Carpe Diem oder Memento Mori?

11 Antworten

Religion an sich halte ich für ein Konstrukt, das sicherlich manchen Menschen hilft, besser mit dem Glauben klarzukommen. Nur verleitet sie zu schnell dazu, nicht mehr den eingenen Glauben zu leben, sondern den, der von der Religion vorgegeben wird, was meiner Meinung nach sehr bedenklich ist.

Glaube an sich ist eine gute Sache, jeder sollte seinen eigenen Glauben haben und leben dürfen. Religion ist an sich auch keine schlechte Sache, birgt aber einige Risiken. Kirche hingegen ist etwas, das meiner Meinung nach verboten gehört.

Wer kann sagen, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Jeder der das behauptet, glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, beweisen kann er das nicht. Ob das Leben sinnvoller ist, wenn es nach dem Leben weiter geht oder nicht, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

Findest Du, die beiden Ztate widersprechen sich?

Nutze den Tag, gedenke des Todes.

Genau, das kann man auch so interpretieren: Denk an den Tod und darum lebe Dein Leben.

Das heisst nicht, man denkt gar nicht an morgen, aber für mich heisst es, nichts sein zu lassen,w eil ich denke, ich kriege es ja irgendwann im nächsten Leben.

Okay, vielleicht gildet das nicht.. ich hab mal Theologie studiert und bin mittlerweile aus der Kirche ausgetreten. jaja, die blöden Spielverderber  ;-S

Die Sprüche

Carpe Diem oder Memento Mori

sind nur ein Scheinwiderspruch. Der komplette epikureische Lehrspruch lautet:

Carpe Diem et respice finem

Er bedeutet, den aktuellen Tag zu nutzen, aber nicht zum Auspowern als gäbe es kein danach sondern immer mit der Perspektive auf die gesamte Lebenszeit. Auch die Erinnerung daran, dass er sterblich sei, die sich angeblich der Kaiser und letzte Stoiker Marc Aurel jeden morgen sagen lies, geht in diese Richtung.

Anders als ihnen nachgesagt wurde, waren die Epikureer keine Atheisten sondern "glaubensoffene Agnostiker". Als Atomisten glaubten sie allerdings nicht an ein eigenes Weiterleben der Seele oder des Geistes nach dem Tod, wohl aber, dass sich die Atome in neuem Sein organisieren. Damit kamen sie den Mystikern nahe, sinngemäß, dass der Mensch nach seinem Tod wie ein Tropfen ins große Meer des Seins zurückkehrt. 

Ein moderner Stoiker ist Joachim Kahl, den Du findest, wenn Du "Kahl Philosoph" googelst. Da kann man interessante Texte nachlesen.

Einen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Glaube gibt es nicht. „Wohin und wie weit wir blicken mögen, zwischen Religion und Wissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber in den entscheidenden Punkten voller Übereinstimmung. Für den Gläubigen steht Gott am Anfang, für den Physiker am Ende alles Denkens“ (Max Planck)

Es gibt eine Gotteserfahrung und die ereignet sich im Alltag des menschlichen Lebens. Beweise wenden sich nur an den Verstand, die Erfahrung aber ergreift den ganzen Menschen mit all seinen Kräften. Es ist eine irrige Auffassung, man könne nur das erkennen, was sich im Experiment aufzeigen lasse. Technik und Naturwissenschaft erfassen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit – die materielle Erfahrungswelt. Sie sagen aber nichts aus über den Sinn des menschlichen Lebens und über das Woher und Wohin. Gott liegt jenseits von naturwissenschaftlichen Methoden und sein Dasein kann weder errechnet noch durch chemische Analysen festgestellt werden. Aber Gott liegt nicht jenseits aller Erfahrungen des Menschen und durch logisches Denken kann auf sein Dasein geschlossen werden.

Religionen gibt es, weil im Menschen zutiefst ein Ahnen steckt, dass es den Unendlichen gibt als endgültiges Letztes, in dem alle Sehnsucht Erfüllung findet.In allen Religionen versucht der Mensch, sich dem Göttlichen zuzuwenden, dabei gab und gibt es unterschiedliche Vorstellungen und Gottesbilder. Anders dagegen im Christentum, weil hier Gott selbst in die Geschichte der Menschheit gesprochen hat – zuerst durch die Propheten und zuletzt durch Jesus Christus. Darin besteht die Einzigartigkeit des Christentums, dass Gott in Christus einer von uns wurde. Der Weg, der zu Gott führt, kann nicht vom Menschen, sondern einzig und allein Gott selber zugänglich machen.

Von daher ist die Antwort auf deine Frage: Gott ist Realität und damit auch Religion insofern, als wir uns auf diese Realität einlassen. Man muss dazu Gott finden wollen, denn es gibt Erkenntnisse, die man nur gewinnt, wenn man Interesse hat, sie zu gewinnen. Das allerdings hat Konsequenzen für unser irdisches und ewiges Leben.

Ich würde mich gerne umbringen um zu erfahren, was danach kommt..

Das mache mal tunlichst nicht, es gibt dann kein zurück, dann weißt Du es zwar, aber das nützt dann nichts mehr.

Nun mache ich beides, ich glaube an Gott und ein Leben nach dem irdischen Tod und lebe jetzt und hier in der Realität, in der Hoffnung auf ein gutes Jenseits. Da, wo die Wissenschaft am Ende ist, da geht es mit dem Glauben los.

Carpe diem, nutze jeden Tag, der Dir gegeben ist, als wäre es der letzte, damit kommt man dann gut klar.

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