Dominant/rezessiv- Was entscheidet, was ausgeprägt wird?

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Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten, da es sich bei den Bezeichnungen dominant und rezessiv um deskriptive Begriffe handelt.

Es gibt also kein konstanter Faktor der die Dominanz von Allelen bestimmt.

Am Beispiel der Vererbung der Blutgrupppen ist dies bspw. erkennbar: Während sich die Blutgruppen A und B untereinander ko-dominant verhalten, sind sie gegenüber der Blutgruppe 0 dominant.

Sprich die Kombination von Blutgruppe A (Genotyp: A/A) und B (B/B) ergibt die Blutgruppe AB (A/B), während die Kombination mit der Blutgruppe 0 (0/0) in der Blutgruppe A (A/0) bzw. B (B/0) endet.

Die Begriffe dominant bzw. rezessiv beschreiben somit bei welcher Phänotyp bei welchem Genotyp vorliegt.

Bei den Blutgruppe ist es logisch, weshalb sich die Blutgruppe A und B gegenüber der Blutgruppe 0 dominant verhalten:

Die Blutgruppen A und B beschreiben Kohlenhydratmoleküle, welche auf den Erythrozytenmembranen befestigt sind. Während es bei der Blutgruppe 0 keine solche KH-Ketten gibt.

Somit führt der Genotyp A/0 bzw. B/0 immer zur Ausbildung der jeweiligen KH-Kette auf den Erythrozyten und ist demnach gegenüber der Blutgruppe 0 dominant.

Der Genotyp A/B führt zur Ausbildung beider KH-Ketten, sodass der Phänotyp also beide Merkmale ausprägt. Demnach spricht man hier von einem ko-dominanten Erbgang.

Nochmals: Bei den Begriffen dominant und rezessiv handelt es sich um eine Beschreibung, welches Allel im Phänotyp ausgeprägt ist. Dies sind keine absoluten Eigenschaften der Allele, sondern gelten nur für die jeweils untersuchte Kombination von Allelen.

Wie im Beispiel erklärt kann ein Allel (z.B. Blutgruppe A) in Bezug auf ein anderes Allel (Blutgruppe 0) dominant sein, während es aber für andere Allele (Blutgruppe B) ko-dominant ist.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Wow vielen Dank für die lange Antwort! Heisst, es kann auch sein, dass beide Allele sich im Phänotyp abzeichnen d. H. Abgelesen und ausgeprägt werden ?

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@LouiseSophie

Ja das kann sein. Eben wie im Beispiel beschrieben: Bei dem der Blutgruppe AB sind beide Allele (A und B) ausgeprägt, womit sich dann der Phänotyp AB ergibt.

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Rezessiv sind meist Stoffwechseldefekte. Ein Allel reicht dann, um das Produkt herzustellen. Man kennt auch oft den Wirkzusammenhang. Bspw Alkaptonurie

Dominant sind oft morphologische Defekte und da hat man keine Ahnung. Bspw Sechs Finger.

Ausgeprägte Eigenschaften sind immer das Ergebnis biochemischer Vorgänge.

Fast alle solcher Eigenschaften werden durch mehrere, oft sogar eine Vielzahl von, Enzymen (Gene, Allele der Gene) bestimmt.

Unsere stark vereinfachten Denkmodelle von Genen geben dies in der Regel nicht wider, so dass nur ausgesprochene Fachleute Kenntnis davon haben.

Der Übergang von vollkommen dominant über teilweise dominant und etwa gleichwertig sich durchsetzend (intermediär) nach teilweise rezessiv bis hin zu vollkommen rezessiv ist fließend.

Ob sich eine Eigenschaft, ein oder mehrere Allele, ausprägen können, hängt immer von der konkreten Situation in der Biochemie der Zelle ab.

Deshalb gibt es keine Allele , die partout dominant oder auch rezessiv sind.

Man muß im vereinfachten Modell immer ein bestimmtes Allel mit einem anderen bestimmten Allel vergleichen, um sagen zu können, welche Beziehung zwischen genau diesen beiden besteht.

Ein und dasselbe Allel kann sich gegen über anderen Allelen vollkommen anders verhalten.

A1 kann durchaus dominant über A2 sein und gleichzeitig teilrezessiv gegen A3, intermediär gegen A4 und teildominat über A5 sein.

Gleichzeitig kann A5 aber dominant gegen A3 sein, oder A2 intermediär gegen A4.

Hinzu kommen mögliche Kodominanzen und auch der Umstand, dass ein Enzym auch andere Enzyme wirkungslos werden lassen kann oder auch das Gegenteil davon.

Deshalb sollten Sie immer sehr genau hinschauen, was die theoretischen Modelle genau darstellen und welche konkrete bilaterale Beziehung zwischen bestimmten Genen oder deren Allelen bestehen.

Überaus interessante Beispiele dafür finden Sie in der Vererbung des Wellensittichs oder Kanarienvogels, welche beide seit ca. 100 Jahren sehr gut erforscht sind.

Übrigens wurde so auch der erste genetisch fremd veränderte Vogel, heute sagt man gentechnisch verändert, bereits vor ca. 100 Jahren geschaffen.

Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, dann stellen Sie diese bitte gesondert ein.

Mit besten Grüßen

gregor443

- Fachmann für Wellensittiche -

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Vielen Dank!

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