Was heißt Valenz?

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Heißen tut's "Wertigkeit", und in versch. Bereichen wird's verschieden verwendet.
Lies die einzelnen Artikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wertigkeit

Was heißt denn Wertigkeit?

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@A1234R

Das lat. Wort hat ursprünglich mit "Stärke, Kraft" zu tun

  • allgemein bedeutet es einen gewissen höheren Wert, die Qualität einer Sache, die sie zum Wertgegenstand macht ( "2 Uhren gleicher Wertigkeit");
  • in der Chemie z.B. ist es Fähigkeit des Atoms, sich mit einer bestimmten Anzahl anderer Atome chemisch zu verbinden:
  • in der Sprachwissenschaft ist es die Fähigkeit eines Wortes, ein anderes bedeutungsmäßig an sich zu binden,
    besonders ist's die Fähigkeit eines Verbs, eine bestimmte Zahl von Ergänzungen (z. B. ein Subjekt und ein Objekt) zu fordern, damit ein vollständiger Satz gebildet werden kann (vgl. er schläft. / er braucht +X. / er gibt +X+X.)
  • In der Psychologie spricht man z.B. von Ambivalenz = Zwiespältigkeit (ambo = 2) = das Nebeneinander von entgegengesetzten Gefühlen (Zu- und Abneigung zugleich)
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Aufgrund der angegeben Themen gehe ich von der Valenz = Wertigkeit von Verben aus.

Als eine Valenz bezeichnet man jede Ergänzung, die ein Verb fordert.

Beispiele:

  • "regnen" ist nullwertig, es fordert keine weitere Ergänzung, wobei das Wort "es" in "es regnet" als Scheinsubjekt angenommen wird, damit überhaupt etwas etwas tut.
  • "schlafen" ist einwertig, es fordert nur ein Subjekt: ich schlafe.
  • "stellen" ist in diesem Fall zweiwertig: Du stellst eine Frage.
  • "geben" ist dreiwertig, es fordert ein Subjekt, ein Akkusativ- und ein Dativojekt: ich gebe Dir einen Rat

"Valenz" ist ein Konzept, das durch den französischen Linguisten Lucien Tesnière aus der Chemie in die Sprachwissenschaft übernommen wurde. Die Grundannahme ist, dass das Verb das strukturelle Zentrum des Satzes ist, das bestimmt, welche weiteren Aktanten ... Nominalphrasen ... jetzt wird's schwierig zu übersetzen ... :D im Satz vorkommen (können).

Das strukturelle Zentrum des Satzes ist das Verb, das bestimmt, was im Satz geschieht; des weiteren gibt es eine Reihe von Aktanten, Personen und Dinge im weiteren Sinne, die Träger des Geschehens sind oder mit denen etwas geschieht (Subjekt, Objekte, Adverbialbestimmungen), in der Regel als Ergänzungen bezeichnet. Welche Aktanten möglich sind, wird durch das Verb bestimmt. Man sagt, das Verb "regiert" die Aktanten (Rektion). Es gibt notwendige (obligatorische) und nicht notwendige (fakultative) Ergänzungen. Wenn eine obligatorische Ergänzung im Satz nicht realisiert ist, ist der Satz ungrammatisch: * Hans nimmt. (Unter bestimmten Umständen ist aber selbst dieser Satz grammatisch korrekt - wenn es darum geht, Hans` Fehler im Zusammenhang mit dem Gleichgewicht von Geben und Nehmen herauszustellen ...)

Darüber hinaus gibt es noch freie Angaben, die nicht von einem bestimmten Verb regiert werden (man sagt: nicht subklassenspezifisch sind; sorry ...): Hans kauft Blumen auf dem Markt, sondern unabhängig davon sind ("Umstandsangaben").

Die Valenz (dt: "Wertigkeit") ist nun im engeren Sinne (Helbig) die Anzahl der möglichen Leerstellen, die das Verb zur Verfügung stellt (in der Chemie: die Anzahl der Bindungsstellen eines Atoms). In einen weiteren Valenzbegriff wird auch die Art der Bindungen übernommen (Engel/Schumacher). Die Grammatik-Konzeption, die sich mit diesen Verhältnissen beschäftigt, heißt Dependenzgrammatik ("Abhängigkeitsgrammatik").

Jedes Verb (auch: Nomen, Adjektiv) trägt also mit sich die Fähigkeit, eine bestimmte Anzahl und Art von Ergänzungen zu regieren. Ein Unterschied zur klassischen Grammatik ist nun, dass die Dependenzgrammatik die Funktion des Elements im Satz angibt, unabhängig von der konkreten Konstruktion. Die Leerstelle (Bindungsstelle), die das Verb verlangt, kann durch eine Anapher (quasi ein Platzhalter) angegeben werden. Engel, Syntax der deutschen Gegenwartssprache, kommt so auf zehn genuin syntaktisch definierte Satzergänzungsklassen.

Das Subjekt in der klassischen Grammatik beispielsweise wird dann als Nominativergänzung klassifiziert, bei Engel E0 (die "0" wird wie in der Chemie tiefergestellt, das gibt das Textprogramm hier nicht her ...); die Anapher ist ein Pronomen im Nominativ (er, das). Neben einem klassischen Subjekt-Aktanten in Gestalt einer Person: *Hans gefällt mir, wird so auch ein Nebensatz in der Funktion eines Subjekts: *Dass du hier deine Frage stellst,* gefällt mir, in dieselbe Klasse (hier: E0) eingeordnet. Zur Überprüfung: *Das* gefällt mir*.

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Dependenzen im Sinne von Valenz gibt es übrigens auch bei Nomen und Adjektiven:

Wir hoffen auf Frieden / Die Hoffnung auf Frieden / zufrieden mit der Situation

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Literatur:

Theodor Lewandowski: Linguistisches Wörterbuch

Gerhard Helbig: Geschichte der neueren Sprachwissenschaft

Ulrich Engel: Syntax der deutschen Gegenwartssprache

Ulrich Engel, Helmut Schumacher: Kleines Valenzlexikon deutscher Verben

die Eigenschaft von Atomen, eine bestimmte Anzahl von Atomen anderer Elemente im Molekül zu binden oder zu ersetzen. Synonyme: Wertigkeit 2. SPRACHWISS. Eigenschaft eines Wortes, vor allem des Verbs, bestimmte andere Wörter grammatisch an sich zu binden.

Va|lẹnz 〈[va–] f.; –, –en〉 1 〈Chemie〉 Wertigkeit 2 〈Biol.〉 Stärke, Tüchtigkeit 3 〈Sprachw.〉 die Eigenschaft von Wörtern od. Morphemen, andere Einheiten zu verlangen, z. B. müssen bei vielen Verben bestimmte Arten von Objekten stehen; →a. Rektion [< lat. valentia »Kraft, Fähigkeit«; → valent]

valent, wertig.

Was heißt denn Wertigkeit?

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