Carpe Diem oder Memento Mori?

11 Antworten

Zunächst einmal muss man festhalten, dass Religion Wirklichkeit ist, in dem Sinne, dass milliarden Menschen auf der Welt religiös sind. Religiosität und Spiritualität sind Eigenschaften, die uns vom Tier unterscheiden. Wenn Anthropologen nach dem Beginn der Menschheit suchen, dann sind nicht technische Dinge wie Feuer machen das entscheidende Kriterium, sondern wann und wo wurden die ersten Toten begraben. Dass der Mensch durch Religionen nach Antworten und Sinn über die naturwissenschaftlich messbare Welt hinaus sucht, ist nicht primitiv oder naiv, sondern ein Zeichen, dass er in Lage ist, das sinnlich Wahrnehmbare zu transzendieren. Er erweitert dadurch sein Bewusstsein und gewinnt mehr und mehr Sinn für das Geistige. Der sich in unseren Tagen mehr und mehr verbreitende Materialismus ist m.E. ein Rückschritt, da er alles Geistige auf physikalische Phänomene reduziert (Liebe und Gefühle sind dann nur noch biochemische Prozesse, Gedanken und Gebete bloß neuronale Impulse).
Den Wahrheitsgehalt der religiös gefundenen Antworten und Sinnstiftungen, kann man natürlich nicht mit mathematischen Gewissheiten vergleichen. Die konkrete Religion bleibt immer nur ein mögliches Deutungsmodell der Wirklichkeit unter vielen. Es gibt natürlich Kriterien nach denen man religiöse Strömungen und Dogmen als mehr oder weiniger vernunftgemäß bzw. vernunftwidersprechend beurteilen kann.
Für den Gläubigen selbst bleibt der Sprung des Glaubens, der durch Vertrauen und persönliche Erfahrung gestützt wird.
Für uns Christen ist der Glaube ein Geschenk, über das wir uns sehr freuen, das aber auch gepflegt sein will. Sich in diesem Forum in respektvoller Weise darüber auszutauschen ist auf jeden Fall für Gläubige wie Nichtgläubige ein Gewinn. 

Also da werden alle was anderes sagen. Alle die keine Religion haben werden es ablehnen und viele davon, so hab ich es bemerkt, bezeichnen Gläubige dann Obdach als naiv/dumm.
Dir Gläubigen sehen das fast umgekehrt was ich so sehe sind sie aber nicht so "ausfallend". Ich will jetzt nicht alle unter einen gut bringen aber ist meine Erfahrung. Möchte nur sagen, dass hier jeder seine eigene Meinung wiedergibt denn eines ist Fakt: wenn man es wissenschaftlich sieht konnte noch niemand Gott wiederlegen oder beweisen.

Jetzt komm ich aber mal zum persönlichen Teil.
Ich selbst bin Christ und glaube an Gott. Meiner Meinung nach gibt es ihn und somit ein Leben nach dem tot. Bin auch wissenschaftlich sehr angergiert was mir einen weiten Blick verschafft. Ich glaube Gott hat die Welt geschaffen auch wenn es keinen wirklich wissenschaftlichen Beweis gibt. Man kann höchstens spekulieren oder eben glauben.
Wie in der Bibel steht: " Selig sind jene die glauben und nicht sehen".
Dementsprechend glaube ich daran das hört die Welt so geschaffen hat das wir sie verstehen können und dann ist es auch logisch das Gott sich nicht einfach so zeigt. In etwa: "Hey Leute. Hier bin ich!"  
Er baut darauf dass wir an ihn glauben auch wenn es unsicher ist ob es ihn gibt, wenn man der Wissenschaft traut. Erst nach dem tod werden wir es wirklich wissen und niemand kann es davor sagen.
Es heißt schließlich "Glauben" nicht "Wissen"!
Und damit, Amen:D

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich befinde mich grade mitten in einem Physikstudium

die Reihenfolge ist in diesem Fall entscheidend : zuerst wissen, und dann glauben .... zum Glück hatten wir das Zeitalter der Aufklärung ... davor waren wir sehr abergläubig und haben sehr viel spekuliert. Zudem sollten wir dem sogenannten Personkult abschwören ... Jimi Hendrix und auch Jesus und Mohammed

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Ich versteh jetzt nicht ganz wie du das meinst. Es macht doch außer der vielleicht vorhandenen Voreinstellung kaum einen Unterschied ob man zuerst lernt zu glauben oder zu wissen. Wobei ich sagen muss, für mich hat Glaube und Wissenschaft nicht viel miteinander zu tun bis auf das Gott die Natur mit all ihren gesetzten erschaffen hat. Aber das ist dann wieder glaube...:D

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@Raph101

Na ja, zwischen erst Wissen und dann Glauben, oder erst Glauben und dann Wissen ist doch ein Unterschied finde ich. :D

Danke für deine Antwort und LG

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Erklärung gefällig:D bitte um Erklärung ^^

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Die Sprüche

Carpe Diem oder Memento Mori

sind nur ein Scheinwiderspruch. Der komplette epikureische Lehrspruch lautet:

Carpe Diem et respice finem

Er bedeutet, den aktuellen Tag zu nutzen, aber nicht zum Auspowern als gäbe es kein danach sondern immer mit der Perspektive auf die gesamte Lebenszeit. Auch die Erinnerung daran, dass er sterblich sei, die sich angeblich der Kaiser und letzte Stoiker Marc Aurel jeden morgen sagen lies, geht in diese Richtung.

Anders als ihnen nachgesagt wurde, waren die Epikureer keine Atheisten sondern "glaubensoffene Agnostiker". Als Atomisten glaubten sie allerdings nicht an ein eigenes Weiterleben der Seele oder des Geistes nach dem Tod, wohl aber, dass sich die Atome in neuem Sein organisieren. Damit kamen sie den Mystikern nahe, sinngemäß, dass der Mensch nach seinem Tod wie ein Tropfen ins große Meer des Seins zurückkehrt. 

Ein moderner Stoiker ist Joachim Kahl, den Du findest, wenn Du "Kahl Philosoph" googelst. Da kann man interessante Texte nachlesen.

Findest Du, die beiden Ztate widersprechen sich?

Nutze den Tag, gedenke des Todes.

Genau, das kann man auch so interpretieren: Denk an den Tod und darum lebe Dein Leben.

Das heisst nicht, man denkt gar nicht an morgen, aber für mich heisst es, nichts sein zu lassen,w eil ich denke, ich kriege es ja irgendwann im nächsten Leben.

Okay, vielleicht gildet das nicht.. ich hab mal Theologie studiert und bin mittlerweile aus der Kirche ausgetreten. jaja, die blöden Spielverderber  ;-S

Einen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Glaube gibt es nicht. „Wohin und wie weit wir blicken mögen, zwischen Religion und Wissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber in den entscheidenden Punkten voller Übereinstimmung. Für den Gläubigen steht Gott am Anfang, für den Physiker am Ende alles Denkens“ (Max Planck)

Es gibt eine Gotteserfahrung und die ereignet sich im Alltag des menschlichen Lebens. Beweise wenden sich nur an den Verstand, die Erfahrung aber ergreift den ganzen Menschen mit all seinen Kräften. Es ist eine irrige Auffassung, man könne nur das erkennen, was sich im Experiment aufzeigen lasse. Technik und Naturwissenschaft erfassen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit – die materielle Erfahrungswelt. Sie sagen aber nichts aus über den Sinn des menschlichen Lebens und über das Woher und Wohin. Gott liegt jenseits von naturwissenschaftlichen Methoden und sein Dasein kann weder errechnet noch durch chemische Analysen festgestellt werden. Aber Gott liegt nicht jenseits aller Erfahrungen des Menschen und durch logisches Denken kann auf sein Dasein geschlossen werden.

Religionen gibt es, weil im Menschen zutiefst ein Ahnen steckt, dass es den Unendlichen gibt als endgültiges Letztes, in dem alle Sehnsucht Erfüllung findet.In allen Religionen versucht der Mensch, sich dem Göttlichen zuzuwenden, dabei gab und gibt es unterschiedliche Vorstellungen und Gottesbilder. Anders dagegen im Christentum, weil hier Gott selbst in die Geschichte der Menschheit gesprochen hat – zuerst durch die Propheten und zuletzt durch Jesus Christus. Darin besteht die Einzigartigkeit des Christentums, dass Gott in Christus einer von uns wurde. Der Weg, der zu Gott führt, kann nicht vom Menschen, sondern einzig und allein Gott selber zugänglich machen.

Von daher ist die Antwort auf deine Frage: Gott ist Realität und damit auch Religion insofern, als wir uns auf diese Realität einlassen. Man muss dazu Gott finden wollen, denn es gibt Erkenntnisse, die man nur gewinnt, wenn man Interesse hat, sie zu gewinnen. Das allerdings hat Konsequenzen für unser irdisches und ewiges Leben.

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