Warum grüßen Junge Menschen nicht mehr/sind so unhöflich?

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Ganz ehrlich - wenn ein Wildfremder zu mir sagt "Na, wie groß sind wir denn?" guck ich den auch höchstens blöde an - einfach, weil das nix ist, das man einen Fremden fragt. Punkt.^^

Aber abseits davon bin ich natürlich ganz bei dir - wobei ich sagen muss, dass ich diese "Unhöflichkeiten" nicht tatsächlich so sehr an der "jungen Generation" sondern ganz generell feststelle. (Bin 22^^)

- Ich kann in kein blödes Geschäft gehen, ohne geduzt zu werden. Auch von Dreißig-/Vierzigjährigen - bzw. besonders von denen. Find ich auch fürchterlich unhöflich. Und nö, ich seh nicht explizit "jung" aus.^^
- Schon Sokrates schrieb "Die Jungen haben keinerlei Gefühl für Anstand und Moral." - das denkt einfach JEDE Generation entweder schon über ihre eigene, spätestens aber über die, die danach kommt.^^
- Ich denke, die HIlfsbereitschaft und Freundlichkeit hat ganz generell abgenommen - ich wurde schon von Dreizehnjährigen angepöbelt, aber die Krücken unter den Armen weggefahren hat mir eine Vierzigjährige mit'm Kinderwagen. Ohne Entschuldigung.
Und ein Fünfzigjähriger, der absolut noch gut zu Fuß war, hat sich vor mir in den Lift gedrängelt. Durfte dann mit dem nächsten fahren und hab' meinen Bus verpasst. 

Wie gesagt, ich halte das für ein Gesellschaftsproblem, nicht für eins der Generationen.

Allerdings sind mir auch schon sehr überraschte Senioren untergekommen, die mich angeguckt haben, wie ein Tier im Zoo, als ich meiner Erziehung entsprechend einen Platz freigegeben oder sonst irgendwas in der Art gemacht hab.
Andere wurden da aber auch schon ganz unfreundlich, so nach dem Motto, was ich mir denn einbilde, so zu tun, als wären sie behindert und Ähnliches.

Die Anonymisierung der Gesellschaft, die nicht zuletzt durch Facebook und Konsorten stark zugenommen hat, führt zu einer wesentlich größeren Abgrenzung gegenüber der Mitmenschen - Stichwort Smartphone - und damit auch zu einer Abnahme der üblichen gesellschaftlichen "Gesten" wie dem Grüßen, denke ich. Allerdings will ich die Tatsache, dass es zu immer weniger Erziehung kommt, weil die Eltern die Kiddies lieber vor den Fernseher knallen, definitiv nicht abstreiten - die tut da zweifellos ihr Übriges.

Aber um fair zu bleiben - in einer Arztpraxis kann man leicht mal auf miesgelaunte Leute treffen. Wenn's ihnen gut ginge, wären sie kaum dort ;)

Ich will also sagen: Zu einem Teil kann's natürlich mit den Generationen zusammenhängen - zu einem anderen aber eben auch einfach damit, dass die Soziologen dem kapitalistischen Westen schon vor Jahren den "Volksnarzissmus" diagnostiziert haben. ;)

wenn junge Menschen andere nicht grüßen, so kann man ihnen - meiner Meinung nach - keinesfalls unterstellen, daß diese auch zwangsläufig unhöflich sind. speziell in Deiner Frage geht es ja um die Thematik, wenn man beim Arzt ein Wartezimmer betritt.

ich bin weit über 40 Jahre alt und habe noch nie jemanden im Wartezimmer gegrüßt ! und dies werde ich auch nie tun, weil ich das schlichtweg für spiessig und sinnlos halte.

die Personen im Wartezimmer sind mir absolut fremd und sie interessieren mich auch nicht. warum also grüßen ? was habe ich davon ? deswegen werden die Schmerzen auch nicht besser. man geht schliesslich zum Arzt wegen körperlichen Beschwerden und nicht, um ein paar fremde Leute zu grüßen. 

und ich gehe mal stark davon aus, daß viele bzw. die meisten der jungen Leute diesbzgl. eine ähnliche oder auch diesselbe Meinung vertreten wie ich.

deswegen ist man aber - wie bereits erwähnt - nicht unhöflich !

sonst grüße ich jedenfalls fast immer und jeden - aber nur dort, wo ich es für angebracht halte.

Ich verstehe was du meinst. Ich kann mich da eine Ausahme nennen! Geht zwar nicht direkt auf das Grüssen, aber: Neulich, an der Bushaltestelle, sass ich auf der Bank, und eine ältere Dame kam zur Haltestelle. Sie wollte sich ebenfalls hinsetzen, doch der Rest der Bank war nass. Ich stand auf, und bat ihr meinen Platz an, welchen ich, als ich selbst kam, mit ein paar Taschentüchern trocken wischte, um dort sitzen zu können. Ich sagte der alten Dame, sie solle sich dort hinsetzen, ich kann auch stehen. Sie sagte mir dann nur so ungefähr, vollkommen erschrocken und verwundert über das was gerade geschah: "Willst du wirklich, dass ich mich hier hinsetze? So etwas hat noch ein Jugendlicher für mich getan! Danke!" Sie setzte sich dann hin und sagt dann halt so, dass man für ältere Menschen Platz macht. Sie sagte mir dann, dass es richtig ist, was ich sage, und, dass die meisten in meinem Alter (17) sie ignorieren, und weiter auf deren Telefone starren würden, wenn es zur selben Begebenheit käme.

Selbstverständlich ist das nur eine meiner vielen Taten, doch diese Tat war für mich irgendwie etwas besonderes, auch wenn ich derartiges oft mache. Traurig finde ich nur, dass ich hier in meiner Umgebung fast alleine damit zu sein scheine, gute Taten zu vollbringen. Nichtmal jene in meiner Umgebung, die sich als liebe und höfliche Christen aufführen, verhalten sich so. Ich bin selbst Atheist, und genau die selben Christen sagen dann zu mir, ich sei vollkommen respektlos und verbittert, weil ich religionskritisch bin. Aber dies ist ein anderes Themas.

Ich hoffe ich konnte dir helfen, und wünsche dir eine friedliche Nacht, oder einen friedlichen Tag, kommt darauf an, wann du dies liest! ;-)

LG. Belruh

Kommunikationsschwäche. Wird heute den Kindern einfach nicht mehr beigebracht. Da müssen viele Impulse von den Eltern kommen.

Ich habe meine Kinder von dem Moment an, als sie reden konnten, dazu angehalten, sich in Geschäften immer von der Kassiererin zu verabschieden. In vollständigen Sätzen zu sprechen und auch gerne mal die Verben zu benutzen.

Kostet nichts, freut den Menschen, und man kriegt ein freundliches Tschüss zurück.

Das wird sehr schnell dann ein Automatismus und eine Selbstverständlichkeit, die insgesamt die Atmosphäre freundlicher macht.

Guten Tag, Aufwiedersehen, Bitte, Danke, sieht gut aus, einen schönen Tag...

Das ist so die Butter auf der trockenen Scheibe Brot des Alltags.

 

Wenn sich Menschen wie du über die heutige Situation aufregen, muss ich immer an die eine Situation denken:

Ein Junge (15 Jahre? Vielleicht) und ich hatten an einer Fleischtheke zufälligerweise dasselbe bestellt: Ein Brötchen mit Putenfrikadelle.

Wir beide wurden jeweils von der Bedienung ordentlich begrüßt - man war also in einem Gespräch.

Ich: "Einen schönen Abend! Ich hätte gerne... so ein Frikadellenbrötchen, Pute, ne? Bitte!"

...

"Dankeschön, auf Wiedersehen!"

 

Junge (mit einem Gesicht wie 14 Tage Botox und Valium zusammen): "Putenfrikadelle."

 

Umgekehrt ist aber inzwischen auch ein Problem.

Wenn ich als junger Mensch ältere Leute grüße, bekomme ich oftmals auch keine Antwort, so nach dem Mott: "Dich kenne ich nicht, also was soll ich dich da grüßen."

Oftmals gucken die Leute dann weg.

Der Gruß wird aber oftmals nicht erwiedert. Beobachtet das mal an einer Tankstelle. Jemand hat getankt, kommt danach in den Verkaufs- und Kassenraum und dann gibt es oft folgenden Dialog:

Tankstellenmitarbeiter/in: "Guten Tag!

Kunde/Kundin: "Die 5."

T: "Das wären dann 42,55 €. Zahlen sie bar oder mit Karte?"

Kunde/Kundin hält die Karte hin, steckt sie ins Kartenlesegerät.

T: "Prima, vielen Dank!" oder "Eine Unterschrift noch bitte."

K unterschreibt und T sagt: "Vielen Dank. Auf Wiedersehen!"

K dreht sich um und geht ohne sich zu verabschieden.

Oftmals ist den Menschen sein Gegenüber egal. In diesem Fall erfüllt er den Zweck zur Bezahlung des Benzins. Ist ja "bloß" so ein "Tankstellenfuzzi"!

"Ist ja bloß so eine Verkäuferin!"

Das ist oftmals die nicht vorhandene Wertschätzung oder Anerkennung meines Mitmenschen. Wir stumpfen menschlich langsam ab. Menschliche Kälte und Gleichgültigkeit macht sich breit.

Darum haben es heute auch Einbrecher so leicht. Früher haben Nachbarn noch aufeinander geschaut. Da hat man halt auch mal das Nachbarhaus der alten Frau beobachtet, wenn da ein Fremder vor der Haustür stand. Heute kenne ich meine Nachbarn ja noch nicht einmal mehr und somit ist es dann egal, wer da bei wem vor der Tür steht. Das ist leider die Denkweise, die sich immer mehr ausweitet.

Wer wundert sich denn heute noch, wenn er einen Hausmitbewohner wochenlang nicht mehr gesehen hat und der Briefkasten inzwischen überquillt? Erst wenn der Leichengeruch dann im Treppenhaus angekommen ist, kümmert man sich.

Wir alle machen uns das Leben unmenschlicher und schwerer, ohne dass wir es noch merken! Manche Teenager können sich doch gar nicht mehr richtig unterhalten. Also, schreiben sie sich massig mit Rechtschreibfehlern gespickte WhattsApp-Nachrichten.

Da wir inzwischen auch alle nur noch die Augen auf das Smartphone richten, können wir unsere Mitmenschen auch gar nicht mehr sehen. Wen ich nicht sehe, kann ich auch nicht grüßen!

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