In sozialen Situationen extrem überfordert

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Du hast mit Asperger-Syndrom getaggt.
Was du beschreibst, gehört nicht zum Asperger-Syndrom. Das klingt viel mehr nach einer Sozialphobie.
Hast du eine der beiden Diagnosen? Oder ist deine Frage eher, ob und wenn was davon zutreffen könnte?

In dem was du beschreibst, sehe ich keinen Asperger-Autismus.
Eine Sozialphobie ist behandelbar. Ggf. hilt dir erst mal ein Gang zu einem Psychiater für die Diagnosestellung, wenn du da noch nichts gemacht hast in der Richtung.

Das sind ja nicht die einzigen "Probleme", die ich habe.

Ich kann zum Beispiel nicht in die Augen anderer schauen und muss jeden Tag dasselbe tun. Nicht jedes Mal dasselbe essen, aber es gibt schon einige Dinge, die ich immer tun muss, sonst wird mir sehr komisch.

Und ich möchte außerdem nicht wirklich sozialen Kontakt haben. Mich interessieren Menschen nicht wirklich. Nur möchte ich auch nicht negativ auffallen und habe Angst, mich zu blamieren und Probleme, andere anzusprechen.

Wenn ich Interesse an etwas zeige, dann ziehe ich das auch alles durch (und meine Interessen sind total anders als der Durchschnitt), ich übertreibe mit Wissen ansammeln etc.

Ich achte auf Sachen und denke über Sachen nach, die sonst keiner tut. Ich wirke distanziert. Und ich verstehe meistens nicht, wie ich mich in sozialen Situationen verhalten soll oder ich verstehe nicht, was die anderen mit ihren Gesten meinen oder dem Gesichtsausdruck, und wenn man mir etwas verbal mitteilt (zum Beispiel eine Aufforderung), dann verstehe ich das auch manchmal nicht, so, als würde mein Gehirn das nicht verarbeiten. Mir wird auch gesagt, dass ich sehr träge bin und eher emotionslos. Sind das nicht Symptome für beide Krankheiten?

0
@Fertippt

Das, was du in deiner Frage beschrieben hast, gehört dennoch nicht zum Asperger-Syndrom. Eine Sozialphobie kann man aber auch als Autist entwickeln, das macht die in deiner Frage genannten Symptome jedoch nicht zu AS-Symptomen.
Du beschreibst ja ganz klar Ängste.

Nun zu dem, was du im Kommentar schreibst:
Kein Augenkontakt, nunja, schüchterne Menschen oder ängstliche Menschen meiden auch Augenkontakt. Da ist dann die Frage: Warum meidest du Augenkontakt?
Immer dasselbe machen müssen: Stört dich das oder gibt dir das Sicherheit und beruhigt dich? Da muss man Zwänge von autistischen Routinen abgrenzen.

Keinen sozialen Kontakt haben wollen: Das geht manchen Autisten so, jedoch längst nicht allen. Viele hätten gerne Kontakte und können sie nicht initiieren oder halten.
Ich bin Asperger-Autist. Angst davor, mich zu blamieren, ist nicht der Grund, warum ich Probleme mit dem Ansprechen von Menschen habe.

Ok, das kann auf Spezialinteressen schließen lassen und zu Autismus gehören.
Auch dein letzter Absatz kann eher auf Autismus hindeuten, wobei Emotionslosigkeit dann eher nur eine Außenwirkung sein sollte. Autisten sind nicht emotionslos, werden aber mitunter so wahrgenommen.

Autismus ist übrigens keine Krankheit sondern angeboren.
Da müssten also auch Symptome schon in früher Kindheit vorgelegen haben.

Ich rate dir, einen auf Autismus spezialisierten Psychiater zurDifferentialdiagnose aufzusuchen. Der wird eher sagen können, ob du Sozailphobie, Autismus oder beides hast. Deiner Beschreibung nach, wenn du Autist sein solltest, hast du noch weitere Probleme, die sich nicht allein durch Autismus-Symptome erklären lassen.

1
@Rechercheur

Kein Augenkontakt, nunja, schüchterne Menschen oder ängstliche Menschen meiden auch Augenkontakt. Da ist dann die Frage: Warum meidest du Augenkontakt?

Ich fühle mich extrem unbequem, wenn ich in Augen schaue. Sobald ich angeschaut werde, kann ich meine Mimik nicht mehr kontrollieren, weil das so unangenehm ist. Deswegen schaue ich weg. Auch wenn mir das nicht unangenehm wäre, würde ich nicht in Augen schauen wollen, denn mir gefällt es einfach nicht. Ich kann es nicht erklären, ich finde es seltsam.

Immer dasselbe machen müssen: Stört dich das oder gibt dir das Sicherheit und beruhigt dich? Da muss man Zwänge von autistischen Routinen abgrenzen.

Nein, es stört mich nicht, es ist gut so und soll so bleiben, es gibt mir innere Ruhe und Sicherheit!

Viele hätten gerne Kontakte und können sie nicht initiieren oder halten.

Das ist bei mir ganz verschieden. Im Moment habe ich überhaupt keine Lust auf soziale Kontakte. Ich kann nur Kontakt zu denen aufrecht erhalten, die ich schon seit meiner Kindheit kenne. Mit neuen Personen kann ich nicht sozial interagieren. Wenn meine Soziophobie für eine kurze Zeit unterbunden ist bzw. ich sie aktiv bekämpfe, dann kann ich den Kontakt nicht aufrecht erhalten, weil ich nicht weiß, wie ich reagieren soll, was die Person denkt, was sie von mir möchte und was ich generell sagen soll. Das endet dann meistens bei mir immer in Katastrophen und die Leute glauben, ich wäre komisch und der Kontakt ist abgebrochen. Die meisten Menschen verstehe ich überhaupt gar nicht. Ich kann nur mit Menschen kommunizieren, die genau dieselben Interessen wie ich haben und die genauso sind wie ich. Vom Verhalten und von der Gefühlswelt. Bisher habe ich noch nie einen Gleichgesinnten getroffen.

wobei Emotionslosigkeit dann eher nur eine Außenwirkung sein sollte. Autisten sind nicht emotionslos, werden aber mitunter so wahrgenommen.

Genau, ich habe natürlich Emotionen, nur anhand meines Gesichtes erkennt man schon, dass ich so gleichgültig wirke. Wenn ein Witz gemacht wird, den ich innerlich total lustig finde, ist nicht mehr als ein Zucken der Gesichtsmuskeln oder ein kleines Grinsen drinne. Das liegt nicht an der Soziophobie, ich könnte lachen, aber irgendwie ist da trotzdem nichts bei mir drinne. Ich lache höchstens, wenn ich Gegenwart von sehr wenig bestimmten Menschen bin. Nur bei ihnen zeige ich Emotionen. Aber auch nicht alle Emotionen, selbst nicht bei meiner Mutter. Generell wirkt mein Gesicht ein wenig versteinert, auch jetzt. Kann auch an einer Depression liegen, denn ich bin manchmal in der Lage, wenn ich plötzlich gut gelaunt bin, ein wenig fröhlicher zu wirken, aber das war es dann auch.

Autismus ist übrigens keine Krankheit sondern angeboren. Da müssten also auch Symptome schon in früher Kindheit vorgelegen haben.

Ich kann mich an folgende typische Asperger-Symptome in meiner Kindheit erinnern:

Unfähigkeit, mit Gleichaltrigen zu interagieren

mangelnder Wunsch, mit Gleichaltrigen zu interagieren

sozial und emotional unangemessenes Verhalten

seltsame Prosodie, eigenartige Stimmmerkmale

begrenzter Blickkontakt

begrenzte Gestik

begrenzte Mimik

unbeholfene oder linkische Körpersprache

(oberflächlich gesehen) perfekter sprachlicher Ausdruck --> wäre ich nicht soziophob, dann würde ich nur so sprechen, wie ich in Deutschklausuren schreibe, denn ich forme manchmal komplizierte im Kopf, aber wenn ich versuche, sie auszusprechen, versage ich, weil ich nicht selbstsicher bin.

Dies sind alles Punkte, die von meiner alten Lehrerin und von meinem Umfeld bei mir beobachtet worden sind. Auch habe ich angefangen, mich selber zu analysieren.

Es könnte auch alles nur Schüchternheit, Depression und Soziophobie sein. Oder ich bin einfach von der Persönlichkeit her ein wenig sehr seltsam. Muss ja nicht direkt ein Autist sein, aber selbst wenn, ist es ja auch irgendwie egal. Ob meine Persönlichkeit jetzt als autistisch oder als ein irgendein anderes Fachwort bezeichnet wird ist eigentlich irrelevant.

Ich habe einen Termin beim Psychologen, noch diesen Monat, da lasse ich mich auf Zwangsstörungen, Depression, Soziophobie und Autismus einfach testen. Ich befand mich ja vor ca. 6 Jahren bei einer Psychologin, weil ich gemobbt wurde und ich kann mich noch erinnern, dass ich viel zu perfektionistisch war und schon mit 10 oder 11 an einer Depression litt. Ich wurde nicht weiter untersucht; die Ärztin hatte aber die Vermutung geäußert, dass ich auch leicht autistisch sein könnte, weshalb mich jetzt gerade einerseits dieses Thema interessiert.

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie es sich als ein normaldenkender Mensch anfühlt. Kann das denn irgendjemand, dem es psychisch noch nie gut ging?

0
@Fertippt

Ob meine Persönlichkeit jetzt als autistisch oder als ein irgendein anderes Fachwort bezeichnet wird ist eigentlich irrelevant.

Nicht, wenn es um angemessene Hilfe geht. "Normale" Therapien gehen bei Autisten mitunter nach hinten los. Da muss man sich schon an jemanden wenden, der sich mit Autismus auch auskennt.

Ist dieser Psychologe auf Autismus spezialisiert? Sonst kannst du davon ausgehen, dass er Autismus eher ausschließt, selbst wenn er vorliegt.
Zudem können nur Ärzte, also Psychiater, Diagnosen stellen. Psychologen nicht.
Ich rate dir sehr, da einen Spezialisten aufzusuchen, der das differentialdiagnostisch abklären kann!

Was noch fehlt in Bezug auf Autismus:
Overloads/Reizüberflutungen, Stimming (selbststimulierendes Verhalten). Darüber Schreibst du gar nichts. Also die gesamte Wahrnehmungsschiene.

0
@Rechercheur

Overloads/Reizüberflutungen, Stimming (selbststimulierendes Verhalten)

Das weiß ich leider nicht genau, das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich gerne meine Hände irgendwo einquetsche, zum Beispiel, wenn ich in der Fahrschule auf dem Platz sitze, aber weil ich nervös bin oder mir kalt ist. Oder wenn ich schlafe, denn das Händequetschen ist mir dann angenehm. Was ist mit Reizüberflutungen denn gemeint? Wenn viele Sachen gleichzeitig passieren, bin ich sofortig überfordert.

0
@Fertippt

Reizüberflutungen können alle Sinne betreffen.
Beispiele, es gibt mehr und nicht alles davon trifft auf jeden Autisten genau gleich zu:

Optische Reize: Flackernde Lampen (was Nicht-Autisten ggf. nicht mal sehen), Sonnenlicht, bestimmte Farbkombinationen, zu viele animierte Grafiken, ...
Da kann es zum Beispiel sein, dass man einen Overload bekommt wegen flackerndem Licht.

Auditive Reize: Musik, Geräusche, ...
Bekanntestes Beispiel dürfte sein, dass Autisten sehr schwer Geräusche filtern können. Also, während bei NA (Nicht-Autisten) das Gehirn in einer Kneipe mit Musik und mehreren Unterhaltungen alle Geräusche runterregelt, bis auf den direkten Gesprächspartner, funktioniert das bei Autisten oft nicht gut. So kann der Autist Gesprächen in geräuschvoller Umgebung schlechter folgen.

Olfaktorische Reize: Parfums, bestimmte Gerüche, ...

Haptische/taktile Reize: Bestimmte Stoffe, (unerwartete) Berührungen, ...
Bekannt ist, dass viele Autisten zum Beispiel sich von den Waschzetteln in Kleidung stark gestört fühlen.

Gustatorische Reize: Häufig beschrieben ist, dass Autisten nicht gerne verschiedene Nahrungsmittel zeitgleich in den Mund nehmen. Ich zum Beispiel esse deshalb nicht gerne Eintöpfe oder Hamburger. Ob das jetzt eher gustatorisch oder haptisch ist ... Es kann auch an den verschiedenen Konsistenzen im Mund liegen statt an den Geschmäckern.

Es kann da auch Wechselwirkungen geben zum Beispiel, also dass man sich auf ein Gespräch nicht mehr gut konzentrieren kann, wenn ein Geruch das überlagert.
Oder dass man sich nicht aufs Schreiben oder Lesen konzentrieren kann, während Musik läuft. Lauter solche Sachen.

Zu viele Reize auf einmal können dann einen Overload auslösen, der in einem Shutdown oder Meltdown münden kann, wenn man sich den Reizen nicht entziehen kann.

1

Ich würde schon sagen, dass du Anteile einer Asperger-Symptomatik ausweist. Daher würde ich dir raten, dass so bald wie möglich mit einem Facharzt (für Psychiatrie) zu besprechen und so bald wie möglich eine Verhaltenstherapie zu beantragen bzw. dir einen Therapeuten zu suchen, damit du lernst, besser damit umzugehen. Es geht nicht darum, dass unbedingt attestiert zu bekommen, sondern dass du Hilfe bekommst, damit du dich in solchen Situationen nicht mehr wie der absolute Versager fühlst, sondern eine andere Strategie entwickeln kannst. Ich habe das selbst auch schon sehr oft erlebt! Wenn ich einen VHS-Kurs mitgemacht habe und man kam dann immer dran, wenn es reih-um ging, stand ich auch immer voll unter Druck und hab dann gar nicht antworten können! Daher würde ich das an deiner Stelle jetzt auch mit den verantwortlichen Lehrern und dem Fahrlehrer direkt ansprechen, damit die wissen, was Sache ist. Du musst ihnen erklären, dass dann bei dir diese Anspannung entsteht und dass es nicht so ist es, dass du es nicht weißt! Dann wird man für dich auch mehr Verständnis aufbringen und dir helfen können und/oder eine andere Möglichkeit finden, damit du dich auch einbringen kannst! Schreib mir, wenn du noch mehr Tipps brauchst! :-)

du bist kein unsozialer mensch, du hast eine soziale phobie. die ist behandelbar. such dir hilfe bei einem therapeuten oder psychologen. du kannst auch mit deinem hausarzt sprechen.

Junge, du hast ein echtes Problem und solltest eine Gesprächstherapie machen. Vermutlich hat dir das Mobbing in der Schule so derart zugesetzt, dass dein Selbstbewusstsein völlig zerbröselt ist und das ist ja auch kein Wunder. Du kannst dich an deinen Hausarzt wenden und ihm sagen, dass du unter Panikattacken leidest und eine Überweisung zum Psychologen möchtest, oder du wendest dich direkt an deine Krankenkasse. Das ist keine Schande und du kannst da auch nichts für. Also such dir Hilfe. Ich habe das in deinem Alter auch erlebt, bitte nimm meinen Rat an. Es hilft.

Ich würde dir auch zu einer Therapie raten. Du wirst im Studium und später im Job immer wieder mit derartigen Situationen konfrontiert werden und von alleine scheint das ja nicht zu verschwinden.

Nach allem, was du hier schreibst, hast du nicht das Asperger-Syndrom, sondern eine Sozialphobie.

Hattest du nicht auch irgendwo erwähnt, dass du darauf bereits diagnostiziert bist?

Nein, offiziell nicht, ich vermute nur sehr stark, dass ich an Soziophobie leide. Bei dem Asperger-Syndrom bin ich mir nicht so sicher. Aufjedenfall hatte ich nie wirklichen Kontakt gerne mit Menschen, konnte mich nie mit ihnen verständigen, mache lieber Sachen alleine, schaue nicht in Augen anderer, da es mir unangenehm ist und beim Gespräch ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll und fühle mich schnell beleidigt, wenn jemand nicht mehr mit mir sprechen möchte (wenn ich überhaupt mit den Leuten kommuniziere) oder wenn sie seltsam reagieren, sodass ich das nicht verstehen kann. Ich habe einen Face Test online durchgeführt und ich kann eigentlich alle Emotionen zuordnen, nur im echten Leben wird es dann mit der allgemein Kommunikation sehr schwierig. Alle Tests, die ich bisher durchgeführt habe, dueten auf das Asperger-Syndrom hin, kann aber auch an meiner Soziophobie liegen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich keine Angst vor Menschen hätte, dann würde ich mich öffentlich zwar wohler fühlen, ABER ich könnte trotzdem nicht mit Menschen kommunizieren und würde lieber alleine meine Sachen durchziehen und würde die Kommunikationsregeln immer noch nicht verstehen.

0
@Fertippt

Dann solltest du dich bei einem Experten testen lassen; nur das kann dir Sicherheit geben.

0

Was möchtest Du wissen?