Und was tust du, wenn du stirbst und niemand um dich weint?

14 Antworten

Also ich war schon auf unterschiedlichen Beerdigungen, z.B. auch meiner Mutter. Ich weine nicht an Gräbern und auch nicht auf Beerdigungen. Mir dabei zu unterstellen, dass ich nicht von Trauer erfasst bin, ist eine Unterstellung, denn Menschen haben unterschiedlich nah am Wasser gebaut. Erst recht als naher Verwandter ist man von dem ganzen organisatorischen Kram meist so erschlagen, dass man froh ist, wenn alles gut abgeht und man kommt erst hinterher zur Besinnung. Es ist auch keine Bewertung derjenigen, die ihren Schmerz in Tränen fließen lassen können. Jedem sollte man da seine eigene Bewältigung zugestehen.

Wenn ich tot bin, interessiert mich das alles nicht mehr. Es interessiert mich nicht mal vorher, weil ich nicht lebe, um auf andere Leute irgendeinen Eindruck zu machen. Ich lebe erst einmal so, dass ich für mich zufrieden sein kann und unter guten Freunden einen guten Umgang habe. Mir ist nicht wichtig, wie mich irgendwer in Erinnerung behält, auch irgendwelche Verandten nicht, die mir eh nichts bedeuten. Gute Freunde erkennt man daran, dass sie auch nach dem Tod immer wieder an einen denken, sich angemessen an einen erinnern, und wenn es der eigene Lieblingswitz ist. Gute Freunde erwirbt man sich allerdings vor dem Tod - im echten Leben - und da sind sie mehr ein Segen als nach dem Tod. Uns selbst in Selbstbestimmung offen ein würdiges Ende wählen zu können hat uns für Deutschland ja (unser????) Bundestag verbaut. Um es heimlich zu tun, braucht man wieder gute Freunde, dann können die in Berlin gegen die Mehrheitsmeinung des Volkes beschließen wie sie wollen.

Die meisten Menschen sterben so, wie sie gelebt haben.

Und das ist manchmal ausgesprochen traurig. Dafür sind sie in erster Linie selber verantwortlich. Warum soll man am Grab eines Ekelpakets in Tränen ausbrechen? Es hat ihn ja niemand gezwungen, sich so zu verhalten!

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist: Tränen sind immer auch ein Kontrollverlust. Und viele Menschen wollen das nicht. Darum reißen sie sich gerade bei Beerdigungen außerordentlich zusammen. Andere haben sich von ihrem Arzt Beruhigungsmittel geben lassen. Die können in dieser Situation gar nicht weinen. Ob jemand weint oder eben nicht, sagt gar nichts darüber aus, wie sehr jemand trauert. Als meine Oma vor Jahrzehnten starb, habe ich für mich sehr wohl geweint. Aber den anderen auf dem Friedhof habe ich keine einzige Träne geweint. Als dann der Pfarrer zu meiner heftig heulenden Mutter sagte, wie tapfer sie sein, hätte ich ihm am liebsten in den Hintern getreten. Denn wenn einer tapfer war, dann doch wohl ich. Naja.

Aber in Trauergesprächen vor Beerdigungen lade ich die Angehörigen ausdrücklich zum Weinen ein. Denn Trauer ist Liebe, und jede Träne verbindet einen mit einem lieben Menschen über den Tod hinaus. Wer sich das so klarmacht, muss den Kontrollverlust nicht fürchten, sondern sieht in den Tränen ein Zeichen der fortdauernden Liebe: Der mag jede seiner Tränen, weil sie einem lieben Menschen gelten, den man so sehr vermisst.

Manchmal war die letzte Lebensphase so anstrengend (möglicherweise wegen schwerer Krankheit), dass die Kräfte für Tränen am Grab gar nicht mehr reichen...

Also: Wenn Du möchtest, dass man um Dich weint, musst Du den Menschen einen Grund geben, um dich zu weinen. Du musst Liebe säen, damit du einmal Liebe=Tränen=Trauer ernten kannst.
Du musst dich dafür einsetzen, dass niemand mehr Tränen nur als Kontrollverlust sieht, sondern als Chance, etwas über den Tod Andauerndes auszudrücken.

Wenn Du das zu Lebzeiten nicht schaffst, ist es nach Deinem Tod zu spät. Also überleg Dir gut, wie Du lebst und wofür.

Alles Gute!

Ich will eine Beisetzung wie ein entfernter Großonkel von mir.

Keiner hat geweint. Nicht eine Person.

Sie haben gelacht.

Der Priester welcher die Grabrede gehalten hatte konnte nicht anders als eine der (sehr zahlreichen) lustigen Anekdoten aus dem Leben des Onkels zu erzählen und sehr schnell war er vom Thema wie schrecklich der Tod doch sei abgewichen um eine Geschichte nach der anderen zu erzählen was mein Onkel für verrückte Sachen gemacht hat.

Niemand konnte an jenem Tag weinen. Jeder hatte eine andere lustige Geschichte zu erzählen und sobald einer auch nur ansatzweise geseufzt hatte, waren zwei oder drei neue Geschichten erzählt.

Das wäre eine Beisetzung, wie ich sie mir wünschen würde, denn das würde bedeuten dass ich ein gutes Leben geführt hatte.

Mich kümmert es nicht ob Angehörige um mich weinen. Ich lebe mein Leben nicht für sie, sondern für mich. Aber auf Spaß will ich nicht verzichten müssen.

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