Coming Out: Was kann man vom Lehrer erwarten?

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7 Antworten

Hallo,

ich habe Lehramt studiert (arbeite allerdings zurzeit noch nicht als Lehrkraft).

Leider muss ich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er dafür speziell geschult ist, sehr gering ist. Das gehört bedauerlicherweise nicht zum Studium und man ist da als Lehrer-in in der Regel auf seinen gesunden Menschenverstand und seine Eigeninitiative angewiesen. Vielleicht ist es an anderen Unis anders, aber ich habe dazu nichts im Studium gelernt.

Von daher kann ich dir auch nicht sagen, wie er vermutlich reagieren wird. Das hängt vor allem davon ab, was er persönlich zu dem Thema weiß und denkt, genauso wie bei jedem Nicht-Lehrer, dem du das erzählen könntest, es sei denn, du hast Glück und er hat sich privat oder beruflich "fortgebildet".

"Darf er überhaupt negativ reagieren? Und darf er seine Hilfe verweigern,
wenn er erst weiß, um was es eigentlich geht (bisher haben wir zwar
einen Termin für das Gespräch, aber er kennt das Thema noch nicht)?"

Naja, eigentlich "darf" er nicht negativ reagieren. Es gehört zu den allgemeinen Grundsätzen und auch den gesetzlich verankerten Werten, die man als Lehrkraft eingetrichtert bekommt, dass Schüler-innen grundsätzlich mit Respekt und Wertschätzung zu behandeln sind. Das Wohl des Kindes/Jugendlichen und der humanistische Umgang mit Schülern haben immer an erster Stelle zu stehen, was natürlich auch bedeutet, dass niemand persönlich verletzt, beleidigt oder gedemütigt werden darf und dass nicht aufgrund Religion, sexueller Orientierung, Nationalität etc. diskriminiert werden darf.

Allerdings sind Menschen auch nur Menschen und von daher steht das, wie sie sich verhalten sollten, und das wie sie sich verhalten, auf einem anderen Blatt. Idioten gibt es ja bekanntlich überall, auch unter Lehrern, und gerade wenn er überrascht ist, ist nicht auszuschließen, dass er unangemessen reagiert, falls er etwas gegen Homosexuelle haben sollte.

So wie du ihn beschreibst, kann ich mir das aber nicht vorstellen.

Deine Eltern wird er nicht informieren, wenn du ihn darum bittest, das nicht zu tun. Deine Homosexualität stellt schließlich, im Gegensatz zu z.B. Drogenmissbrauch, Kriminalität oder Erkrankungen, keine Gefahr für dich oder andere dar. Er hat zwar keine "Schweigepflicht" wie ein Arzt, aber wie oben gesagt, Kindeswohl steht im Vordergrund. Wenn mir ein Schüler/eine Schülerin so etwas anvertrauen würde, würde ich selbstredend nicht die Eltern informieren, es sei denn, der junge Mensch wünscht sich das explizit von mir.

Mich würde allerdings interessieren, was DU dir von ihm erwartest, im besten Fall? Das meine ich ganz neutral?

Ehrlich gesagt glaube ich, dass du dir unnötig Sorgen machst. Ich mag in der Hinsicht etwas naiv sein, denn leider ist ja Homophobie immer noch ein Problem, aber ich denke, dass du weniger negative Reaktionen bekommen wirst als du anscheinend befürchtest.

Ich kann nicht mit persönlichen Erfahrungen aufwarten, außer dass sich Mädels vor mir mehr oder weniger zufällig "geoutet" haben ;)

Aber ich würde gar nicht so eine große Sache draus machen. Ich bin - wie gesagt, vielleicht naiv, aber als grundsätzlich vernünftiger und gutmütiger Mensch - zuversichtlich, dass deine sexuelle Orientierung den meisten im Grunde egal ist. Und deine Freunde oder deine Familie werden dich sowieso mögen, wie du bist, jedenfalls will ich das hoffen - ansonsten solltest du die Freunde wechseln.

Das entspricht sicherlich noch nicht überall der Realität, aber ich glaube, dass die positiven und neutralen Reaktionen auf ein Coming Out die negativen überwiegen, und wen juckt schon die Meinung von intoleranten Idioten - sie werden über kurz oder lang "aussterben", jedenfalls hoffe ich das.

Ich bin zuversichtlich, dass ich noch erleben werde, dass homosexuelle Beziehungen, Ehen und Kinderadoptionen nicht mal mehr einer Erwähnung wert sein werden.

In diesem Sinne alles Gute und ich wünsche dir, dass du dir keine blöden Sprüche oder gar Beleidigungen anhören musst! :-)

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Kommentar von lotsoflove123
23.07.2016, 00:20

Hi :)

Ich habe beim Fragestellen so gehofft, dass ein Lehrer (oder (ehemaliger) Lehramtsstudent) mir antwortet, danke schon mal dafür :) 

Da du noch kein Lehrer in dem Sinne bist, weißt du vermutlich auch nicht, ob es dazu Fortbildungen gibt, oder? Ich bekomme immer nur mit, dass Lehrer auf Fortbildungen gehen, aber nicht zu welchem Thema. Möglicherweise könnte da ja etwas dabei sein? Ansonsten verlasse ich mich jetzt einfach mal darauf, dass ich ihn für einen sehr kompetenten und sozialen Menschen halte, der nicht homophob/biphob ist :) 

Danke soweit! Ich kannte mich bei dem Thema (also was Lehrern in so einer Situation erlaubt ist und was nicht) nicht aus und war mir nicht sicher, ob er dann nicht nach seiner eigenen Meinung irgendwie etwas sagen darf, also auch wenn es negativ sein sollte. Solange er sich noch halbwegs unter Kontrolle haben sollte, wird er sich da vermutlich dran halten. Ich kann mir das ebenfalls nicht vorstellen, möchte es aber nicht ausschließen, weil ich am Ende sonst vielleicht total enttäuscht bin :) 

Danke auch hier für die Erklärung! Das heißt, dass er (falls er im schlimmsten Fall total homophob sein sollte) aber dann mit meinen Eltern sprechen wollen könnte, wenn er meine Sexualität irgendwie als Gefahr für mich erachten würde (also ganz nach dem Motto "sie landet in der Hölle" und was man da nicht so alles sagt)? Erneut schätze ich ihn so nicht ein, deshalb beruhigt mich das schon mal etwas. 

Im besten Fall würde er das positiv aufnehmen und mir schon mal sagen, dass das gar nichts daran ändert, wie er mich sieht oder wie ich bin. Und dann könnte er mir sagen, ob er meine Stufe so einschätzt, dass ich damit wirklich offen umgehen könnte bzw. ob er von unserer Schule weiß, dass sie bei beispielsweise Mobbing durchgreifen würde oder wegsehen würde. Vielleicht könnte er mir dann noch etwas Mut machen, dass ich mit meiner Familie rede (so nach dem Motto "sie lieben dich doch wie du bist" und so). Also im Grunde erwarte ich im besten Fall kein Weltwunder (hoffe ich zumindest :D), sondern einfach nur ein bisschen positives Zureden, das mir auch Mut macht, mit meinen engsten Freunden und meiner Familie zu reden. Dafür fehlt mir momentan nämlich einfach noch die Überwindung. Ich würde es aber auch schon als "gut" ansehen, wenn er einfach neutral reagieren würde. Er muss ja nicht Luftsprünge machen, sondern einfach nur sagen, dass er das okay findet. Das würde mich schon reichen. Ich erwarte ja auch von Freunden und Familie nichts Anderes.

Das ist sehr gut möglich, auch weil meine Familie eigentlich nicht homophob ist (dennoch könnte es da einige Probleme geben; Religion und Vorurteile sind da eben doch noch etwas präsent). Ich sorge mich vor allem darum, dass es von meinem Freundeskreis in die Schule gelangen könnte und dann dort negative Reaktionen kommen. Wir haben einige Menschen in der Stufe, die sehr streng religiös und wirklich sehr homophob sind (weil es eben ihrer Religion widerspricht). 

Das mit den intoleranten Idioten hast du sehr gut gesagt und eigentlich stimme ich dir da auch vollkommen zu, nur wäre es halt trotzdem ohne negative Reaktionen schöner und gerade der Verlust von Freunden gibt mir zu denken. Bei einer Freundin weiß ich eigentlich schon sei Jahren, dass sie nach meinem Coming Out nie wieder mit mir reden wird. Das hat sie mal (auf Lesben bezogen) gesagt und ihre Meinung hat sich da nicht geändert. 

Da bist du aber sehr zuversichtlich! Ich hoffe, dass du damit Recht behalten wirst. Das wäre natürlich wirklich sehr schön. 

Dankeschön! Und tausend Dank für die Antwort, sie war wirklich unglaublich hilfreich! :) 

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Hallo :)

Generell halte ich nicht sehr viel davon, dass du deinen Lehrer ins Vertrauen ziehst, aber das beruht auf persönlichen Erfahrungen. 


Natürlich darf er negativ reagieren. Er ist schließlich auch nur ein Mensch mit Gefühlen. Aber nicht 'Negativ' im Sinne davon, dass er dich verstößt. Er wird versuchen für dich da zu sein, aber ich vermute nicht, dass er wegen ( im Gegensatz zu anderen Dingen, was Lehrer manchmal so erzählt bekommen..) so einer Lappalie deine Eltern informiert. Er wird es dir vielleicht ans Herz legen, aber mehr auch nicht. 

Etwas anderes wäre es, du würdest ihm vom Ritzen oder sogar Suizid erzählen, wenn er dann nichts sagt, macht er sich strafbar. Und mit dem schlechten Gewissen müsste er auch Leben. 


Mach dir keinen Kopf, es kommt eh immer anders, als man denkt. Er wird dir wohl kaum den Kopf abreißen. ^^ 

Liebe Grüße,

xohnexmichx

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Kommentar von lotsoflove123
23.07.2016, 22:16

Hi :)
Wieso genau findest du, dass das keine gute Idee ist? Beziehungsweise: Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Es ging nicht um das Thema "können", sondern wirklich "dürfen" und es hat sich bereits durch andere Antworten herausgestellt, dass er das in der Tat nicht darf. 

Angenommen ich würde ihm sagen, dass ich mich in der Vergangenheit geritzt habe, müsste er das dann auch weitersagen? Also wenn ich ihm versichern könnte, dass ich es nicht mehr machen würde. Rein hypothetisch natürlich ;)

Ich bin leider so ein Worst-Case-Szenario-Mensch, da mach ich mir vorher immer mehr Panik, als es hinterher nötig gewesen wäre. 

Vielen Dank für deine Antwort!

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Also ich kann die meisten deiner Fragen leider nicht beantworten, aber vielleicht hilft dir meine Antwort trotzdem?

Darf er negativ reagieren? Das kommt drauf an wie du daß definierst. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass er dich dann beleidigt o.Ä, es sei denn er ist sehr homophob und hat keine Angst seinen Job zu verlieren. Ich glaube Hilfe direkt verweigern kann er nicht (sollte er zumindest nicht) aber er könnte natürlich sagen dass er nicht weiß wie er damit umgehen soll oder wie er dir helfen kann. Ich glaube nicht dass es Schulungen gibt, aber vielleicht kommt es auch darauf an wie die Schule selbst mit dem Thema umgeht und inwiefern sie ihr Personal darauf vorbereitet (oder wie es im Studium gehandhabt wurde). Grundsätzlich denke ich dass die Lehrer wenn überhaupt selbst Nachforschungen anstellen beziehungsweise eben aus ihrem Privatleben etwas wissen. Ich glaube wenn du ihn darum bittest es deinen Eltern nicht zu sagen, würde er es auch nicht tun. Wenn er eben schon Ahnung von dem Thema hat versteht er sicher dass du es deinen Eltern eben nicht sagen willst.

Also es ist logischerweise schwer zu sagen wie er damit umgehen wird, vor allem weil wir ihn ja alle nicht kennen. Theoretisch könnte alles mögliche machen, aber wenn er einigermassen kompetent ist gehe ich davon aus dass ihr erstmal zusammen drüber redet und euch gemeinsam eine Lösung überlegt. das könnte auch eine Beratungsstelle sein aber ich glaube dass du da noch ein Wort mitzureden hast

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Kommentar von lotsoflove123
22.07.2016, 20:59

Die Antwort hat mir geholfen, danke!

Nun ja, als negativ reagieren zähle ich eigentlich auch schon, dass er sich dann im Gespräch distanziert, vielleicht komisch guckt oder die Augenbrauen hochzieht, solche non-verbalen Sachen eben. Dinge, mit denen er mir deutlich zeigt, dass er das nicht gut findet. Wenn er homophobe Äußerungen von sich geben würde, könnte er also theoretisch den Job verlieren? 

Zu den Schulungen: Ich habe schon von den  verschiedensten Lehrerfortbilungen gehört und da dachte ich mir, dass da vielleicht auch was dabei sein könnte. War aber nur so geraten :D 

Angenommen, er hätte jetzt ein Problem damit und würde meinen, dass er mir irgendwie helfen könnte, indem er mit meinen Eltern redet und die mich dann davon überzeugen, dass ich eigentlich hetero bin: Darf er das dann rechtlich? Immerhin hat er ja keine Schweigepflicht oder so als Lehrer...

Danke nochmal für deine Antwort! :) 

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Also erstmal. Er ist ein Mensch wie du. Dementsprechend kann er sonstwie reagieren. Bereite dich mental auf alle Eventualitäten vor, aber setzte sie jetzt nicht voraus, warte ab was geschieht. Was er definitiv nicht tun wird und auch nicht darf ist dir den Kopf abreißen 😉

bleib locker, bis du weißt wies aussieht

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Kommentar von lotsoflove123
22.07.2016, 21:02

Natürlich ist mir klar, dass er "sonstwie" reagieren kann, die Frage war eher, ob er das überhaupt DARF. Ich werde jetzt ganz sicher nicht zur Rektorin rennen und mich dann direkt vor ihr outen, wenn mein Lehrer negativ reagiert hat - deshalb frage ich nicht -, aber wenn er es gar nicht dürfte, würde er sich bestimmt noch beherrschen, selbst wenn er alles andere als begeistert wäre. 

In den letzten zwei Tagen bin ich schon alle möglichen Reaktionen im Kopf durchgegangen, in dem Sinne bin ich schon vorbereitet. Nur emotional noch nicht so ganz :D 

Locker bleiben ist leichter gesagt als getan, aber ich werds versuchen. Danke :) 

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Ein Lehrer darf nichts negatives über Homosexuelle sagen. Ich glaube er wird es nicht deinen Eltern sagen,auch wegen der Schweige Pflicht. Ob er dafür geschult wurde,weis man nicht aber ich bin mir sicher er wird trotzdem weiter hin für dich da sein.

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Kommentar von lotsoflove123
23.07.2016, 17:33

Danke für deine Antwort! :) 

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Niemand kann hier wissen, wie Dein Lehrer reagiert. Niemand kann zu positiven Reaktionen gezwungen werden. Ob er Verständnis hat oder den Kopf schüttelt, kann keiner wissen, der ihn nicht kennt. Du selber musst wissen, ob Du Vertrauen zu ihm hast.

Lehrer sind (wenn sie nicht Schulpsychologen sind) normalerweise nicht für so etwas geschult, können aber durchaus dazu fähig sein, Dir in einem Gespräch verständnisvoll weiterzuhelfen. Kommt drauf an, was Du erwartest.

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Kommentar von lotsoflove123
22.07.2016, 23:51

Das war auch gar nicht meine Frage, sondern eher, ob er theoretisch überhaupt negativ reagieren darf. Dass ihn hier niemand persönlich kennt, ist mir auch klar^^

Über meine Erwartungen bin ich mir auch noch nicht ganz im Klaren, eigentlich "nur" Unterstützung bei dem Weg nach Draußen und Akzeptanz, wobei mir eine neutrale Reaktion schon als positive Reaktion reichen würde.

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Soweit ich weiß, haben Vertrauenslehrer Schweigepflicht, außer es ist etwas Wichtiges was der Polizei und/oder Eltern gesagt werden muss. Da er Lehrer ist, darf er als Pädagoge ganz sicher nicht die Schüler niedermachen oder schlecht auf etwas reagieren... ;-) Also, es kann nichts Schlimmes passieren, falls du etwas, was er sagte als niedermachend empfindest, kannst du das Lehrern/Eltern sagen und dann ist er nämlich dran;)

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Kommentar von lotsoflove123
22.07.2016, 21:05

Er ist kein Vertrauenslehrer, sondern lediglich mein Lieblingslehrer und eben die Person, der ich bezüglich diesen Themas am meisten vertraue. Gilt das mit der Schweigepflicht dann trotzdem?

Das ist gut zu wissen (er ist niemand, der Regeln bricht, also wird er sich auch an sowas halten), auch wenn ich ihn sicher nicht verraten werde. Das würde nämlich bedeuten, dass ich mich vor meinen Eltern und der Rektorin outen müsste. Und wenn schon die Person meines Vertrauens negativ reagieren sollte, werde ich mich das bestimmt nicht trauen.

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