Warum bezeichnen einige Menschen die Bibel als "Die Wahrheit"?

Meine damalige Religions- und Ethiklehrerin, die aus meiner sich eine sympathische und gläubige Frau war, nannte die Bibel zurecht ein Geschichtenbuch.

Einiges aus der Bibel mag inhaltlich sinnvoll sein und zum Denken anregen, aber vieles ist doch auch bloß gewalttätiger, frauenfeindlicher, zum Teil erfundener und blöder Kram, der einen nicht weiterbringt. Was genau soll daran "die Wahrheit" sein?

Die Märchen von den Brüdern Grimm oder Omas Kochbuch bezeichnet doch auch niemand als "die Wahrheit", obwohl sie zum Teil nützlich oder unterhaltsam sind und die Rezepte und Erzählungen uralt sind.

Wenn man etwas als "Wahrheit" titulieren möchte, dann doch wohl eher universelle Gesetze aus Naturwissenschaften wie Physik oder Chemie.

Ich habe absolut nichts gegen die Vorstellung eines liebenden Gottes, wenn es denn positiv zum Leben beiträgt, aber das geht auch sehr gut ohne Bibel und man muss keine Kategorisierungen in Bezug auf Gottesglauben vornehmen wie "wahr" oder "unwahr". Wenn Gott einem das Gefühl der Liebe vermittelt, ist dieses Gefühl selbstverständlich real und schadet niemandem, aber der Begriff "wahr" oder "unwahr" passt da nicht.

Und ich verstehe nicht, warum viele denken Gott müsse ein beweisbares Wesen außerhalb des menschlichen Gehirns sein. Es reicht doch, wenn der Gottesglaube nur im Gehirn funktioniert und da "real" ist. Real im Sinne eines Denksystems, das man anwenden kann oder auch nicht. Das macht die Gottessache im Ganzen doch gar nicht minderwertiger!

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Ist es denkbar, dass für einige gläubige Christen der Begriff "Wahrheit" eine andere Bedeutung hat als für den Rest der Gesellschaft?

Ich beziehe mich jetzt speziell auf die Aussage: "Die Bibel ist die Wahrheit.". Darunter verstehe ich (kein religiöser Mensch), dass alles, was in der Bibel geschrieben steht, sich tatsächlich so zugetragen habe. Also jedes Detail aus der Bibel entspreche der absoluten Wahrheit: Nichts wurde erfunden oder aufgebauscht. Es habe sich alles genau so zugetragen.

Entsprechend diesem Wahrheitsbegriff halte ich persönlich, als nicht religiöser Mensch, die Bibel NICHT für wahr, sondern in großen Teilen für erfunden oder aufgebauscht. Und es scheint mir ziemlich absurd, dass überhaupt irgendein Mensch auf die Idee kommen könne, jedes Detail aus der Bibel habe sich tatsächlich so zugetragen, sodass man die Bibel als Ganzes als "wahr" bezeichnen könne.

Aber ist es denkbar, dass gläubige Christen den Begriff "Wahrheit" in diesem Zusammenhang ganz anders verstehen? Vielleicht meinen sie mit der Aussage "Die Bibel ist die Wahrheit" nur, dass es Gott tatsächlich gibt und man sein Leben auf bestimmte Art und Weise leben sollte? Oder sie meinen hinter den erfundenen Geschichten aus der Bibel stecke eine nützliche Aussage, die sie als "Wahrheit" bezeichnen? Oder vielleicht meinen sie etwas vollkommen anderes...?

Oder ist es denkbar, dass einige gläubige Christen den Satz, dass die Bibel die Wahrheit sei nur unreflektiert nachplappern ohne darüber nachzudenken, was die Worte, die sie nutzen, tatsächlich bedeuten?

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