Warum kopierten die Römer griechische Skulpturen?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Kultur der Griechen war zu dieser Zeit hoch entwickelt. Die Römer waren offen und bereit dazu, von anderen etwas zu übernehmen, was sich als gut bewährt hatte und auf einem hohen Stand war. So haben sie sich auch auf dem Gebiet der bildenden Kultur (unter andere Skulpturen) vieles von den Griechen angeeignet, griechische Künstler beauftragt oder nach griechischem Vorbild Werke geschaffen. Es gab keine weltanschaulichen Hindernisse, berühmte und anerkannte Meisterwerke zu kopieren.

Auf die römische Bildkultur hat es schon früh, vermittelt zunächst vor allem durch die Etrusker, später durch die Griechen und Süditalien/Sizilien, griechische Einflüsse gegeben. Die altrömische Gesellschaft hatte allerdings noch keinen großen Bedarf an bildlichen Darstellungen.

Mit der Ausbreitung des römischen Reiches in den östlichen Mittelmeerraum war eine umfassende Aneignung griechischer Kultur verbunden, die in vielen Bereichen der römischen überlegen war. Dieser Akkulturationsprozeß wurde stark durch einen Wunsch der Römer hervorgerufen, sich die glanzvolle Kultur der Mittelmeerwelt zu eigen zu machen und weltweit auf Spitzenniveau dazustehen. Vgl. Paul Zanker, Die römische Kunst. Originalausgabe. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen : Kunstepochen ; 2552), S. 11

S. 20 (zu Statuen als hochwertiger Schmuck neuen Wohnens in der Villa dei Papiri in Herculaneum): „Entscheidend war dabei, daß die Skulpturen – über das unmittelbar Dargestellte hinaus – als Assoziationsimpulse zur Vergegenwärtigung von einzelnen Bereichen und Errungenschaften der griechischen Kultur dienten und damit direkt oder indirekt kulturelle Vorbilder oder Werte vermittelten. So erinnerten Athletenstatuen an die Welt der griechischen Körperkultur, Philosophen- und Dichterbüsten an Gymnasium und Theater, und Bildnisse griechischer Staatsmänner und hellenistischer Könige führten große historische Persönlichkeiten vor Augen. Andere Statuen vergegenwärtigten Mythen, Heroen und Götter. Der neuen Funktion der Bilder entsprach eine neue, abstrakte Rezeption auf seiten der Betrachter. Der sitzende Hermes zum Beispiel erinnerte nicht nur an den Botengott des griechischen Mythos und an sein besonderes Verhältnis zu den Athleten. Er stand auch für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand […].“

S. 27: „Das auch im interkulturellen Vergleich sehr eigenartige Phänomen einer so umfassenden Übernahme und Umfunktionalisierung der Formenwelt einer – wenn nicht fremden, so doch andersartigen – Kultur verdankte seine Entstehung einer, wenn man so will, «zufälligen» historischen Situation, in der zwei voneinander unabhängige Gegebenheiten zusammentrafen: die kulturelle Unterlegenheit der römischen Sieger auf der einen und die klassizistisch-retrospektiven Tendenzen der übernommenen hellenistischen Kultur auf der anderen Seite. Im Lauf der hellenistischen Zeit, besonders seit dem 2. Jahrhundert v. Chr., hatte man in der griechischen Welt begonnen, der Poliskultur des 5- und 4. Jahrhunderts die maßgebende Zeit der eigenen Kultur zu sehen. Letztlich handelte es sich bei diesem Zurückblicken und Sich-neu-orientieren um eine Vergewisserung der eigenen Identität. In den Bildkünsten war es dabei in den griechischen Kulturzentren sowohl zur Ausbildung allgemein klassizistischer Stiltendenzen als auch zu bewußten Anlehnungen und Wiederholungen berühmter klassischer Kunstwerle gekommen. Dieser zunächst innergriechische Vorgang wurde durch den schnell wachsenden Bedarf an griechischen Bildwerken bei den Römern entscheidend verstärkt.“

S. 28: „Schon in hellenistischer Zeit hatte sich eine Art Kanon der berühmtesten Meister und Werke der klassischen Zeit herausgebildet, der dann auch der Auswahl der beliebtesten Kopien zugrunde lag. Die Athletenstatuen des Polyklet, die Satyrn und Aphroditen des Praxiteles oder die Gemälde des Zeuxis hatten schon zu ihrer Entstehungszeit großen Ruhm erlangt, und es ist nur zu verständlich, daß sich kunstinteressierte Römer jetzt um gute Kopien solcher Werke bemühten.“

In der Antike spielte Originalität in der Kunst keine herausragende Rolle und gehörte nicht in der Ästhetik zu einem herausgehobenen Wesensmerkmal wie in anderen Zeiten. Das antike Kunstschaffen beruhte auf langsamen Stilwandel, Vertrautheit mit der Ikonographie und der Hochschätzung vergangener Kunstepochen. Innovationen wurden als stufenweise Verbesserung anerkannter Werke beurteilt.

Das Kopienwesen war wesentlicher Bestandteil einer eigenwertigen Kunstepoche (1. Jahrhundert v. Chr. – 3. Jahrhundert n. Chr.).

Richard Neudecker, Kopienwesen. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 6: Iul - Lee. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1999, Spalte 726 – 727

Spalte 726. Das K.[opienwesen] umfaßte ein weites Spektrum von der getreuen Kopie über die Umbildung zur Nachschöpfung mit Archaismus, Klassizismus und Eklektizismus. Es kennzeichnet den motivischen und formalen Synkretismus einer auf die Vergangenheit bezogenen Kultur.“

Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Übernahme griechischer Kultur zur Lebenswelt der römischen Oberschicht. Neben einem persönlichen Interesse erwuchs damit auch ein normativer Druck, seinen Status mit Kunstwerken darzustellen und sich so unterscheidend von gesellschaftlich von anderen Schichten abzuheben. Der Ausstattungsbedarf im häuslichen und öffentlichen Bereich wurde überwiegend mit Kopien befriedigt. Standards einer als passend erachteten Ausstattung (decor) ermöglichten es, mit wenigen sich widerholenden Formen vielfältige unterschiedliche Bezüge herzustellen.

Die Kopisten griffen selten bei Komposition und Schema ein, doch immer bei Modellierung der Oberflächen, Gewandformen und Haaren.

1

Taten sie das?

Skulpturen gab es bereits tausende von Jahren vor den Griechen und Römern, woher es die Griechen hatten, können wir auch nicht genau sagen, sicher ist nur, dass die Ägypter weitaus früher Monumente und Skulpturen schufen, das gleiche gilt für die Sumerer, die wohl auch den Griechen die eine oder andere Idee gegeben haben...

Die Griechen haben aber Ihre Vorbilder wohl eher den Ägyptern zu verdanken, nachdem sie sich dort so richtig schlau machten, überboten sie die Ägypter bevor sie selbst von den Römern überflügelt wurden. Heute ist es doch nicht anders, die Kunststile des Impressionismus oder Expressionismus waren schließlich auch keine Kopien, sondern spiegelten den Zeitgeist, genauso verhält es sich mit der Antike...

Vermutlich aus demselben Grund, aus dem auch heute noch urheberrechtlich geschütztes Material von Unbefugten kopiert und irgendwo hochgeladen wird: Sie wollen sich entweder wichtig machen oder ohne Rücksicht auf Andere ihrem eigenen Geldbeutel etwas Gutes tun.

Ich weiß nicht, ob man es kopieren nennen kann. Kopieren ist ja, so ist mein Verständnis, wenn ich eine Skulpturen 1:1 ganz genau übertrage. Alles andere würde ich als Ideenfundgrube betrachten und das macht jeder Deutsche, wie auch Japaner genau.

Ich glaube die Römer waren die ersten, die ihren Skulpturen "die Augen öffneten". Das war bis dato auch vollkommen neu. Gerade darum sind ja viele Handwerker / Künstler / Baumeister jahrelang auf "Weltreise" in der damaligen Welt gewesen und das war gut so.

Die griechischen skulpturen waren einfach schon so gut wie perfekt. Da ham sich die Römer gedacht warum solln wir das rad neu erfinden und haben auch die bildhauerkunst der griechen übernommen.

Dies taten sie nicht vonj den Ägyptern, da deren skulpturen lange nicht so perfekte nachmachungen der realität waren wie die der griechen

Was möchtest Du wissen?