ethik : Definition von Determination und Freiheit! SEHR WICHTIG

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Determination ist ein Fremdwort aus der lateinischen Sprache („determinare" = „begrenzen", „abgrenzen", „bestimmen"; „determinatio = „Abgrenzung“; „Bestimmung“). Der Begriff ist in der Ethik/Anthropologie ein Gegensatz zu Freiheit. Determination bedeutet in diesem Zusammenhang die Bestimmung durch vorgegebene Bedingungen. In anderem Zusammenhang kann eine Determination auch eine Bestimmung einer Sache/eines Begriffs sein, die ihre/seineAllgemeinheit verringert.

Bei der Freiheit sind zwei wesentliche Arten zu unterscheiden:

a) Handlungsfreiheit (äußerlich)

b) Willensfreiheit (innerlich)

Handlungsfreiheit heißt, tun zu können, was man will. Sie kann in einem unterschiedlichen Grad vorhanden sein, je nachdem wieviel Spielraum besteht. Personen sind Urheber des Geschehens. Gegensatz von Handlungsfreiheit ist Zwang und Fremdbestimmung.

Willensfreiheit bedeutet, in seinen Entscheidungen selbst frei zu sein (Selbstbestimmung). Einflüsse kann es zwar geben, aber es gibt eine echte Wahl zwischen Alternativen und die Personen sind in ihrem Willen dabei selbstbestimmt.

Die Existenz eines freien Willens wird mit unterschiedlichen Meinungen diskutiert, dies ist ein Thema mit alter Tradition in der Philosophie. Wenn der Begriff Determination auftaucht, ist zu prüfen, ob eine Bestimmung auf völlig notwendige Weise gemeint ist.

Die Ansicht, die einen freien Willen abstreitet und für Illusion hält, heißt Determinismus (Gegenbegriff: Indeterminismus). Danach sind Menschen vollständig bestimmt. Dabei gibt es Varianten, ob dies durch ein Schicksal/allmächtige Gottheiten geschieht oder durch feststehende Naturgesetze, bei denen zwingend in einer Abfolge Vorgänge aufgrund einer Ursache-Wirkung-Kette (Kausalität) eintreten.

Zuletzt ist vor allem von Vertretern der Hirnforschung Willensfreiheit für eine Illusion erklärt worden (unter Berufung auf neurophysiologische Experimente, z. B. von Benjamin Libet und Patrick Haggard/Martin Eimer; bei der Deutung gibt es aber auch gute Gründe, dadurch die Willensfreiheit für nicht widerlegt zu halten).

Manche versuchen, Determinismus und einen freien Willen für miteinander vereinbar zu erklären. Dieser Standpunkt der Verträglichkeit heißt Kompatibilismus. Der entgegengesetzte Standpunkt in dieser Frage heißt Inkompatibilismus (Unverträglichkeit von Willensfreiheit und Determinismus).


JackySmith  27.06.2010, 18:50

Zu Kompatibilismus kann man doch auch "Weicher Determinismus" sagen, oder? Und wenn der Mensch vollständig bestimmt ist, wäre das dann doch der "Harte Determinismus", oder irre ich mich da? Und kann es sein, dass du die Willensfreiheit und die Wahlfreiheit zusammengefasst hast?

0
Albrecht  27.06.2010, 19:16
@JackySmith

„Weicher Determinismus" vertritt einen Kompatibilismus und der „harte Determinismus" meint, der Mensch sei vollständig bestimmt.

In Philosophielexika wird gewöhnlich beim Stichwort „Wahlfreiheit“ auf die Willensfreiheit (lateinisch: liberum arbitrium) hingewiesen (nur andere Bezeichnung).

Andere Unterteilungen (z. B. Entscheidungsfreiheit, Willensfreiheit, Wahlfreiheit und Handlungsfreiheit) sind selten, dabei kann eine grundlegende Zweiteilung außerdem undeutlich werden.

0

"Determinismus" ist ein theoretischer Begriff, sein Gehalt entwickelt sich also innerhalb einer Theorie. Gemeinhin gilt folgende, vorläufige, simple Definition:

Von Determinismus bzw. Determiniertheit spricht man genau dann, wenn Eregnisse eines Typs e1 Ereignisse eines Typs e2 notwendigerweise zur Folge haben.

Beim Determinismus ist die modale Behauptung der Notwendigkeit entscheidend: Es geht NICHT einfach nur um irgendein Bedingtsein, sondern um Notwendigkeit, das heißt, eine Ereignisfolge kann niemals anders sein, als sie tatsächlich geschieht (Wobei i.d.R. Ereignisse die Träger der Eigenschaft "Determiniertsein" sind und der Determinismus sich auf das Kausalverhältnis zwischen Ereignissen bezieht - aber auch das ist umstritten). Ferner unterscheidet man zwischen bereichsspezifischen Determinismen (z.B. neurophysiologischer D.) und dem universalen Determinismus, wobei man sich in der philosophischen Diskussion vorwiegend auf den universalen D. bezieht und dessen Wahrheit lässt sich empirisch nicht überprüfen, gilt also als metaphysische These.

Ferner ist Determinismus NICHT per se der Gegensatz zu Willensfreiheit. Hier die grundlegenden, theoretischen Optionen:

Inkompatibilismus: Die Lehre der Unvereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus (sagt noch nichts über die Existenz von Freiheit!)

Kompatibilismus: Die Lehre der Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit

Libertarismus: Zusatzthese zum Inkompatibilismus, dass der Determinismus falsch ist und (also) Willensfreiheit existiert

Weicher Determinismus: Zusatzthese zum Kompatibilismus, dass Willensfreiheit existiert und der Determinismus daran nichts ändert.

Harter Determinismus: Der Determinismus ist wahr, Willensfreiheit existiert nicht (Diese Position wird eigentlich kaum vertreten)

Die obigen, geläufigen vorab-Definitionen zu Willensfreiheit und Handlungsfreiheit stimmen soweit.

Und: Unter Willensfreiheit versteht man gemeinhin eher Entscheidungsfreiheit und man hält am eher ungeschickten Ausdruck "Wille" nur aus Traditionsgründen bzw. aufgrund seiner Etablierung im alltäglichen Sprachgebrauch fest - es geht um den Prozess der Entscheidungsfindung bzw. der Willensbildung, der frei sein soll.

Und: Die Frage, ob wir über Willensfreiheit verfügen, ist eine Frage nach den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit einem Lebewesen Willensfreiheit zugesprochen werden kann - es ist also eine begriffliche Bestimmung vonnöten, wobei die Bestimmung der Bedingungen für Willensfreiheit den Streit ausmachen. Weiche Deterministen müssen zum Beispiel die Bedingungen für Willensfreiheit (z.B. Kontrollbedingung) vernünftig bestimmen, so dass diese Bedingung mit dem Determinismus vereinbar ist. Der Streit um Willensfreiheit ist ein begrifflicher Streit - Was ist Willensfreiheit?

Und: Es gibt keine "graduelle Freiheit". Entweder man verfügt über das Vermögen der Willensfreiheit oder nicht.

Freiheit

Es werden folgende Bestimmungen des Begriffes Freiheit unterschieden:

Wahlfreiheit - die Fähigkeit zwischen Alternativen zu wählen und eine Entscheidung zu treffen

Handlungsfreiheit - dem eigenen Willen gemäß handeln können

Willensfreiheit - die Fähigkeit und die Verpflichtung des Menschen zur sittlichen Selbstbestimmung

.

Determinismus:

Harter Determinismus (Bestimmung): Eigene Entscheidungen haben Einfluss auf zukünftige Ereignisse. ABER eigene Entscheidungen sind durch vorausgegangene Ursachen physiologischer, mentaler und soziologischer Art bestimmt. Die Vergangenheit hätte nicht anders verlaufen können und die Gegenwart und Zukunft sind von ihr abhängig. Die freie Wahl ist nichts weiter als eine Illusion und der Mensch trägt keinerlei Verantwortung. Er kann nur frei werden, wenn er erkennt, dass er nicht frei sein kann und sich dem Vorgegebenen unterordnet.

Weicher Determinismus: Ob Freiheit vorliegt, ist eine Frage von äußeren und inneren Zwängen. Eine Handlung ist frei, deren Ursachen im Menschen selbst liegen. Seine Wünsche, Haltungen, Meinungen, Charaktereigenschaften werden deterministisch gedacht, d.h. Freiheit und Ursachenbestimmtheit sind kompatibel.

Die Freiheit ist graduell unterschiedlich. Situationsbedingt handelt der Mensch mehr oder weniger frei. Die Freiheit muss also nach einer konkreten Situation beurteilt werden.

Um Freiheit zu erreichen, ist das Wissen um die eigene Situation notwendig.

Vielleicht hilft dir dieses Sartre-Zitat, das zwar keine Definition deiner Begriffe ist, aber den Zusammenhang zwischen beiden genau problematisiert:

"Es kommt nicht auf das an, was man aus den Menschen macht, sondern auf das, was die Menschen aus dem machen, was man aus ihnen gemacht hat."

Determination= zwangsläufige Bestimmtheit durch vorgegebene Bedingungen (Determinanten). Bestimmung der systematischen Zugehörigkeit (Art, Gattung, Familie und Ähnliches) von Tieren und Pflanzen (Systematik); in der Entwicklungsphysiologie das Festgelegtsein bestimmter Teile der Eizelle oder des Keimlings auf eine endgültige Differenzierungsrichtung.

Freiheit= Unabhängigkeit von äußerem, innerem oder durch Menschen oder Institutionen (Staat, Gesellschaft, Kirche usw.) bedingtem Zwang.