Gegenüberstellung von Christentum und Esoterik?

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16 Antworten

Das kommt ausschließlich auf den guten Willen bzw. die geistige Beweglichkeit desjenigen an, der das tun möchte. Aus der Sicht des Christentums ist die Esoterik ein Sammelsurium aller möglicher Überzeugungen, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben oder im Gegensatz zu ihm stehen, auf jeden Fall gibt es nicht DIE Esoterik.

Wenn du dich ernsthaft damit beschäftigen möchtest, lies doch mal profunde Erörterungen dazu. Du kannst ganz einfach auf Wikipedia damit anfangen: https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik

Dich dürfte z.B. 'Esoterik als Denkform: Das Faivre-Paradigma' interessieren, die Ansicht, dass 'man Esoterik als eine Denkform betrachten könne, die im Gegensatz zu wissenschaftlichem, mystischem, theologischem oder utopischem Denken steht.'

Die Kirchen lehnen Esoterik ab, was kein Wunder ist, denn teilweise stehen die esoterischen Lehren, Horoskope, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hexenwesen, Hellseherei und Befragen von Medien in direktem Widerspruch zur Bibel und wurden dort schon verurteilt.

Ja, klar geht das. Ich kenne selbst eine ganze Reihe Leute, die das auf die eine oder andere Weise tun.

Seit es Religionen gibt, vermischen sich ständig die Einflüsse verschiedener Denkrichtungen und bilden neue Synthesen. So wie das Christentum zum Beispiel in seiner Geschichte die Einflüsse der griechischen - insbesondere der Platonischen - Philosophie aufgenommen hat, was dann zum Beispiel zur Scholastik führte. Oder wie man heute religiöse und naturwissenschaftliche Weltbilder zusammenbringt.

Hier in diesem Wikipedia-Artikel wird das Phänomen im Allgemeinen beschrieben und an einigen Beispielen verdeutlicht - wobei meine beiden Beispiele glaube ich strenggenommen nicht darunter fallen, sondern nur ähnlich gelagert sind:

https://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismus

Es gibt sogar Leute, die versuchen, eigentlich alle Denksysteme der Menschheit (und darunter fallen auch die Religionen) zu einem großen System zu vereinen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Integrale_Theorie

Kurz gesagt glaube ich, dass es in der Religion so etwas wie eine "reine Lehre" eigentlich gar nicht geben kann, sondern dass jede Religion sich immer in einem Netzwerk anderer Weltdeutungssysteme, von denen sie ständig beeinflusst ist, bewegt.

Hallo natalia...,
gar keine Frage - NATÜRLICH...! :- )

Allerdings muss bei bei allem erst einmal erkunden, WAS Esoterik oder Religion überhaupt sind. Religion und Esoterik sind weder Konkurrenz, noch vergleichbar. Beiden gemein ist lediglich, dass sie sich mit physisch Unfassbarem befassen.

Ausgehend vom griechischen "Esoteros" befasst sich die Esoterik mit dem nur Eingeweihten bekannten "inneren Kreis" des Menschen, der Seele und im weitesten Sinne auch der Psyche. Der Begriff ist erst im 19. Jahrhundert aufgetaucht (erstmals 200 n.Chr. thematisch von Exoterik unterschieden). Um Esoterik richtig zu verstehen, hilft es, sich erst mit den Inhalten von Gurdjieff und seinem Schüler Ouspensky zu befassen. Auf beide geht die moderne Esoterik im Wesentlichen zurück.
Laien machen daraus gerne einen "Geheimkult"; ist es aber wahrlich nicht. Es geht darin um den Bereich der spirituellen Bewusstwerdung.

Um den oft falsch benutzten Begriff besser zu erfassen, mag es helfen, nicht gleich alles Metaphysische als Unsinn abzutun, sondern erst einmal als "Unverstandenes" zu erkennen und dann soweit man kann, näher zu untersuchen und zu verstehen. Manche nennen aber gleich alles, was sie nicht verstehen "esoterisch" oder qualifizieren alles erstmal als "kindlichen Aberglauben" ab. ;- ))

Las mich nachfragen, natalie...,
Was möchtest du von beiden "vereint" haben und ...wofür?

Unterschied zwischen Esoterik und einem Glauben an Gott:

  • Wer an Gott glaubt, weiß, dass Gottes Existenz mit Hilfe von Wissenschaft weder beweisbar noch widerlegbar ist. An Gott zu glauben bedeutet, den Eindruck zu haben, seine Existenz zu erahnen, zu erfühlen, oder mindestens seine Nicht-Existenz für ebenso unwahrscheinlich zu halten wie seine Existenz.
  • Esoterisches Gedankengut aber ist das Gedankengut derer, die glauben, wissenschaftlich zu denken, es aber in Wirklichkeit eben doch nicht können: Sie denken zu wenig logisch, weswegen ihnen oft als plausibel oder gar als Tatsache erscheint, was durch keinerlei streng logische Überlegung begründbar ist. Sie verwechseln Theorien mit Gewissheit.

Esoterisches Gedankengut aber ist das Gedankengut derer, die glauben, wissenschaftlich zu denken, es aber in Wirklichkeit eben doch nicht können

Genau das ist auch Religion!

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@Omnivore13

Falsch, denn:

  • Glaube an Gott ist eine Überzeugung, von der der Glaubende weiß, dass sie nicht beweisbar ist.
  • Esoterik aber ist eine Überzeugung, die der Glaubende fälschlicherweise für beweisbar erachtet.

Das ist ein ganz gewaltiger Unterschied. 

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@grtgrt

Wenn jemand "glaubt", dass der Mensch durch die Hand Gottes entstand, wenn jemand glaubt, dass die Erde durch die hand Gottes entstand, dann ist das wissenschaftlich unhaltbar. Diese Thesen wurden LÄNGST widerlegt.

Und wer weiter an diesen Unsinn glaubt, der IST Esoteriker, da er grundlegende bewiesene tatsachen leugnet!

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Das ist eine gute Frage, meist geht hier auf gutefrage,net dabei die Post ab.

Ich kenne Christen die ihrem Glauben die ein oder andere esoterische Theorie hinzugefügt haben ohne Angst zu haben dafür im ewigen Höllenfeuer zu brennen. Bei anderen ist das alles ganz böse und kommt vom Teufel.

Also ja es ist möglich wenn man nicht fanatisch ist und sich freies Denken erlaubt.

Viele Grüße 👍👍👍😀😀😀

das exoterisches christentum ist das biblische.

daneben gibt es aber auch noch ein esoterisches christentum, worüber es sich verbietet, bei GF zu schreiben (verbale lynchgefahr)

Oh wie recht du hast. 👍👍👍

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esoterisches christentum

Wat dat?
Du meinst die Anthroposophie von Rudolf Steiner, nicht wahr?

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Beides ist kein Gegensatz, und einiges, was man in der Esoterik findet (z.B. die Lehre von der Wiedergeburt) kannten wohl schon Jesus und seine Zeitgenossen.

Oder warum sonst sollten ihn seine Jünger fragen: "Wer hat gesündigt, dieser hier oder seine Eltern", als Jesus einen Blindgeborenen heilt? Das macht nur Sinn, wenn man an Wiedergeburt glaubt.

Beides ist kein Gegensatz, und einiges, was man in der Esoterik findet (z.B. die Lehre von der Wiedergeburt) kannten wohl schon Jesus und seine Zeitgenossen.

Das Wort "Wiedergeburt" kommt zwar in manchen Bibelübersetzungen vor, nur was damit gemeint ist, hat mit der esoterischen Wiedergeburt (=Reinkarnation") nichts zu tun.

Wiedergeburt im biblischen Sinn meint, dass das Leben eines Menschen neu wird, wenn  er sich Christus zuwendet.

Laut Bibel stirbt jeder Mensch nur einmal:

Hbr 9,27 So wie jeder Mensch nur einmal sterben muss, danach kommt er vor Gottes Gericht ...

Hier wird es so selbstverständlich vorausgesetzt, dass niemand mehrfach stirbt (wie es bei esoterischer Wiedergeburt der Fall sein müsste), dass klar ist, dass den ersten Christen eine Lehre der Wiedergurt (Reinkarnation) unbekannt war.

Oder warum sonst sollten ihn seine Jünger fragen: "Wer hat gesündigt,
dieser hier oder seine Eltern", als Jesus einen Blindgeborenen heilt?
Das macht nur Sinn, wenn man an Wiedergeburt glaubt.

Nein, das macht auch Sinn, wenn man das glaubt, was manche Juden damals glaubten: dass ein Menschen schon vor seiner Geburt sündigen kann, etwa im Mutterleib. kein Hinweis auf Reinkarnation.

Jesus lehnt dies ab, und sagt sinngemäß: der ist blind, damit ich ihn gesund machen kann.

Und so sollten Christen denken: nicht herumstochern, wer da schuld dran hat, sondern sehen, wo sie helfen können - und helfen.

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Vereinen kannst du alles, wenn du dir genug Mühe gibst. Seit ich mal was von christlichen Atheisten gelesen habe, halte ich da nichts mehr für unmöglich.

Christlicher Glaube hat die Bibel als Grundlage (oder sollte sie haben, bei manchen Kirchen sind Zweifel angebracht). Es geht um Jesus Christus, in dem Gott Mensch wurde, um uns zu retten.

Und in der Bibel gibt es eine Reihe von Stellen, die deutlich machen, dass sich das nicht mit Esoterik verträgt, zum Beispiel:


Kol 2,18 Niemand soll euch das Heil absprechen, der sich in Demutsübungen und Engelverehrung gefällt und das mit irgendwelchen visionären Erlebnissen begründet. Solche Menschen blähen sich grundlos auf in ihrer rein irdischen Gesinnung,
19 statt sich an Christus zu halten, der doch der Herr über alles ist und das Haupt des Leibes, der Gemeinde. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengehalten und versorgt, damit er zur vollen Größe emporwächst, wie es Gott gefällt.
20 Wenn ihr mit Christus gestorben seid, seid ihr den kosmischen Mächten weggestorben. Warum tut ihr dann so, als ob ihr noch unter ihrer Herrschaft lebtet? Ihr lasst euch vorschreiben:
21 »Dies sollst du nicht anfassen, das sollst du nicht kosten, jenes sollst du nicht berühren!«
22 Alle diese Dinge sind doch zum Gebrauch und Verzehr bestimmt! Warum lasst ihr euch dann von Menschen darüber Vorschriften machen?
23 Es sieht nur so aus, als ob diese selbst gewählte Verehrung, die Demutsübungen und die Kasteiung des Körpers Zeichen besonderer Weisheit seien. In Wirklichkeit bringt das alles uns Gott nicht näher, sondern dient nur der Befriedigung menschlicher Selbstsucht und Eitelkeit.

Nun ist "Esoterik" ein weites Feld, und vielleicht sagt jemand, dass das, was da beschrieben wird, nichts mit seiner Esoterik zu tun hat. Nun, meist gibt es dann andere Stellen, die deutlich machen, dass auch diese Art von Esoterik nicht mit wahrem christlichen Glauben zusammenpasst.

Aber wie oben gesagt: wer will, kann auch vereinen, was nicht zusammenpasst.

nein, eigentlich lassen sich Esoterik und christlicher Glaube nicht vereinen

braucht man auch nicht, denn wenn man auf Jesus Worte hört, braucht man keine Esoterik mehr.

Ich habe schon Pfarrer erlebt, die in ihrer Weihnachtspredigt nicht weit entfernt waren von buddhistischem Gedankengut. Vermutlich hatten die Ausführungen eine mystische Grundlage aber das ist sich ja auch sehr ähnlich mit den nondualistischen Aspekten des Buddhismus.

Christentum und Esoterik beruhen auf absolut entgegengesetzten Prinzipien: Esoterik wird von Eingeweihten an Eingeweihte weitergegeben ‒ Jesus dagegen wendet sich unterschiedslos an jeden Menschen und distanziert sich von jeder Geheimniskrämerei:

Ich habe immer offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe in den Synagogen und im Tempel gelehrt, wo sich alle Juden treffen, und habe niemals etwas im Geheimen gesagt.

https://www.bibleserver.com/text/GNB/Johannes18,20

völlig irrelevant das Wissen der Einweihung ist allgegenwärtig, in jedem Zustand, an jedem Ort in Raum und Zeit, ob man es erlangt oder nicht, hängt nicht davon ab an wen sich der Lehrer wendet. 

Auch Jesus belehrte nicht jeden und sagte "werft keine Perlen vor die Säue!"

Das mit dem Geheimen bezieht sich vielleicht auch auf das absichtliche Verschweigen von Tatsachen in Form von Lügen oder?

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Ist beides kindischer Aberglaube, nur dass der eine eine ganze Institution hinter sich stehen hat, während der andere eher von Einzeltätern verbreitet wird.

Das Ziel beider Richtungen ist Macht, Einfluss und Geld.

nein, das Ziel des christlichen Glauben ist Liebe und Frieden

das die Institution Kirche das nicht so vertritt, ist eine andere Sache

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@PaulPeter44

nein, das Ziel des christlichen Glauben ist Liebe und Frieden

Das zumindest besagen ihre Propaganda-Slogans, aber Geschichte und Wissenschaft bezeugen leider dass es sich gar nicht so verhält.

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eher von Einzeltätern verbreitet wird

Kumulierter Nonsense

Esoterik ist kein Tatbestand und ist auch nicht unter Strafe gestellt. Hier von Einzeltätern zu sprechen ist eine bedeutungslose Worthülse. Esoterik ist nichts weiter als ein Sammelbegriff für alles Mögliche, was teilweise nichts aber auch gar nichts miteinander zu tun hat.

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nur dass der eine eine ganze Institution hinter sich stehen hat

Redest du von der niederländischen apostolisch-reformierten Gemeinde?

Kleiner Scherz, aber deine Formulierung ergibt doch nur Sinn, wenn du das Christentum auf eine bestimmte Kirche reduzierst.

Und weder das Christentum noch die Esoterik können einfach mit "kindischem Aberglaube" gleichgesetzt werden, dazu sind beide zu komplex.

Diese abwertende Art, über Leute zu reden, die anders denken, sagt vor allem etwas über dich und deine Arroganz aus.

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Natürkich, denn sie betreiben selbst Esoterik!

Die Schöpfungslehre wurde mit der Evolutionsbiologie einwandfrei widerlegt. Das ist ein Fakt.

Die Entstehung der Erde hat nichts mit einem Schöpfer zu tun, sondern ist das Ergebnis einer Super Nova. Auch das ist Fakt.

Wenn Theisten dennoch erwiesene Fakten leugnen und eher ihre absurden Bibelmärchen glauben, dann ist das Esoterik.

Na, so ganz einfach ist das dann doch nicht. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel ist vor allem symbolisch und nicht wörtlich aufzufassen und bringt so etwas wie einen ideellen Grundwortschatz.

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@Metaviews

symbolisch???? ääääh also ich verstehe eure Sprache nicht einmal.

Aber genau das ist das Problem mit Esoterik. Ich kann deren gedanken nicht nachvollziehen.

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@Omnivore13

Genau: Du kannst die Gedanken nicht nachvollziehen - und ergo sind sie nichts wert.

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@Omnivore13

symbolisch???? ääääh also ich verstehe eure Sprache nicht einmal.

Nicht? Keine Sorge. Es handelt sich nur um so eine Art Legasthenie des Verstehenwollens. Das wirkt zwar nach außen manchmal wie eulenspiegelnde Idiotie, ist aber tiefenpsychologisch durchaus zu fassen und mit pädagogischen Mitteln anzugehen. Man kann den Schweregrad selbst erheblich lindern, indem man sich beispielsweise mit Kunstinterpretation und mit Symbolsprache in der Literatur befasst. Die körperlich schmerzhafte Abwehr gegen das eine oder andere christlich motivierte Symbol sollte sich mit der Einstellung vermeiden lassen, dass es hier um Kunst- und Literaturgeschichte geht, nicht um Religion. Lies dich ein.  

http://wortwuchs.net/stilmittel/symbol/ 

Beim nächsten Mal versuchen wir es dann vielleicht schon mal mit der Genesis. Sie enthält nämlich den Hinweis auf ein recht grundlegendes psychologisch konstruktivistisches Prinzip, das weitaus umwerfender und vor allem aktueller ist als jede Supernova.   

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@holodeck

Eure Sprache ist und bleibt verquer, die kein normaler Mensch versteht. Irgendwie seid ihr im 16. Jahrhundert stecken geblieben sein!

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@holodeck

Nee! Du musst mir makl erklären warum ich ein MÄRCHENBUCH (soll ich das Wort wiederholen? Warum soll ich ein MÄRCHENBUCH an einer Stelle für wahr nehmen und an anderer Stelle nur symbolisch? Und wie symbolisch?

Die Bibel geht davon aus, dass der Mensch durch ein Schnipps von Gottes Hand durch die unwissenschaftliche Methode einer bebährenden Jungfrau entstand! Diese These - symbolisch hin oder her - ist aus heutiger Sicht schlicht und einfach SCHWACHSINN!

Wenn du willst, dann wiederhole ich das letzte Wort aus dem letzten Absatz auch nochmal für dich, vielleicht begreifst du dann endlich worauf ich hinaus will!

Was bitte soll mir das sagen, wenn ein MÄRCHENBUCH nur von vagen symbolischen Geschichten spricht, von dem ich nicht mal weiß WIE zum Geier ich die interpretieren soll? Da kann ich auch gleich an Frau Holle glauben, die den Schnee macht! Verstehste? So...symbolisch und so....

Gott ist einfach nur eine steinzeitalterliche Märchenfigur. Und die Bibel ein völlig absurdes Werk von Märchenbuchautoren. Da "glaub" ich eher an den Wolf und die sieben geißlein, denn die sind tausend mal plausibler!

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@holodeck

Über das konstruktivistische Prinzip der Genesis wüsste ich gern mehr. Gibt es einen Link zu dem Thema? - Danke.

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@Metaviews

Nein. Es handelt sich um einen Gedankengang des Anthropologen und Biologen Gregory Bateson aus dem Einführungstext zu seinem Buch "Ökologie des Geistes". Den kann ich hier eben mal schnell einstellen. Das "konstruktivistische Prinzip" ist meine Zusammenfassung, denn schließlich handelt es sich bei Unterscheidung und Ordnung um einen Schöpfungsprozess, der ganze Welten entstehen lässt. Besondere Tragweite erlangt dies vor dem Hintergrund, dass unser gesamtes Nerven- und Sinnessystem und damit letztlich unsere Kognition nicht auf der Wahrnehmung von Reizen an sich sondern auf der Wahrnehmung von Unterschieden zwischen Reizen aufbaut.


Insofern schaffen wir durch "Ordnung" machen und Mustererkennung erst unsere Realität, wie wir sie wahrnehmen.  

Aber nun zu Bateson:

Ich glaube, es ist einfach nicht wahr, daß die Grundlagen der Wissenschaft mit der auf Erfahrung basierenden Induktion anfingen, und ich vermute, daß wir bei der Suche nach einem Brückenkopf unter den Grundlagen zu den ersten Anfängen des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens zurückgehen sollten; und sicher zurück bis zu einer Zeit, da Wissenschaft, Philosophie und Religion noch nicht getrennte Aktivitäten waren, die jede für sich von Profis in getrennten Disziplinen betrieben wurden. Man denke zum Beispiel an den zentralen Ursprungsmythos der jüdisch-christlichen Völker. Welches sind die grundlegenden philosophischen und wissenschaftlichen Probleme, um die es in diesem Mythos geht?

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.

(Luther-Uebersetzung)

Aus diesen ersten zehn Versen gewaltiger Prosa können wir einige
der Prämissen oder Grundlagen des antiken chaldäischen Denkens entnehmen, und es ist erstaunlich, fast gespenstisch, festzustellen, wieviele der Grundlagen und Probleme der modernen Wissenschaft in dem antiken Dokument angedeutet sind.

(I) Das Problem des Ursprungs und der Natur der Materie wird vollständig ausgelassen.

(2) Die Passage befaßt sich ausführlich mit dem Problem des Ursprungs von Ordnung.

(3) So wird eine Trennung der beiden Arten von Problemen vollzogen. Möglicherweise war diese Trennung von Problemen ein Irrtum, aber - Irrtum oder nicht - die Trennung wird in den Grundlagen dermodernen Wissenschaft beibehalten. Die Gesetze der Erhaltung von Materieund Energie bleiben weiterhin getrennt von den Gesetzen der Ordnung,der negativen Entropie und der Information.

(4) Ordnung wird als eine Sache des Aussortierens und des
Teilens gesehen. Aber der wesentliche Begriff bei allem Aussortieren ist, daß jeder Unterschied später einen anderen Unterschied verursachen soll. Wenn wir schwarze Bälle aus weißen aussortieren oder kleine aus großen, soll dem Unterschied zwischen den Bällen ein solcher in ihrer Lokalisierung folgen - die Bälle der einen Klasse in einen Sack, die der anderen in einen anderen. Für eine solche Operation brauchen wir etwas wie ein Sieb, eine Schwelle oder, par excellence, ein Sinnesorgan. Es ist daher verständlich, daß ein wahrnehmendes Einzelwesen erfunden
wurde, um diese Funktion auszuüben, eine ansonsten unwahrscheinliche Ordnung zu schaffen.

(5) Eng verknüpft mit dem Sortieren und Teilen ist das Geheimnis der Klassifizierung, dem später unter den aussergewöhnlichen menschlichen Leistungen das Benennen folgt.

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@holodeck

- Fortsetzung Teil 2 -

Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, daß die verschiedenen Komponenten dieses Mythos alle aus dem auf Erfahrung beruhenden induktiven Denken folgen sollen. Und die Sache wird noch komplizierter, wenn dieser Ursprungsmythos mit anderen verglichen wird, die abweichende Grundprämissen verkörpern.

Bei den Iatmul in Neu Guinea handelt der zentrale Ursprungsmythos, wie die Schöpfungsgeschichte, von der Frage, wie das trockene Festland vom Wasser geschieden wurde. Sie sagen, daß das Krokodil Kavwokmali am Anfang mit den Vorderbeinen und mit den Hinterbeinen paddelte; und dieses Paddeln führte dazu, daß der Schlamm mit dem Wasser vermischt blieb. Der große Kulturheld, Kevembuangga, kam mit seinem Speer und tötete Kavwokmali. Danach setzte sich der Schlamm, und das Festland bildete sich heraus. Kevembuangga setze dann seinen Fuß auf das Festland, d. h. er demonstrierte stolz, daß es gut war.

Dieser Fall erlaubt es eher, den Mythos von der Erfahrung verbundenmit induktivem Denken abzuleiten. Schließlich bleibt Schlamm vermischt, wenn er wahllos aufgerührt wird, und setzt sich, wenn das Rühren aufhört. Ueberdies leben die Iatmul in den riesigen Sümpfen des Sepik-River-Tals, wo die Abgrenzung des Landes vom Wasser unvollkommenist. Es ist verständlich, daß sie an der Unterscheidung von Land und Wasser interessiert sind.

Jedenfalls sind die Iatmul zu einerTheorie der Ordnung gelangt, die im fast genauen Gegensatz zu der im Buch der Genesis steht. Im Denken der Iatmul taucht das Sortieren auf, sobald Zufälligkeiten vermieden werden. In der Schöpfungsgeschichte wird ein Vermittler erfunden, der das Sortieren und Teilen besorgt.

Aber beide Kulturen nehmen gleichermaßen eine grundlegende Trennung zwischen den Problemen der materiellen Schöpfung und den Problemen von Ordnung und Differenzierung vor. Wenn wir nun zu der Frage zurückkehren, ob die Grundlagen der Wissenschaft und/oder Philosophie auf der primitiven Stufe durch induktives Denken auf der Basis von Erfahrung erreicht wurden, merken wir, daß die Antwort nicht leicht ist. Es ist schwierig zu erkennen, wie die Dichotomie von Substanz und Form durch induktive Argumentation herausgefunden werden konnte. Denn kein Mensch hat jemals formlose und unsortierte Materie gesehen oder erfahren; wie auch kein Mensch jemals ein »zufälliges« Ereignis gesehen oder erfahren hat. Wenn also die Vorstellung eines »wüsten und leeren« Universums durch Induktion erreicht wurde, dann geschah dies aufgrund eines ungeheuren - und vielleicht irrtümlichen - Sprungs der Extrapolation. Und genauso ist nicht klar, ob der Ausgangspunkt, von dem die primitiven Philosophen abhoben, Beobachtung war.

Es ist zumindest genauso wahrscheinlich, daß die Dichotomie von Form und Substanz eine unbewußte Ableitung aus der Relation zwischen Subjekt und Prädikat in der Struktur der primitiven Sprache war. Dies jedoch ist eine Sache, die jenseits sinnvoller Spekulation liegt. Dieser Aufsatz ist die Brücke zwischen Verhaltensdaten und den Grundlagen von Wissenschaft und Philosophie; und meine oben gemachten kritischen Anmerkungen über die metaphorische Verwendung von »Energie« in den Verhaltenswissenschaften vereinigen sich zu einem ziemlich einfachen Vorwurf gegenüber vielen meiner Kollegen, daß sie versucht haben, die Brücke zu der falschen Hälfte der antiken Dichotomie von Form und Substanz zu schlagen.

Die Gesetze der Erhaltung von Materie und Energie betreffen eher Substanz als Form. Aber geistige Prozesse, Ideen, Kommunikation, Organisation, Differenzierung, Muster und so weiter haben es eher mit Form als mit Substanz zu tun. Innerhalb des Fundus von Grundlagen wurde die Hälfte, die sich auf Form bezieht, in den letzten dreißig Jahren dramatisch angereichert durch die Entdeckung der Kybernetik und der Systemtheorie. Dieses Buch will eine Brücke schlagen zwischen den Tatsachen des Lebens, dem Verhalten und dem, was wir heute über die Natur des Musters und der Ordnung wissen.

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@Omnivore13

MÄRCHENBUCH

Stimmt doch gar nicht. Märchen spielen nicht in realer Raum und Zeit (beispielsweise hat ein König typischerweise keinen Namen).

Die Bibel enthält viele historisch korrekte Berichte. Und nennt Daten (Personen-, Länder-, Städtenamen etc.) auch bei Berichten, bei denen wir mangels anderer Quellen nicht entscheiden können, ob sie historisch korrekt sind oder nicht. Das ist schon mal rein literaturwissenschaftlich keine Märchensammlung. Wegen der Verankerung in Zeit und Raum, und der nachweisbar korrekten Fakten.

Die Bibel geht davon aus, dass der Mensch durch ein Schnipps von Gottes Hand durch die unwissenschaftliche Methode einer bebährenden Jungfrau entstand!

Nicht "der" Mensch, sondern ein besonderer Mensch (deine unangemessene Ausdrucksweise kommentiere ich mal nicht). Und natürlich haben die Menschen auch damals gewusst, dass eine Jungfrau normalerweise kein Kind bekommt.

Die Wissenschaft beschreibt, was wissenschaftlich beschreibbar ist (z.B. durch reproduzierbare Experimente). Dass es sonst nichts gibt, ist eine unbeweisbare These, somit ist di9e Wissenschaft für die Farge, ob Gott auch eine Jungfrau schwanger werden lassen kann, schlicht nicht zuständig.

Ob also Maria als Jungfrau schwanger wurde oder nicht, ist somit Glaubensfrage, das gilt für beide möglichen Antworten.

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Nein,ich glaube nicht.

glauben ist gut, wissen ist besser

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