Wie stehen meine Berufschancen, wenn ich Astronomie studieren möchte (was kann man nach dem Studium machen)?

8 Antworten

Hallo alexandradie,

Astronomie ist als Astrophysik ein Teilgebiet der Physik.

Astrophysik studiert man üblicherweise über ein Studium der Allgemeinen Physik, zuerst Bachelor, dann Master. Im Masterstudiengang wählt man dann als Wahl-/Vertiefungsfach die Astrophysik.

Entsprechend bist Du nach dem Master ein waschechter Physiker und bist damit für alle Berufe qualifiziert, in denen Physiker eingesetzt werden.

Die Anstellungschancen an der Uni selbst sind nicht sehr gut. Einen Promotionsplatz ergattert man meist, eine echte Anstellung nach der Promotion ist schwierig. Die wenigen Stellen sind nahezu ausnahmslos Zeitstellen, da Projekte gefördert werden, nicht Mitarbeiter. Da ist sehr viel Flexibilität gefragt - und keine allzu großen finanziellen Ansprüche. Nicht wenige "Post-Docs", die zwischendurch ein paar Monate lang die Zeitung austrugen.

In einem Blogartikel hat das der Astrophysiker Florian Freistetter mal geschildert: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/02/01/wie-ich-wissenschaftler-wurde-und-warum-ich-heute-keiner-mehr-bin/

Selbst wenn man an der Uni landet, ist der Berufsalltag nicht gerade der des "Sternguckers", wie man es sich landläufig vorstellt. Der Astrophysiker ist ein Schreibtischtäter, meist damit beschäftigt, irgendwelche Modellrechnungen für den Großrechner zu programmieren, um anhand der Ergebnisse der Simulationen und der Beobachtungsdaten seine Modellvorstellungen zu überprüfen. Meist beobachtet man nur wenige Tage im Jahr, wenn überhaupt. Oft beantragt man Beobachtungen und bekommt irgendwann Daten geliefert.

9 von 10 Physiker arbeiten in der Industrie, nicht wenige als Programmierer. Der Rest in der Entwicklung von Produkten oder in der Qualitätssicherung. Programmieren können musst Du als Astrophysiker ohnehin wie gesagt gut können.

Auch hierzu ein Blogartikel, diesmal von Markus Pössel:

https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/astroinformatik/

Wer sich für einen normalen Programmierjob in der freien Wirtschaft nicht zu fein ist, für den sind die Chancen, einen Job zu finden allerdings recht gut.

Kurz noch zum Studium: Du solltest da nicht mit romantischen Vorstellungen rangehen. Physik ist ein langer und schwieriger Studiengang. Auch wenn Du als Ziel Astrophysik hast, darfst Du Dir nicht einreden, dass Du Mathe und Physik "halt irgendwie hinter Dich bringen musst"... Nope: Astrophysik IST Physik und damit angewandte Mathematik. Eine Tafel voller Formeln sollte Dich begeistern; Beweise sind nicht lästiges "Nebenbei", sondern das zentrale Thema: Du wirst Beweise selbst herleiten müssen und allgemeine Aufgabenstellungen in mathematische Formulierung übersetzen müssen.

Da man prinzipiell auf den späteren Forschungsalltag vorbereitet wird, gehen die Übungsaufgaben vom Schweregrad notorisch über das Niveau der Vorlesungen. Die Idee ist also, sich die Vertiefung des Stoffes selbst zu erarbeiten. Man kann hinterher niemanden fragen, weil man an prinzipiell ungelösten Problemen arbeitet. Man muss lernen, mit Aufgabestellungen umzugehen, bei denen man erst mal keine Ahnung hat, wie man sie löst. Man muss damit umgehen können, auch einmal ein paar Stunden herumzuprobieren, wie eine Aufgabe zu lösen ist. Das liegt nicht jedem. Die Abbruchquoten sind daher recht hoch, teils knapp 50%.

Gute Aussichten auf Erfolg hast Du, wenn Dir Mathe und Physik viel Spaß macht; wenn es Dir nichts ausmacht, Dich auch in schwierigere Problemstellungen zu vertiefen; wenn Du gut mit dem Gefühl umgehen kannst, etwas nicht auf Anhieb zu können; wenn Du gut darin bist, Dir selbst etwas zu erarbeiten; wenn Du analytisch denken kannst; wenn Du kreativ bist, diese Kreativität aber zielgerichtet einsetzen kannst; wenn Du teamfähig bist, Dir aber auch Probleme alleinzupacken zutraust.

Und noch ein Hinweis:

Nominell bieten einige wenige Universitäten auch einen "Astronomiestudiengang" an, der sich von den Lehrinhalten (sofern es sich nicht um den Studiengang für Lehramtsstudenten handelt) her aber nur unwesentlich unterscheidet. Man fängt zwar etwas früher mit der Astronomie an, spart sich von den allgemeinen physikalischen Grundlagen her aber nur sehr wenig. Einfach deshalb, weil man die Physik einfach braucht. Wie soll man den Strahlungstransport in Sternatmosphären durchrechnen können, wenn einem die physikalischen Grundlagen fehlen? Wie die Kernprozesse im Sterninnern verstehen, wenn man weder Kernphysik gehört hat, noch Teilchenphysik... Und so ist das an allen Ecken und Enden. Astronomie ist heute Astrophysik. Und deshalb studiert man am besten erst mal richtig Physik.

Ich würde nicht zu einem reinen Astronomie-Studiengang raten: Man sollte sich nicht allzu früh auf die Astronomie festlegen. Wem das Fach liegt und wem es Spaß macht, der lernt im Laufe des Studiums jede Menge interessante Teilgebiete der Physik kennen. Über die allgemeine Physik hat man auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, als mit einem scheinbar sehr spezialisertem Studiengang.

Grüße

Hallo! Physik und Mathematik sind die wichtigsten Voraussetzungen wenn man in Richtung Astronomie will. Wir haben hier im Forum das Glück dass im Bereich Astronomie gleich mehrere Profis unterwegs sind und ich habe da mehr lernen können als auf dem Weg zum Abitur.

Und ich habe auch erkannt das nur ein Bruchteil derer die locker ihr Abitur in Mathe machen da im Bereich Studium Astronomie zurecht kommen können. Das ist hoch speziell und kompliziert. 

Und nach dem Studium wird es schwierig. Die meisten Astrophysiker arbeiten n der Industrie und sind halt dort wegen ihrer außergewöhnlichen Intelligenz gefragt.

Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg

Astronomie ist nur als Zusatz oder Vertiefung zu einem Physikstudium zu absolvieren, da es kein Astronomiestudium gibt.

Stellen für Physiker mit Vertiefung oder Zusatz "Astronomie" sind selten.

Woher ich das weiß: Recherche

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