Das biblische Buch Daniel

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Wachstum des Buches

Das Wachstum des Danielbuches hat man sich so vorzustellen, dass ältere Legenden von dem prototypisch weisen und frommen Daniel (erzählt in der 3. Person) um die Visionen Daniels (Ich-Bericht, 1. Person) erweitert wurden. Dabei bleibt die Fiktion erhalten, dass der exilische Daniel auch Seher der Ereignisse war, die sich in der Gegenwart der Hörer/ Leser abspielen. Diese Gegenwart lässt sich anhand der Angaben des Buches sehr genau datieren, es handelt sich um die Zeit des makkabäischen Aufstands gegen die Seleukiden, im 2. Jahrhundert. Da das Danielbuch die Wiederweihung des Tempels im Jahre 164 v.Chr nicht erwähnt, ist es offenkundig kurz vor diesem Datum abgeschlossen worden. Später wurde es um die Gebete der Männer im Feuerofen (zu Kap. 3) und die Geschichten von Susanna und Bel et Draco (Kap. 13+14) erweitert. Diese Stücke gehören zum Kanon der Septuaginta und der katholischen Kirche, vgl. unten zu den Apokryphen. http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/prophetische-buecher/daniel/

Das Wachstum des Danielbuches hat man sich so vorzustellen

Schöne Story, doch warum sollten wir das glauben?

Vorstellen kann ich mir viel.

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@helmutwk

Traditionell wurde die Niederschrift des Buches Daniel etwa auf das 5. Jahrhundert v. Chr. datiert. Inzwischen herrscht eine gegenüber der Historizität des Buches skeptische Einschätzung vor, es wird auf kurz vor 164 v. Chr. datiert.[1]

Dan 1,7 datiert Daniels Erlebnisse und Visionen in die Zeit des israelitischen Exils in Babylon. Er sei zusammen mit Hananja, Mischaël und Asjra dorthin verschleppt worden und unter dem Namen Beltschazar ausgebildet worden. Er sei unter den babylonischen Königen Nebukadnezar II. und Belsazar als Traum- und Zeichendeuter aufgetreten und unter Darius dem Meder zu einem von drei Ministern aufgestiegen.

In der historisch-kritischen Bibelforschung werden diese Angaben als legendarisch beurteilt. Sie sollten Daniels später berichtete Visionen als Prophezeiungen darstellen, seien aber Vaticinia ex eventu. Demnach bezögen sich im Buch beschriebene Details auf Ereignisse der Makkabäerzeit, als die Herrschaft der Seleukiden das jüdische Volk bedrohte. Deshalb wird angenommen, dass das Buch in dieser Zeit entstand und bald nach den siegreichen ersten Aufständen gegen Antiochos IV. fertig gestellt und - eventuell mehrfach - überarbeitet wurde. Für diese Spätdatierung spricht auch, dass das Buch im Judentum lange umstritten blieb und nicht zu den „Propheten“ (Neviim), sondern zu den späteren und theologisch weniger bedeutenden „Schriften“ (Ketubim) gezählt wurde.

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@tinimini

In der historisch-kritischen Bibelforschung werden diese Angaben als legendarisch beurteilt.

Sie fanden alle in einer Zeit statt, über die wir keine fortlaufende Quelle (wie eine "Chronik") haben, anders formuliert: es gibt keine Quelle, die uns erlaubt, zu beurteilen, ob das legendarisch ist oder nicht.

Sie sollten Daniels später berichtete Visionen als Prophezeiungen darstellen, seien aber Vaticinia ex eventu.

Anders ausgedrückt: des Urteil der historisch-kritischen Methode beruht auf dem metaphysischen Vorurteil, dass es keine echte Prophetie geben kann.

Wer dieses Vorurteil nicht teilt, kommt dann eben zu einem anderen Ergebnis.

Für diese Spätdatierung spricht auch, dass das Buch im Judentum lange umstritten blieb und nicht zu den „Propheten“ (Neviim), sondern zu den späteren und theologisch weniger bedeutenden „Schriften“ (Ketubim) gezählt wurde.

Wie schon woanders hier geschrieben: dagegen sprechen die Sprache des Buchs (Reichsaramäisch, also vor Alexander d.Gr.) und die Tatsache, dass der Autor Dinge weiß, die im 2.Jgh. schon vergessen waren (Belsazar).

Das erscheinen mir dann schon solidere Argumente als das mit der Einteilung des Kanons.

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Hallo loveanfaith Etwa 536v. Chr;es wird von Ereignissen berichtet, die zwischen 605/536 v. Chr. stattfanden. Hintergrund: Nebukadnezer ließ Daniel im Jahr 605 v. hr. als Gefangenen nach Babylon bringen. Dort stand Daniel während der Herrschaft von Nebukadnezer, Belsazar, Darius und Kyrus ungefähr 70 Jahre lang im Dienst der Regierung. Schlüsselvers: Er enthüllte, was unergründlich ist und in der Tiefe ruht; er weiß was im Dunkeln ist, denn wo er wohnt ist alles Licht. Schlüsselorte Der Palast Nebukadnezers, der brennende Ofen, Belsazars Fest, die Löwengrube. Besonderheiten: Die endzeitlichen Visionen von Daniel (Kapitel1-7) gewähren einen flüchtigen Einblick in Gottes Plan für die Zukunft, sie enthalten außerdem eine direkte Ankündigung des Messias. Ich hoffe es hilft ein wenig. Sei gesegnet Brighet

gut, dass timinini was geschrieben hat. Daran kannst du sehen, dass Bibelauslegung mehr sein kann als deine eine Mischung aus halbgaren Fakten und hineinlesen der eigenen Glaubensvorstellungen.

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@scben

Das war eine Kurzfassung und kein hineinlesen in meiner eigenen Glaubensvorstellung. Warum soll ich dem Fragesteller das Bibellesen abnehmen. Und die Frage war korrekt beantwortet. Wenn du es besser kannst dann Antworte doch selber.

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@scben

eine Mischung aus halbgaren Fakten und hineinlesen der eigenen Glaubensvorstellungen.

... trifft doch gut auf das zu, was tinmini zitiert hat. Irgendwelche unbelegten "Vorstellungen" über ein Wachstum des Buchs, Hineinlesen der Vorstellung, dass es keine echte Prophetie gibt ...

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Hallo loveandfaith,

in dem Bibellexikon der Zeugen Jehovas "Einsichteb über die Heilige Schrift" werden die Argumente beider Lager behandelt (hier leicht bearbeitet). Sieh selbst, warum festgestellt wird:

Die Niederschrift des Buches Daniel wurde um das Jahr 536 v. u. Z. beendet; es behandelt die Zeit von 618 v. u. Z. bis etwa 536 v. u. Z. (Da 8:1, 2).

Einige Kritiker bezweifeln die Echtheit des Buches Daniel und vertreten den Standpunkt, den ein heidnischer Philosoph und Feind des Christentums, Porphyrius, im 3. Jahrhundert einnahm. Er behauptete, das Buch Daniel sei von einem palästinischen Juden aus der Zeit des Antiochos Epiphanes gefälscht worden. Dieser Fälscher, so lautet seine Theorie, griff Ereignisse aus der Vergangenheit auf und stellte sie als Prophezeiungen dar.

Die Echtheit des Buches Daniel wurde jedoch von jener Zeit an bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts nicht ernsthaft bezweifelt. Doch ein noch bedeutsamerer Beweis für die Echtheit des Buches ist die Tatsache, daß Jesus Christus die Prophezeiungen Daniels anerkannte (Mat 24:15; Da 11:31).

Mehrere Handschriften von Teilen des Buches Daniel wurden in den Höhlen am Toten Meer gefunden. Die früheste Handschrift stammt aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. u. Z.; das Buch Daniel war zu jener Zeit ein anerkannter Bestandteil der heiligen Schriften und war den Juden so gut bekannt, daß bereits damals viele Abschriften angefertigt worden waren. Daß es als kanonisch anerkannt wurde, wird durch den Schreiber des apokryphen, aber geschichtlichen Buches Erster Makkabäer (2:59, 60) gestützt, der auf Daniels Befreiung aus der Löwengrube und auf die Rettung der drei Hebräer aus dem Feuerofen Bezug nahm.

Wir haben auch das Zeugnis des jüdischen Historikers Josephus, der berichtet, daß die Prophezeiungen Daniels Alexander dem Großen gezeigt worden seien, als er in Jerusalem eingezogen sei. Das ereignete sich um das Jahr 332 v. u. Z., über 150 Jahre vor der Makkabäerzeit. Josephus schreibt über dieses Ereignis: „Als man ihm nun das Buch Daniel zeigte, in welchem vorausgesagt war, ein Grieche werde der Perser Reich zerstören, hielt er sich selbst für diesen Griechen“ (Jüdische Altertümer, 11. Buch, Kap. 8, Abs. 5). Auch berichtet die Geschichte, daß Alexander den Juden große Gunst erwies, und man führt das auf das zurück, was Daniel prophetisch über ihn geschrieben hatte.

Daniel 1:1 bis 2:4a und 8:1 bis 12:13 ist in hebräisch geschrieben worden, Daniel 2:4b bis 7:28 dagegen in aramäisch. Bezüglich des Wortschatzes, der im aramäischen Teil von Daniel gebraucht wird, sagt das Werk The International Standard Bible Encyclopedia (Bd. 1, S. 860): „Bei der Prüfung des aramäischen Wortschatzes aus Daniel können neun Zehntel unmittelbar durch westsemitische Inschriften bestätigt werden oder durch Papyri aus dem 5. Jahrh. v. Chr. oder früher.

Die verbleibenden Wörter sind in aramäischen Quellen gefunden worden, zum Beispiel in Schriften der Nabatäer oder Palmyrer, die aus der Zeit nach dem 5. Jahrh. v. Chr. stammen. Es ist zwar zumindest theoretisch möglich, daß dieser geringfügige Rest des Wortschatzes unvermittelt nach dem 5. Jahrh. v. Chr. aufkam, aber es kann auch sein, daß es sich um eine aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. datierende geschriebene Form handelt, die aus einer früheren gesprochenen Form entstanden ist. Die glaubwürdigste Erklärung ist jedoch, daß das fehlende Zehntel auf eine wesentliche Lücke in unserem derzeitigen sprachwissenschaftlichen Kenntnisstand zurückzuführen ist, von der wir mit Zuversicht erwarten dürfen, daß sie sich im Laufe der Zeit schließt“ (herausgegeben von G. Bromiley, 1979).

Die komplette Abhandlung erhältst Du mit dem Link:

http://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/1200001118

Daniel in der Löwengrube (Briton Rivière 1840-1920) - (Internet, Religion, Christentum)

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