Ist es gültig wenn man sein Kind ohne Pfarrer selbst tauft?

24 Antworten

Grundsätzlich gilt, dass eine Taufe ohne Glauben im biblischen Sinn wertlos ist, weil sie einen Menschen nicht zum Christen macht. - Die Taufe ist stets eine Folge des Glaubens, auch wenn manche Kirchen anders handeln.

Dazu kommt noch, dass deine Freundin vermutlich selbst nicht gläubige und praktizierende Christin ist, da ihr seitheriger Lebensverlauf sonst wahrscheinlich andere Bahnen genommen hätte. - Doch damit will ich nicht richten. Wenn ich damit jedoch recht habe, dann ist ihre eigenmächtige Taufe im doppelten Sinn ungültig bzw. wertlos.

Wäre sie dagegen gläubige Christin, dann dürfte sie, obwohl es nicht gängiger Praxis enspricht, nach der Bibel auch taufen, denn dies ist nicht nur Pfarrern bzw. Priestern vorbehalten, sondern jedem im Geiste "wiedergeborenen" Christen bzw. Gläubigen. Wichtig ist allein dass der Täufling selbst gläubig ist und getauft werden will, was bei einem Kleinkind geistig noch gar nicht vorhanden sein kann.

Hallo Jasmin,

kirchenrechtlich betrachtet hängt das von der betreffenden Kirche ab (evangelisch-lutherisch, evangelisch-reformiert, evangelisch-freikirchlich, römisch-katholisch, orthodox...).

Taufe ist grundsätzlich auch die Aufnahme des Getauften in eine bestimmte Gemeinde bzw. Kirche. Darum findet eine Taufe in der Regel auch in einem öffentlichen Gottesdienst statt, und in der Regel hat jede Kirche ihre eigene Taufordnung. So ist meist auch eine bestimmte Taufformel vorgeschrieben ("ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes"), es wird ein Taufversprechen abgelegt, es gibt Taufpaten usw. Danach wird ein Taufschein ausgestellt, und die Taufe wird dokumentiert.

Die meisten Kirchen, die Kindestaufen durchführen, sehen unter bestimmten Bedingungen eine "Nottaufe" vor, die jeder Christ (und zum Teil sogar jeder Nichtchrist) vornehmen kann und die dann der Kirche nachträglich bekannt zu geben ist. Auch dafür gibt es meist Regularien.

Das geht aber nur, wenn das Kind möglicherweise nicht "ordentlich" getauft werden kann (z.B. bei Lebensgefahr). Ansonsten ist die Durchführung der Taufe meist an ein Amt bzw. eine Berufung gebunden (also der Pastor oder der Priester) und an eine bestimmte Taufordnung (Liturgie, Taufversprechen, Taufpaten usw.).

Deine Freundin sollte nun zu der betreffenden Kirchengemeinde gehen und ein Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer führen. Der Pfarrer hat je nach Kirche, für die er tätig ist, bestimmte Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen.

Wichtig ist im Grunde, dass die Taufe der betreffenden Kirche bzw. Gemeinde bekannt gemacht wird. Wenn die Kirche die Taufe anerkennt, wird sie ins Taufbuch eingetragen, und das Kind wird Mitglied der Gemeinde. In einer evangelischen Kirche wird dann Kind dann im passenden Alter konfirmiert.

Es ist je nach Kirche möglich, dass die Taufe nicht anerkennt wird. Aber das kann nur der jeweilige Pfarrer sagen.

Ich gehöre zu einer Kirche, die nur Gläubige tauft und als Mitglieder aufnimmt (Baptisten) - in seelsorgerlichen Ausnahmefällen nehmen wir Kindgetaufte als Mitglieder auf, wenn die Kindertaufe "ordentlich" stattgefunden hat (in unserer Gemeinde gilt als Faustregel "Kindertaufe in einer Mitgliedskirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen"). Wir lassen uns also die Taufe (und bei Protestanten die Konfirmation, die zur Taufe gehört) bestätigen.

Grüße

Michael

danke für deine ausführliche antwort

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Eine Taufe ist gültig, wenn sie durch Übergießen mit Wasser und die Formel: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" gespendet wird. In einem Notfall kann jeder gültig die Taufe spenden, wenn die Absicht besteht, das Kind christlich zu erziehen. Diese Intention ist wichtig, weshalb vor jeder Taufe ein Gespräch mit den Eltern geführt wird. Eine Nottaufe muss aber auch dem zuständigen Pfarramt gemeldet werden, weil die Taufe zugleich die Eingliederung in die christliche Gemeinschaft (Kirche) ist. Normalerweise werden dann in einer eigenen Feier die Riten nachgeholt, die nicht erfolgt sind, etwa die Fragen an die Eltern und Paten, die Salbung mit Chrisam, die Übergabe der Taufkerze und die anderen Gebete. Die Taufe wird dann in das Taufbuch eingetragen und man bekommt eine Urkunde als Nachweis, dass man als Getaufter auch Zugang zu den anderen Sakramenten der Kirche hat wie Abendmahl/Erstkommunion, Firmung, Ehesakrament.

In dem von dir geschilderten Fall handelt es sich nicht um eine Nottaufe, weil keine Lebensgefahr bestand. Auch dann hätte deine Freundin dem Pfarrer davon Meldung machen müssen.Offenbar ist es deiner Freundin wichtig, dass ihr Kind vor Gott getauft ist, wobei die kirchliche Mitgliedschaft für sie weniger wichtig ist. Das kann man so nicht akzeptieren. Christus hat der Kirche Vollmachten verliehen, durch die Er wirken will und dazu gehört auch die gültige Spendung der Sakramente. Eine Taufe ohne nachfolgende christliche Erziehung macht keinen Sinn.

Die Angst um das Kind ist unbegründet, da nach kirchlicher Lehre niemand ohne persönliche Schuld verloren gehen kann und Christus für alle Menschen gestorben ist. Es wird also für ein im ungetauften Zustand verstorbenes Kind einen Weg zum Himmel geben.

Deine Freundin befindet sich in einer inneren Zerrissenheit zwischen ihrem Partner und ihrem christlichen Glauben, den sie ihrem Kind nicht vorenthalten möchte. Sie hat eine gute Absicht und Gott weiß das.Sie wird sich aber entscheiden müssen zwischen ihrem Ja zu Jesus Christus oder ihrer Verbindung zu einem Moslem, der ihr diese Freiheit nicht gestatten will. Das kann sie auf Dauer nicht glücklich machen.

Ich habe durchaus mir Muslimen zu tun gehabt, denen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und unsere Religionsfreiheit wichtig sind. Gerade auch im Blick auf eine Freundin/einen Freund oder auf einen Ehepartner. 

Und ich kann mich an die Ansprache des muslimischen Vaters der Braut auf ihrer Hochzeit erinnern, die von gegenseitigem Respekt getragen war und die religiösen Entscheidungen der Tochter und des Schwiegersohns im Blick auf die Enkel mittragen würde.

Ich halte es überhaupt nicht für zwangsläufig, dass der Freund ihr die Freiheit nicht gestatten will. Das kommt auf den konkreten Freund an.

Und was Christus betrifft: Der hat seinen Glaubensgenossen so oft Heiden als Vorbild hingestellt, dass er die beiden jedenfalls nicht vor die Entscheidung stellen wird. Paulus sagt zu Recht in 1. Kor 13,13: Glaube ist sehr wichtig. Aber noch wichtiger als der Glaube ist die Liebe.

Jetzt ist nur die Frage, ob der Freund das auch so sieht.
Und wie seine Freundin ihm gegenüber klarmachen möchte, dass auch sie das so sieht. Denn ihre heimliche Taufe spricht erst einmal eine andere Sprache. Leider.

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@nachdenklich30

Es ist schön, dass es solche Erfahrungen mit Toleranz und Respekt zwischen Partnern auch gibt. Hier ist aber die Rede davon, dass der Freund mit einer Taufe und damit auch mit einer christlichen Erziehung nicht einverstanden ist.

Christus hat zwar gesagt, dass ein Nichtgläubiger durch den gläubigen Partner in einer Ehe  geheiligt wird, aber er sagt nicht, dass sich der gläubige Partner dem Nichtgläubigen unterordnen soll. Im Gegenteil verlangt Christus eine klare Entscheidung, weshalb er auch voraussagt, dass die engsten Verwandten einander um Jesu willen hassen und verraten werden. Die ersten Christen haben ihr Leben dafür gegeben, wenn sie vor die Entscheidung gestellt wurden, sich zu Christus zu bekennen. Christus erkannte bei "Heiden" ihre grundsätzliche Offenheit für seine Botschaft, die bei gläubigen Juden oft nicht gegeben war und das gilt auch für die heutige Zeit.

Wenn Paulus von Liebe spricht, die am wichtigsten ist, meint er damit die Liebe zu Gott, der alles andere unterzuordnen ist (auch die Liebe zu einem Menschen) und er heiligt die Ehe, die im Fall der Fragestellerin offenbar gar nicht geschlossen wurde.

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Nottaufen sind zwar durchaus gültig, aber die oder der Taufende,  sind meist Hebammen (auf Wunsch der Mutter bzw. Eltern) und die sind verpflichtet es der jeweiligen Kirche bzw. Pfarramt zu melden. Wenn deine Freundin nicht verheiratet ist, bzw. das alleinige Sorgerecht hat, dürfte sie auch keine Probleme bekommen. Einfach mal beim Pfarramt anrufen und nachfragen und denen mitteilen dass diese Angelegenheit vertraulich behandelt wird. Taufschein kann sie dann abholen und landet nicht in der Post.

aber hebammen sind auch normale menschen das ist das was ich nicht verstehe dann kann ja jeder andere auch taufen

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@Jasminzina1

Selbstverständlich kann jeder taufen. Er muß noch nicht mal Christ sein. Die sollten das aber weitermelden, je nachdem wo z.B. die Eltern Mitglied sind, oder der Schwerkranke der getauft werden wollte, Mitglied sein will bzw. wollte, wenn er danach verstarb. Die Taufe gilt eigentlich für alle Konfessionen die an die Trinität glauben. Die erkennen die Taufe gegenseitig an.

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@Klaraaha

was bringt den das dem getauften das er eine konfession hat bevor er stirbt?

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Wenn sie mit diesem Akt "das tun wollte, was die Kirche tun will" ist die Taufe gültig.
Von dem was du geschildert hast, ist das mit Sicherheit nicht der Fall. Es steht ihr aber frei, im regelmäßigen Gebet Ihr Kind der Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen. Wie sie die religiöse Erziehung handhabt, muss sie mit dem Kindesvater abklären.

meinst du wegen einer christlichen erziehung wäre sie nicht gültig?

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neuen n, es war kein Notfall und es war heimlich, er ist keine Absicht gewesen, dass das Kind als Christ in der Kirche leben kann. Taufe ist nach katholischem Verständnis kein magischer Akt, sondern ein Sakrament.

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@Eselspur

aber es bleibt doch für immer eine taufe ob man aus der kirche austritt oder nicht.es werden ja viele getauft und konformiert aus tradition wie "funktioniert"denn ein sakrament?

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Ich weiss nicht, ob "funktionieren" ein stimmiges Wort ist... Gott hat aus Liebe seinen Sohn in die Welt gesand, Jesus Christus. Er ist das Heil der Menschen und er bringt das Heil:Er ist das URSAKRAMENT. Jesus hat Menschen in seine Nachfolge gerufen, aus denen ist die Kirche entstanden, das GRUNDSAKRAMENT. Diese Kirche spendet sieben Sakramente, das heisst es gibt sieben Handlungen, mit der die Kirche mit all ihrer Autorität dahinter steht: hier ist Gott mit Gewissheit erfahrbar. Konkret zur Taufe: wenn ein Erwachsener zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist und sich taufen lassen will oder gläubige Eltern oder die Taufe für ihr Kind wollen oder es befürwortet, dass ein Taufpaten sich um die religiöse Erziehung kümmert, können die Kirche um die Taufe bitten. Die Kirche vollzieht durch einen ihrer Amtsträger, in der Regel durch einen Diakon oder Priester.

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Nottaufen sind in Notsituationen, also bei Lebensgefahr möglich. Diese können der zuständigen Pfarre gemeldet werden, es werden bestimmte Riten in der Kirche vollzogen und ein Taufstein wird ausgestellt. wenn irgendwer jemand Wasser über den Kopf gießt.. Nicht böse sein, das ist mit Sicherheit KEIN Sakrament.

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@Eselspur

wenn also kein glaube dazu kommt ist die taufe nicht wirksam?

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weiss nicht, was "kein Glaube" heißt, wer kann das schon beurteilen?

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