Ist die Vulgata eine gefälschte Bibel die an 3500 Stellen verändert wurde oder ist es eine seriöse lateinische Übersetzung?

13 Antworten

Hier findest du einen kurzen Überblick über die Entstehung der Vulgata:

https://www.die-bibel.de/bibeln/bibelkenntnis/wissen-bibeluebersetzung/geschichte-der-bibeluebersetzung/vulgata/

Das Wichtigste daraus in Kürze:

"Zusammengenommen ist also die Vulgata keineswegs einheitlich, und man kann sie nur in einem weiteren Sinne als Werk des hl. Hieronymus bezeichnen, da von ihm der größere Teil stammt....

Das führte dazu, daß Italien, Spanien, Gallien und Irland je ihre eigenen Rezensionen überliefern, die sich deutlich voneinander abheben....

 Im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) wurde eine Nova Vulgata geschaffen, welche die Vulgataübersetzung anhand des hebräischen und griechischen Grundtextes überprüfte und stilistisch überarbeitete. ...

Der wissenschaftlich maßgebliche Text der Vulgata ist heute die von Robert Weber und Roger Gryson herausgegebene Biblia Sacra Vulgata."

Danke, Ich lese aus diesen Erklärungen heraus, dass die Vulgata der Versuch war, die vorhandenen Schriften der Bibel in einem einheitlichen Latein zusammenzufassen und nicht dass man versucht hat absichtlich massiv die Bibel zu verändern. Das eine Übersetzung immer gewisse Unterschiede hat ist normal. Wenn man aber behauptet die Vulgata hätte absichtlich an 3500 Stellen die Originaltext verfälscht ist aus meiner Sicht schon Verleumdung

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Grundsätzlich muss man sagen:

Es gibt nirgendwo eine Originalhandschrift von einem der Bibelbücher.

Also hat es schon immer Abweichungen dadurch gegeben, dass beim Abschreiben was schief gelaufen ist. Oder weil mündliche Überlieferungen unterschiedlich verschriftlicht und später angeglichen wurden. Und je nachdem, welches die Vorlage war, wurden diese Abweichungen in sog. Handschriftenfamilien weiter überliefert.

Dementsprechend schauen Fachleute heute, von welchen der bekannten Handschriftenfamilien bestimmte Übersetzungen stammen. Manchmal hat sich in einer guten Übersetzung eines ältere Textform erhalten.

Das alles ist ein relativ komplexes Forschungsgebiet. Dabei gibt es beim Übersetzen immer wieder die Möglichkeit, dass ein und derselbe Begriff unterschiedlich übersetzt werden kann. Und es kommt vor, dass bei der Auswahl des Begriffs theologische oder andere Interessen den Ausschlag gaben.

Von "Fälschungen" sprechen da meist nur Menschen in polemischer Absicht, die von den jeweiligen Sprachen und ihren Übersetzungsmöglichkeiten keine Ahnung haben und sich wiederum nur auf Übersetzungen dieser Ausgaben in die eigene Sprache leiten lassen. (Die also z.B. eine Lutherbibel mit einer Übersetzung der Vulgata ins Deutsche und einer englischen Übersetzung vergleichen.)

Da es inzwischen zu allen diesen Übersetzungen kritische Ausgaben gibt, in denen die jeweiligen Abweichungen dokumentiert sind und man sich da mit wenig Aufwand ein eigenes Bild machen kann, erschließen sich die meisten Unterschiede und Abweichungen. Von echten Fälschungen kann fast nie die Rede sein. Zumal es oft sachliche Gründe gibt, die man nachvollziehen kann - aber halt auch nicht muss: Man kann sich begründet anders entscheiden.

Gefälscht ist ein unglücklicher Ausdruck, der Absicht impliziert. Fehlerhaft trifft es besser. Die Vulgata ist nämlich die Übersetzung einer Übersetzung, weil Hieronymus kaum Hebräischkenntnisse besaß. Eine Übersetzung muss sich aber an der Ausgangssprache orientieren. Die griechische Septuaginta hat mehr Klasse.

Dass die katholische Kirche die Vulgata anerkennt und nutzt, hat mal gar nichts zu sagen. Der Klerus hat noch nie viel Wert auf genaue Übersetzungen gelegt. Es ist seit eh und je ein offenes Geheimnis, dass gerade der Katholischen Kirche ihre unbiblischen Traditionen wichtiger sind. Natürlich sind die meisten Bibelübersetzungen stark von der kirchlichen Auslegungstradition beeinflusst. In groben Zügen nehmen sie sich nicht viel, nur sehr wenige blitzen wie Diamanten aus dem biblischen Einheitsbrei hervor, z. B. die Dhabar und das Konkordante Neue Testament.

Woher ich das weiß:Recherche

Die Auseinandersetzung welche Bibel denn nun die "richtige " ist, wird vor allem von evangelikalen Christen geführt. Diese grenzen sich mit Spitzfindigkeiten gegeneinander und zu anderen Konfessionen ab und verbraten sich dabei in Kleinkriegen, um ihre Interpretation der Bibel als einzig gültige zu erklären. Wenn du mal zu viel Zeit hast google das Thema "King James Bilble" oder z.b. Jack Chick. Aber sage nicht ich hätte dich nicht gewarnt.

Das Problem ist das Wörter sich nicht immer 1:1 übersetzen lassen, mehrere Bedeutungen haben können oder sich ihr Sinn im laufe der Zeit ändert.

das Thema ist aber so komplex das man darüber mehrere Doktorarbeiten schreiben könnte.

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