist diese spirituelle Erfahrung nichts weiter als (..) und Dissoziation?

Bei dem einen oder anderen Scheinerleuchteten könnte das durchaus zutreffend sein, ja.

Das Konzept von der Ich- bzw. Ego-Losigkeit ist das meist missverstandenste in der spirituellen Szene; Außenstehende, wie du, verstehen es aber noch weniger. Es gibt kein "Alles ist Eins Gepansche", in dem das Ego sich auflöst. Das "Ego" ist eine wichtige psychische Funktion, ohne die wir im Alltag nicht mehr funktionieren. Und auch Erleuchtete haben noch einen Alltag ;-))  

Keineswegs nämlich geht durch den Erleuchtungszustand das Gefühl für das Selbst verloren. Das persönliche Bewusstsein bleibt vollumfänglich erhalten und ist - ganz im Gegenteil zu dissoziativen Zuständen - erweitert, integrierend und vertieft; während die psychologischische Person mit all ihrem Wollen und Wünschen, und dem Leiden, was häufig daraus resultiert, durchaus zumindest temporär wegfallen kann. Aber nicht muss.        


Ich war lange wach in jener Nacht - weit über Mitternacht hinaus - und der Zustand vertiefte sich immer mehr. Während der ganzen Zeit blieb das relative Bewusstsein als Zeuge gegenwärtig. Die Persönlichkeit, einschließlich der körperlichen Form, schien auf einen Punkt wie Bedeutungslosigkeit zu schrumpfen. Das "Ich" breitete sich unendlich aus wie der Raum, alle Form einhüllend und durchdringend - wie mein persönliches Bewusstsein beobachtete. Soweit meine Gedanken reichten gab es keine Grenzen. Franklin Merrell-Wolff, Philosoph und Mathematiker

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Was geschieht, ist tatsächlich eine Vereinigung von Subjekt und Objekt, aber die beiden "verschmelzen" nicht in irgendeinem vereinigenden Magma.
(..) Ohne im geringsten meine Identität zu verlieren, während ich also, gewissermaßen in aller Legitimität, das bleibe, was ich bin, werde ich der Tisch, oder der Ofen, oder der Berg, oder die ganze Landschaft, aber jeder von diesen bleibt in seiner Integrität erhalten. A bleibt A, B bleibt B, und trozdem befindet sich A mitten in B und B mitten in A. Das Wunder könnte nicht stattfinden, wenn auch nur eines der beiden Elemente im Moment des Verschmelzens die Qualität seiner Einzigartigkeit verlieren würde.
Das Einzigartige ist gerade, dass zwei völlig verschiedenartige Wesenheiten sich zutiefst verbinden, wobei trozdem jede in ihrer ursprünglichen Andersartigkeit erhalten bleibt. Stephen Jourdain


Im Gegensatz zu den von dir genannten psychiatrisch psychopathologischen Konzepten haben wir es im Falle der Erleuchtung also mit einem erweiterten Selbstgefühl zu tun und anstelle von Abspaltung mit Integration.

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Natürlich. Immer wenn man merkt, dass etwas von dem man eigentlich überzeugt war nicht hinhaut, gibt es kognitive Dissonanz.

Aber deshalb ist Kenshō nicht gleichbedeutend mit kognitiver Dissonanz. Denn kognitive Dissonanz ist auch, wenn man rauskriegt dass der Osterhase eine Erfindung ist. Aber eben auch, wenn man merkt, dass das Ich eine Erfindung ist.

Der Unterschied? Am Osterhasen hängt nicht sonderlich viel. Am Ich-Bewustsein hängt aber buchstäblich alles. Deshalb ist das einige Nummern größer.

Mit Dissoziation verbinde ich das alles aber nicht. Das ist was pathologisches. Und geht noch dazu in die entgegengesetzte Richtung (Spaltung statt Einheit).

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Kommentar von Solnnis
24.02.2016, 10:56

Ok, nehmen wir mal an, dass das Ego nicht existiert. Was ist dann mit dem Körper? Existiert der auch nicht? Sind wir in Wahrheit das ganze Universum, so Pantheismus mäßig? 

Nene, da bleibe ich lieber bei meinem kühlen, rationalen gesunden Menschenverstand. 

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Man kann durch Übung einen (anfänglich sehr kurzen) Moment der Transzendenz erfahren.Transzendenz ist Bewußtsein ohne Gedanken, der reine Frieden. Sobald man diesen erfährt und wahrnimmt, ist man aus der Seligkeit auch schon wieder raus.

Das Ego zu überwinden - mit Ego sind ichbezogene Themen, die sich in Neid, Eifersucht, Gewalt, Lüge, Korruption und vielem mehr dieser leidvollen Haltungen äußern -, erfordert eine Schulung des Geistes. So wie ein Kind in zartem Lebensalter mit Turnen beginnt und durchlaufend später in Leistungsturnen übergeht und dadurch auch sichtbare, außerordentliche Ergebnisse vorweisen kann, erfordert die ständige Schulung des Geistes ein ebenso konsequentes Training, um diesen Zustand zu erreichen. 

Bei durchschnittlich 60.000 Gedanken pro Tag - davon sind sage und schreibe 3 % konstruktiv - der Rest zieht einen runter und ist repetitiv (... das  schaffe ich nicht, ... ich bin zu dick/dünn, ... ich brauch mehr Geld, nun, wir kennen das unsägliche Gedankenspiel wohl alle ...) kann man sich wage vorstellen, wie man innen drin tickt. Hier sein Ego zu überwinden, wird wohl zu Lebensaufgabe.

Sekten machen vieles, ob dieses Ziel auf deren Programm steht, nun, keine Ahnung.

  • Meditation ist ein hilfreiches Element der Individuation.
  • Sie führt auf Dauer unwillkürlich zur Überwindung dualistischer Denk- und Verhaltensmuster und stärkt auf diese Weise das Selbst- und Urvertrauen.
  • Richtig angewendet, macht Meditation bodenständig und vereinfacht den Lebensalltag

http://www.psp-tao.de/meditation

🙋


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Warum sollte jemand so etwas verrücktes tun ? Das Ego kann niemand auflösen :D

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Kommentar von Solnnis
24.02.2016, 10:43

Google das doch mal. Es gibt zahlreiche Gruppierungen, Sekten und spirituelle Richtungen hier in Deutschland die genau das anstreben wollen, aus welchem Grund auch immer. 

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