Wie reagiert ihr, wenn das Pferd Angst im Gelände hat?

12 Antworten

nachdem mein pony schnell gelernt hat, dass kühe abhauen, wenn man als pferd hinterherläuft, hat er recht viel spass daran gefunden, nachbars kühe, die regelmässig ausgebrochen sind, wieder zurück zu treiben. ich hab nur draufgesessen und ihn machen lassen.

ich hab ziemlich viel bäckertüten und luftballons auf seinem rücken sitzend zerplatzt und wir haben mit ein paar leuten und eigenen oder pflegepferden plötzliche bewegungen und lärm in und hinter gebüschen geübt. in unserer gegend gab es alliierte herbstmanöver. da musste man auf alles mögliche gefasst sein, was einem normalerweise nie begebnet.

im endeffekt war mein pony hinterher schussfest, ich konnte bis auf 20m an einen startenden oder landenden schwerlasthubschrauber heranreiten (wahrscheinlich sogar näher, wenn ich es versucht hätte), einen meter neben einem panzer mit laufendem motor vorbei, bzw. 2m abseits stehen und eine panzerkolonne auf der strasse vorbeilassen.

das einzige was hilft, ist erfahrungen zu sammeln und situationen einschätzen zu lernen und vorausdenken zu lernen.

flatterbänder, regenschirme, holzbrücken, gatter öffnen und schliessen etc... alles kein problem, wenn man pferdegerecht übt.

traktoren, LKW und pfützen ging aber zeitlebens gar nicht. egal mit welchen tricks.

wichtig ist, zu unterscheiden zu lernen, was "spielerei" und was ernsthaft "schrecklich" ist. bei spielerei kann man auch mal konsequent zurechtweisen, also mit verstärkten hilfen vorbei gehen oder stehenbleiben, wenn etwas schrecklich ist, dann vertrauen vermitteln. das war bei uns bei den traktoren oder LKW, wenn sie innerorts überholt haben, zu versammeln, die zügel locker zu lassen und ihn piaffieren zu lassen, bis das fahrzeug vorbei war. mit einem andern pferd hätte ich vielleicht stehenbleiben müssen.

es gibt situationen, in denen absitzen keine option ist. auch das muss man einkalkulieren und bestimmte dinge vorher überlegen.

ich muss quer durchs dorf und dort könnten gefährliche LKW überholen und es geht nicht ohne absitzen? dann sitzt man schon vorher ab und führt den ganzen weg durchs dorf.

Woher ich das weiß:Beruf – Sachgerechter Umgang ist aktiver Tierschutz!

einen meter neben einem panzer mit laufendem motor vorbei

das ist aber saugefährlich. Ich hatte einen Bekannten, der beim Bund Panzerfahrer war. Einmal mussten sie durch ein Dorf fahren. natürlich durfte auf der Straße kein Auto stehen. ABer einer tat es doch. Mein Bekannter fuhr über das Auto hinweg, er hatte im Panzer nicht mal gemerkt, dass er (unabsichtlich) ein Auto überfahren hatte.

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@Dahika

hat er gemerkt, dass er über was grosses drübergefahren ist.

kann gar nicht sein, dass man DAS nicht merkt.

Panzer überfährt Auto ► Tank Show / Panzer Show in Germany - YouTube

die kolonne hat ein voraus- und ein folgefahrzeug. hindernisse werden über funk gemeldet.

und was willste machen, wenn herbstmanöver ist. man kann deswegen ja nicht vier wochen lang nicht reiten.

und nein - einen andern weg gabs nicht. ich musste IMMER ein stück durch den ort, wenn ich irgendwo hin wollte, denn ich musste auch IMMER über eine der drei brücken.

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Wenn keine Gefahr besteht, muss er da durch. Dann wird vorbei gegangen. Bevor ich den Zaun auf der anderen Straßenseite niederreiße (hatten wir alles schon, Pferd zum Glück nicht verletzt) oder das Pferd eine Straße mit Kfz-Verkehr blockiert, wo der Autofahrer ohne Pferdekenntnis vielleicht glaubt, dahinter vorbei fahren zu können, sitze ich ab und führe vorbei. Wenn die Möglichkeit besteht, das gleich zu üben, bleibe ich, bis das Pferd entspannen kann und neben den Kühen frisst, Puls und Atmung ruhig werden.

Außer diesen "angriffslustigen Horntieren" gibt's aber fast nichts, was ihn irritiert. Kühe waren auch schon top, bis eine Kälberherde im Galopp auf uns zu geschossen kam. Da mussten wir dann nochmal üben.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Durchgenend Pferdeerfahrung seit 1981

😂 Wie hart du DAS denn geübt? Hart du jemanden angestellt, der Kälber immer wieder auf euch zu getrieben hat?

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@Urlewas

Nein. Kühe waren ab dann erst mal wieder gruslig. Dann gingen wir sie halt anschauen und haben uns gefreut, wenn es auch muntere Jungtiere zum anschauen gab, dass wir auch mal ein Rind so richtig Gas geben sehen konnten. Ok, Pferd hat sich zuerst nicht gefreut, dann aber schon irgendwann.

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auf jeden Fall dem Monster nicht aus dem WEge gehen. ich würde vermutlich sehr oft da vorbeireiten, unter Umständen dann an der Rinderweide absitzen und abwarten. Vielleicht dem Pferd ein Leckerli anbieten, denn Fressen und Angst sind zwei inkompatible Verhaltensweisen/Gefühle. (Darum bekommt man im Flieger sehr gerne Essen angeboten). Man kann das Pferd auch grasen lassen.

Wenn man das oft übt, wird die Angst weggehen. Natürlich muss man dazu aber das Pferd am Boden auch sehr gut händeln können. Das muss man vorher geübt haben.

Kommt aufs Pferd, die Situation an sich und den Menschen an.

Ich hatte gestern den Fall, dass mein SB ne Kreissäge angeschmissen hat. Direkt neben Paddock und Reitplatz. Alles Pferde erstmal weg galoppiert. Mich hat das absolut gar nicht gejuckt. Mein Pony hat kurz gezuckt, weil die anderen los sind, fühlte sich dann bei mir aber wieder sicher innerhalb von 2 Sekunden.

Was immer, immer, immer hilft ist selbst so gechillt wie möglich zu sein. Aufmerksam mit der Umgebung, aber gechillt. Sicherheit vermitteln.

Bei manchen Situationen macht es Sinn, kurz stehen zu bleiben, bei anderen weiter zu gehen, bei wieder anderen abzusteigen,.... Sowas muss man lernen zu erfühlen, was nötig ist. Und man muss lernen, entsprechende Sicherheit dem Pferd zu vermitteln.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – über 20 Jahre Reiterfahrung und eigenes Pferd seit über 10J.

Ich komme noch aus der Generation, wo man gelernt hat IMMER u. unter allen Umständen auf dem Pferd zu bleiben u. es notfalls auch mit etwas unsanfteren Methoden vorbei an gruseligen Dingen zu zwingen. Grundfalsch!

Wie du es machst, bleibt dir letztlich überlassen, jedes Pferd, jeder Mensch ist anders. Wichtig sind 2 Dinge: deinem Pferd Sicherheit vermitteln u. Ihm keine Gewalt anzutun. Und wenn du dafür absteigst u. vorbei führst, ist das völlig ok. Wenn du es von oben versuchst u. dein Pferd dir soweit vertraut, dass es vorbei geht - gut.

Bleibe selbst dabei ruhig u. versuche nicht, die Situation zu etwas Besonderem zu machen, in dem du auf das Pferd ein redest, es streichelst,... lobe es, wenn es voran geht, ignoriere, wenn es zappelt, pustet, tänzelt. Bleibe bei ihm, nimm seine Sorge ernst, vermittle ihm aber auch, du bist da u. machst dir keine Sorgen - u. bringst euch sicher vorbei.

Woher ich das weiß:Beruf – Pferdewirtschaftsmeister

Ich komme noch aus der Generation, wo man gelernt hat IMMER u. unter allen Umständen auf dem Pferd zu bleiben 

Aus der Generation stamme ich auch. DAs war aber das ERste, was ich abgeschafft habe, als ich mein erstes eigenes Pferd bekam. Allerdings, das gebe ich zu, war das auch nie ein großes Pferd, sondern eher handlich klein.

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