Was ist der Unterschied zwischen wahr und falsch?

17 Antworten

Letztlich ist unwahr nur eine Floskel um auszudrücken, dass der Wahrheitsgehalt so gering ist, dass man nicht mehr davon sprechen kann, dass etwas wahr ist.

Viele Dinge lassen sich nicht genau bestimmen und dann wird es schwierig zu bestimmten Aussagen sich weiter einem Schwarz-Weissdenken hinzugeben. D.h. es gibt nicht Wahr und Unwahr, sondern man sollte immer den Wahrheitsgehalt einer Aussage betrachten. In der Philosophie / Naturwissenschaften u. der Mathematik gibt es unterschiedliche Ansätze u. somit unterschiedliche Kriterien um etwas als wahr einzuordnen. Wikipedia fasst das ganz gut zusammen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit

So kann man in der theoretischen Informatik z.B. formalen, semantischen Konstrukten einen Wahrheitsgehalt zuordnen, der an Bedingungen geknüpft ist. In den Naturwissenschaften kann man wahre Werte nicht messen, man hat nur die Möglichkeit Messreihen iterativ soweit zu verfeinern, dass man den wahren Wert eingrenzt. Und in der Mathematik gibt es eben die Beweisbarkeit, die den Wahrheitsgehalt ermittelt. In der Psychologie gibt es wiederrum sehr viele interessante Betrachtungen. Als Beispiel nach Gottlieb Fichte hängt die Wahrheit unmittelbar mit dem Wahrheitserlebnis des Subjekts zusammen. Anders formuliert würde man sagen, dass die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt. Aber auch hier gibt es nicht ausschliesslich wahr und nicht wahr sondern man geht immer auch von einem Wahrheitsgehalt und wie dieser subjektiv wahrgenommen wird aus.

Unabhängig dieser Betrachtungen liegt der Unterschied zwischen wahr und falsch lediglich in der Größe des inneliegenden Wahrheitsgehalts. Aber wieso sollte man sagen, dass der Wahrheitsgehalt so gering ist, dass man einer Aussage nicht glaubt? Da formuliert man es kürzer und spricht eben von Unwahrheit, dass etwas nicht wahr ist.

Wahr und falsch kenne ich aus der Logik (Mathematik). Wahr ist ein Satz, eine Aussage, wenn man es eindeutig bewerten kann: Das Thermometer zeigt 26 Grad. - ich schaue auf das Messgerät und sage, es stimmt. Die Aussage ist wahr oder richtig. - Zwei plus zwei gleich fünf - ich nehme den Taschenrechner und rechne nach - das Ergebnis lautet vier. Also war die Lösung falsch oder unwahr. Viele Aussagen sind nicht so einfach zu bewerten. Ein Mensch sagt: Ich mag dich - aber er denkt (was anderes?). Ich kann es glauben, aber nicht beweisen. Ich kann längere Zeit beobachten und dann zum Ergebnis kommen, für mich stimmt es (die Wahrscheinlichkeit steigt). Menschen machen sich für ihr Leben ständig Modelle, die Dinge plausibel machen, für mich schlüssig sind. Dann sind sie subjektiv wahr. Aber dann kommt ein Ereignis und es passt nicht mehr - es kommt zu neuen Hypothesen. Selbst in der Wissenschaft gibt es meist Modelle - mit der Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann etwas geändert werden muss. Menschen können sich darüber austauschen (Kommunikation betreiben) und dann gemeinsam zu für sie überzeugende Lösungen zu kommen (aktives Zuhören mit Refelxion und Ich-Botschaften mit Wünschen und Aussagen).

Wenn es keinen Unterscheid zwischen wahr und falsch geben würde, dann müsste ich diesen in der logischen Konsequenz ja bereits kennen!

Die Kriterien, nach denen Wahrheit bestimmt werden, sind von einer Wahrheitstheorie (es gibt mehrere) abhängig. Zum Wahrheitsbegriff kann sprachlich ein Vorverständnis herangezogen werden. Wahr ist, was Gültigkeit hat. Der Unterschied zwischen „wahr“ und „falsch“ bzw „unwahr“ besteht darin, das Gegenteil voneinander zu sein. Falsch ist das, was keine Gültigkeit hat, nicht zutrifft, nicht stimmt.

Ich persönlich neige der Korrespondenztheorie der Wahrheit zu: Wahrheit ist die Übereinstimmung von einer Vorstellung (geistigen Vergegenwärtigung) über einen Sachverhalt und dem Sachverhalt selbst. Klassisch ist die lateinische Formulierung „Veritas est adaequatio rei et intellectus“ (Wahrheit ist die Übereinstimmung von Sache/Gegenstand und Geist/Verstand) bei Thomas von Aquin. Mit dem Begriff „wahr“ wird etwas in Bezug zueinander gesetzt. Die Übereinstimmung/Entsprechung kann auf verschiedene Art ausgedrückt werden: Denken und Sein, Behauptung (Aussage; Satz; Proposition) und Tatsache, Sprache und Welt, subjektives Bewußtsein und objektiver Gegenstand.

Wenn etwas stimmt, zutrifft, wirklich der Fall ist, ist es wahr. Bei dem Wort „stimmen“ kann ein Zusammenpassen (Stimmigkeit) mitschwingen, das auch der Kohärenztheorie der Wahrheit (was wahr ist, fügt sich widerspruchsfrei zu einem zusammenhängenden Gesamtsystem zusammen) gut entsprechen kann.

Eine Verfälschung ist das Verändern einer bereits vorhandenen Sache, wobei sie in einer falschen Darstellung trotz der Abweichung als die ursprüngliche Sache ausgegeben wird.

Das Wort „Verrat“ gehört zum Gebiet der Ethik/der Moral. Verrat ist ein Vertrauensbruch, der eine Person oder eine Sache preisgibt.

Die Bezeichnungen „wahr“ und „unwahr“ werden eher nur auf Aussagen zu Tatsachen bezogen, während „richtig“ und „falsch“ auch Werturteile sein können.

Zwar ist Erfahrung eine wichtige Wissensquelle, aber eine Beschränkung auf Sinneswahrnehmung (z. B. sehen, hören, spüren), während das Denken keine Rolle spielt, greift zu kurz. Die Wirklichkeit ist mehr als das durch Sinnesorgane Wahrnehmbare. Es gibt auch Ideen, Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Bewußtsein, Geist, Vernunft. Mathematik und Logik beruhen nicht auf Sinneswahrnehmungen. Wie immer diese Sachen erklärt werden, unberücksichtigt sollten sie nicht gelassen werden. Außerdem können Sinneswahrnehmungen täuschen, in der Fähigkeit begrenzt sein (Radioaktivität ist z. B. für menschliche Augen nicht direkt bemerkbar) und das Verhaftetsein an einen einzelnen Sinneseindruck und Irrtümer hervorrufen. Menschen sind bei der Wahrnehmung nicht rein passive Empfänger ohne eine Weltdeutung.

Wenn du etwas sagst, das stimmt, dann sagst du die Wahrheit. Wenn du etwas machst, dass in diesem Moment vorteilhaft scheint, also zum erwünschten Ziel führt, machst du es richtig (und nicht wahr). Wenn du etwas erklärt und der andere hat´s nicht verstanden, dann hast du dich falsch ausgedrückt, doch nicht gelogen. Du kannst etwas richtig erklären, das aber nicht der Wahrheit entspricht. Es kann sogar ein Fehler (also falsch) sein, jemandem die Wahrheit zu sagen, weil er sie nicht verkraftet, weil er sie nicht versteht oder weil er sie nicht verdient.

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