Wie gläubig muss ein Theologe sein?

16 Antworten

Es gibt in unserer Gesellschaft nur wenige Berufe, bei denen die innere Werthaltung so bedeutungsvoll ist, wie bei dem Beruf des Geistlichen. Ein Priester sollte prinzipiell von dem Glauben und der Botschaft erfüllt sein, die er an seine Gemeinde verkündet. Er muss von diesen gedanklichen Inhalten unbedingt ergriffen sein, muss sie als Basis seines Denkens und Handelns verinnerlicht haben, und sollte ein latent im mentalen Hintergrund liegendes Orientierungsgefühl haben, dass ihm als dauerhaftes Leitmotiv für sein tägliches Handeln dient.

Wenn er feststellt, dass ihm dieses fehlt, handelt er in großer Unredlichkeit, was sich leider im täglichen Umgang mit den ihm anvertrauten Gemeindemitgliedern auswirken wird. Der Mensch kann zwar seine Worte gestalten, obwohl er ihre Inhalte nicht akzeptiert, doch die Verstellung wird immer in den vielen kleinen Begleitattitüden der Mimik, Gestik, Intonation und der Art und Weise der Ausübung der ihm obliegenden sakralen Handlungen wahrnehmbar sein. Unter den gläubigen Gemeindemitgliedern werden dann stets etliche sein, die spüren können, dass hier ein Mensch Verkündigung treibt, der nicht von dem Geist ergriffen ist, von dem er Auskunft zu geben bemüht ist. Das schafft große Irritation, Gefühle der Angst und des Unbehagens, die sich in der Regel für den Gläubigen nicht so einfach erklären lassen. 

Wenn ich hier so eine unbedingte Forderung für die Ausübung des Priesterberufes artikuliert habe, will ich trotzdem anmerken, dass es keineswegs contraindiziert ist, wenn der Geistliche auch von bestimmten Zweifeln bezüglich seines Glaubens bewegt ist. Der Glaubenszweifel gehört sogar partiell zum redlichen Umgang mit den Inhalten der Verkündigung, d.h. nahezu alle Priester haben davon berichtet, dass sie in ihrem Leben Phasen großer Glaubensanfechtung durchlitten haben. Gerade weil die Botschaften in der Bibel so extrem heterogenes Material anbieten, was z.T. außerordentlich unterschiedlich auszulegen ist, kommen den Geistlichen oftmals massive Zweifel bezüglich der Gültigkeit dieser Aussagen. Bereits in der Ausbildung zum Theologen erfährt der Lernende, dass viele biblische Texte nicht ausreichend autorisiert sind, d.h., dass man sich über ihren Ursprung nicht im klaren ist.

Bilanz: Der praktizierende Theologe sollte prinzipiell von den Grundpositionen seiner Lehre und religiösen Dogmen ergriffen und erfüllt sein. Partielle Glaubenszweifel jedoch sind dennoch ein Kennzeichen des redlichen Umgangs mit den religiösen Inhalten und sind damit konstituierend für das Leben fast jeden Theologen.

Da gibt es die Geschichte von Dietrich Bonhoeffer (einem der wichtigstgen protestantischen Theologen), der schon sehr jung seinen theologischen Doktor und seine theologische Professur erworben hatte.

Und dann berichtet er von einer Art Erweckungserlebnis, in dem ihm Gott ganz neu klar geworden ist.

Hat er vorher nicht geglaubt? Hat er vorher anders geglaubt?

Glaube ist und bleibt ein Geschenk Gottes.

Darum kann Glaube für das Theologiestudium und die theologischen Prüfungen keine Voraussetzung sein.

Glaube kann für das Studium sehr nützlich sein.

Manchmal aber auch sehr hinderlich, vor allem dann, wenn man zuvor ein gewisses Maß an Blödsinn über den Glauben gehört/gelernt hat. Dann wird gerne dem Theologiestudium vorgeworfen, es stelle "den Glauben" infrage. Meist stellt es aber nur den Blödsinn infrage, der einem vorher über den Glauben aufgetischt wurde. Was aber diejenigen, die von diesem (zugegeben: aus meiner Sicht) Blödsinn überzeugt sind, nicht unbedingt eingesehen wird.

Dass ein Theologe gläubig sein sollte, ist für mich eigentlich unbestreitbar. Mich irritiert die Formulierung "wie gläubig"... Da gibt es doch nur  entweder - oder.  Wie bei der Schwangerschaft.....

Ein ungläubiger Theologe wäre für mich so etwas wie ein Veganer, der an der Fleischtheke verkauft.

Wenn der Theologe als Pfarrer arbeitet, gilt für ihn sicher auch der Ausspruch: "Was du in anderen entzünden willst, muß in dir selbst brennen."

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