die meisten sind integriert

Eine Bestandsaufnahme des Migration Policy Institute spricht eine klare Sprache.
Das Paper lässt sich außerdem kostenlos im Netz finden (Foroutan, Naika.2013. Identity and (Muslim) Integration in Germany.)

Ich sehe ein Problem der deutschen Bevölkerung, dass oft 'Integration' mit 'Assimilation' gleichgesetzt wird.
Es kommt nämlich nicht darauf an, dass sich Migrant*innen oder Menschen mit Migrationshintergründen in irgendeiner Weise als "gute Deutsche" präsentieren müssen oder sollen.

Unsere Kultur ist nicht homogen, sondern von den unterschiedlichsten Einflüssen geprägt.
Angefangen mit unserer Sprache, unseres Zahlensystems, unseres Sports, unseres Essens, unserer Kunst, usw.
All das wäre - vor allem durch die Arabische Hochkultur des 13. Jahrhunders- kaum möglich gewesen.

Integration muss in erster Linie nicht von den Zugewanderten kommen, im Sinne von "Ich integriere mich jetzt mal" - was das auch immer bedeuten soll.
Der erste Schritt muss immer sein, dass man die Menschen als Teil des Landes nicht nur toleriert, sondern akzeptiert.
Das bedeutet, die Mehrheit muss die Minderheit erstmal annehmen.
Nur dann kann ein gegenseitiger Austausch überhaupt entstehen.
Natürlich muss es auch die andere Seite geben, die überhaupt in Austausch treten möchte.

Aber eine königliche Haltung gegenüber Zugewanderten, die sich als Untertanen gefälligst anpassen sollen, scheitert zwangsläufig.
So auch die erste Gastrarbeiter*innen-Generation von Türkeistämmigen in den 1950er Jahren.
Man wollte keinen Austausch, da man sich sicher war, diese Leute würden bald wieder "verschwinden", nachdem sie ihre Arbeit erledigt haben.
Dass die türkischen Gastarbeiter*innen sich hier aber niederlassen und leben wollen würden, ist damals lustigerweise nie jemandem in den Sinn gekommen.

Somit wurden ganze Ghettos geschaffen, in denen die türkischen Familien leben sollten, "unter sich".
Das führte sich in den Schulen weiter, in denen türkischstämmige Kinder teilweise in eigene Klassen separiert wurden, damit sie ihre eigene Sprache sprechen können.

Mit diesem widerwärtigen Hintergrund deutscher Politik im Hinterkopf finde ich es extrem bemerkenswert, wie gut - anders kann man es anhand damaliger Hürden nicht nennen - sich alles über die Zeit entwickelt hat.

Natürlich gibt es nicht nur türkische Muslim*innen in Deutschland, wegen der Größe habe ich im Vergleich aber verkürzt.

Um von der Sozialpolitik mal zur Sozialpsychologie zu kommen:
Nach der Selbstkategorisierungstheorie ordnet man sich selbst und andere in Eigen- und Fremdgruppen anhand des Metakontrast-Prinzips ein.
Das heißt Gruppenunterschiede werden salient (also "auffällig"), wenn die Unterschiede der eigenen Gruppe als kleiner wahrgenommen werden als die Unterschiede zur Fremdgruppe (Metakontrast).
Das hat wiederum zur Folge, dass man die eigenen Gemeinsamkeiten mit anderen Gruppenmitgliedern stärker wahrnimmt als Gemeinsamkeiten mit Fremdgruppenmitgliedern.
Das nennt man Komparativer Fit.
Wird das kombiniert mit dem Normativen Fit (z.B. eigene Vorurteile), entsteht die Salienz, also die augenscheinliche Auffälligkeit der Unterschiede.

Was will ich damit sagen?
Oft sind wahrgenommene Unterschiede zu anderen Gruppen ("Türken", Muslime) kleiner als man denkt, weil man sich soziale (nicht objektive) Realitäten selbst konstruiert.
Jedenfalls bis zu meiner Abstimmung war diese Verzerrung deutlich an den Abstimmungen anderer Leute hier sichtbar (Farbe rot).

Natürlich gibt es Ballungsgebiete, in denen das Zusammenleben nicht besonders gut läuft.
Aber auch das ist ein komplexer Zusammenhang zwischen Politik und sozialer Dynamik der Gruppen.

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Ich teile die Frage schon gar nicht.
Es gibt eine emotional aufgeheizte Stimmung bei diesem Thema, völlig richtig.
Jede*r darf sich aufregen, den eigenen Unmut äußern und Verbesserungsvorschläge machen.
Ich erkenne aber oft ein allgemeines, plumpes Dagegen in Stammtisch-Manier.
Einfache Antworten auf komplexe Zusammenhänge sind selten realistisch.

Ich finde, man darf sich mit genau diesen Leugner*innen nicht gemein machen, und das passiert offensichtlich bei so gut wie jeder Demo zurzeit.
Denn in jenem Moment, in dem ich sehe, dass Reichskriegsflaggen und "Impfen macht frei"-Sternchen hochgehalten werden, sollte ich die Demonstration verlassen.

Im privaten Bereich bekomme ich oft mit, dass fatalerweise ständig pauschalisiert wird.
Im idealen Fall erkennt man die Gefahr des Virus an, ist aber mit den Maßnahmen nicht einverstanden.
Ist das aber die Regel?

Wie kann ich über Impfungen sprechen, wenn ich nicht weiß, was ein Adenovirus ist, wie das Immunsystem funktioniert und warum der Begriff "Nebenwirkung" bei Impfstoffen eigentlich nicht zulässig ist?

Wie kann ich über die Gefahren von Schulschließungen auf die Kinderpsyche sprechen, wenn ich mich nicht eine Sekunde lang mit Metastudien der Psychologie auseinandergesetzt habe?

Ganz allgemein: Wie kann ich über wissenschaftliche Themen sprechen, wenn ich gar nicht weiß, wie Wissenschaft eigentlich funktioniert?

Was ich damit sagen will: Es ist für mich absolut unverständlich, wie man bei jedem Thema mitreden will, ohne sich die Mühe zu machen, sich mit einem speziellen Themenkomplex längerfristig zu beschäftigen?
Denn es dauert mitunter Monate, sich in Grundlagenliteratur einzulesen.
Da reicht ein Artikel einer Lokalzeitung nicht wirklich aus.

Darum haben wir Menschen, die das für uns übernehmen.
Es geht gar nicht anders, denn kein Mensch kennt sich in allen Bereichen aus.
Zurzeit brauchen wir Leute aus den Bereichen Virologie, Epidemiologie, Psychologie, Soziologie, Jura, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Pädagogik, Informatik und noch viele mehr.
Wenn man deren Meinungen nicht teilt, muss das extrem gut begründet werden.

Da diese Gegenbeweise oft nicht erbracht werden können, greifen viele Leute auf Desinformation und fake news zurück; um zu verwirren, zu verängstigen und anderweitig zu beeinflussen.

Das kenne ich gut von Esoteriker*innen, die Dich so sehr mit physikalischem Geschwurbel überhäufen, dass Du als Nicht-Physiker*in gar keine Chance hast zu widersprechen.

Deswegen muss fundiert argumentiert werden, ein "Ich will aber nach 21 Uhr auf die Straße gehen, deswegen behaupte ich einfach, Ausgangsbeschränkungen taugten nichts" reicht eben nicht aus.

Ich sehe außerdem jeden Tag, dass Kritik von allen Seiten kommt, sogar aus den eigenen politischen Reihen einer Partei.
Diese Wahrnehmung, jeder Widerspruch würde sofort diffamiert, stimmt nicht.
Wissenschaftler*innen sitzen auch tagtäglich in Talkshows oder bei Twitter, und machen ihren Unmut breit, weil eben vieles falsch läuft.
Es gibt Widerspruch aus allen Parteien, ganze Familien diskutieren am Mittagstisch.
Verharmlose und verzerre ich allerdings die Erkenntnisse der Wissenschaft, vereinfache und biete schnelle Lösungen an, könnte für mich der Eindruck entstehen, dass alle gegen mich wären.
Man muss sich doch mal klar machen, in welcher pluralistischen Welt wir leben.

Niemand hat aber Anspruch darauf, dass den eigenen Äußerungen nicht widersprochen werden darf.
Und erzähle ich Blödsinn, habe ich auch keinen Anspruch darauf, als vernünftige*r Kritiker*in durchzugehen.

Sich im eigenen Opferdenken zu suhlen, halte ich für nicht produktiv.
Für manche Themen reicht oft eine politische Grundbildung, in internationalen Krisen kann nur die eigene Weltanschauung aber nicht der Maßstab sein.

Oder abschließend gefragt; was sind denn Deine/Eure vernünftigen, rationalen Thesen, wegen denen Ihr diffamiert werdet?

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Geschlechterstereotype sind zum Einen erwartete und erwünschte Persönlichkeitseigenschaften von Menschen, wie zum Beispiel "sanft", "fürsorglich" oder "sensibel" für Frauen und "stark", "tüchtig" oder "dominant" für Männer, aber auch typische Interessen, typisches Aussehen und typische Verhaltensweisen sind Stereotype.
Als Beispiel für ein Stereotyp würde ich also sagen, der "typische Mann"

  • ist groß, schlank und muskulös
  • spielt in seiner Freizeit gerne Fußball
  • ist dominant und weint nicht bei Traurigkeit
  • arbeitet eher im Büro als im Kindergarten

Geschlechterrollen bauen auf diesen Zuschreibungen auf und entwickeln daraus festgeschriebene Rollen (wie der Name schon sagt, denke einfach an eine Rolle in Filmen) und beispielsweise Lebensziele.
Einfacher gesagt, Geschlechterrollen beschreiben das Leben und Verhalten in einer Gesellschaft.

Da "der typische" Mann dominant, durchsetzungsstark und intelligent ist (Stereotyp), würde man zum Beispiel die Rolle als Versorger erwarten, der das Geld nach Hause bringt, viel arbeitet und einen hoch angesehenen Beruf hat.
Auch die "typische Frau" hat ihre Lebensziele, nämlich das Versorgen von Kindern als Hausfrau, oder mit weniger Arbeit als der Mann, zum Beispiel dreimal in der Woche als Altenpflegerin.

Es wäre wichtig zu erwähnen, dass das kulturelle Stereotypen und Rollenzuschreibungen sind, und keine biologischen.
Das heißt je nachdem, in welchem Kulturkreis man wohnt und aufwächst, wird etwas anderes von Männern und Frauen erwartet.

Ebenso können sich Stereotype und Rollen über die Zeit ändern.
Die klassische Einteilung wird in 'maskulin' für Männer und 'feminin' für Frauen vorgenommen.
Das heißt eine Frau, die ihr Rollenbild (Hausfrau/Pflegerin) nicht erfüllt und Chefin in einer Firma wird ("falsches" Lebensziel) wird eher maskulin wahrgenommen (Stereotyp: stark, dominant, durchsetzungsfähig), auch wenn sie das vielleicht gar nicht ist.
Für diese Frau würden dann feminine Stereotype abnehmen und maskuline zunehmen.
Man würde ihr gesellschaftlich also weniger zutrauen eine gute Mutter zu sein, wenn sie gleichzeitig als dominant und "männlich" wahrgenommen wird.
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Ich hoffe, dass das verständlich war.
Ich habe so viele Fachbegriffe wie möglich versucht zu ersetzen.

Vereinfacht und zusammengefasst:
Stereotyp: Wie ist ein Mensch/ Wie sollte er sein? (Frau = einfühlsam)
Rolle: Welche Lebensführung ergibt sich daraus? (Frau = Mutter, weil sie einfühlsam ist)

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Auf Formulierungen wie "Das Internet" wurde hier schon eingegangen, das lasse ich mal sein.
Aber den Gedanken finde ich trotzdem ganz interessant.
Mal vorweg: Hier wird viel von Meinungsfreiheit schwadroniert, aber eines vergessen.
Meinungsfreiheit bedeutet nur, dass ich meinen eigenen Sinn und Unsinn (solange keine Gesetze gebrochen werden) frei schreiben oder erzählen darf.
Es gibt kein Recht darauf, dass einem nicht widersprochen werden darf.

Neutralität bezieht sich auf Meinungen.
"Deine Schuhe sehen schön aus" ist eine Meinung.
"Deine Schuhe werden in China hergestellt" ist keine Meinung, sondern eine Tatsachenbehauptung.

So verhält es sich auch beim Thema Coronavirus.
"Beim Coronavirus habe ich das Gefühl, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht" ist eine (von der Meinungsfreiheit legitimierte) Meinung.
"Wir sollen alle zwangsgeimpft werden" ist wiederum eine Tatsachenbehauptung.
Somit werden jeden Tag unzählige Tatsachenbehauptungen als Meinungen verkauft, die eigentlich keine sind.

Nun aber zum Thema:

Ich denke, man müsste es "im Internet" schaffen, nicht die tendenziös falschen Antworten zu markieren, sondern die wissenschaftlich fundierten.

Es bringt wenig, Menschen mit dem Label "Leugner" an den Pranger zu stellen.
Das würde nur die Opfermentalität zusätzlich verstärken, die diese Menschen sowieso schon bei jeder Gelegenheit für sich in Anspruch nehmen.
Ich fände es viel zielführender, wenn wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte, mit Quellen versehene Posts, Tweets oder sonstiges als 'derzeitiger Erkenntnisstand' hervorgehoben würden.

Das setzt natürlich voraus, dass diese Posts möglichst objektiv sein müssten, die eigene Meinung müsste dann ebenfalls gesondert markiert werden.

Das war Theorie, die Praxis ist aber deutlich komplexer.
Ich würde mir zunächst mehr offizielle Informationskampagnen wünschen, zum Beispiel Faktenchecks wie von 'Correctiv' oder Beratungsstellen wie 'Sekteninfo NRW', die öffentlich gefördert werden.

Denn die Abgehängten, die sich im Desinformations-Dunstkreis bewegen, erreicht man sowieso kaum.
Die Angehörigen von Verschwörungsgläubigen suchen aber oft Hilfe und wissen nicht, wo sie sich hinwenden können.
Oder für verunsicherte Leute, die überhaupt nicht mehr wissen, was sie eigentlich glauben sollen.
Wenn dann nicht gleich "richtige" Anlaufstellen verfügbar sind, gerät man unter Umständen an Leute, die nur laut brüllen.
Wie schnell man in deren Fänge gerät, konnte man ja in den letzten Monaten besichtigen gehen.


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Für mich ist sie ehrlich gesagt kaum erträglich.
Natürlich ist sie rhetorisch gut und in ihrer Kernkompetenz, der Wirtschaftspolitik, kann ich ihr weitesgehend zustimmen.

Aber in fast allen anderen Punkten, die über Wirtschaftsfragen hinausgehen, kann ich mich nur über sie wundern.
In der aktuellen Situation glänzt sie in meinen Augen eher als Verharmloserin; zum Beispiel sagt sie über die Querdenkerszene Dinge, die nach aktuellen soziologischen und sozialpsychologischen Erkenntnissen nicht haltbar sind.

Sicherlich sind die Teilnehmer*innen der Corona-Proteste sehr heterogen, mit unterschiedlichen Hintergründen und Zielen.
Wie bei vielen anderen Situationen schiebt sie die Gründe aber auch hier nur auf benachteiligte und abgehängte Lebensumstände - das begründet aber weder das Marschieren mit Reichskriegsflaggen, noch ist "Stürmen des Reichstags" oder das Bedrängen von Bundestagsabgeordneten eine demokratische Kritikäußerung.
Impfgegner*innen sind auch nicht Impfgegner*innen geworden, nur weil "die bösen Kapitalisten" Profite machen und Amazon fast keine Steuern zahlt.

Gebetsmühlenartig höre ich von ihr immer nur dieselben Antworten auf unterschiedliche und komplexe Probleme.
Deswegen würde ich mir wünschen, dass sie sich, wie eingangs erwähnt, auf ihre Kernkompetenz konzentriert, und eben nicht fast schon wissenschaftsfeindlich Innenpolitik betreibt.

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grundsätzlich gut, aber ...

Es gibt sozialpsychologische Untersuchungen, die ganz klar zeigen, dass das Denken durch den kulturellen Hintergrund bestimmt wird.
Heißt, in unserer Kultur denken wir auch in kulturell bestimmten Denkmustern.
Das führt zu einem sogenannten 'male bias', also zu einem, ich nenne es mal "Denkfehler", der zugunsten von Männern ausfällt.
Und Sprachen wie Deutsch sind eben nicht neutral, sondern bevorzugen die männliche Form.
Wissenschaftlich korrekt würde man daher sagen: "Generische Maskulina verzerren die mentalen Repräsentationen der sozialen Realität".
Auf Deutsch: Indem wir Frauen nur mitdenken aber nicht mit aussprechen, verfestigen sich Stereotype.

Sehen kann man das gut am 'Think-manager-think-male'-Phänomen (Schein,1973).
Befragt man Menschen zum Beispiel danach, welche typischen Eigenschaften ihnen zu Managern einfallen, nennen sie Begriffe wie "Dominanz", "Durchsetzungsvermögen" und "Selbstbewusstsein"; Eigenschschaften, die man über Managerinnen leider kaum hört, weil sie nicht ins stereotype Weltbild passen.

So werden Frauen nicht nur in 1.) "Männerberufen" dauerhaft verhindert, sondern sie werden auch 2.) als nicht-feminin angesehen.
Menschen erwarten, dass jede Gruppe die stereotypischen Erwartungen erfüllt.
Ist eine Frau zum Beispiel in einer Führungsposition, kann sie zwar als kompetent wahrgenommen werden; gleichzeitig sinkt dabei aber die Sympathie, weil Führungsqualitäten eben nicht "typisch weiblich" sind (Schein, 2001).
Somit werden Frauen trotz gleicher Leistung schlechter bewertet als männliche Artgenossen, weil im Vergleich zu diesem die Sympathie fehlt.

Das alles kann man ändern.
Und natürlich ist eine gendersensible Sprache nicht das Allheilmittel.

Es kann aber eine Sache ins Gehirn hämmern: Es ist normal, dass Männer einfühlsam, Frauen dominant und beide Chef_in sein können!

Nun aber noch kurz zu meinem abgestimmten "Aber":
In Diskussionen höre ich oft, dass es doch lächerlich sei, Wörter wie "Extremist*innen" oder "Terrorist*innen" zu benutzen.
Ja, das ist es tatsächlich.
Ich sage auch nicht "Terrorist*innen haben eben einen Anschlag verübt", sondern ich benutze wichtige Formulierungen wie "Chef*innen", "Ärzt*innen", "Beamt*innen", "Polizist*innen" und so weiter; eben da, wo es gesellschaftlich Sinn macht.

Noch schnell zu einer Gruppe, die ich in meinem Text vernachlässigt habe: Auf Menschen der Trans- und Inter-Community wird mit einem Unterstrich oder einem Sternchen ebenfalls Rücksicht genommen, das sollte man nicht vergessen.

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Ja

Man kann ganz deutlich sehen, wie stark der Selbstwert bei uns mit Lohnarbeit verknüpft wird.
Wer nicht arbeitet, aus Sicht einer anderen Person zu wenig arbeitet, keinen angesehenen Beruf hat etc., hat eine niedrigere soziale Stellung in der Gesellschaft.

Für mich ist diese Definition von Arbeit komplett veraltet.
Jemand ist nicht weniger Wert, oder sogar ein "Schmarotzer", wenn er oder sie "nur" in Teilzeit arbeitet.
Und niemand ist weniger wert, wenn er oder sie arbeitslos ist.
Außerdem sind die berühmten nine-to-five-jobs nur wenige hundert Jahre alt, also keineswegs ein Naturgesetz.

Dieser gesellschaftliche Klassismus könnte durch das BGE tatsächlich stark eingeschränkt werden.
Wenn jeder das gleiche Geld bekäme (Je nach Modell 500€, 800€, 1000€, 1500€ u.a.) wäre nicht mehr so viel Platz für Ressentiments wie noch zurzeit.

Ich sehe vor allem Chancen durch das BGE.
Die Abkehr von einem sozialen Klassismus und die Förderung der Menschen.

Es gibt in Deutschland schon sehr viele Menschen, die zum Beispiel einem Ehrenamt nachgehen, das sind pro Jahr über 5 Milliarden Arbeitsstunden.
Und das zählt nicht -wie für viele- als Hobby, sondern das ist tatsächlich eine Arbeit.
Und ich gehe fest davon aus, dass noch viel mehr Menschen ehrenamtlich arbeiten würden, wenn sie es nur finanzieren könnten.
Denn eins steht fest: Ohne Arbeit wird man nicht faul, das belegt die Sozialpsychologie deutlich.
Und ich denke, dass nur die wenigsten Menschen sagen würden: "1000€ vom Staat? Das reicht mir, ich schmeiße meinen Job hin!".
So gesehen hätten wir nur eine soziale Absicherung, die eben sanktionslos wäre.
Der einzige Unterschied zur Gegenwart: Der psychische Druck wäre geringer.

Es gibt arme Menschen, die psychisch darunter leiden; und es gibt immer mehr gutverdienende Menschen, die auch kurz vor einem Burnout stehen.

Die Message "Ich bin nicht mehr zu 100% auf Dein Geld angewiesen" könnte für viele Arbeitgeber*innen ein Anreiz sein, doch mehr auf die Beschäftigten zu achten.
Es gäbe sicher viele Menschen, ich denke es wäre sogar die deutliche Mehrheit, die in ihren Jobs bleiben würden.
Andere würden sich etwas anderes suchen, manche würden sogar erst mal keiner Lohnarbeit mehr nachgehen.
Und hier liegt für mich der Hase im Pfeffer: Nicht nur Lohnarbeit ist Arbeit!
Außerdem halte ich es für mehr als zynisch zu denken, nur durch Druck und Zwang würden Menschen zur Arbeit gehen.
Wer diese Meinung vertritt ist auf jeden Fall weder in Soziologie, noch Psychologie gebildet.

Außerdem finden viele Menschen gar keine Zeit dafür, sich selbst zu entfalten.
Alte Hobbies neu aufleben lassen, einen Urlaub finanzieren, raus aus dem Alltag kommen, eine neue Sprache lernen; all das kann das BGE unterstützen.
Die drei Dinge, die eigentlich garantiert sein sollten, nämlich soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe, wird vielen Leuten nicht gewährt, weil sie schlicht weder Zeit noch Geld dafür haben.

Ich halte das BGE für eine tolle Idee, dafür müssen wir aber leider den "Arbeitsbegriff" neu denken - wozu viele immer noch nicht bereit sind.


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Ich muss zugeben, anfangs war ich auch skeptisch.
Allerdings hat sich das schnell geändert, als ich mich näher damit befasst habe.
Über die Höhe und die Finanzierung gibt es natürlich geteilte Meinungen und viel Diskussionsbedarf, das ist bei so vielen Modellen auch sinnvoll!

Ich finde, dass man auf eine grundlegende Absicherung ohne Sanktionen ein Rechtsanspruch haben sollte, und hier unterscheide ich mich oft von anderen, die eher wirtschaftliche Gründe in den Vordergrund rücken.
Ich lege den Fokus hauptsächlich auf soziale Aspekte.

Jeder Mensch soll sich frei entfalten können.
Es gibt Menschen, die lieber einem Ehrenamt nachgehen möchten, anstatt in Vollzeit zu arbeiten.
Sich in der Gemeinde engagieren, kommunalpolitisch aktiv werden, bei der Tafel aushelfen, die Eltern pflegen, was auch immer.
Und gesetzlich hat man einen Anspruch darauf:
Jede Person soll die Möglichkeit an wirtschaftlicher, politischer und sozialer Teilhabe erhalten.
Das klingt toll, nur viele Leute haben weder Zeit noch Geld dafür.

Aus der Sozialpsychologie wissen wir, dass Menschen grundsätzlich nicht "faul" sind.
Manche sind es trotzdem; aus Perspektivlosigkeit, durch psychische Belastungen, oder auch eine Erziehung, die keine Entfaltung ermöglicht, kann dazu führen.

Wenn ich also trotz einer Vollzeitstelle 2000€ brutto verdiene, durch Arbeitslosigkeit depressiv werde oder meine Eltern mir weder Kompetenz, noch Autonomie mit auf den Weg geben, bin ich extrem benachteiligt.
Hier setzt das Grundeinkommen an.
Es ist kein Allheilmittel, bei weitem nicht.
Das BGE gibt aber Sicherheit, und das ist einiges wert.

Einfaches Beispiel:
Sich nicht mehr so stark wie früher über die schlechten Finanzen Gedanken machen zu müssen, kann Schlafstörungen vorbeugen, und das verbessert die Lebensqualität ungemein.
Auch die oben angesprochenen Punkte können erfüllt werden:
Wirtschaftliche, politische und soziale Teilhabe kann für alle gleichermaßen realisiert werden.
In einem Haushalt mit zwei erwachsenen BGE-Bezieher*innen wären, je nach Modell, mindestens 1000€ netto zusätzlich zur Verfügung (500€ monatlich pro Person wäre kein gutes Modell).
Andere Modelle sprechen von 1000€ pro Person, oder sogar 1500€.
Ich persönlich bin für ein BGE, das sich an der Höhe der Pfändungsfreigrenze orientiert.

Kurz noch etwas zur wirtschaftlichen Sichtweise:
Bekannte Vertreter*innen wie zum Beispiel Richard David Precht betonen, dass durch die zunehmende Digitalisierung viele Arbeitsplätze wegfallen werden.
Ich will mir gar nicht vorstellen was passiert, wenn wir zehn Millionen, fünfzehn Millionen oder noch mehr Leute hätten, die Hartz 4 bekämen.
Sowas gefährdet die Demokratie immens.

Kurz zur Finanzierung:
Es gibt unendliche Debatten darüber, ob Kinder und Jugendliche auch ein BGE bekommen sollen, oder erst mit 18 Jahren.
Andere fordern sogar eine Altersgrenze ab 21 Jahren.
Die einen wollen den Mindestlohn abschaffen, die anderen wollen ihn behalten.

Diese Debatten sind genauso kontrovers wie die Art der Finanzierung.
Eines steht aber fest: Wenn mir jemand sagt, das BGE wäre nicht finanzierbar, hat er oder sie keine Ahnung!

Vor allem deswegen, weil es "das BGE" gar nicht gibt, da es wie erwähnt unzählige Modelle gibt.
Am besten finde ich den Finanzierungsvorschlag, den Steuerfreibetrag abzuschaffen.
Das, zusammen mit abgeschafftem Kindergeld und Sozialhilfe wie Hartz 4 würde schon eine gute Summe einbringen.
Ergänzt mit einer Finanztransaktionssteuer wäre ein BGE möglich.
Genaue Berechnungen sind da schwierig, der Mehraufwand an zusätzlichem Geld würde sich aber damit einigermaßen in Grenzen halten.

Um genauere, vor allem wissenschaftliche Fakten zu generieren, wird zurzeit ein Projekt geplant, bei dem 120 Menschen ein "crowd-funding-BGE" ausprobieren (Anmeldung noch möglich!): https://www.mein-grundeinkommen.de/

Für diejenigen, die sich für die populärsten Modelle interessieren:
https://www.grundeinkommen.de/wp-content/uploads/2017/12/17-10-%C3%9Cbersicht-Modelle.pdf

Für Fragen und Antworten zum BGE:
https://www.grundeinkommen.de/grundeinkommen/fragen-und-antworten




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Parlamentarisches System

Gewählte Vertreter_innen kennen sich, zumindest theoretisch, mit den politischen Feldern aus und beschäftigen sich mit deren Inhalt.
Ich bin ganz ehrlich; ich bin mir nicht sicher, ob man das von der Bevölkerung
a) verlangen und b) erwarten kann.
Um politische Entscheidungen zu treffen, braucht man ein enormes Wissen.
Nicht nur in Naturwissenschaften, sondern auch in Philosophie zum Beispiel.
Und da die meisten Leute nicht mal in der Lage sind Parteiprogramme vor Wahlen zu lesen, bezweifle ich, dass individuelle "Meinungen" zielführender sind als zum Beispiel Lobbyarbeit (Bei aller Kritik am Lobbyismus).

Andererseits finde ich aber, dass man mit direktdemokratischen Elementen vieles verbessern kann, allem voran Politikverdrossenheit zu mindern.
Es wäre doch sinnvoll, wenn jede Fraktion ein- oder zweimal jährlich einen Gesetzesvorschlag einbrigt, über den die Bevölkerung abstimmt.
Natürlich muss das finanziell machbar und grundgesetzkonform sein.

Diese Regelung würde Abstimmungen, wie etwa die Todesstrafe oder Einschränkungen im Asylrecht, nicht zulassen.

Das halte ich für sinnvoll, aber auch hier muss man Informationen anbieten und bereitstellen, am besten von einigermaßen neutraler Seite, wie wissenschaftlichen Instituten.
Direkte Demokratie ist kein Selbstläufer, das müsste schon verantwortungsbewusst geschehen.

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Ein Leben im Bereich der Armutsgrenze bringt Dich auch nicht auf die Beine, sondern verschlimmert alles.
Nicht umsonst hat die DAK in einer Studie gezeigt, dass knapp jeder zweite Mensch in Hartz4 psychisch nicht gerade gesund ist.

Auch wenn es Dir jetzt nicht gutgeht, Du hast noch ein paar Jahrzehnte vor Dir.

Du solltest Dir Hilfe suchen, am besten am Montag direkt zur hausärztlichen Beratung.
Bis dahin wäre es sinnvoll, Dir folgendes zu überlegen:

Stelle Dir vor, Du könntest Deinen Zustand auf Knopfdruck ändern und Dich besser fühlen.
Welche Ziele hättest Du dann? Wo würdest Du mit der Umsetzung anfangen?
Welche Barrieren und Hindernisse könnten auftreten? Wie kann man diese Hindernisse überwinden?

Sicher nur ein kleiner Schritt, aber solche Gedankenexperimente können eine andere Perspektive aufzeigen!

Alles Gute.

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Hört sich für mich danach an, dass die Coil kurzzeitig trockenläuft, das kann auch am Anfang passieren.
Wenn es danach nämlich nicht mehr verkohlt schmeckt, ist wieder Liquid nachgeflossen.

Hast Du die Luftzufuhr ganz offen?
Liegt die Wattzahl im angegebenen Bereich?

Ich würde die Airflow mal komplett aufdrehen, die Wattzahl auf minimal wie angegeben stellen, und dann sachte ziehen.

Meinen Selbstwickler halte ich ab und zu für eine oder zwei Sekunden verkehrt herum, dass sich das Liquid besser verteilt.

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Ich will nicht falsch verstanden werden, wenn ich sage: Du kannst nichts dafür.

Heutzutage sollte es einfach normal sein, nicht der "Norm" zu entsprechen.
Und die Sexualität des Menschen zeigt, dass es auch möglich ist, außerhalb der Norm normal zu sein, denn Homosexualität ist nichts anderes als normal, in Ordnung und völlig natürlich.

Weder spielt da eine Krankheit mit hinein, noch ist es Karma aus dem vorherigen Leben, noch ist es unnatürlich, noch ist es falsch, noch ist es schlimm, noch ist es etwas, weswegen man sich schlecht fühlen müsste oder sollte.

Dass es Dich belastet, kann ich nachvollziehen.
Nicht nur in traditionell geprägten Haushalten begegnet man Ablehnung und Diskriminierung.

Du hast Schuldgefühle Deinen Eltern gegenüber.
Das ist rücksichtsvoll, aus meiner Sicht aber total unnötig und falsch.
Ich weiß, dass das leicht dahergesagt ist, aber das ist ihr Problem.

Wenn ich mein Kind danach beurteile, welche Orientierung es aufweist, sollte ich mir "Charakterschwäche" auf die Stirn tattoowieren lassen müssen.

Ich bin zwar nicht homosexuell, ich möchte aber auch keine leiblichen Kinder haben.
Das war für meine Eltern auch nicht schön, und zu Beginn waren sie auch erst mal beleidigt, denn die meisten Leute wollen eben auch Enkelkinder haben.
Das ist zwar mir Deiner Situation kaum zu vergleichen, damit will ich aber sagen:
Viele, die nicht den traditionellen Weg gehen, bekommen Gegenwind, teils ziemlich starken.

Was für Dich wichtig sein sollte, ist Deine/Eure Psychohygiene.
Du bist doch sicher auch der Meinung, dass Dein Bruder nichts falsch macht, oder?
Warum solltest Du Dich also mit Schuldgefühlen herumschlagen?

Auch wenn es leider immer noch als befremdlich angesehen wird, habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern tolaranter sind als viele denken.

Ich weiß ja nicht einmal, ob Du mit Deinem Bruder darüber sprechen willst (Wer lässt sich schon gerne auf Datingportalen entdecken), aber wenn, dann wäre das der erste Schritt.

Als zweiten, parallelen Schritt würde ich vorschlagen, Euch zunächst um Euch selbst zu kümmern; mit Euch "ins Reine zu kommen".
Denn es ist wichtig, sich selbst klarzumachen, dass man weder etwas falsch gemacht hat, noch, dass man sich schuldig fühlen sollte.

Habt Ihr Vertrauenspersonen, mit denen man über sowas reden kann?
Aus der Familie, aus dem Freundeskreis oder auch professionell, wie die Schule?

Ich weiß ja nicht, ob Ihr mit Euren Eltern darüber reden wollt, bzw. ob ein Outing überhaupt notwendig ist.
Falls ja, geht das aber nicht, solange Du Dich jemandem gegenüber schuldig fühlst.
Ein Gespräch würde damit sicher nicht wie gewollt verlaufen, ob sie es akzeptieren oder nicht.

Das bringt mich zu meiner letzten Frage.
Denkst Du wirklich, dass Ihr sie dadurch enttäuschen würdet?
Wenn ja, geht Eure psychische Gesundheit vor.
Der "Familienfrieden" darf nie auf Kosten eines psychischen Drucks gewahrt werden.

Denn wenn es so bedrückend ist, zerbricht irgendwann nicht der Familienfrieden, sondern zuerst Du selbst.
Und dann kann der familiäre Frieden und Deine Psyche gleichermaßen den Bach runter gehen.

Du kannst Dich auch von Anlaufstellen beraten lassen:

https://schwules-netzwerk.de/adressen/
http://www.bildung-beratung.lsvd.de/index.html
https://interventionen.dissens.de/fuer-jugendliche/links-anlaufstellen

Alles Liebe, viele Grüße.

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Anschlag

Fakt ist: Es gibt keine Verschwörungsfantasie, die sich im Nachhinein als wahr herausgestellt hätte.
Und ein paar "Kluge", die den bösen Plan natürlich durchschaut haben, gibt es doch immer.
Beschäftigt man sich allerdings mit der Faktenlage, ist die Sensation solcher Alternativtheorien kaum noch spannend.

Gute Links:
1. https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/der-11-september-verschwoeruing-auf-dem-pruefstand-100.html

2. https://www.weltderwunder.de/artikel/elf-mysterien-des-11-september-aufgeklaert

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Warum gibt es in Deutschland immer weniger Gläubige? Spürt ihr Atheisten nicht auch, dass es nicht mehr so weiter gehen kann?

Hallo Community,

vorab einmal muss gesagt werden, dass ich selber Agnostiker bin, also keiner Religion zugehörig.

Ich finde aber die Entwicklung in den Industrienationen, vor allem in Deutschland schrecklich und bedauerlich. Ich persönlich finde das christliche Menschen und Weltbild ziemlich Wegweisend und richtig.

Nächstenliebe und soziale Unterstützung fehlen uns irgendwie heutzutage mehr denn je.

Komischerweise fällt das vor allem bei Ländern auf, die immer Atheistischer werden...

Unsere Maßstäbe, die des modernen Menschen widersprechen doch vollkommen der Natur.. wir wollen immer höher, weiter schneller, lassen uns von Machteliten und Finanzkapitalisten unterdrücken, beuten unseren Planeten aus, sind dem Optimierungs und Fortschrittswahn vollkommen verfallen und werden gefühlsmäßig immer kühler und unsozial.

Manchmal frage ich mich, obwohl ich mich selbst als Quest-Typen bezeichne, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist, warum wir unsere Maßstäbe nicht wieder "zurückfahren und umfunktionieren"?

Ich war selber mal bei einer Gastfamilie in den USA, die sehr christlich war. Das war eine Zeit, die ich ehrlich gesagt vermisse. Es war herzlich, es gab keine Hektik, es gab keine sinnlose! von der Wirtschaft dem Bürger als Überlebenswichtige eingebläute Technik ( Sprechende Kühlschränke) und die Werte waren menschlich.

Was muss sich in Deutschland ändern, damit diesen Denken der Macht, Gier und des Geldes endlich der Vergangenheit angehört? Fortschritt sollte nicht um jeden Preis statt finden. Bei vielen Dingen frage ich mich auch ganz ehrlich, was daran Fortschritt sein soll? Ist alles, was uns die Wirtschaft einblößt Fortschritt? Ist es denn alles überlebenswichtig? Meiner Meinung nach nicht.

Was meint ihr?

...zur Frage

Zu Beginn muss man festhalten, Religion steht und fällt mit dem Prinzip des 'Rosinenpickens'.
Bei Matthäus 13,36–42 steht zum Beispiel:

"[...] Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen[...]"

Oder das erste Gebot: "[...] Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.".

Die beiden Zitate strotzen nur so von Demokratiefeindlichkeit und Menschenverachtung.
Allerdings werden von Menschen, die die christlichen Werte erstrebenswert finden, immer nur die netten, freundlichen und rosaroten Zitate herausgepickt.
Genauso läuft es im Islam auch ab.

Die einen sagen, der Islam sei eine Friedensreligion, die anderen sagen, der Islam sei faschistoid.
Und das schlimme: für beides findet man klare Belege in den heiligen Schriften.
Genauso verhält es sich auch im Christentum.
Diejenigen, die Religion verteufeln, suchen nur nach den schlimmen Zitaten, die Gläubigen suchen nach den tollen Zitaten.

Ich stimme also mit Deiner These nicht überein, dass christliche Werte erstrebenswert seien, weil man sich eben dieser Rosinenpickerei bedienen müsste, was ganz schnell zu Missbrauch führen kann.

Dass Nächstenliebe (auch Fernstenliebe!) und Mitmenschlichkeit erstrebenswert sind, ist natürlich absolut richtig.
Dazu braucht man aber keine Religion.
Solange wir Kunst, Philosophie und Wissenschaft haben, sind wir gut bedient.

Dein Beispiel mit den USA finde ich sehr unglücklich, da sie leider ein gutes Beispiel für die Kombination von Christentum und Kapitalismus sind.
Die USA ist eine komplett entsolidarisierte Gesellschaft.

Die häufigste Todesursache für junge Amerikaner ist Mord.
Pro 1000 Einwohner sitzen nirgends auf der Erde so viele Menschen im Gefängnis wie in den USA.
Trotzdem sind knapp 90% der Einwohner*innen dort religiös, die meisten davon christlich.

Die Schere zwischen Arm und Reich ist dort so groß, dass ganze Stadtteile im Dreck sitzen.
Die Reichen haben ihre eigenen Viertel mit Wachpersonal, eigenen Kindergärten, eigenen Schulen.
Außerdem sind die USA durch und durch rassistisch.

Wenn Du die USA also als Beispiel anführst, sprechen die Ergebnisse eher gegen Deine These.

Nun kann und soll man unser Wirtschaftssystem hinterfragen.
Eine Religion, die ihren Reichtum allerdings auf Leichenbergen und Betrug aufgebaut hat, ist da ein denkbar schlechtes Beispiel.
Außerdem klingt es in Deiner Ausführung so, als würdest Du die Religion an die Stelle des Fortschritts setzen wollen - das finde ich sehr befremdlich.

Es ist faktisch so, dass Wohlstand in Kombination mit mehrheitlicher Bildung den Grad an Religiösität reduziert, ebenso wie die Anzahl der Gläubigen.
Gleichzeitig erhöht Wohlstand aber auch den Egoismus, weil man keine Kooperationen mehr braucht.

Stelle Dir unsere Vorfahren vor, auch die vor dem Homo Sapiens.
Um ihr Überleben zu sichern, mussten sie zwangsläufig mit dem Rest der Gruppe zusammenarbeiten.
Überspitzt ausgedrückt reicht es heute, sich mit dem Chef oder der Chefin gutzustellen.
Kolleg*innen sind eher Konkurrent*innen, vor allem in prekären Arbeitsverhältnissen.
Das ist nicht zuletzt ein "Verdienst" des Fortschritts.

Wir leben heute in einer sogenannten 'Independenten Kultur'.
Das bedeutet, das Individuum zählt mehr als "die Gruppe".

Anders verhält es sich in vielen asiatischen Ländern, dort ist eine 'Interdependente Lebensweise' vorherrschend, in der sich das Individuum der Gruppe unterordnet.

Interdependenz erleben wir zum Beispiel in Kirchengemeinden.
Der große Zusammenhalt ist eine Stütze, wonach sich viele Menschen sehnen.
Das ist wohl ein Grund unter vielen, warum sich auch eher ungläubige Menschen kirchlich engagieren - weil das Bedürfnis nach mehr Zusammenhalt ja da ist!

Wozu das aber oft führt, wird mit dem Begriff 'In-group-out-group Bias' beschrieben.
Man favorisiert im Gefühl des Zusammenhalts die "eigene Sippe", und entwickelt dadurch eine Ablehnung/Benachteiligung/Vorverurteilung der Out-Group, derjenigen, die dieser Gruppe nicht angehören.

Kurz gesagt: Die Erstarkung von Religiösität würde sicher zu mehr Zusammenhalt und "Nächstenliebe" innerhalb der Gruppe führen - außerhalb der Gruppe aber eher weniger.

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Wie kann man denn auch ohne Religion den Zusammenhalt stärken?
Einen guten Ansatz sehe ich in der Stärkung der Geistes- und Naturwissenschaften innerhalb der Gesellschaft.
Mittlerweile kann man gute Lösungsansätze wissenschaftlich entwickeln, zum Beispiel bei Problemen mit der Integration oder bei politischer Radikalisierung.

Hier wird Bildung umso wichtiger:
Ich halte Bildung für ein elementares Mittel, um gesellschaftliche Probleme anzugehen.
Verwährt man Kindern in armen Elternhäusern dieselben Startchancen wie reichen Kindern, kann es auch passieren, dass die Kinder einen Lebensweg einschlagen, dem Du auch mit Religion nicht beikommst.

Die Stellung von Wissenschaft und Bildung muss also in der Gesellschaft erhöht werden.
Und beides erreicht man mit Religion jedweder Art leider nicht.

Was Deine Fortschrittskritik angeht:
Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, an der sich jeder Mensch beteiligen sollte.
Was wollen wir? Was wollen wir nicht? Wie fördern wir das eine und verhindern das andere?
Die Lösung dieses Problems ist aber sicher nicht die Flucht ins Gestern.
Früher war eben nicht alles besser, und wir müssen mit der Gegenwart und Zukunft ebenso klarkommen.
Eine vielfach von mir kritisierte Aussage mancher Politiker*innen ist, dass es zu Zeiten Willy Brandts so toll war.
Das ist aber kein Maßstab, da sich die Welt nunmal weiterdreht.
Wir müssen zukunftsweisende Ideen entwickeln, und nicht versuchen, die Zeiten von damals wiederherzustellen.

Das wäre aber nochmal ein eigener Roman meinerseits, ich will es jetzt erstmal dabei belassen.

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Ich bezweifle mal, dass Rechte sich für die LGBTIQ+-Community stark machen!

Das Problem hierbei ist, dass es den linken Kräften guttun würde, wenn sie auch Islamkritik üben würden, anstatt die Augen zu verschließen, um nicht als rassistisch zu gelten.
Eine gesunde Portion Kritik, Reflexion und Nachdenken würde sicher bei jedem Thema guttun.

Eine Islamgegnerschaft oder -feindlichkeit ist aber das Gegenteil davon.
Eine feindliche Einstellung dem Islam gegenüber verkennt nämlich, dass es sehr wohl progressive Kräfte gibt, aufgeschlossene und nicht-fundamentale Gläubige.

Viele "Islamkritiker_innen" haben vor Augen, wie ein Prolet ohne Deutschkenntnisse seine vollverschleierte Frau die Einkaufstüten tragen lässt, bevor er seine Tochter wegen einer Liebesbeziehung "ehrenvoll" hinrichtet.

Wer das denkt, ist kein_e Kritiker_in mehr, sondern bastelt sich die eigene Meinung zurecht.
Ganz klar: Natürlich gibt es das.
Wenn man das aber zur Mehrheit oder zu erschreckend hohen Anteilen erklärt, hat man keine sozialpsychologischen und soziologischen Studien dazu gelesen.

Und darauf kommt es doch an; kein Bauchgefühl sollte ausschlaggebend sein, sondern die Wissenschaft.
Und die hat zum Beispiel gezeigt, dass Geflüchtete aus Syrien viel weniger Probleme mit Frauen- und Menschenrechten haben, als allgemein angenommen wird.

Als echte_r Kritiker_in muss diese Info mit in die Bewertung einfließen, sonst ist man einfach nur demagogisch.

Ich sehe mich auch als links, und ich kritisiere den Islam auch.
Allerdings akzeptiere ich die Religion und die Gläubigen.
Fällt mir ein Problem auf, muss das dann aber angesprochen werden, und da liegt eben der Unterschied zu pauschalen Verurteilungen.

Wer für eine offene Gesellschaft steht, muss undemokratische Strömungen ablehnen und "bekämpfen".
Wer für Vielfalt steht, muss demokratische Strömungen fördern, auch wenn sie anders sind als die Mehrheit.

Studien für Interessierte:
https://www.econstor.eu/bitstream/10419/158500/1/kb2016-24.pdf
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Kurzanalysen/kurzanalyse1-2020_iab-bamf-soep-befragung-sprache.pdf;jsessionid=44406A4D14206A68DB4D83BB014786D5.internet532?__blob=publicationFile&v=5

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In der sozialpsychologischen Forschung untersucht man zum Beispiel Stereotype mit dem 'Stereotype Content Model', einem System zur Klassifizierung von Stereotypen und Vorurteilen.
Frauen werden da seit Ewigkeiten in das 'Paternalistische Cluster' eingeordnet, das heißt, sie werden auf einer Wärme-Kompetenz-Skala als "warm" und "inkompetent" eingeordnet.
Das heißt, die Menschen nehmen Frauen wahr als sympathisch (vereinfacht gesagt), aber eben inkompetent.

Das führt zu Vorurteilen wie "Frauen sind leidenschaftliche Pflegerinnen, verstehen aber von Wirtschaft nichts."

Fun fact: Italiener*innen werden in die gleiche Kategorie eingeordnet, nämlich Sympathisch/den Deutschen nah (warm), aber faul (inkompetent).

Das führt natürlich, gewollt oder ungewollt, zu Diskriminierung.

Das bedeutet nicht, dass Männer, Deutsche oder Menschen generell böse wären oder Frauen verachteten.
Das bedeutet nur, dass Menschen Fehlinformationen, Fehlurteilen und unzulässigen Vereinfachungen unterliegen, die normal sind, aber eben auch problematisch.

Zur Überwindung dieser Probleme ist eine starke "Lobby" natürlich absolut notwendig.
Mit dieser "Lobby" selbst, also dem Feminismus, kenne ich mich offen gesagt zu wenig aus.
Da ich mich aber als Humanisten sehe, der die Gleichwertigkeit und -berechtigung zwischen den Geschlechtern und Gendern verteidigt, ist Feminismus natürlich im Humanismus enthalten.

Spreche ich mit Menschen über die derzeitigen Unterschiede bei der Gleichberechtigung, begegnet mir leider immer häufiger die Vorgehensweise, als Antwort darauf Männer "nach unten zu korrigieren".
Das ist natürlich Blödsinn.
Der Feminismus soll Männer nicht kleinreden, sondern Frauen großreden.
Das ist aber nur meine persönliche Erfahrung und somit nicht repräsentativ.

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Die freie Entfaltung, wozu auch Körperschmuck wie Tattoos zählt, ist natürlich kein negatives Kriterium für mich.

Wahrscheinlich wäre die Person für mich als Tattooträger eher sympathischer als unsympathischer.
Viele haben ja immer noch das Stereotyp im Kopf, dass Leute mit Tattoos unseriös seien.
Die genauen Zahlen kenne ich nicht, gehört habe ich mal, jede vierte Person in Deutschland wäre tattoowiert.
Wo genau liegt dann der Unterschied zwischen einem kleinen Symbol auf dem Knöchel und einem Tattoo auf dem Arm im Bezug auf die Seriösität?

Ehrlich gesagt sehe ich es als Problem, wenn Menschen ihren eigenen Vorurteilen erliegen und dadurch andere diskriminieren.

Ein gutes Beispiel ist wohl Mark Benecke, der tattoowierte Kriminalbiologe - ein totales Ass auf seinem Gebiet.
Oder seine ehemalige Frau Lydia Benecke, die Kriminalpsychologin mit Neigung zu Gothic-Kleidung.

Die Zeiten ändern sich nunmal; die Kleidung wird kürzer, die Ärme tattoowierter, die Frisuren ausgefallener.
Wer im Gestern lebt, kommt damit eben nicht klar.

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