Was ist der Unterschied zwischen Antiautoritärer Erziehung und Laissez-fairer Erziehung?

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7 Antworten

Landläufig herrscht so die Meinung vor, dass antiautoritäre Erziehung nichts andere bedeute, als die lieben Kleinen bedenken- und zügellos gewähren zu lassen. "Laissez-Faire-Erziehung" wird das dann auch (ebenso!) gerne genannt...

Übersehen wird nur das, was jeder erkennt, der sich mal näher mit der Theorie von A.S. Neill befasst hat; nämlich dass diese Form der Erziehung (im Idealfall) darum bemüht ist, den Kindern möglichst große Freiräume zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu gewähren. Es geht im Kern darum, möglichst wenig Einfluss zu nehmen, um sie nicht in eine (ihnen eventuell nicht entsprechende, nicht angemessene) Richtung zu drängen.

Die Gespräche mit den Kindern sind wichtig; sowie das Bemühen, das Verhalten der Kinder zu verstehen. Schlussendlich sollten sie nicht zu einem bestimmten Verhalten gedrängt werden, sondern es gilt, sie zu überzeugen.

Dass dieses Konzept (in der Regel) nicht optimal umgesetzt wurde, ändert erstmal rein gar nichts an der löblichen Grundidee, in meinen Augen.

Goodnight 29.10.2012, 23:35

A.S, Neill hat mit Kindern die von ihren Eltern schwer geschlagen wurden gearbeitet und über seinen Umgang mit diesen Kindern geschrieben, ganz so einfach kann man das nicht in den Alltag übertragen, finde ich.Dennoch war das ein Buch, das mich sehr geprägt hat. Genau wie du finde ich es eine löbliche Grundidee und stellte auch immer wieder fest, dass er gründlich missverstanden wurde.

DH!

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Du hast ja schon einige Antworten bekommen. Landlilie hat Recht-"Laissez-faire" - "Vernachlässigender Erziehungsstil". Ich habe mal eine Doku über diesen Stil aus Frankreich gesehen und mir standen die Haare zu Berge. Die Kinder hatten keinen Halt, keine Alltagsstrukturen. Das verursacht Unsicherheit und Überforderung. Da hat die Zuwendung des Erziehenden zum Kind in der antiautoritären Erzeihung schon eine ganz andere Qualität. Das dieser Erziehungstil in den 68 ern so grundlegend schief gelaufen ist hat den Grund das er völlig falsch ausgelegt und gelebt wurde. Vielen der Eltern könnte man Erzeihungsfaulheit und ja, auch Vernachlässigung vorwerfen. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern- ein Kind das die Wohnungswände mit Kot vollgeschmiert hat, wurde als besonders kreativ bezeichnet ;) Antiautorität bedeutet aber nicht das Kind auf Teufel komm raus machen zu lassen was es will. Es bedeutet aber sich auf Augenhöhe mit dem Kind zu bewegen. Es an Entscheidungen teilhaben zu lassen- aber bitte immer dem Alter angemessen. Kinder brauchen Strukturen, Verlässichlichkeit, Anleitung und vor allem ein vorbildhaftes Modell an dem sie sich orientieren können, das ihnen Sicherheit vermittelt. Sie ernst nimmt, in ihrer Individualität fördert ohne sie zu überfordern. Das alles klappte in den 68ern nicht, wo Kleinkinder zwischen k.ffenden Erwachsenen spielten.(Alles selbst erlebt) und die Eltern eigentlich mehr damit beschäftigt waren sich selbst zu finden als ihren Kindern Halt zu geben. Ich muss meinem Kind nicht meine Autorität um die Ohren hauen wenn es Vertrauen zu mir hat- wenn ich klar, ehrlich und offen mit ihm umgehe- wenn ich meine Liebe zu ihm nicht an Bedingungen knüpfe- ihn als Menschen wahrnehme. Wenn ich meinem Kind Sicherheit und Urvertauen vermittel, wird es fühlen und wissen das es meiner Anleitung, meiner Begleitung beim ,,Groß werden" vertrauen kann.

Hier drei Zitate von einem Menschen den ich sehr verehre: . Korczak sagt......

Du Kind wirst nicht erst Mensch, du bist ein Mensch.....

Ihr sagt: Uns langweilt der Umgang mit Kindern. Ihr habt recht. Ihr sagt: Weil wir uns zu ihren Begriffen erniedrigen müssen. Ihr täuscht euch: Nicht dies quält uns, sondern, dass wir uns zu ihren Gefühlen emporheben müssen, dass wir uns strecken und auf Fußspitzen stehen müssen, um sie zu erreichen.

Korczak verlangte vom Erzieher Diskretion, Entgegenkommen, gute Sitte und Höflichkeit, wie man es einem Erwachsenen gegenüber als zweckmäßig, Kindern gegenüber aber als überflüssig empfindet.

Himmel und Hölle

Heiß und Kalt

Hell und Dunkel

autoritär bedeutet Regeln befolgen, kaum Freiheit, eigenen Willen gibt es nicht, kein Bezug auf Wünsche oder Sehnsüchte, kaum Liebe

Laissez-faire ist genau das Gegenteil, die Kinder haben so gut wie keine Regeln, Pflichten, Forderungen...was der Bildung schadet denn alles was sie lernen lernen sie definitiv nicht zuhause, sie fühlen sich oft ebenfalls ungeliebt, weil sich keine Sau für sie interessiert,

"Wir könnten wohlerzogene kinder gebären, wenn die älteren erzogen wären!" Goethe.

Zwei buchtipps; "Der Lillith-komplex" von Hans-Joachim Maaz; "Das Neue Bach-Blüten-Buch" von Dr. Götz Blome. Wenn alle, die kinder in die welt setzen wollen, diese beiden bücher studiert haben, sich dann selbst erkannt haben, dann könnten sie "wohlerzogene" kinder erziehen. Die anti-autoritäre erziehung, begann in der mitte der 60iger, war nicht etwas ganz neues. Es war lediglich das andere extrem, dass die eltern selbst in ihrer erziehung erleiden mußten. Die andere form der erziehung war ein protest gegen die patriarchialische erziehung der letzten x-hunderte von jahren. Auch die anti-autoritäre erziehung hatte keinen erfolg. Beide erziehungsmethoden waren extreme, die nie auf dauer funktionieren können. Das gesunde maß zwischen liebe und konsequenz ist das richtige. Aber solange die eltern ihre knder mit ihren eigenen ängsten, dogmen, vorstellungen vergiften, wird es an wohlerzogenen kindern mangeln. Heute leben wir in der erziehung im matriarchat! Auch dies ist eine extreme form der erziehung. "An euren kindern werdet ihr es erkennen!" steht im Neuen Testament. Damit ist gemeint, das ergebnis eurer erziehung erkennt ihr an euren kindern und somit an der neuen gesellschaft die dadurch entsteht. Ich kann meine buchtipps nur wärmstens empfehlen, da es dort nicht um die erziehung der neuen generation geht, sondern um die vielen fehler der früheren generation und ganz wichtig wie man sie vermeiden kann. Ich habe vor jeder frau absolut hohen respekt wenn sie eine mutterschaft verweigert!!! Wäre es nicht doch wichtiger sich über die auswirkungen der erzeihungsstile zu unterhalten, als begriffdefinitionen zu diskutieren? liebe grüße pasolobo

anni51 30.10.2012, 20:36

hi pasolobo, ja der Goethe hat da schon ein wahres Wort gesprochen. Hier noch etwas nettes für dich...

Es gibt leider nicht sehr viele Eltern, deren Umgang für ihre Kinder ein Segen ist. Marie von Ebner- Eschenbach österr. Schriftstellerin ( 1830- 1916

Im Leben lernt der Mensch zuerst gehen und sprechen. Später lernt er dann, still zu sitzen und den Mund zu halten. Marcel Pagnol / Schriftsteller

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pasolobo 30.10.2012, 23:35
@anni51

Liebe Anni51,

ich danke die für deine sehr erkenntnistiefen weisheiten. Deine ''nettes'' für mich hilft mir besser zu argumentieren, gegen ignoranz, verdummung und unwissenheit!

Danke pasolobo (O;

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sind das echte begriffe ? laissez faire ist ja dass man es sich abspeilen lässt, also nicht eingreift

anti autoritär wäre dass du eingreifst, aber dem kind auf gleiche ebene begegnest, also nicht autoritär dich drüber stellst ...

aber das hab ich mir nu ausm ärmel geschüttelt :D ich hab davor nich von den stilen gehört

nicht wirklich ein unterschied zwischen diesen erziehungsstilen, die nicht wirklich fest definiert sind.

allerdings stellt sich die frage, ob du von der regulären "antiautoritären erziehung" der "68er" redest, oder von neills büchern und summerhill?

zu letzterem sollte mensch wissen, dass es neill nie so genannt hat. das buch wurde schonmal unter anderem titel - ich glaube in den 50ern oder anfang 60 - in deutschland verlegt. es floppte aber. dann unter dem titel "antiautoritäre erziehung" ende 60er oder anfang 70er nochmal verlegt und es wurde der hit!

neill musst du lesen. es gibt auch einige filmaufnahmen. lohnt sich!

also nochmal: neills pädagogik hat nichts mit der "antiautoritären erziehung" zu tun und unterscheidest sich also wesentlich von laissez-fairer Erziehung.

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