Wieso spricht in München niemand mehr bayrisch - bayerisch - bairisch?

7 Antworten

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Es ist leider so, wie die anderen auch schon geschrieben haben, dass der Dialekt in München ausstirbt. Ich selber komme vom Land, gerade mal 50 km südlich von München und bei uns wird sehr wohl noch bairisch gesprochen. Das liegt ganz einfach daran, dass in München viele Nicht-Bayern wohnen, also auch kein bairisch reden und deren Kinder lernen es dann auch nicht. Ich bin in München in die Berufsschule gegangen und viele meiner Mitschüler haben manche Ausdrücke, die ich verwendet habe, überhaupt nicht verstanden. Dazu kommt, dass es tatsächlich so ist, dass an den Schulen/Unis der Dialekt leider nicht gefördert wird. Im Gegenteil: Man wird dazu gezwungen hochdeutsch zu sprechen, da sonst die meist auswertigen Lehrer die Schüler auch nicht mehr verstehen würden. Das ganze fängt ja schon im Kindergarten an. Wenn die Hälfte der Kinder sowieso kein bairisch von zu Hause her kennt und die Erzieherinnen es meist auch nicht sprechen, dann passen sich die restlichen Kinder automatisch an und legen den Dialekt so ab. Das ist mir sogar bei meiner kleinen Schwester aufgefallen (und das, obwohl wir auf dem Land leben!). Aber dagegen tu ich was: Ich rede noch ordentliches bairisch mit ihr, damit sie es nicht verlernt. Wär ja schade drum. Bei mir in der Schule habe ich immer so geredet wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich hab von Freunden gehört, dass Lehrer sogar Punktabzug androhen, wenn bei einem Vortrag bairisch gesprochen wird. Meine frühere Geschichtslehrerin sagte mir auch mal nach einem Referat, dass sie mir jetzt eigentlich eine Note schlechter geben müsste, weil ich bairisch gesprochen habe. Sie hat dann noch ein Auge zugedrückt, weil es kein Referat für Deutsch war, sondern nur in Geschichte. Ich fand das damals total unmöglich von ihr und war auch von den Berichten meiner Freunde geschockt, die wirklich Punktabzug bekommen haben.

Die Münchner-Jugend kann zum Großteil leider wirklich kein Bairisch, da muss ich dir recht geben, aber da wo ich herkomme, da sprechen noch viele bairisch - auch die Jugend. Ich würde mir komisch vorkommen, wenn ich im Alltag hochdeutsch sprechen würde und ich lasse es mir auch nicht verbieten. Wenn ich natürlich mit jemanden spreche, der mich so nicht versteht, dann schalte ich auf hochdeutsch um. Ich finde das ist auch wichtig, dass mein hochdeutsch einigermaßen beherrscht, damit man sich auch mit anderen verständigen kann. Trotzdem: Man sollte dazu stehen und den Dialekt auch benutzen. Er sollte unbedingt mehr gefördert werden.

I kenn vo jung bis oid in niedabayan koan der hodeitsch red hahah

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Hallo, Sheryl. Wie ich zuletzt in Minge war, wurde da noch reichlich boarisch gredt, quillt die Stadt allerdings auch vor Außermingern über während die oide Minger Kultur sich nicht öffentlich trifft sondern in kleinen, netten Biergärten / Schänken. Naja, ansonsten: des Boarisch macht es Kindern besonders beim Schreibenlernen sehr schwer, weil ja vieles so ganz anders ausgesprochen wird wie geschrieben: Oachkatzl = Eichhörnchen - ergo Hochdeutschzwang an Schulen / Unis. Aba dahoam wird gredt wie de Schnobe gwachse is. Das echte Boarisch muß untertitelt werden, weil es sonst koa Sau versteht. Das sagt dir ein Zuzügler aus Niederschlesien / Görlitz. Wüßtest du denn, was oatrenst heißt? Bis vor einem Jahr ich auch nicht. Es bedeutet: angespritzt, angesprungen. Gwißt = gewußt. Außerhalb Münchens z.Bsp. in Freising, meiner neuen Heimatstadt, gibt es Boarisch noch original und, grins, es ist für mich wie das Erlernen einer Fremdsprache, während meine Kollegen manchmal stutzen, rede ich Görlitzer Deutsch, lG.

Hallo ilknau, danke für deine ausführliche Antwort. Das was du schreibst: "Naja, ansonsten: des Boarisch macht es Kindern besonders beim Schreibenlernen sehr schwer".

Das habe ich schon öfter gehört, aber wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, stimmt die Aussage ganz einfach nicht. Ich hatte Mitschüler, den wildesten Dialekte gesprochen haben und 1er Schüler im Fach deutsch waren.

Außerdem habe habe ich seitdem mit ein paar Grundschullehrerinnen aus Bayern gesprochen und die widersprechen auch deiner Theorie.

Es gibt Menschen, die bekommen es einfach nicht auf die Reihe richtig deutsch zu schreiben, genauso wie bei mir selbst und ich spreche das aller schönste hochdeutsch :-)

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@Sheryl

Das ist nicht meine Theorie sondern schlicht Erfahrung. Abgesehen davon gab es hier bei GF die Frage eines Waldners, der ernsthaft frug, ob er einen Deutschkurs machen soll, weil er selbst weiß, dass seinen Dialekt kein anderer verstehen wird, reist er nach außerhalb, stellte er auch fest, dass eben geschrieben wie gesprochen wird

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Dafür bietet Tutoria jetzt das Sprachtraining “Bayrisch lernen” (siehe Beitrag auf www.Biergartler.de) an, Exklusiv fia Preissn und man wird unterrichtet von einem Original aus München und ist untermalt mit zünftigen Videos vom Obststandl-Didi und dem Isaak Cissé – Dabei sein ist Bayrisch!

“Griaß’di! – Servus!” Wer die Grundbegriffe der bayrischen Sprache beherrscht, merkt sofort, dass sie doch gar nicht so schwer zu lernen ist. Mit ein paar wenigen Redewendungen bist Du bestens vorbereitet auf zahlreiche Alltags-Situationen. Ein “Schau ma moi” oder “Basst scho” zur richtigen Zeit lässt Dich, zumindest im ersten Moment (und nach 2-3 Maß Wiesn-Bier), als echten Bayer dastehen. Gruslige Vorstellung, aber so ist es halt...

Wenn, dann baierisch: den baierischen Dialekt, die Münchner Mundart.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Ich find des persönlich schade weil ich gebürtiger Münchner bin und im Landkreis München aufgewachsen bin und bayerisch tagtäglich gehört und auch ein bisschen genutzt hab. Mittlerweile kann ich recht gut sprechen. Oiso boarisch hoid^^ ich liebe den Dialekt und finde dass das Bildungsministerium sich für ein Wahlfach Bayerisch an Schulen für in Bayern Gebürtige einsetzen sollten. Es ist schade dass "de Zuagroastn" Preißn einem ihr Hochdeutsch aufdringen und die Schulen darauf bestehen. Des ist a vollkommener Schmarrn. Wenn i boarisch redn wui dann red i boarisch und des is mei guads Recht ois Bayer. Do ko ma koana wos. Als gutes Beispiel würd ich hier Österreich nehmen weil die Österreicher ja kein richtiges Hochdeutsch sprechen, in ihrer Ausspracher hört man noch den österreichischen Dialekt durchklingen und so sehr sie sich anstrengend hochdeutsch wie ein Norddeutscher zu sprechen, sie kriegen es einfach nicht auf die Reihe, was ich aber eigentlich schön finde. Schön, dass sie ihre Mundart beibehalten und pflegen. Ich finde gerade München als Weltstadt sollte sich von Österreich eine Scheibe abschneiden. Ich liebe mein München meine bayerische Heimat über alles auf der Welt und natürlich den bayerischen Dialekt. :) Ich finde ja auch dass der bayerische Dialekt der erotischste Dialekt überhaupt ist. :D

1.) Österreichisches Hochdeutsch IST RICHTIGES HOCHDEUTSCH - nur wenige sprechen es, das ist ein anderer Kaffee ;-)
2.) Welcher Teufel nennt das Idiom der Norddeutschen "richtiges Hochdeutsch"? Das ist doch eine behandlungspflichtige Rachenkrankheit! - Ich meine das Nasalieren, Nuscheln, Silmvrschluckn (nich' rich' schwümm' könn') ...
3.) Warum Bayern in Sprachfragen so vor dem Norden buckelt, verstehe ich nicht. Bairisch (mit i!) könnte als Sprache anerkannt werden, wofür kämpft denn der Ludwig Zehetner sein Leben lang?
https://www.wikiwand.com/de/Ludwig_Zehetner#/Werke_.28Auswahl.29

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