Warum sprechen einige Leute gerne von sich in der 3. Person?

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Person distanziert sich von sich selber. Manchmal reden Leute auch in der 2. Person von sich selbst.

Es ist eine Taktik, das ICH zu umschiffen. Sonst müssten sie ja sagen: Ich habe das und das gemacht. Dann wären sie verantwortlich. Indem sie aber nicht "ich" sagen, drücken sie sich um die Verantwortung.

Ich muss zugeben, als ich bemerkte, dass ich das auch tue, habe ich ganz bewusst darauf geachtet und mir angewöhnt "ich" zu sagen. Das gibt dann ein Gefühl, zu dem was ich tue zu stehen und auch Meister über mein Tun zu sein.

warum ist denn die person von sich selber distanziert??

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@Haribobaer

Wenn ich "ich" sage, identifiziere ich mich mit der Person, von der gesprochen wird. Wenn ich "du" sage, oder "er", "sie", dann spreche ich doch von einer anderen Person als von mir selbst, bin also in Distanz. Ich kann dann so reden, als ob es nicht um mich selber gehen würde.

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@Nachtflug

achso, ok das klingt einleuchtend...wie kommt es denn dazu,dass sich diese leute nicht mit sich selbst identifizieren können?? hat das erziehungtechnische gründe? oder erfahrung oder ist da eine Krankheit, warum das so?

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@Haribobaer

Sicher keine Krankheit - schau mal bei der Antwort von Nachtflug. Dort habe ich über mögliche Ursachen geschrieben. Ich denke schon, dass das mit Erfahrungen in der Kindheit zu tun hat.

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@Nachtflug

Besteht da nicht ein kleiner Unterschied zwischen dissozialem Verhalten und einer dissoziativen Störungen? ^^

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@gamine

Krankheit? Im Gegenteil, liegt uns iwie im Blut. Kinder machen das automatisch ohne, dass sich jemand wundert:

Mutter: „Wer will Schokolade?“ - Miriam: „Mimi Kokolade!“

Manche behalten das eben im Erwachsenen-Leben bei. Es muss auch nicht unbedingt ein Zeichen davon sein, dass man sich von sich selbst distanziert. Man könnte genauso gut behaupten, dass solche Menschen ein außergewöhnlich gutes gespür für die beiden Ichs haben, die nunmal jeder Mensch in sich trägt, nämlich das Ich als physischer Gegenstand und das Über-Ich (psychologisch nicht ganz korrekt) nämlich die eigene innere Stimme.

Manche Leute begreifen das eben als zwei. Was es ja eigentlich auch ist. Es gibt ja auch die Redewendungen "mit sich selbst ringen", "herz gegen verstand", "bewusstsein und unterbewusstsein", "sich in sich selbst zurückziehen", "körper und geist", "trieb und impulskontrolle" usw.

Genau genommen reden und denken wir schon auf unterschiedlichen Ebenen und die Ursache sehr vieler psychischen Krankheiten ist eben gerade, wenn diese innere Stimme nicht mehr der Freund ist, der einem Mut zuspricht, vergibt und immer zu einem hält, sondern wenn die innere Stimme plötzlich ein Kritiker wird, der alles in Frage stellt, Vorwürfe macht und alles gegen einen analysiert. Das klingt im ersten Moment vllt komisch, aber wer hat sich selbst nicht schon mal Mut zugesprochen im Sinne von "ok, Augen zu und durch, du schaffst das". Nur redet man halt laut in der Regel nie von sich selbst in der dritten Person, einige tun es eben doch.

Nur damit kein Irrglaube auftritt: Natürlich sind keine realen zwei Personen in uns, aber wir können schon eine Art Über-Ich, Gewissen, Gott, Innere Stimme - wie auch immer man das nennen will besitzen, die sich iwie von dem Rest deutlich unterscheidet.

LG

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und wie kann man das deuten, wenn jmd mit mir in dritter Person spricht? Bsp. eine Person fragt mich: "was macht sie denn heute noch?"

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Wie heißen nochmal diese ganzen Personen. Also 1 Person 2 Person usw. Also was ist das nochmal in dem fach Deutsch ._.

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Krankheit? Im Gegenteil, liegt uns iwie im Blut. Kinder machen das automatisch ohne, dass sich jemand wundert:

Mutter: „Wer will Schokolade?“ - Miriam: „Mimi Kokolade!“

Manche behalten das eben im Erwachsenen-Leben bei. Es muss auch nicht unbedingt ein Zeichen davon sein, dass man sich von sich selbst distanziert. Man könnte genauso gut behaupten, dass solche Menschen ein außergewöhnlich gutes gespür für die beiden Ichs haben, die nunmal jeder Mensch in sich trägt, nämlich das Ich als physischer Gegenstand und das Über-Ich (psychologisch nicht ganz korrekt) nämlich die eigene innere Stimme.

Manche Leute begreifen das eben als zwei. Was es ja eigentlich auch ist. Es gibt ja auch die Redewendungen "mit sich selbst ringen", "herz gegen verstand", "bewusstsein und unterbewusstsein", "sich in sich selbst zurückziehen", "körper und geist", "trieb und impulskontrolle" usw.

Genau genommen reden und denken wir schon auf unterschiedlichen Ebenen und die Ursache sehr vieler psychischen Krankheiten ist eben gerade, wenn diese innere Stimme nicht mehr der Freund ist, der einem Mut zuspricht, vergibt und immer zu einem hält, sondern wenn die innere Stimme plötzlich ein Kritiker wird, der alles in Frage stellt, Vorwürfe macht und alles gegen einen analysiert. Das klingt im ersten Moment vllt komisch, aber wer hat sich selbst nicht schon mal Mut zugesprochen im Sinne von "ok, Augen zu und durch, du schaffst das". Nur redet man halt laut in der Regel nie von sich selbst in der dritten Person, einige tun es eben doch.

Nur damit kein Irrglaube auftritt: Natürlich sind keine realen zwei Personen in uns, aber wir können schon eine Art Über-Ich, Gewissen, Gott, Innere Stimme - wie auch immer man das nennen will besitzen, die sich iwie von dem Rest deutlich unterscheidet.

LG

Es kann eine unbedeutende Stoerung sein, die sich schnell wieder legt. Es kann aber auch eine Desidentifikation mit sich selbst sein. Das heißt, das man sich selbst nicht wahrnimmt, sich selbst nicht so akzeptiert wie man eben ist oder aber sich selbst nicht stellen möchte. Das Alles können Gründe hierfür sein. Sollte es aber so sein, das es schon nicht mehr abzuändern ist, sollte man hier vielleicht mal überlegen einen Sprachtherapeuten anzusprechen.

hat es denn psychologische oder logopädische Ursachen, wenn das nicht mehr abzuändern ist?? also sind ja zwei verschiedene hintergründe. wenn es nicht abzuändern ist, ist es dann gewohnheitssache, dass ich den zum logopäden schicke? oder warum schicke ich den dann zum sprachtherapeuten?

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@Haribobaer

Es gibt nichts, das nicht abzuändern wäre. Jeder Mensch kann jedes seiner Verhaltensmuster ändern. Um etwas ändern zu können, muss man es aber zuerst merken. Manchmal genügt es, jemanden darauf aufmerksam zu machen, indem du einfach die Worte wiederholst zB - "Sie denkt einfach an alles" - "Ja, du denkst einfach an alles"

Also, es braucht nicht immer gleich einen Therapeuten...

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Ich kann hier nur spekulieren, unter Umständen liegt es am Kleidungsstil. Läufst du vielleicht in Anzug und Krawatte Rum? Wenn ja könnte es sein das sie dich als Westkapitalisten sehen, viele Leute wissen noch wie es vor der Wende wahr und würden alles dafür tun wieder vom Kapitalismus befreit zu werden. Infolgedessen drücken sie ihre Verachtung dir gegenüber dadurch aus das sie dich nur "indirekt" ansprechen.

nein ich laufe nicht in anzug und krawatte rum, hab als mädchen gar nicht die position dafür, aber es spricht mich auch keiner indirekt an, sondern diese leute sprechen von sich selbst und zwar in der dritten person!!

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Sie beschaftigen sich nicht genug mit sich selbst. Deshalb sagen viele Leute "man" statt "ich". Beispiel: "Da bekommt man Angst, wenn die Spinne zu groß ist." Damit gibt man ja nicht zu, Angst vor Spinnen zu haben. Ich fürchte mich nicht vor Spinnen, deshalb schreibe ich "man".

ok, dieses BSP macht sinn, aber was wäre wenn jemand sagt: "Sie denkt einfach an alles!!" und meint definitiv sich selbst??...ok diese person ist arrogant aber was sagt das noch aus??

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@Haribobaer

Das ist nicht normal. Kleine Kinder machen das manchmal. "Susi will Kekse". Mütter machen das auch. "Mama passt auf Dich auf". Unter Erwachsenen halte ich das für eine Persönlichkeitsstörung, weil sie sich offensichtlich nicht mit sich selbst identifizieren wollen oder können.

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@Haribobaer

Haribobaer - diese Beispiel zeigt, dass sich die Person selber lobt. sie erhält offensichtlich zu wenig lob von den Anderen.

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@Nachtflug

Vielleicht ist es auch ein Rückfall ins Kleinkindalter. Als kleines Kind werden wir dauernd (von den Eltern) be- und verurteilt. Wir holen uns sozusagen die Mutter zurück indem wir uns selbst in der dritten Person loben oder tadeln: Jetzt hast du/ hat sie wieder Blödsinn gemacht, sie hat alles im Griff...

Eltern reden oft mit ihren Kindern in der dritten Person, statt sie mit du anzureden, vor allem, wenn getadelt wird. Möglicherweise ist das so verletzend, dass wir später als Erwachsene diese Form, über uns selber in der dritten Person zu reden, beibehalten.

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@gamine

achso verstehe... also es lobt sich ja jeder anders und diese leute machen es dann verbal deutlich?!

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