Wo hört Toleranz auf?

12 Antworten

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Es gibt da für mich einen ganz einfachen Grundsatz: Wer intolerant ist, hat auch Toleranz nicht verdient.

Also den Intoleranten gegenüber mit Toleranz zu begegnen ist ebenso weltfremd wie den Toleranten gegenüber mit Intoleranz zu begegnen.

Ich bin grundlegend erstmal tolerant bei allem was mich und andere nicht einschränkt.

Ehe für alle - fügt mir kein Leid zu, also muss ich das tolerieren (ich akzeptiere es auch!).

Homosexuelle küssen sich in der Öffentlichkeit - fügt mir kein Leid zu, also muss ich es tolerieren (ich akzeptiere es auch!).

Parteien machen Wahlkampf in der Öffentlichkeit - fügt mir kein Leid zu, also muss ich es tolerieren.

Bestimmte Parteien wollen die Religionsfreiheit für bestimmte Gruppen einschränken - fügt anderen Leid zu, also darf ich es nicht tolerieren.

Tolerieren hat mit toll finden nichts zu tun, sondern mit aushalten, auch wenn man anderer Meinung ist. Das ist Demokratie.

Meinungen von Leuten, die andere aber schlechter behandeln wollen, darf man nicht tolerieren.

Wer schreibt denn vor, was du tolerieren musst und was du nicht tolerieren brauchst? Als Person hast du das verfassungsmäßig verbriefte Recht, vollkommen intolerant sein zu dürfen. Toleranz ist lediglich eine Beschränkung staatlichen Machtmissbrauchs in Form individueller Grundrechte.

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@atzef

Das ist ein philosophischer Grundsatz nachdem ich lebe, und keine feste Regel oder ein Gesetz.

Lies doch auch mal ein paar solcher Philo-Bücher?;)

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Im Gegensatz zu Feld-, Wald- und Wiesenauffassungen über Toleranz ist das keine Handlungs- und Verhaltensaufforderung an personale Individuen. Die haben vielmehr das verfassungsmäßig verbriefte Recht, nach persönlichem Gusto so intolerant sein zu dürfen, wie sie möchten.

Toleranz beschränkt demgegenüber staatlichen und sonstigen Machtmissbrauch in Form der Gewährung von Meinungs- und Pressefreiheit, Koalitionsfreiheit, Religions- und Weltanschauungsfreiheit etc., kurzum der individuellen Grundrechte.

Diese staatliche Toleranz hat ihre Grenzen lediglich in den Strafvorschriften des Strafgesetzbuches.

Wer wollte ansonsten sich anmaßen, Akzeptanz zu fordern? Als Individuum muss ich wie gesagt noch nicht einmal tolerant sein. Ich kann jeden Rassisten nach Lust und Laune in Verwirklichung meines Hausrechts aus meiner Wohnung schmeißen wie ich lustig bin, weil ich nicht zu Toleranz, also Duldung verpflichtet bin. Folglich erst recht nicht dazu, Meinungen und Positionen gar zu akzeptieren, die ich ablehne.

Und auch der Staat muss z.B. keine verfassungsfeindlichen Positionen akzeptieren, wohl aber in Verwirklichung der Grundrechte tolerieren.

Weil viele Menschen eklatanten Fehleinschätzungen unterliegen. Jemand, der sich als friedfertig bezeichnet, streitet sich andauernd und mit jedem, jemand, der sich als "nett" bezeichnet, hat allzu leicht Haare auf den Zähnen usw.

Ich habe zur Toleranz eine fast schon "amerikanische" Perspektive. Das heißt, dass ich viele Dinge noch weitaus liberaler betrachte, als es der deutsche Staat tut. Das betrifft insbesondere die freie Meinungsäußerung, die ich als das vielleicht höchste Gut unserer Gesellschaft betrachte.

Was die Meinungen anderer Menschen betrifft, so toleriere ich grundsätzlich fast alles - bis zu dem Punkt, an dem ausdrücklich und unmissverständlich zu Gewalt gegen Andersdenkende aufgerufen, bzw. diese sogar praktiziert wird. Ab da hört die Toleranz auf. Eine Gesellschaft, in der Menschen sich gegenseitig völlig legal mit Mord und Totschlag bedrohen dürfen, kann auf Dauer nicht friedlich und stabil bestehen. Das ist meine Überzeugung, und deshalb setze ich persönlich dort die Grenzen der Toleranz.

Es darf aber niemals und unter keinen Umständen so weit kommen, dass unbequeme Worte und Meinungen verboten, zensiert und bestraft werden, weil sie beispielsweise dem aktuellen Zeitgeist widersprechen, oder man "sowas doch heutzutage nicht mehr sagen" dürfe. Damit erreicht man nichts, man richtet nur noch mehr Schaden an: die betroffenen Menschen ändern ihre Denkweise nicht, sondern fühlen sich in ihrer "Außenseiter-Position" noch bestätigt. Dieses Gefühl schafft in gewissen Gruppierungen ein Solidaritäts- und Oppositionsgefühl. Es zerreißt die Gesellschaft und schadet der Demokratie. Wer seine Meinung nicht öffentlich und legal äußern kann, wird andere Wege finden, seine Ansichten unters Volk zu bringen.

Leider ist diese Erkenntnis vielerorts noch nicht angekommen.

Tolerant sein bedeuted, eine andere meinung, einstellung oder auffassung des gegenüber zu dulden. Man kann nicht einfach zwischen toleranten uns intoleranten menschen unterscheiden. Ich zum beispiel toleriere rassistische meinungen nicht, dafür aber viele andere dinge wie..

wie z.b. gleichgeschlechtliche ehe, veganismus etc..

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