Typische Vorurteile, die ihr kennt?

11 Antworten

Hallo!

Ich bin als Jugoslawe mit Vorurteilen aller Art, die auf meine Herkunft bezogen waren, groß geworden. Darunter fielen beispielsweise Klischees wie alle Jugos klauen Autos und verschiffen diese in die Heimat, sind irgendwie kriminell und undurchsichtig, machen dunkle Geschäfte mit Landsleuten usw., meiner Familie und mir wurden auch Verbindungen ins Rocker- oder Unterwelt-Milieu nachgesagt, weil einer meiner Onkels eine Harley hat und in einer Art "Senioren-Motorrad-Gruppe" ist, die gemeinsam Sternfahrten unternehmen und die Leute sich dazu bemüßigt sahen ihren Teil "zu denken". Die typischen Osteuropäer- und Albanerklischees behaftet wurde (Autoschieberei, Kriminalität) gingen auch in die Richtung, wir hätten in Jugoslawien diverse Projekte laufen und mein Opa sei eine Art Patron, der nur so harmlos aussieht und so nett zu allen ist, aber in Wahrheit in Jugo drüben sonst was ankurbelt.

Die meisten Vorurteile aller Art haben zwar eine Wurzel in der Wahrheit und es mag sicher von uns "Jugos" auch Landsleute geben die aus der Reihe tanzen, aber deswegen muss nicht jeder Jugoslawe gleich ein Hehler oder Autoschieber sein, der semi-legale Geschäfte in der Heimat abwickelt, sich damit in Deutschland seinen Benz finanziert und ansonsten durch den Tag gammelt oder als ominöser "Selbstständiger" krumme Dinger treibt.

Bei meinen Russlanddeutschen Freunden war's noch schlimmer -------> Beispiel: Wenn was passierte, das im Polizeibericht der Zeitung erwähnt wurde machte der unschöne Spruch "ouh, des war bestimmt'n Russ'" schon die Runde, kaum dass die Tinte auf dem Papier trocken war... und gerade "die Russen" oder "die Russkis", wie sie manche auch gern nannten, fanden in der Gesellschaft nicht statt. Es war ganz schlimm & mehr wie einmal geschmacklos, was gerade gegen Russlanddeutsche vom Stapel gelassen wurde ------> waren wir einfach "die Jugos", ging es gegen "die Russen" als mal so richtig heiß her. Aus nichtigen Gründen bzw. aus Prinzip. War echt schlimm.

Das ist zwar seit Anfang 2000er weitgehend passé, auch weil's scheinbar andere Sorgen gibt & die Leute hier andere Probleme haben als sich über Ausländer zu mokieren. Und wer mich und meine Hintergründe nicht persönlich kennt merkt's auch nicht direkt, vom leichten Akzent abgesehen, der für viele an Tschechien erinnert (ich werde regelmäßig für einen Tschechen oder einen gut integrierten Russlanddeutschen gehalten und wurde auch schon mal gefragt, ob ich aus der DDR komme) ... aber das war damals wirklich beinahe diskriminierend. Gerade was ich ggü. Russlanddeutschen erlebte, die von einigen bornierten "Schönen und Coolen" aus der "Reichensiedlung" der Stadt gern mal aufm Schulhof angefurzt und beleidigt wurden, war echt Panne.

Ich habe mir vor einigen JAhren mal den Spaß erlaubt eine Frau zu fragen, was sie damals eigentlich gegen uns "Jugos" hatte... ihre Antwort war ein verschämtes Gestammel & offensichtlich hatte ich sie tief verletzt -------> aber es war so zu verstehen, dass sie eigentlich garkeinen stichhaltigen Grund hatte, sondern es schlicht das "Anderssein" war und allgemeine Klischees von Osteuropäern die Runde machten, die ja angeblich alle semi-kriminelle Clans bilden, von der Stütze leben aber 'nen fetten Benz fahren und mit der Goldkette in der Vorhalle vom Einkaufszentrum rumstehen...! Genau deswegen ätzte sie dann rum.. auch weil se Angst hatte dass "die Albaner oder die Russen" ihr Auto klauen oder in ihr Haus einbrechen, weil die ja angeblich alle sooooo schlimm seien. Alles Unfug, sorry!

Als ich mir 2013 einen gebrauchten Mercedes C- Klasse gekauft habe hieß es dann, das Geld dafür stamme aus krummen und dunklen Geschäften, die meine Familie in Jugoslawien betreiben würde. Hat natürlich alles nicht gestimmt, war aber trotzdem unschön. Es gab sogar zur Realschulzeit eine Chemie-Lehrerin, die mich jahrelang als lächerlichen, primitiven Osteuropäer versucht hat darzustellen, bis ich ihr irgendwann mal sinngemäß zur Antwort gab, sie möge doch vor ihrer eigenen Haustüre kehren. Ab dem Zeitpunkt war tatsächlich Ruhe.

Teilweise war es schon zum Schießen, aber irgendwie auch kränkend.

1.Menschen mit Tattoos, 2. Menschen die dick sind, 3. Menschen, die aus einem bildungsfreiem Haushalt kommen, 4. Ausländer, 5.Mensch, die eine Behinderung haben, 6. Mensch mit Brille. Beziehungsweise von welchen habt ihr schon gehört? (Für ein Schulprojekt)
  1. Tattoos seien was für Rocker, Ungebildete und "Taugenichtse",
  2. Dicke seien phlegmathische Kumpeltypen und immer lustig,
  3. Bildungsferne alle ein wenig langsam und träge und ungepflegt,
  4. Ausländer siehe oben (Kriminalität, Arbeitslosigkeit usw.),
  5. Rollstuhlfahrer seien allgemein schwer von Begriff,
  6. Brillenträger seien oberschlau, angepasst und korrekt.
Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Menschen mit Tattoos: unprofessionell, nicht vertrauenswürdig, zwielichtig, drogensüchtig

Dicke Menschen: unsportlich, faul, unattraktiv, ungepflegt

Menschen aus Haushalten mit niedrigem Bildungsniveau: dumm, asozial, schlecht erzogen

Menschen die woanders geboren wurden: geldgierig, asozial, böse, gewalttätig

Menschen mit Behinderung: faul, nutzlos, hilflos, unselbständig

Menschen mit Brille: unsportlich, Streber

Schu doch mal auf dem Youtubechannel von 1LIVE vorbei, in den Videos "... dumm gefragt" findest du garantiert ein paar.

UND du kannst dir sogar eins aussuchen :)

zu 1: Unterschichtverhalten, unüberlegtes Handeln, oberflächlich

zu 2: verfressen, behäbig, faul

zu 4: kriminell, religiös fundamentalistisch

zu 6: gebildet, klug, belesen

Das sind alles nur Vorurteile, die ich des öfteren Mal höre, mich allerdings NICHT mit identifizieren kann!

  1. asozial/Gangster
  2. unsportlich
  3. niveaulos/dumm
  4. asozial
  5. Mutter hat in der Schwangerschaft getrunken/geraucht
  6. Maulwurf

Was möchtest Du wissen?