Kommen Jungfrauen laut Bibel automatisch ins Paradis?

27 Antworten

Diese Idee muss aus der Zeit stammen, als die "Heiligen" (Priester, Mönche, Nonnen) wegen irgendwelcher merkwürdiger Ideen keine Nachkommen haben durften, was vor einer halbwegs zuverlässigen Empfängnisverhütung nur durch ein Eheverbot durchzusetzen war.

Weil es nur wenige gibt, die ein Leben ohne Sex auf Dauer aushalten, kann man sich an einem Finger abzählen (kein Wortspiel beabsichtigt), was dann als größte Versuchung für die "Heiligkeit" in den Vordergrund trat.

Von da aus ist es nur ein kleiner Schritt, sexuelle Sünden als die einzigen "echten" Sünden zu betrachten - sonst könnte ich mir die Frage nicht erklären.

Aber in der Bibel ist von keinem dieser Punkte etwas zu finden.

Nicht einmal Keuschheit hat in der Bibel unbedingt etwas mit "Jungfräulichkeit" zu tun - dies nur vor der Ehe -, sondern mit Treue (auch gedanklicher) seinem Ehepartner gegenüber.

Im Gegenteil - jemand, der aus Stolz auf Geschlechtsverkehr (und sonstige sexuelle Handlungen) verzichtet und seine in seinen Augen schwächeren und sündigeren Mitmenschen nicht nur verachtet, sondern sich auch berechtigt fühlt, sie als minderwertig zu behandeln, wird dafür in die Hölle kommen, wenn er keine Vergebung hierfür sucht.

"Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Gott eine Jungfrau in die Hölle schmeißen würde."

Wieso kannst du dir das nicht vorstellen?

Ob man Sex hat / hatte oder nicht, sagt nichts weiter darüber aus ob man Jesus als Erretter angenommen hat, und ob man somit ein Kind Gottes geworden ist. Denn das ist Voraussetzung für ein ewiges Leben bei Gott - und nicht ob man GV hatte oder nicht!

Solch alte Schriften wie  Talmud, AT/NT-Bibel oder der viel später entstandene Koran, sind so oft abgeschrieben, interpretiert worden, dass man viele nebensächliche Interpretationen nicht wörtlich nehmen muss.

Besonders die christlichen Religionen präsentieren einen liebenden, verzeihenden Gott; die freiwillige Askese, um Gott zu gefallen, ist keine Erfindung der Christen. 

Der Koran ist aber auch kein Buch für Selbstzerstörung und die Interpretation, nach einem Selbstmord in einen Himmel mit lauter Jungfrauen zu kommen ist auch nur in einigen kranken Männergehirnen (vielleicht am Vorläufer des Stammtischs) entstanden.

Jungfrauen, also Menschen die noch nie Sex in ihrem Leben hatten, laut Bibel automatisch in den Himmel 

Solch ein Nonsens kam erst auf, als die Religion zu einer Institution wurde.

Dazu kommen viele weitere Eigenarten, die das Leben angeblich gottgefälliger gestalten sollten (Selbstgeiselung, Eremit und anderes).

Es ist mehr als fraglich, ob man ein besserer (gottgefälligerer) Mensch ist oder wird, wenn man sich "unnatürlich" verhält.

In der Bibel wird der Mensch eindeutig aufgefordert, sich zu "mehren". Wenn Du also eine Jungfrau nach dem Tod "verordnen" willst, solltest Du eher zur Hölle tendieren.

Nach meiner Ansicht zielt die Fragestellung in eine falsche Richtung, weil ich die Sache mit den Jungfrauen als Gleichnis für geistige Dinge betrachte.

So halte ich es für viel wahrscheinlicher, daß die wirkliche Bedeutung des Begriffs "Jungfrauen" darin liegt, daß es sich um Menschen oder Gruppen handelt, die relativ neu zur Erkenntnis gekommen sind und sich nicht zuvor durch ein wildes Herumhüpfen von Religion zu Religion und Glaubensrichtung zu Glaubensrichtung beschmutz haben (herumgehurt haben).

Das "in den Himmel kommen" interpretiere ich auch etwas anders, zumindest als die wahrscheinlichere Möglichkeit. Ich betrachte es so, daß Menschen in der Weise in den Himmel aufsteigen, indem sie zu dauerhaft bestehenden Vorbildern für eine andere Art Menschen werden, denen es gelungen ist, sich von den irrigen und unheilbringenden Ideologien und Verhaltensweisen zu trennen oder die sich zumindest intensiv um eine solche Trennung bemühen.

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