Der Gender Health Gap bezeichnet die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, was Medizinische Versorgung und allgemeine Gesundheit angeht. Zum Beispiel wie schnell man eine korrekte Behandlung bekommt, wie ernst die Beschwerden genommen werden und wie die Behandlung verläuft.
Auch Männer weisen dabei Defizite auf, allerdings sind diese oftmals eher sozial bedingt oder selbstverschuldet, da Männer anscheinend tendenziell bei Beschwerden einfach seltener zum Arzt gehen und sich allgemein nicht so sehr um ihre Gesundheit kümmern (sowohl körperlich als auch Mental).
Bei Frauen jedoch ist die Ungleichheit deutlich stärker zu spüren und zeigt sich in vielen Bereichen. Vorallem kann man hier auch von einer Strukturellen Benachteiligung sprechen, da diese seit Jahrzehnten fest in unserem Gesundheitssystem verankert ist.
Beispiele für diese Ungleichheit können sein, dass Frauen oftmals nicht sofort oder gleichermaßen ernst genommen werden, wenn sie zum Arzt gehen. Ihre Beschwerden werden herunter gespielt oder schnell auf ihren Zyklus/ihre Periode geschoben und als normal abgetan.
Besonders bei konkreten Beschwerden im Reproduktionstrakt wird ebenfalls die Periode als Ausrede genutzt und auch starke Schmerzen oder Probleme bei der Fortpflanzung oftmals nicht ernst genommen. Dies liegt auch daran, dass viele Frauenkrankheiten wie zum Beispiel Endometriose oder das Polyzystische Oscarsyndrom (PCOS) sehr unbekannt sind und die Forschung dazu noch nicht ganz ausgereift ist. Es fehlt oftmals an Erkennungs- und vorallem Behandlungsmöglichkeiten, meist versprechen diese auch nur mit großem Aufwand verbundene Linderung aber keine Heilung. Beispielsweise dauert es im Schnitt 10 Jahre bis eine Frau mit Endometriose überhaupt eine Diagnose bekommt, ganz zu schweigen von einer hilfreichen Behandlung.
Das alles lässt sich dadurch erklären, dass Frauenkrankheiten schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht ernstgenommen und dementsprechend auch nicht erforscht wurden. Beschwerden von Frauen wurden auf Hysterie geschoben und nicht weiter beachtet. Gleichzeitig wurde in der Medizinischen Forschung auch fast ausschließlich von Männern und an Männern gearbeitet.
Dies führt dazu, dass viele Symptome für bekannte Erkrankungen (zum Beispiel Herzinfarkte) eher bei Männern zutreffen, während Frauen aber andere Symptome aufweisen können und die Krankheit deshalb schwerer erkannt wird. Zusätzlich sind auch viele Medikamente hauptsächlich auf Männer und weniger auf Frauen zugeschnitten, was die Wirkung beeinflussen und sogar Nebenwirkungen hervorrufen können.
Abgesehen von klinischen Aspekten sind oftmals Sicherheitsvorkehrungen oder Schutzausrüstungen in bestimmten Betrieben oder auch im Alltag nur auf Männliche Körper zugeschnitten. Dazu zählen zum Beispiel Sicherheitsgurte und Airbags im Auto aber eben auch Schutzkleidung bei gefährlichen Berufen, die an weiblichen Körpern nicht korrekt sitzt und somit den Schutz verringert.
Dies sind nur ein paar Beispiele, wie der Gender Health Gap das Leben von Frauen beeinflusst - sicher gibt es noch mehr, die auch mir nicht bekannt sind. Natürlich haben sich diese Umstände im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte gebessert und sicherlich weisen andere Länder dort noch deutlich stärkere Defizite auf. Aber das ändert nichts daran, dass diese Problematik auch in Deutschland in 2026 noch besteht.
Deshalb würde mich nun interessieren, ob ihr Frauen (oder biologisch weibliche Menschen) schoneinmal Opfer des Gender Health Gaps geworden seid und in welchem Bereich dies genau der Fall war. Erzählt gerne ausführlich davon, ich freue mich auf eure Antworten.