Autor werden ohne Bücher zu lesen- unmöglich?

14 Antworten

"Mit dem Gedanken spielen" kannst du noch lange, dir Voraussetzungen für und gegen den Beruf des Schriftstellers anhören, dich mit Lektüre auf die Tätigkeit des Schreibens vorbereiten, etc. Fakt ist: Man wird nur Schriftsteller indem man schreibt. Ist diese Voraussetzung erfüllt, werden die von dir angestellten Überlegungen bereits irrelevant.

Hast du ein Buch geschrieben, würde ich behaupten, dass du dir das Recht nehmen kannst, dich selbst als Schriftsteller zu bezeichnen. Aber natürlich ist nicht jeder Schriftsteller automatisch ein guter Schriftsteller. Über Inhalte und Themen kann man sich streiten, ein gutes Sprachgefühl hingegen, ist unerlässlich. Und dieses Sprachgefühl, entwickelt sich (abgesehen von Menschen mit absolutem Gehör) meiner Meinung nach vor allem übers Lesen, sowie der Wortschatz dabei zunimmt.
Schreibst du wirklich an einem längeren Text, wirst du ausserdem auf Probleme stossen und dir vielleicht anschauen wollen, wie andere Schriftsteller diese Probleme gelöst haben. Das kann sehr teilweise sehr hilfreich sein.

Du solltest dir ausserdem bewusst sein, dass man immer Fiktion erschafft, wenn man schreibt. Versuch einmal, ein konkretes Erlebnis wahrheitsgetreu zu schildern und du weisst was ich meine. Es gibt übrigens viele Autoren, die dem Anspruch, möglichst wahr zu schreiben, folgten. (Karl Ove Knausgard wäre hierfür das zurzeit berühmteste Beispiel.) Sowieso beruhen die meisten Werke nicht "nur" auf Fiktion, sondern oft auf der eigenen Biografie. Und ein Werk "nur" mithilfe der eigenen Fantasie zu erschaffen, verdient seinen Respekt.

Überleg dir vielleicht, ob du das, was du schreibst, auch gerne lesen würdest, wenn es jemand anderes geschrieben hätte.

Die Frage ist, was du willst. Wenn du einfach für dich Geschichten schreiben willst, tue es.

Wenn du überlegst, damit z. B. Geld zu verdienen, dann ist es wichtig, dass du nicht nur einfach deine Gedanken zu Papier bringst, sondern dich auch mit Ausdruck beschäftigst, wie du einen Spannungsbogen aufbaust, wie du Charaktere interessant beschreibst und vieles mehr. Wie lernt man sowas? Durch das Lesen.

Wenn dich das Lesen anderer Bücher langweilt, was glaubst du was passiert, wenn du deinen 1. Entwurf geschrieben hast und dann alles neu durchgehen musst? Und das immer und immer wieder?

Das ist überhaupt nicht unmöglich. Viele Spiele-Entwickler zum Beispiel beschäftigen gezielt Menschen, die mit Videospielen nichts zu tun haben, weil solche Menschen eben nicht versuchen, Bestehendes zu kopieren, sondern neue Ideen aus sich selbst heraus kreiieren und für neue Impulse sorgen.

Als Autor, der kaum oder keine Bücher ließt, neigst du zwar einerseits dazu, häufige gemachte Fehler selbst zu machen, da dir als Leser die Erfahrung mit solchen Fehlern fehlt, aber du hast im Gegensatz zu Menschen, die mehr lesen unter Umständen den Vorteil, Dinge auf eine Weise zu erzählen, wie es ein Literaturstudent niemals könnte.

Ich kann dir daher nur dazu raten, es trotzdem zu versuchen. Schreiben kann jeder. Und gut schreiben lernt man nicht durch lesen, sondern durch das Schreiben selbst.

Viel Spaß bei denen Projekten und viel Erfolg!

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