Wie stand Sartre zum Determinismus?

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2 Antworten

Ich empfehle die Lekture von

www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/60216.html

da ist das Thema sehr prägnant dargestellt. Sartre war kein Determinist. Seiner Meinung nach ist es sogar eine Besonderheit des Menschseins, dass wir zur Freiheit verurteilt sind. Aber lies selbst.

Ganz schön teuer für 24 Seiten...

Das mit der Freiheit ist bei Sartre so eine Sache. Die Zwiespältigkeit wird schon in der Formulierung "zur Freiheit verurteilt"  deutlich.

Die Problematik bei Phänomenologie und Existentialismus liegt darin, das nicht auf ein objektives wissenschaftlich beweisbares Sein geschlossen wird. Sondern es wird versucht, das Sein aus dem Existieren heraus nachzuvollziehen. Unser Handeln und Leben wäre ohne die Annahme einer Freiheit des Handelns nicht möglich. Das sagt jedoch nichts über eine tatsächliche Freiheit aus.

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Sartre verstand sich zwar als Anti-Determinist und definierte seinen Freiheitsbegriff in diesem Sinne, aber in einer argumentativ leicht angreifbaren Weise. Es ist bemerkenswert, daß dieser sonst so brillante Analytiker ausgerechnet in seinem Hauptsatz so schwach war. Ich will das kurz erläutern: Ein entspechendes Zitat von ihm lautete dazu so:

Wenn der Mensch, wie ihn der Existentialist begreift, nicht bestimmbar ist, so darum, weil er zuerst nichts ist. Er wird erst nachher sein, und er wird der sein, zu dem er sich machen wird... Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht. Dies ist der Hauptsatz des Existentialismus... Der Mensch ist zuerst ein Entwurf, der sich subjektiv erlebt, statt Moos, Moder oder ein Kohlkopf zu sein; nichts existiert vor diesem Entwurf; nichts ist am Verstandeshimmel, und der Mensch wird zuerst das sein, was zu sein er geplant haben wird... Wenn aber wirklich die Existenz der Essenz vorangeht, ist der Mensch verantwortlich für das, was er ist... Subjektivismus will einerseits heißen Wahl der individuellen Person aus sich selbst und andererseits Unmöglichkeit für den Menschen, die menschliche Subjektivität zu überschreiten. Die zweite Bedeutung ist der tiefere Sinn des Existentialismus.

Dieses Zitat gibt allerdings auch Gelegenheit, die Unmöglichkeit einer solchen Auffassung aufzuzeigen. Denn was ist nun los: Ist der Mensch zuerst ein Nichts oder ist er jenes an Gottes Stelle tretende Wesen, das bereits existiert, bevor es definiert werden kann? Doch ist das die Konsequenz des Positivismus: der Mensch sieht sich in eine scheinbar objektiv gegebene Außenwelt hineingeboren und ist zuerst nichts anderes als sein Körper und das darin befindliche Gehirn, das erst allmählich zu arbeiten beginnt. So macht er sich selbst zu dem, was er später ist. Natürlich bestreitet Sartre nicht die Tatsache, daß der Mensch in eine bestimmte Umwelt gestellt ist, die ihn als Rahmenbedingung mitbestimmt, aber der Positivist muß diese für mehr oder weniger zufallsbedingt halten und das Wesen des jeweiligen Menschen davon abstrahieren. Er hält aber nicht nur die Umwelt für zufällig, sondern auch die Stellungnahmen des Einzelnen zu ihr und den sonstigen begegnenden Dingen. Sofern hier charakteristische Unterschiede unter den Menschen bestehen, so werden diese (mehr oder weniger) als in der biologischen Erbsubstanz verankert gedacht. Der betreffende Mensch könnte sich also auch anders verhalten, wenn er nur wollte. Schon wenn der Mensch sich schließlich als „Entwurf, der sich subjektiv erlebt“ vorfindet, ergibt sich aber doch die Frage, wer ihn denn bis dahin bereits so weit entworfen hat. Er selbst konnte das ja unter dieser Voraussetzung noch nicht, da er sich seiner selbst nicht bewußt war. So wäre er bis dahin ein reines Zufallsprodukt. Doch müssen wir sehen, wie sehr ihn bereits diese so zufällig geratene Ausgangsbasis auch weiterhin konditionieren würde. Wenn er endlich wirklich so weit ist, daß er sich theoretisch selbst bestimmen könnte, ist er bereits so sehr festgelegt, daß er kaum noch weiterhin über den daraus folgenden Fortgang bestimmen kann. Nicht nur seine Umwelt, seine Begabung und seine Neigungen bestimmen ihn also schon zu diesem Zeitpunkt, sondern seine bis dahin getroffenen eigenen Entscheidungen, selbst wenn er diese zu einer Zeit traf, zu der von eigenen Entscheidungen noch nicht die Rede sein konnte. „Der Mensch wird zuerst das sein, was zu sein er geplant haben wird...“: dieser Satz ist schon in sich widersprüchlich, wie sich leicht erkennen läßt, denn als der Mensch noch nicht war, konnte er sich noch nicht planen. Aus diesem Umstand allerdings ergibt sich noch nicht die Unmöglichkeit dieser Auffassung; sie ist vielleicht nur unglücklich formuliert. Es ergibt sich jedoch daraus die Ausweglosigkeit einer solchen Sichtweise.

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