Eltern werden langsam alt

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Ja, das ist schon doof. Und das ganz Blöde an der Sache ist, daß es sich um die eigenen Eltern handelt, die immer noch Mama und Papa aus der Kindheit sind. Mama und Papa, die halbe Götter waren, die im Leben Bescheid wußten, die einen aber auch oft genug ungerecht behandelt und nicht immer Gutes angetan haben (gerade auch sowas bleibt ja irgendwie hängen).

Da sind sie nun, alt geworden und manchmal recht merkwürdig. Festgefahren in ihrem Denken und in ihren Handlungen, Ansichten und Einstellungen. Benehmen sich manchmal immer noch wie Erziehungsberechtigte, aber unsereiner denkt in manchen Momenten, was das doch für mickerige Menschen sind. Und dann wollen die auch noch Recht haben, sich in unsereiner Leben einmischen, immer noch Vorschriften machen und als Familienoberhaupt respektiert werden. Und ihre Macken, die die haben, die uns schon immer sauer aufgestoßen sind, die haben die im Alter nicht abgelegt, nein, sie haben sie sogar noch ausgebaut! Boh, mich kotzt das manchmal auch so richtig an!

Und ich selber? Ich habe ja auch schon ein gewisses Alter erreicht. Ich nehme mir auch heraus, über mein Leben selber zu bestimmen. Wie ich zu sein habe, das bestimme ich und ich habe mir über die vielen Jahre bestimmt auch Eigenheiten und Macken angeeignet. Ich bin ja wohl alt genug, daß ich mir auch nichts und zwar gar nichts mehr sagen lasse! Ich habe mir mein Leben "zurecht gelegt", so wie es mir paßt und wem es nicht passt, der kann ja gehen. Aber mein Sohn (auch schon erwachsen) muß sich nun mit meinen Eigenheiten rumschlagen, die bestimmt auch "besser" werden, je älter ich werde.

Als Kind habe ich nie verstanden, daß sich meine Eltern über ihre Eltern (meine Großeltern) aufgeregt haben. Warum haben die nicht verstanden, daß die Großeltern einfach alt sind und und alte Leute sind halt komisch? Als Kind habe ich alte Leute sehr viel gelassener gesehen, sie so genommen, wie sie sind und bin einfach drüber weggegangen, wenn mir was nicht passte. Warum fällt das bei den eigenen Eltern so schwer?

Ich nehme mir das Recht heraus, selber über mein Leben zu bestimmen und zwar in jeder Beziehung,schließlich bin ich alt genug. Daran erinnere ich mich selber, wenn ich mit meinen Eltern Probleme haben. Die haben auch ein Recht darauf, zu sein, wie sie sind, sei es auch noch so dämlich! Wenn mein Vater rechthaberisch sein will, soll er doch, hört doch eh niemand mehr drauf und das ich ihn dann nicht ernst nehme, damit muß er dann fertig werden. Wenn meine Mutter meint, mir "Ratschläge" geben zu müssen, wie ich mit manchen Dingen umgehen soll - bitteschön! Aber sie muß damit klar kommen, wenn ich sage, ich mache sowieso was ich will, wäre ja wohl schon selber alt genug! Und auf Diskussionen lasse ich mich nicht ein - nö, keine Lust drauf, darüber zu reden, außerdem muß ich wieder weg, habe ja noch Wäsche zu waschen.

Mein Vater macht mich wahne und meine Mutter treibt mich nochmal in den Wahnsinn. Aber ich bin froh um jeden einzelnen Tag, den sie mir noch erhalten bleiben. Einmal tief Luft geholt, vor mich hin geschimpft und ... morgen soll wieder warm werden, das Wetter, schon gehört? ;-)

Danke!

Einmal tief Luft geholt, vor mich hin geschimpft und ... morgen soll wieder warm werden, das Wetter, schon gehört? ;-)>

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@bluemaurizio

Man schafft es heut zu Tage nicht mehr alles unter einen Hut zu bekommen...Und dafür gibt es die Pflegeversicherung die zahlt auch für Angehörige was viele Menschen nicht wissen man muss das ganze über einen Sozialverband organisieren.....Die machen sämtliche Haushaltstätigkeiten,Essenlieferungen usw..aber das müssen die Menschen selber wollen....

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Das ist die beste Antwort, die ich auf gutefrage.net jemals gehört habe. Vielen Dank!

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also ganz wichtig ist das du dir und auch deinen Eltern Grenzen setzt.Denn wenn du dieses nicht tust und keine Erfahrung im Pflegebereich hast...wirst du seelisch daran zerbrechen.

Es ist nicht einfach seine Eltern altern zu sehen und oft verstrickt sich dann die ganze Familie mit Streitereien wegen der alten Menschen die auch noch alle dann gegeneinander ausspielen. Das ist ein richtiger Kraftakt und wenn du dir selber einen Gefallen tun willst,dann solltest du dir umgehend Hilfe an die Seite holen.

DankeDir, aber es ist - bitte nimm es mir nicht übel - doch etwas übertrieben, dass man gleich > seelisch daran zerbrechen.> müsste. Es ist wohl hart, aber es hilft, wenn meine Frage hier soviel Solidarität findet. Ich glaube, Solidarität suchen, das ist EINE der Antworten auf meine Frage.

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Hallo!

Ich kann das "Problem" verstehen. Ich bin Krankenschwester...

Ungeduld, "Aggressionen", Wut etc. können bei "älteren" Menschen einfach Ausdruck von Angst, Verzweiflung und auch Langeweile sein. Oft merkt man ja selber nach und nach, dass etwas nicht mehr so leicht klappt oder man sich eben verändert. Das ist weder für sich selber leicht, noch für die Angehörigen. Man ist ratlos, hat Angst vor Abhängigkeit und auch vor dem Alleinsein.

Allerdings können auch Neurologische oder andere Veränderungen zu einem "merwürdigen" Verhalten führen, da bliebe dann einfach mal eine Zeit lang zu beobachten...

Ansonsten kann ich nur raten: Bis zu einem bestimmten Punkt Verständnis und Geduld aufzubringen. Das ist schwer, aber auch hilfreich. Natürlich darf man sich nicht "voll einspannen" lassen. Aber unsere Eltern brauchen uns so, wie wir sie immer brauchten...

Es wird aber auch nicht ausbleiben, dass Du deine Eltern in ihren Augen nicht verstehst oder "falsch" handelst... Gib ihnen nur das Gefühl, dass du sie ernst nimmst, so weit wie möglich für sie da bist.

Sie müssen allerdings auch hinnehmen, dass du selber Bedürfnisse und dein eigenes Leben hast.

Vielleicht kannst du dich noch im Umfeld erkundigen, ob es von der Kirche oder Ähnlichem, regelmäßige Treffen oder Veranstaltungen für ältere Menschen gibt. So könnten sie mit "gleichgesinnten" ihr Sorgen und Ängste teilen oder einfach eine schöne Zeit haben.

Ich wünsche dir alles Gute!

Hallo bluemaurizio,

ich verstehe Dich sehr gut, weil meine Eltern (Jahrgänge 34/35) körperlich gesund sind, aber vor allem meine Mutter sich sehr verändert hat.

Interessanterweise haben sich gewisse Charakterzüge (z.B. Ordnungsliebe erhalten, allerdings verbunden mit Intoleranz gegenüber der Lebensweise anderer), weitere Züge wie Kontaktfreude, Religiosität, Einfühlungsvermögen, usw. sind nicht mehr feststellbar, lassen sich auch durch "Ich habe da ein Problem, was sagst Du dazu?" nicht mehr wachrufen. Die Standardantwort ist: "Ja, das ist eben so".

Hinzu kommt, dass es sich bei uns nicht darum handelt, einzelne Besuche gut zu überstehen, sondern dass meine Eltern im Erdgeschoss unseres Hauses wohnen. Wie jemand weiter unten geschrieben hat: Alle meine Fehler (und die meines Mannes und meiner Kinder) werden ganz genau gesehen...

Heute hat meine Mutter damit gedroht, unsere Katze einschläfern zu lassen, weil sie Dreck macht.

Voriges Jahr hat sie es mit "Omakatze" tatsächlich getan, bevor ihre neue Wohnzimmergarnitur geliefert wurde.

Inzwischen habe ich schon einige Male um meine Mutter geweint, die mich nie mehr trösten wird... Oma ist nicht dement, aber sie hat mit meiner Mutter kaum noch etwas gemeinsam.

Sorry, dass ich nichts Erfreuliches zu sagen habe. Lass Dir bitte nicht einreden, Du seist egoistisch. Ich weiß, wie schlimm das sein kann.

Alles Liebe, melancholia

diese Schilderung, liebe melancoliea 2012 macht mich richtig traurig. Und Ihr alle, die jünger sind, macht mich auch nachdenklich. Obwohl ich mich in den Schilderungen der "Alten" bisher kaum wiedererkennen muß. Die Frage ist wirklich; was ist da passiert? Redet miteinander, solange man noch die gleiche Sprache spricht - also z.B. jetzt, in meinem Alter (71) - und bevor die alters- und mentalitätsbedingte Veränderung sich festsetzt.

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@LiloB

Hallo LiloB,

ich vermute, dass sehr viele Senioren an Depressionen leiden, die wohl teilweise "irgendwie" von den Hausärzten medikamentiert werden, aber sich trotzdem im Zusammenleben stark bemerkbar machen.

Es gibt wohl auch viele Generationskonflikte, weil die Eltern / Großeltern-Generation die "Macht" nicht aus der Hand geben möchte.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel ;-)

Liebe Grüße, mel.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Altern

Der Alterungsprozess, eine fürchterliche Sache, zum Fürchten, ich habe alte Eltern und stelle fest, dass ich auch schon gealtert bin und altere.

Der Alterungsprozess endet mit dem Tod, es ist zwar möglich, das Leid, das durch die Alterung entsteht, zu reduzieren, aber der Tod tritt in jedem Fall ein.

Der Tod ist leichter zu akzeptieren, wenn die Alterung qualvoll ist. Ein alter Mensch mit deutlich reduzierten körperlichen und geistigen Fähigkeiten leidet an sich, fürchtet den Tod nicht mehr so, empfindet ihn vielleicht als Erlösung. Auch ein Kind kann den Tod der Eltern besser aushalten, wenn das Leid vorher groß war.

Hört sich schrecklich an, ist aber so. Vielleicht will die Natur / Gott, wer auch immer, mit diesem qualvollen Alterungsprozess das Leid, das der Tod sonst bringen würde, reduzieren!