Warum glauben Menschen an Karma?

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9 Antworten

Ich bin Buddhist und werde versuchen, mein Verständnis von Karma zu erklären. Ich erhebe dabei keinen Anspruch auf tiefes Verständnis.

Karma im Buddhismus

Karma bedeutet zunächst einmal nur "Handlung" oder "Tat". Letztlich ist damit jede Aktivität des Körpers, der Sprache oder des Geistes gemeint.

Karma wird beschrieben als das Gesetz von Ursache und Wirkung - jede Handlung hat eine Folge, die sich mitunter auch wieder auf uns auswirkt.

Das hat nichts mit der Vorstellung einer Art "ausgleichenden Gerechtigkeit" zu tun, wie es in manchen Esoterik-Büchern zu lesen ist.

Die moralische Vorstellung  "eine gute Tat wird gute Folgen für einen selbst haben" ist meiner Meinung nach zu einfach gedacht.

Beispiele

Nehmen wir einmal an, jemand wiederholt irgendeine Handlung, die ihm, oder anderen Wesen auf irgendeine Weise einen Schaden zufügt.

Wenn er diese Handlung häufig macht, beeinflusst ihn diese Aktivität und wird zu einer Gewohnheit - das ist das Karma, das er selbst geschaffen hat.

Diese Gewohnheit kann unbewusst sein und ist deshalb nur schwer bewusst zu korrigieren. Deshalb ist laut der Lehre des Buddha, Bewusstheit wichtig.

Das kann eine Form von Selbstbetrug sein, Tabakkonsum, schlampiges Verhalten - aus einer Handlung erwächst eine Wirkung. Das ist Karma.

Karma und Schicksal

Deshalb ist Karma auch etwas anderes als die Vorstellung von Schicksal. Meist gilt ein Schicksal als unabwendbar, wir sind ihm schutzlos ausgeliefert.

Aber insbesondere wenn wir achtsam sind, können wir unser Karma ändern. Ein einziger Entschluss, also das Karma des Geistes, kann der Anfang sein.

Je mehr wir uns mit unseren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen identifizieren, desto stärker werden wir von diesem Karma beeinflusst.

Deshalb fällt es schwierig, seine Handlung zu ändern, wenn man sie als Teil der eigenen Persönlichkeit ansieht und daher nicht in Frage stellt.

Aber dieses "Selbst" ist nichts unveränderliches - Gedanken, Stimmungen, Pläne - unser Selbst ändert sich in jeder Sekunde. Wir sind nie derselbe.

Deshalb, weil unser "Ich" nicht etwas konstantes ist, können wir unser Karma auch ändern - ein deutlicher Unterschied zum Konzept des Schicksals.

Abschließend eine fiktive Geschichte

Herr Meier hat verschlafen und steht schlechtgelaunt auf (Karma des Geistes). Auf dem Weg zur Arbeit ist er so im Stress und plant für den Tag voraus, dass er versehentlich jemanden anrempelt (Karma der Tat).

Die andere Person beleidigt ihn daraufhin (Karma des Wortes). Das bringt beim gefrusteten Herrn Meier das Faß zum überlaufen. Auf seiner Arbeit angekommen, knallt er seinem Chef die Meinung an den Kopf (Wort).

Der Chef sieht eine Beleidigung und spricht eine Kündigung aus (Tat).

Herr Meier stürmt aus dem Büro und fährt mit dem Wagen fast eine alte Frau um (Tat), da er unachtsam ist (Geist). Er hält vor seiner Stammkneipe und lässt sich dort ordentlich volllaufen (Tat).

Völlig betrunken (Geist) macht er sich auf den Heimweg und überfährt dabei ein Mädchen das stirbt (Tat). Er begeht Fahrerflucht (Tat) und fährt nach Hause, wo er seiner Ehefrau alles erzählt (Wort).

Sie macht ihm Vorwürfe (Wort), dass er betrunken ist, seine Arbeit verloren hat, dass er ein Versager sei und ein Mörder. Herr Meier verliert die Beherrschung (Geist), greift ein Küchenmesser und ersticht seine Frau (Tat).

Schließlich erschießt er sich selbst (Tat). Die Nachbarin hört den Schuss und ruft die Polizei.

Ergebnis: Drei getötete Menschen, eine traumatisierte Zeugin - und alles nur, weil er morgens in einer schlechten geistigen Verfassung war und ihn jemand aus Wut beleidigte.

Wäre ich der Mann, den er anrempelte und den ich daraufhin beleidigte, wäre ich ein wichtiger Faktor dieser grausamen Ereignisse.

Etwas mehr Gelassenheit und Bewusstheit hätten meine Beleidigung (Wort) verhindert, und diese ganze Geschichte wäre womöglich nie geschehen.

Wenn ich aber schon gewohnheitsmäßig schlecht gelaunt bin (Geist) war solch ein Ereignis zu erwarten....

Nachtrag

Buddha wurde übrigens sogar mal gefragt, wo das ganze denn anfing, wer das erste Karma in Gang setzte und so andere Wesen erstmals beeinflusste.

Letztlich die Frage, ob zuerst das Huhn da war, oder das Ei.

Buddha antwortete, es gäbe Zusammenhänge/Zeiträume/Umstände, die wir nicht erfassen können und es mache keinerlei Sinn, über irgendwelche vergangenen Handlungen nachzugrübeln.

Glaubt man an Wiedergeburt im allgemein üblichen Sinn, würde das Karma schon vor tausenden, wenn nicht gar Millionen von Leben irgendwann begonnen haben. Für uns nicht erfassbar.

Also sagte Buddha: Kümmere dich um deinen eigenen Scheixx den du Hier und Jetzt verzapfst, nicht um olle Kamellen (Vergangenheit) oder ungelegte Eier (Zukunft).

Hier und jetzt können wir unser Karma bewusst ändern, wenn wir die Achtsamkeit dazu besitzen und uns nicht für den ultimativen Maßstab halten - wir sind nur der Mittelpunkt einer sehr kleinen Welt.

Das "große Ganze" erfassen wir nicht, so lange wir uns immer in unseren Projektionen verstricken und aus dieser Unbewusstheit heraus handeln.

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All diese Ausreden sind von und für Menschen gemacht die nicht damit zurechtkommen dass die Welt ein unfairer Ort ist. Sie reden sich mit derartigen Geschichten die Welt schön um die Wahrheit nicht sehen zu müssen.

Das kannst du doch nicht mit Gewissheit sagen, sowohl auf Karma als auch eine Gottheit bezogen.

Das Karma wirkt sich, anders als häufig angenommen, in der gängigen Definition auf das nächste Leben aus. Sofern du nicht zufällig Erinnerungen an ein früheres Leben besitzt, frage ich mich doch, wie du zu dem Schluss gekommen bist.

Was "keine Fairness" betrifft: das ist eine Frage deiner Sichtweise. Wäre es fair, wenn Gott stets eingreifen würde, wenn ihm etwas nicht passen würde? Dann würden viele ihn Tyrann schimpfen, weil er unseren freien Willen einschränkt. Wäre es nicht am fairsten, wenn Gott alles schöpfte und den Rest der Schöpfung überließ, uns ggf noch mit Rat und.. nicht direkt Tat, sondern Beistand und Co. unterstützt? Freier Wille, ist das nicht das Fairste, das ein Schöpfer machen kann?

Das sage ich im Übrigen als Agnostiker, nicht als Christ, Buddhist oder "dergleichen".

Ob das Leben irgendwo einen Sinn ergibt, dass kann dir niemand Sagen.

Menschen brauchen einfach irgendetwas, an das sie glauben können,oft auch aus dem Gefühl der Unwichtigkeit in der grossen, weiten, scheinbar unfairen Welt, so wie es Andrastor schon erwähnt hat. Selbst wir wissenschaftlich denkende Menschen (Was war vor dem Urknall, Was ist Bewusstsein usw.) aber eher aus Neugierde. Und sind wir doch ehrlich? Gewisse Dinge wird auch die Wissenschaft noch lange nicht rausfinden und darum gibt es selbst in unseren Reihen zum gleichen Standpunkt die unterschiedlichsten Meinungen.

Mich nerven die Leute schon, die mir die ganze Zeit ihren Glauben aufreden wollen, aber wenn es ihnen dadurch besser geht.

Die meisten Menschen stoßen auf ein "schwarzes Nichts", wenn sie mit ihren Erinnerungen immer weiter zurück gehen. Etwa um das zweite Lebensjahr reißt die Erinnerung ab.

Manche haben das nicht. Es kommen immer weitere Bilder, Empfindungen usw, wenn sie zurück gehen. Frühste Kindheit taucht auf, Zeit im Mutterbauch, dann eine Zeit die schwer zu beschreiben ist .... rückwärts dann wieder das Gefühl auf zwei Beinen auf der Erde zu stehen....


Das "schwarze Loch" wird heutzutage als etwas gepredigt woran man glauben "muss". Wenn man nicht so tickt, dann fällt einem auf, dass die anderen ja schon an ihre Babyzeit keine Erinnerungen haben. Und sie haben doch existiert in der Zeit. Also ist es nahe liegend, daraus zu schließen, dass die Amnesie, welche sie schon zu Ereignissen aus diesem Leben haben, auch der Grund ist, wieso sie glauben, sie sein im Moment der Zeugung entstanden.


Wenn man sich an Reinkarnation erinnert ist es nahe liegend, auch an Karma zu glauben.

Wenn den Menschen bewusst wird das die Welt ein ein grausamer Ort ist der nach eigenen Regeln spielt, die der Mensch nicht kontrollieren kann, dann erfindet der Mensch eine Geschichte um sich das Leben schön zu reden.

Damit sie sich einreden können einen Guten und eigenen Nutzen aus einem Handeln zu ziehen welches Moralisch und Ethisch von unserer Gesellschaft anerkannt wird. 

Aber die VORSTELLUNG eines Karmas ist doch gar nicht so schlecht!? So versuchen alle, etwas gerechter zu sein. (Auch wenn das wahrscheinlich nichts später bringt.) Man braucht nunmal Vorstellungen, und wenn man diese als Vorstellung identifiziert, wirken sie leider nicht mehr. Du könntest jetzt versuchen, jeden vom Gegenteil erzeugen, aber damit kommt an Ende nichts besseres als der IS raus. Oder andere Terror- Gruppen. Aber wir könnten es ja mal versuchen 😉 ohne terror ^^

Wenn ich an Karma glauben würde, müsste ich in ständiger Angst leben. 

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Jeder Mensch der Böses getan hat bleibt nicht unbestraft und kriegt das genau so zurück was er getan hat . 

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