wie komme ich zur Berufsfeuerwehr?

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Der Einfachheit halber hier mal die ehem. FAQ von feuerwehr.de :

Wie komme ich zur Berufsfeuerwehr bzw. wie werde ich hauptamtlicher Feuerwehrmann?

Alle Angaben gelten für Männer und Frauen, zur besseren Lesbarkeit ist die männliche Form gewählt. 

1.) Wer beschäftigt überhaupt Berufsfeuerwehrleute?

Wer hauptberuflich zur Feuerwehr möchte, kann das bei verschiedenen Arbeitgebern tun:

bei einer der ca. 100 Berufsfeuerwehren

bei einer der zahlreichen (in NRW z. B. ca. 75) Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften

bei einer (Kreis-)Leitstelle

bei einer Aufsichtsbehörde oder einer Landesfeuerwehrschule

bei einer Werkfeuerwehr (öffentlich oder privat)

bei der Feuerwehr der Bundeswehr

Die Werkfeuerwehren von Privatunternehmen haben ausschließlich Tarifbeschäftigte. Ob man bei einer öffentlichen Dienststelle Beamter oder Tarifbeschäftigter wird, ist von Land zu Land verschieden. Die Regel ist nach wie vor der Beamte. Die folgenden Ausführungen gelten nur für Beamte / Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst. Bei den privaten Werkfeuerwehren muss man sich individuell erkundigen! 

2.) Welche Laufbahnen gibt es und wie sind die jeweiligen Einstellungsvoraussetzungen (öffentliche Dienststellen)?

Im so genannten feuerwehrtechnischen Dienst gibt es in den meisten Ländern der Bundesrepublik drei Laufbahnen, die jeweils unterschiedliche Einstellungsvoraussetzungen haben. 

Der MITTLERE feuerwehrtechnische Dienst stellt den Hauptanteil am Einsatzpersonal der Feuerwehren, also die Truppmänner, Truppführer und im Regelfall auch die Gruppen-/Fahrzeugführer. Auch das Rettungsdienstpersonal der Feuerwehren kommt meist aus dem mittleren Dienst. Im Innendienst sind manche Sachbearbeiter, in kleineren Feuerwehren auch Sachgebietsleiter im mittleren Dienst. In den Landesdienststellen (Schulen / Aufsichtsbehörden) gibt es (wenige) Lehrer und technische Mitarbeiter im mittleren Dienst. 

Der GEHOBENE feuerwehrtechnische Dienst ist die "mittlere Führungsebene“ der Feuerwehren, in kleineren Feuerwehren auch die "Chefetage“. Wer im gehobenen Dienst ist, hat mindestens eine Zugführerausbildung und wird entweder als Fahrzeugführer (selten), Zugführer oder Einsatzleiter bzw. im Innendienst als Sachbearbeiter, Sachgebietsleiter oder Abteilungsleiter, in kleineren Feuerwehren auch als Leiter der Feuerwehr / der Leitstelle eingesetzt. In den Landesdienststellen (Schulen / Aufsichtsbehörden) sind die meisten Sachbearbeiter bzw. Lehrer im gehobenen Dienst. 

Der HöHERE feuerwehrtechnische Dienst ist die "obere Führungsebene“ der Feuerwehren. Je nach Größe der Feuerwehr ist sind der Leiter, die Abteilungsleiter oder auch einzelne Sachgebietsleiter im höheren Dienst. Wer im höheren Dienst ist hat mindestens eine Verbandführer- und Stabsausbildung. In den Landesdienststellen (Schulen / Aufsichtsbehörden) sind meist die Lehrbereichsleiter bzw. die Dezernats-/Referatsleiter im höheren Dienst.

 

Die mit Abstand meisten Feuerwehrleute sind im mittleren Dienst, die wenigsten (ca. 500 bundesweit) im höheren Dienst. Entsprechend viel oder wenig Bedarf gibt es pro Jahr in Deutschland (für den höheren Dienst gibt es z. B. pro Jahr bundesweit nur ca. 15-20 Neueinstellungen!).

Einige Länder (z. B. Hamburg, Niedersachsen) haben inzwischen eine Dienstrechtsreform vollzogen und die Zahl der Laufbahnen verringert. Die klassische Unterscheidung nach mittlerem, gehobenem und höherem Dienst ist dabei entfallen. Die Einstiegsstufen sind aber quasi identisch geblieben, auch wenn sich die Bezeichnungen geändert haben.

Für alle Laufbahnen muss der Bewerber folgende Voraussetzungen erfüllen:

er muss EU-Bürger sein

Natürlich sind bei Bewerbern aus dem EU-Ausland entsprechende Sprachkenntnisse erforderlich, die ggf. im Rahmen des Auswahlverfahrens überprüft werden. 

er muss gesundheitlich geeignet sein

Fehlende gesundheitliche Eignung ist immer wieder Anlass für Frustration und Überraschungen. Der Bewerber muss bei der Einstellung so gesund sein, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass er vor Erreichen der Altersgrenze (je nach Land und Laufbahn 60 - 67 Jahre) dienstuntauglich wird. Dies sind Anforderungen, die z. B. im Rahmen der G 26-Vorsorgeuntersuchung oder der Tauglichkeitsuntersuchungen der Wehrersatzbehörden gar nicht oder in anderem Umfang überprüft werden. Häufige Gründe, die eine Verbeamtung verhindern, sind Veränderungen (Haltungsschäden u. a.) der Wirbelsäule oder der Gelenke oder die Vorgeschichte des Bewerbers (schwere Erkrankungen, Operationen usw.). Auch bzgl. der Mindestforderungen an das Sehvermögen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Dienststellen. Einige erlauben z. B. keine Sehhilfe (Brille), andere orientieren sich an der G 26.

er muss eine abgeschlossene Ausbildung haben

Im MITTLEREN Dienst ist der Hauptschulabschluss mit einer anschließenden abgeschlossenen Berufsausbildung in einem Handwerk (in NRW z. B. nach § 31 Handwerksordnung) die Einstellungsvoraussetzung. Inzwischen wurde in vielen Ländern der Katalog der geeigneten Berufsausbildungen deutlich erweitert. Sehr oft kann man z. B. als Rettungsassistent oder mit einem kaufmännischen oder Industrieberuf eingestellt werden. Letztlich muss man bei den einzelnen Dienststellen abfragen was akzeptiert wird. 

Einige Feuerwehren bieten außerdem einen alternativen Zugang zum mittleren Dienst an. Die eigentliche Feuerwehrausbildung wird dabei als eine von zwei Stufen der Ausbildung angeboten. In der vorgeschalteten ersten Stufe wird eine handwerklich-technische Grundqualifizierung in den Bereichen Holz, Metall, Elektro- und Installationstechnik angeboten. Die zweite Stufe ist dann der reguläre feuerwehrtechnische Vorbereitungsdienst. Zugangsvoraussetzungen sind in NRW die Fachoberschulreife und die gesundheitliche und körperliche Eignung. 

Derzeit bieten die Berufsfeuerwehren Berlin und Düsseldorf sowie die Feuerwehr Grevenbroich (Rhein-Kreis Neuss, NRW) und die Feuerwehr Hildesheim eine solche Ausbildung an.

 

Bei manchen Werkfeuerwehren kann nach änderung des Ausbildungsgesetzes seit dem 1. August 2009 der Beruf des Werkfeuerwehrmanns erlernt werden. Die Berufsausbildung ist ähnlich gestaltet wie die Stufenausbildung im öffentlichen Bereich.

Für den GEHOBENEN Dienst ist die Fachhochschulreife und ein abgeschlossenes technisches oder naturwissenschaftliches Studium an einer Fachhochschule erforderlich (Dipl.-Ing., Bachelor oder Master). 

Für den HÖHEREN Dienst ist die allgemeine Hochschulreife (Abitur) und ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium an einer Hochschule (Uni) oder ein entsprechend akkreditierter Masterabschluss einer Fachhochschule erforderlich. Insbesondere bei den neuen Abschlüssen (Bachelor bzw. Master) muss derzeit häufig noch im Einzelfall geprüft werden ob der Abschluss für den Zugang zum höheren Dienst ausreichend ist oder nicht (rechtzeitig informieren!). 

Die Einstellungsvoraussetzungen sind grundsätzlich für jedes Land in der jeweiligen Laufbahnverordnung für die Laufbahnen des feuerwehrtechnischen Dienstes (LVO Feu) und in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen (VAP) geregelt. 

3.) Wie laufen die Bewerbungen und die Auswahlverfahren?

Durch einen Anruf bei der jeweiligen Feuerwehr bzw. Stadtverwaltung oder durch einen Blick auf die Internetseite kann man schnell herausbekommen, welche Unterlagen beizulegen sind und an welche Anschrift die Bewerbung zu richten ist. 

Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein, mit Maschine oder Computer geschrieben werden, gut strukturiert und fehlerfrei sein. Man sollte darstellen, wie man auf den Personalbedarf aufmerksam wurde und warum man sich eine Zukunft im feuerwehrtechnischen Dienst vorstellen kann (kurz – ca. 1 Seite -, entscheidend ist hier eigentlich das spätere Vorstellungsgespräch). Manche Dienststellen verlangen zusätzliche Nachweise, z. B. über das Deutsche Sportabzeichen, das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen, Vorkenntnisse aus der Freiwilligen Feuerwehr, ein Führungszeugnis oder Fahrerlaubnisse. Auch ärztliche Atteste (z. B. über das Sehvermögen) werden teilweise verlangt. Kann man einen dieser Nachweise nicht oder noch nicht (z. B. Gesellenbrief, Diplomzeugnis) erbringen, sollte man unbedingt anrufen und klären ob eine Bewerbung trotzdem sinnvoll ist. Andernfalls bekommt man seine Unterlagen ggf. einfach zurück. 

Die Unterlagen müssen vollständig, übersichtlich sortiert und sauber sein. Im Zweifel jemanden, der sich auskennt, mal einen Blick darauf werfen lassen! Hinweis zu Online-Bewerbungen: Immer mehr Arbeitgeber ermöglichen es, Bewerbungsunterlagen online per E-Mail einzusenden. Es bietet sich an, eine halbwegs seriöse Mailadresse zu benutzen. Max.Mustermann@d-online.de ist z.B. seriöser als Feuerfresser@xxx-picworld.de!

Hat man die erste Hürde geschafft, erfolgt i. d. R. die Einladung zu einem mehrteiligen Auswahlverfahren. Die Dienststellen nehmen in den seltensten Fällen Rücksicht darauf, ob man an dem vorgesehenen Termin kann oder nicht. Wer nicht kann, scheidet im Regelfall aus dem Verfahren aus. Am Rande: Es ist ein Gebot der Höflichkeit, bei Verhinderung oder erloschenem Interesse kurz abzusagen! 

Im MITTLEREN Dienst besteht die erste Stufe meist aus einem schriftlichen Test, in dem Deutsch- und Mathematikkenntnisse und manchmal auch logisches und räumliches Denken getestet werden. Die Tests sind von Dienststelle zu Dienststelle verschieden. Häufig gibt es aber Hinweise zum Ablauf, speziell bei größeren Feuerwehren (anrufen, im Internet schauen!). Nach dem erfolgreichen schriftlichen Test folgt i. d. R. ein Sporttest, ggf. kombiniert mit einem praktischen Test. Inhalt und Umfang dieser Tests sind ebenfalls sehr verschieden. Auch hier gilt: Vorher informieren. Besonders für den Sporttest RECHTZEITIG TRAINIEREN! Wer montags keine zehn Klimmzüge schafft, wird das nicht bis freitags ändern! Insbesondere die geforderte Vielseitigkeit (Kondition, Kraft und Kraftausdauer bzw. spezielle Techniken wie Seilklettern) führt immer wieder dazu, dass auch "Top-Sportler“ durchfallen. Als Langstreckenläufer also rechtzeitig Krafttraining machen, als Gewichtheber rechtzeitig laufen gehen! In den praktischen Tests werden häufig handwerkliche Fähigkeiten geprüft (z. B. Hebel anwenden, Holzverbindungen herstellen o. ä.). Auch das Besteigen von (Dreh)Leitern oder der Umgang mit einer Krankentrage kommen vor (Leitersteigen vorher mal ausprobieren, 30m sind höher als mancher denkt!).

Für den GEHOBENEN und HÖHEREN Dienst wird meist auf den schriftlichen Test verzichtet. 

Für den HÖHEREN Dienst bestehen viele (nicht alle!) Dienststellen zusätzlich auf ein positives Votum des Annahmeausschusses für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst des Deutschen Städtetages. Näheres dazu unter www.brandreferendar.de .

Am Ende jedes Auswahlverfahrens steht im Regelfall ein Vorstellungsgespräch (im gehobenen und höheren Dienst ggf. auch ein Accessment-Center). Hier hat der Bewerber noch einmal die Chance, Werbung für sich zu machen. 

NICHT werbewirksam ist, 

wenn man seinen Lebenslauf nicht flüssig erzählen kann,

wenn man nicht weiß, warum man in den feuerwehrtechnischen Dienst möchte und warum man persönlich dafür geeignet ist,

wenn man "sich immer schon für die BF interessiert hat“, aber keine Vorstellung hat wie die Ausbildung oder der spätere tägliche Dienstbetrieb ablaufen,

wenn man "unbedingt zur Feuerwehr will“, sich aber nur bei einer Stadt beworben hat,

wenn man nicht wenigstens Grundkenntnisse über die Größe und Struktur der jeweiligen Feuerwehr hat,

usw. usw.

Wen man dies alles überstanden hat bekommt man mit etwas Glück eine Zusage und LOS GEHT’S. 

4.) Kann ich meine Ausbildung selbst bezahlen?

Einige Feuerwehren bieten Ausbildungsplätze in der feuerwehrtechnischen Grundausbildung (bis zur Prüfung) für "Selbstzahler“ an. Dies entspricht im Prinzip der Möglichkeit, auch die Ausbildung zum Rettungsassistenten selber zu finanzieren. 

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: In den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst darf in den meisten Ländern nur eingestellt werden, wer eine Laufbahnprüfung abgelegt hat. Streng formal kann eine Laufbahnprüfung nur ablegen, wer Beamter auf Widerruf (oder in einigen Ländern Beamter auf Probe) ist (für NRW z.B. geregelt im § 5 Abs. 1 LVO). Es kann also sein, dass man mit der selbstbezahlten Ausbildung inkl. Prüfung nachher nicht eingestellt werden kann, weil das Beamtenrecht des jeweiligen Landes dagegen steht oder der Aufwand für die Einstellungsbehörde unverhältnismäßig hoch wäre. Hier sollte man sich vorher unbedingt über die Anerkennung einer selbst finanzierten feuerwehrtechnischen Ausbildung in “seinem“ Land informieren! Die Anerkennung selbst finanzierter Rettungsdienstausbildungen ist dagegen kein Problem. 

5.) Was kann man noch als Tipp geben?

Die besten Informationen zum Auswahlverfahren einer Feuerwehr XY hat immer die Feuerwehr XY. Also am besten dort nachfragen! Die Feuerwehren haben grundsätzlich ein Interesse daran, dass möglichst viele Bewerber das Auswahlverfahren überstehen, um nachher eine größere Auswahl zu haben.

Bei vielen Dienststellen vergehen zwischen der Bewerbung und der endgültigen Zusage etliche Monate!

Die Chancen eine Stelle zu bekommen sind vergleichsweise klein!

FF-Vorbildung ist nicht schädlich, wird aber i. d. R. nicht anerkannt bzw. auf die Ausbildung angerechnet. Es muss alles noch einmal gemacht werden.

Für die Einstellung in die drei Laufbahnen gibt es in den Ländern unterschiedliche Altershöchstgrenzen! Ausnahmen sind möglich, aber selten.

Nicht übersehen, dass bei vielen Feuerwehren der Rettungsdienst das absolute Hauptgeschäft ist!

Andreas Br

29.04.2011

Es gibt mittlerweile sehr viele Feuerwehren die nur noch sagen, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig ist. Von der Regelung mit dem Handwerk weichen immer mehr ab, weil es auch so schon schwer genug ist genügend geeignete Anwärter zu finden.
Bei mir im VD hatten wir u.a. einen Bankkaufmann und einen Physiotherapeuten. Es geht also auch ohne Handwerk. Mach also erstmal deine Ausbildung fertig und dann schau dir an welche BF was fordert und bei den über 100 Berufsfeuerwehren bleiben bestimmt genügend über die Einzelhandelskaufleute nehmen.

Einfach mal direkt bei der Feuerwehr informieren! Manche Feuerwehren bieten sogar Kombiausbildungen an.

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