Was bringt es Gedichte auswendig zu lernen?

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12 Antworten

Fangen wir mit Contra an: Du brauchst dafür Zeit. Zeit, die man für andere Sachen nutzen könnte, die näher am Bedarf des täglichen Lebens liegen. Z.B. die Kunst, sich in Wort und Schrift prägnant und präzise auszudrücken. Oder kochen zu können, sowohl gut als auch effizient. Oder n Sport als Ausgleich für die Schreibtischarbeit. Außerdem ist es unfair. Ich hab z.B. immer schnell auswendig gelernt, mein Bruder hat die mindestens 3fache Zeit gebraucht. Und wir nehmen uns nichts bzgl. Intelligenz. V.A. in der Schule ist das unfair, wo die intellektuellen Lerntypen sowieso schon bevorzugt und die Haptischen "diskriminiert" werden.

Weiter mit Pro: Wenn Du n Gedicht wirklich magst, dann ist es schön, das betont aufsagen zu können, gut für die Seele halt. Bei mir z.B. Poe's Rabe, Goethe's Prometheus und (meine Lieblingsstellen aus) Faust, bei mloeffler der Zauberlehrling. Ich kann so auch Wartezeiten super entlangweilen, wenn ich z.B. mal wieder auf Öffentliche warten muss oder mein Date 5 min länger braucht. Für einmal den Raben aufsagen brauche ich z.B. so 7 bis 10 min, je nach Stimmung. Außerdem trainierst Du so den "Auswendig-lerne-Muskel", das kann nie schaden, egal, was Du später macht. Und schließlich hab ich mal von ner These gelesen, dass die Generation Internet und Informationsgesellschaft ein viel höheres Alzheimerrisiko haben wird, weil sie nix mehr wissen, sondern nur noch, wo sie nachschauen müssen. Keine Ahnung, was dran ist, aber gegen Alzheimer investiere ich gern Zeit. Da fällt mich auch spontan ne Mitbewohnerin im Altenheim meiner Oma ein, die sich durch die grauenhafte Langeweile dieser Verfaulungsanstalt helfen konnte, indem sie ein Gedicht nach dem Anderen aufgesagt hat (die konnte z.B. die Glocke. Ganz!). Und die wirkte entspannter als die Anderen, und hat sich auch nie verzweifelt-einsam aufgedrängt (wie die Anderen).

So, Synthese: ich finde das Gedichtlernen gut. Aber, man sollte es sich selber aussuchen können (warum nicht auch einen guten HipHop-Text, oder nen Metalsongtext - mit Letzteren kenne ich mich aus, da sind Einige literarisch richtig wertvoll, muss ja nicht immer n Text von nem Perückenträger sein, der seit 200 Jahren tot ist), dass man das Gedicht mag. Und man sollte es nicht übertreiben - eins pro Halbjahr langt!

Es dient dem Denkvermögen & ist gleichermaßen zumindest ein Alibi für das Befassen mit literarischer Kultur/Klassikern --------> wobei die meisten Gedichte sowieso auswendig herunterleiern ohne den Inhalt zu kapieren.

Zu meiner Schulzeit wurden noch zwei Gedichte pro Jahr gelernt, aber das wurde mit jedem Jahr weniger & unser Deutschlehrer der achten Klasse verzichtete dann gänzlich drauf.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es out war, Kinder Gedichte lernen zu lassen. Erst in der elften Klasse fand sich ein Deutschlehrer, der uns aus jeder durchgenommenen Epoche ein Gedicht auswendig lernen ließ. Ich bin noch heute stolz auf die paar wenigen Gedichte, die ich auch noch nach nunmehr 20 Jahren kann oder zumindest kenne, und ich bin traurig, dass es nicht mehr sind. Meine Mutter und meine Oma konnten/können bis ins hohe Alter lange Balladen aufsagen, das habe ich immer bewundert.

Es trainiert dein Gedächtnis, besonders, was Texte angeht. Je nach Gedicht. Ein Gedicht, was einem gefällt, liest man lieber und merkt man sich leichter. Gedichte die man nicht mag, sind also bessere Gedächtnistraining.

Aber stell dir doch die Frage mal bei allen anderen Sachen, die du in der Schule lernst. 
Das ist so eine beliebte Schlaumeier-Frage. Du kannst immer einzelne Kompetenzen, die du üben sollst, isolieren und in Frage stellen, ob du das später wirklich mal brauchst. Kann sein. Vielleicht aber auch nicht. Aber es geht eben darum, dir alles mögliche beizubringen, damit du später für viele verschiedene Dinge eine gute Basis hast.

Der eine lernt schnell, der andere nicht so. Gerade die, die nicht gut und schnell lernen, haben in anderen Fächern schon genug zu tun, (sofern sie Schule Ernst nehmen) mit Lernen von Vokabeln usw. Dort wird das Gedächtnis genauso gut geschult. Ich finde Gedicht auswendig lernen eine gute idee, für die, die damit vielleicht mal eine schlechte mündliche Note ausgleichen möchte oder einfach mal gut sein wollen in Deutsch - warum das dann nicht auf freiwilliger Basis?

Oder als Kompromiss: 1 Gedicht pro Halbjahr oder noch besser pro Schuljahr. Und auch schön, wenn euch die Deutschlehrerin 3 Gedichte zur Auswahl gibt und der Schüler soll begünden, warum er welches gelernt hat. 

Ich denke, ihr kommt bei dieser Lehrerin sehr weit, wenn ihr ein bißchen ihren Wunsch respektiert und darauf eingeht.

Also Gegenargumente kann ich Dir leider nicht liefern.

Das Auswendiglernen von Gedichten, verbessert die sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, es erhöht den Wortschatz, trainiert das Gedächnis. Außerdem ist es doch schön sich mit Klassikern der Deutschen Sprache zu befassen. 

Walle, walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem vollem Schwalle, zu dem Bade ... ;-)

Melde Dich als erste/r, dass Du den Zauberlehrling auswendig lernen willst. Eine gute Note und die Hochachtung der Klasse ist Dir sicher.

Ich kann nur wenige Gedichte auswendig. Aber die, die ich kann, bringen mir viel, weil sie zu vielen Gelegenheiten passen und teilweise aus unangenehmen Erfahrungen welche machen, über die man lacht.

Gedichte drücken kurz aus, wofür die meisten Menschen viele Worte brauchen. Aus "Weißt Du noch die Stelle in dem Film, wo der X...etc etc." wird eventuell eine Zeile oder zwei. Wenn man so etwas auswendig kann, dann bekommt man etwas mehr ein Gefühl dafür, wie zusammengefasst wird, wie mit wenigen Worten ein Gefühl erzeugt wird und so weiter.

All dies kann man im täglichen Leben brauchen. Jede Präsentation, die Du im Leben machst, (z.B. als Verkäufer von komplexen Geräten, oder als Techniker, der Verkäufern was erklären muss, etc.) Jede Präsentation profitiert davon, wenn Du besser mit Sprache umgehen kannst.

Es spricht meiner Meinung nach absolut nix dagegen...
Dafür spricht allerdings das ihr so euer Gedächtnis trainiert und es euch später leichter fällt euch lange Dinge einfacher zu merken

Verbessert nachweißlich das Gedächtnis. Das ist als würdest du nen Muskel trainieren.

Es hält ganz einfach gesagt dein Gehirn auf Trab. Du kannst so auch Gedächtnishilfen lernen (Mnemo-Technik). Mag nicht die spannendste Aufgabe sein, aber es gibt bestimmt was schlimmeres.

Nur die Frage wie oft, sollte geklärt werden, jede Woche ist vielleicht doch oft, es kommt aber natürlich auch auf die Länge an, es gibt auch Gedichte, die aus 4 Versen bestehen.

Wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke, muss ich zB sagen, dass ich froh bin, mich mit Erlkönig auseinandergesetzt zu haben.

Es bringt Verständnis für Sprachgestaltung, schult das Gedächtnis und vor allem – es heilt einen von der Krankheit, bei allem, was man tut, zu fragen "was bringt das?"

Du fragst ja auch nicht "Was bringt das, sich zu verlieben?", "was bringt das, ein Bild schön zu finden?", "was bringt das, ein Computerspiel spannend zu finden?", "was bringt das, sich entspannt in die Sonne zu legen?"

Dauern danach zu fragen, was etwas "bringt", ist die Ursünde des Kapitalismus.

Ein Gedicht, das einem gut gefällt, sollte man auswendig können.

Es hilft, wenn man ein Tief hat und dann das Gedicht aufsagt.

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