Ist der Urknall bewiesen oder nicht?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo AhsokaT,

Dein Problem löst sich, wenn man weiß, dass in der Naturwissenschaft der Begriff "Theorie" etwas anderes bedeutet als in der Umgangssprache.

In der Umgangsprache ist "Theorie" ja so was wie Gegenteil von Praxis. Eine Idee, die auf dem Papier funktioniert, in der Praxis aber noch nie geprüft wurde. Niemand würde zu jemanden ins Auto steigen, der nur theoretisch weiß, wie's geht...

In der Naturwissenschaft bezeichnen wir Ideen, die bislang nur auf dem Papier existieren nicht als Theorie, sondern als Hypothese, als ungeprüfte Annahme.

Eine Theorie ist in der Naturwissenschaft erheblich mehr. Es ist ein geschlossenes Erklärungsmodell, muss also Beobachtungen erklären können. Es muss konkrete und möglichst exakte Vorhersagen über Vorgänge in der Natur machen, an denen wir die Theorie prüfen können: Man sagt genau: Eine naturwissenschaftliche Theorie muss an der Beobachtung scheitern können. Eine naturwissenschaftliche Theorie muss außerdem frei von äußeren und inneren Widersprüchen sein. Was heißt das? Sie darf keine widersprüchlichen Vorhersagen liefern und darf auch keiner bereits in Beobachtungen bestätigten Aussage widersprechen.

Wie Du siehst, ist das erheblich mehr als eine bloße Annahme/Hypothese.

Es hört aber hier noch nicht auf. Bestätigen sich die Vorhersagen der Theorie durch Beobachtung/Experiment/Anwendung, so gilt die Theorie als bestätigt. Passiert das zuverlässig reproduzierbar immer und immer wieder, so gilt die Theorie als gesichert.

Gesichert eben durch sie immer und immer wieder erfolgreich bestätigende Beobachtungen.

Der Punkt ist aber, dass Naturwissenschaft nie von "erwiesen"/"bewiesen" spricht. Naturwissenschaft beweist nicht, sie widerlegt.

Wissenschaft ist eine Methode. „Es ist die Methode, kühne Hypothesen aufzustellen und sie der schärfsten Kritik auszusetzen, um herauszufinden, wo wir uns geirrt haben." schreibt Karl Popper.

Damit ist gemeint, dass eine naturwissenschaftliche Aussage immer(!) auf dem Prüfstein der Beobachtung bleibt. Mit verfeinerten Messmethoden können wir unter Umständen ja einmal Ergebnisse finden, die dazu führen, dass wir eine an bisherigen Messungen durchaus bestätigte Theorie noch einmal im Detail anpassen müssen.

Gesicherte Theorien werden dabei nicht komplett verworfen/widerlegt, weil sie ja sehr viele Beobachtungen vorweisen können, in denen sich gezeigt hat, dass sie die Natur gut beschreiben.

Eine neue, erweiterte Theorie muss daher immer die alten, bestätigten als Grenzwert im Rahmen bisheriger Messgenauigkeit enthalten. Neuere Theorien sind also Vertiefungen der alten. Wir erkennen die alten Vorstellungen als "klassische" Grenzwerte der neuen Vorstellungen.

Weil sich aber die Vorstellungen über die Natur verändern können, sich unser Wissen vertiefen kann, sprechen Naturwissenschaftler halt von "Theorien" - und versuchen damit zum Ausdruck zu bringen, dass wir von Erklärungsmodellen sprechen, von denen wir nie sicher wissen können, ob sie einen endgültigen Grad der Genauigkeit erreicht haben - oder überhaupt erreichen können.

Konkret zum Urknall: Der heiße, dichte Anfang unseres Universums gilt durch zahlreiche Beobachtungen - nur eine davon ist die Hintergrundstrahlung - als sehr gut gesichert. Weitere Bestätigungen findet der Urknall z.B. in der beobachteten Elementhäufigkeit, die sich sehr gut durch die Primordiale Nukleosynthese beschreiben lässt.

Wie der Urknall aber genau ablief, ist auch heute noch nicht experimentell bestätigt und auch nicht geschlossen durchgerechnet. Falls Du Englisch kannst, hier ist ein sehr guter Text, der recht gut zusammenfasst, wie weit die experimentellen Bestätigungen gehen.

http://profmattstrassler.com/2014/03/26/which-parts-of-the-big-bang-theory-are-reliable/

Viele Grüße

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Diplom in Physik, Schwerpunkt Geo-/Astrophysik, FAU

Wieder mal ein hervorragender Beitrag. Ich möchte mir erlauben, den bei Gelegenheit zitieren zu dürfen.

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Vielen Dank für das Sternchen, ich freu' mich sehr!

=D

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Man kann sie nicht so recht beweisen, weil so lange her. Zu dem Zeitpunkt herrschten wohl auch arg seltsame Bedingungen, die es heute nicht mehr gibt und welche sich nicht so recht nachstellen lassen.

Es ist nur eine Theorie, da man es nicht direkt nachweisen kann. Zwar über die Restwärme im All oder wie du sagst durch irgendwelche "Hintergrundstrahlung" etc. konnte man es berechnen, doch da man nicht 100% beweisen kann, woher diese Phänomene herkommen (da der Urknall schließlich einmalig ist und in der Vergangenheit liegt) ist es eben nur eine Theorie.



Warum soll das Universum immer entstanden sein, noch dazu aus einem Urknall??? Die Möglichkeit das alles immer schon da war, vielleicht nicht das was wir heute sehen, aber das Universum, die Universen an sich???

Es gilt als bewiesen, dass jede Galaxy ein supermassereiches schwarzes Loch im Zentrum hat.

Wer sagt das nicht auch jedes Universum ein noch viel größeres quasi super, super, supermassereiches schwarzes Loch enthält??? 

Somit also jedes Universum wie eine art Galaxy aufgebaut ist, es ist bei den Atomen so, es ist bei den Sonnensystemen so, es ist bei den Galaxien so also was hält die Leute davon ab, davon auszugehen das ein Universum ähnlich aufgebaut sein könnte???

Es könnte doch sein das ein solches super, super, supermassereiches schwarzes Loch im Zentrum eines Universums, auch einen Punkt erreichen kann, an dem es zu einer Art Hypersupernova oder wie man das dann nennen möchte, dieses schwarzen Loches kommt.

Das würde bedeuten, dass eines dieser schwarzen Löcher explodiert ist und wir noch immer in der Ausdehnung dieser Explosion sind, also die dunkle Materie und die dunkle Energy nicht von einem Urknall herrühren sondern von dieser Explosion und sich das Universum was wir kennen deswegen mit annähernd Lichtgeschwindigkeit ausdehnt. 

Das würde alles erklären ohne so einen Schwachsinn wie den Urknall. Ein chinesischer Wissenschaftler sagte einmal, man sollte alles mit gesundem Menschenverstand hinterfragen und meiner sagt mir, dass ein Urknall wo aus dem nichts alles entstand, absoluter müll ist, es ist vollkommener Schwachsinn und traurig das dies unter Wissenschaftlern echt anerkannt ist.



Hallo! Zunächst ist eine Theorie vereinfacht ausgedrückt ein Denkansatz und da kann es natürlich viele auch nebeneinander geben. Nach heutigem Wissen ist der Urknall die wahrscheinlichste Theorie - nicht mehr und nicht weniger. Und einen Beweis für diese Theorie gibt es nicht und wird es auch nie geben können weil wichtige Kriterien wie Wiederholbarkeit in der Praxis fehlen.

Ich wünsche Dir alles Gute.

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