Warum wird der Völkermord an den Herero und Nama nicht von der deutschen Regierung als Völkermord anerkannt?

7 Antworten

nun, das ist ja die neueste Schnaps(Raki?)idee der türkischen Nazionalisten, die hier in Deutschland alle wirtschaftlichen und menschenrechtlichen Vorzüge geniessen, aber nunmehr als Erdogans 5.Kolonne auf deutsche Parlamentsentscheidungen Druck ausüben wollen.

Das "Herero" Argument soll hier nur verhindern, dass der Bundestag des 100.Jahrestages des Massenmords an Armeniern im osmanischen Reich gedenkt.

Die Bundesrepublik steht zu ihrer Geschichte, und auch zu den Nachtseiten des Deutschen Reichs. Ganz im Gegensatz etwa zu Japan, oder, in dem Fall eben der Türkei, die keines der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrer eigenen Geschichte je als solches bezeichnet, zugegeben, wiedergutgemacht oder auch nur bedauert hätte:

also weder die Schwerstverbrechen an Armeniern, Griechen oder Kurden im Staatsgebiet der heutigen Türkei.

Obgleich durchaus schon seitens der Regierung so bezeichnet, ist er doch wohl eher ein Kriegsverbrechen.   Zwar kamen  sehr viele Zivilisten  ums Leben, jedoch war es dennoch die Niederschlagung eines bewaffneten Aufstandes dem zuvor eine Vielzahl von Farmern inkl Frauen und Kindern zum Opfer gefallen sind.                                      Auch die Größenordnung (so tragisch, beschämend etc es auch sein mag) erfüllt nicht den "Anspruch " an einen Völkermord. Man sollte den Begriff nicht so inflationär verwenden.  Die Ausrottung eines ganzen Volkes als Endziel stand nicht im Vordergrund dieses Kolonialkrieges. 

Die Ausrottung des gesamten Volkes wurde von offizieller deutscher Seite zumindest billigend in Kauf genommen. 

Und was von Trotha und den Waterberg betrifft: Welches andere Ziel sollte es denn in diesem Fall gegeben haben, wenn nicht die Vernichtung der Herero?

http://www.spiegel.de/einestages/herero-aufstand-1904-schlacht-am-waterberg-in-deutsch-suedwestafrika-a-984565.html

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@earnest

Ja ,aber dennoch geschah dies doch in einem Krieg bzw bewaffneten Konflikt, der von den Hereros ( wenn auch sicherlich berechtigt, da natürlich der gesamte Kolonialismus Unrecht war) begonnen wurde. Diese waren anfänglich auch keinesfalls primitiv  bewaffnete unterlegene Gegner. Im Gegenteil rd. 7000 mit modernen Gewehren bestückte Krieger stand eine "Schutztruppe" von knapp 2000 Soldaten gegenüber.

Mehrfach wurden Verhandungen/Friedensschluss etc angeboten. ( insbesondere vom ursprünglichen Befehlshaber der Schutztruppe, bevor dieser vom Hardliner von Trotha abgelöst wurde)

All dies gibt es bei einem "Völkermord" , bei dem die Ausrottung das Ziel ist nicht.

Ziel war nur die Niederschlagung des Auftandes: Mehrfach wurde angeboten, man könne sich ergeben . Es gab zudem ein striktes Verbot an die Truppe auf Frauen und Kinder zu schießen, was wissenschaftl. Quellen zur Folge auch eingehalten wurde.

Das Verdursten auch vieler Angehörigen  beim Rückzug der bewaffneten Hereros wurde mehr als billigend in Kauf genommen, daß macht es zum Kriegsverbrechen.

>Jedoch gingen diese Kriegsverbrechen in erster Linie von  einem einzelnen  Mann von Trotha aus. Hier sehe ich durchaus einen qualitativen Unterschied zu den geplanten Völkermorden an den Juden Armeniern etc. 

Auch nicht religiöse oder rassische  Gründe führten zur Ausrottung, sondern allein die Tatsache ,daß sie einen Aufstand begannen, auch hier sehe ich einen wesentlichen Unterschied.

Schaut  man sich zudem den zeitlichen Ablauf an, wird deutlich , daß der oft als Grundlage für die Definition als Völkermord angeführte "Vernichtungsbefehl" von Trothas  gar nicht zur Vernichtung der Hereros  führte.

Dieser beinhaltete ja den Befehl, jeden Herero auch Frauen und Kinder nicht zurück aus der "Wüste " zu lassen, und mit Gewalt zurückzutreiben, was tatsächlich der Vernichtung des Volkes gleichkommt.

Ausgegeben im Oktober , waren zu diesem Zeitpunkt die Hereros aber bereits seit August außerhalb des Gebietes der dt. Kolonie.

Der Großteil der Hereros war zu diesem Zeitpunkt durch den Rückzug  Richtung britisches Gebiet während der Trockenzeit  bereits gestorben, also bevor der Befehl auch Frauen und Kinder in den sicheren Tod zurückzuschicken überhaupt ausgegeben wurde. Bis dato hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben sich zu ergeben.  Er kam in dieser Form somit  überhaupt nicht zur Anwendung. Der Befehl wurde dann auch im Dezember revidiert und die Rückkehr von Frauen und Kindern sowie sich ergebender Hereros ausdrücklich ermöglicht.

Zwar wurde tatsächlich fast ein ganzer Stamm vernichtet, aber die Größenordnung von einigen zehntausend mit andern Völkermorden mit Millionen Toten sprachlich auf eine Stufe zu stellen, halte ich für einen Fehler.

Dann müßte man bei jedem kleinen Indiostamm in Süd/Mittelamerika bei jedem Buschmanvolk in Zentralafrika von Völkermord sprechen, und er Begriff verlöre, derart inflationär angewendet seine politische Tragkraft.

Damit möchte ich keinesfalls in irgendeiner Form diese verabscheuungswürdigenden Kriegsverbrechen beschönigen oder gar verteidigen.

von Trotha war ein A. und ein Kriegsverbrecher, die Kolonialherrschaft in Namibia Unrecht, aber sowohl qualitative als auch quantitative Unterschiede  zum Holokaust zum Völkermord an den Armeniern  usw. sowie die oben beschriebenen Unterschiede lassen für mich hier  aber dennoch den Begriff Völkermord falsch erscheinen. 

 

   

  

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