Stromzähler mit Magnet manipulieren. Warum ist das nicht möglich?

7 Antworten

Von Experten MacMadB und michiwien22 bestätigt

Viele Videos auf YT sind gefälscht. Du darfst nicht alles glauben, was da gezeigt wird.

Die meisten Zählwerke sind nicht in der Lage rückwärts zu zählen. Um ein Zählwerk rauf und runter zählen zu lassen muss man einen größeren mechanischen Aufwand einbauen. Und da zurückdrehen nicht erwünscht ist, warum sollte man die Zähler mit einem "Rückwärtsgang" ausstatten?

Hängt man einen ausreichend starken Magneten an einen (mechanischen) Zähler, so kann man das forensisch (Auseinanderbauen und Teile auf Magnetismus prüfen) sofort nachweisen.

Der Zähler hat eine Leitfähige Scheibe (Aluminium) eingebaut, das ist das Ding mit dem roten Strich das man durch das Fenster sieht. Auf der Scheibe sitzen mehrere U-Förmige Spulenkerne.

Eine Spule mit vielen Windungen ist direkt zwischen zwei Phasen angeschlossen und erzeugt ein Magnetfeld abhängig von der Spannung. Die anderen Spulen sind in Reihe zum Ausgang des Zählers geschaltet und erzeugen ein Magnetfeld abhängig vom Strom.

Die Spule die die Spannung "misst" hat einen großen Luftspalt so dass sich die Phase des Magnetfeldes verschiebt. Zusammen mit den direkt wirkenden Strom messenden Spulen entsteht eine Art Asynchronmotor.

Die Beschleunigung die die Scheibe erfährt ist annähernd proportional aus dem Produkt Spannung und Strom. Die Beschleunigung der Scheibe ist also abhängig von der Leistung die man hinter dem Zähler abruft.

Die Scheibe wird also mit "Leistung × Zeit" angetrieben. Da man aber Energie messen möchte, muss die Drehzahl proportional zur Leistung sein, nicht die Beschleunigung!

Um das zu erreichen befindet sich eine Wirbelstrombremse im Zähler. Das ist einfach ein Magnet der einen Drehzahlabhängigen Wirbelstrom in die Scheibe einspeist und die damit bremst. Je schneller sich die Scheibe dreht, desto stärker wird sie gebremst.

Durch die Leistungsabhängige Beschleunigung und die Drehzahlabhängige Bremse stellt sich für jede Leistung eine bestimmte Drehzahl ein wo Beschleunigung und Bremswirkung gleich sind. Damit hat man also eine zur Leistung proportionale Drehzahl. Das Zählwerk zählt dann die Umdrehungen, also die Leistung × Zeit.

Durch einen starken Magneten verändert sich alles im Zähler. Gewollt ist, dass die Bremswirkung stärker wird, also weniger Drehzahl pro Leistung entsteht, der Zähler also nur "die Hälfte" oder weniger misst.

Tatsächlich verändert sich auch die Leistungsabhängige Beschleunigung, die kann durch ein Magnetfeld sogar unterstützt werden. Langfristig verliert der originale Bremsmagnet seine Eigenschaften. Nach einem Jahr kann es passieren, dass der Zähler bis zum 10-fachen zählt.

Da die Zähler regelmäßig ausgetauscht werden und stichprobenartig untersucht werden, fliegt er Schwindel schnell auf. Spätestens wenn der Zähler richtig Gas gibt und man dann entweder viel mehr bezahlt als man verbraucht oder dem Energieversorger erklären muss wie die Bremse im Zähler kaputt gegangen ist.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

"Spätestens wenn der Zähler richtig Gas gibt...." hat mir am meisten Spaß gemacht zu lesen.

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Wie sieht das denn dann aus? Muss das gemessen werden?

Wird da irgendetwas heiss?

Oder können die, die das prüfen, dann auch mit eigenen Augen sehen?

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@1011011101011

Die nehmen den Zähler mit und der wird dann in einer Werkstatt geprüft und auseinander genommen. Dabei messen die ob die Teile magnetisch geworden sind.

Die können das aber auch vor Ort testen.

Früher hat man dazu einen Kompass an das Gehäuse gehalten und geguckt, ob der abgelenkt wird. heutzutage kann man das mit einem Sensor machen wie er in Handys und Smartwatches eingebaut ist für den Kompass.

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Um den Bremsmagneten zu schwächen oder ein Gegenfeld zum Beschleunigungsmoment zu erzeugen, bräuchte es wohl einen extremen Elektromagneten...

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@Commodore64

aber doch nur, wenn man nahe rankommt. Doch nicht durch das ungeöffnete Zählergehäuse. Oder hast du das schon ausprobiert und kannst es quantifizieren?

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@atoemlein

Ich hatte einen Mieter der mir und anderen sehr viel Schaden angerichtet hatte. Der hat einen 10×20×2 cm N52 Magneten online bestellt und an die Seite seines Zählers angebracht. Der Zähler hat sich fast gar nicht mehr bewegt, aber dabei gebrummt wie ein riesiges Umspannwerk.

Natürlich habe ich das sofort bemerkt, das brummen konnte ich sogar in meiner Wohnung hören. Das war ein ziemlicher Konflikt, als Elektriker darf ich Manipulationen aller Art nicht ignorieren, auch als Bürger muss ich so einen schweren Betrug bzw. Diebstahl melden.

Zum Glück war der Energieversorger sowieso in den Nächsten Tagen mit einem besuch wegen der Gasleitung fällig. Denen habe ich dann telefonisch gesagt, dass die sich unbedingt mal die Zähler angucken sollten. Der Gasmann kam dann direkt mit zwei Elektrikern.

Vier Stunden später war dann ein elektronischer Zähler installiert und drei Tage später kam eine Rechnung von ein paar Tausend Euro für zwei Mann zwei Stunden Arbeit plus Material. Der A-Loch Mieter meine, dass der Eigentümer ja für das Zuständig sei und hat die Rechnung in meinen Briefkasten gestopft. Daher hatte ich die Rechnung gesehen. Leider habe ich mir die nicht kopiert, darf ich ja nicht, hab das dann auch dummerweise nicht gemacht. Auf jeden Fall ist da noch eine Anzeige wegen schwerem Betrug unterwegs gewesen. Da ich um den loszuwerden schon seit Jahren den Mietpreis an den legalen Anschlag gedreht hatte ist der dann kurze Zeit später ausgezogen. Daher weiß ich nicht was aus dem geworden ist.

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@Commodore64

krass. Ich habe einen Labor-Ferraris-Zähler, ich will das mal testen daran.
Eben, das Bremsfeld muss ja senkrecht zur Scheib stehen, somit müsst der Magnet seitlich sein und müssen die Pole des Magneten ja noch oben und unten zeigen, wobei das Feld neben dem Magneten ja dann rel. schwach ist im Gegensatz zur Pol-Nähe.

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@atoemlein

Ist der Magent stark genug, ist das praktisch egal. Das Feld wirkt auf den eingebauten bremsmechanismus.

Ein Trafo mit getrennten Kammern funktioniert ja auch obwohl die Spulen nebeneinander sind und nicht hintereinander. Der Metallkern biegt das Magnetfeld in die passende Richtung.

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@Commodore64

Der Trafo ist mir sehr klar, weil da ein geschlossener Eisenkreis ist.
Bei einem Magneten neben dem Gehäuse eines Zählers ist was ganz anderes.
Ausser eben der Zusatzmagnet verstärkt den Bremsmagneten direkt.

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@atoemlein

Googel mal nach Megnetismus und Luftspalt.

Auch im Zähler wird ein Luftspalt im Kern der E-Magnete benutzt um das Feld des Stroms so gegenüber dem Feld der Spannung zu verändern, dass eine Antriebswirkung entsteht.

Auch mal nach "Compass safe distance" googeln. Selbst Ferromagnetische Stoffe die kein eigenes Magnetfeld erzeugen können einen Kompass dazuz bringen in die Falsche Richtung zu zeigen. Ein großes Problem bei allen Dingen die einen Kompass enthalten und umgeben von Technik sind (Nav System im Flugzeug z.B.)

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@Commodore64

Auch das ist mir klar, aber auch dieser Vergleich hinkt.
Die "Antriebsspulen" müssen sehr nahe an der Scheibe sein, ebenso der Bremsmagnet.
Und eine Kompassnadel muss ja ferromagnetisch sein, ist hypersensibel labil gelagern und wird logischerweise durch Fremdfelder stark beeinflusst. Die Zählerscheibe ist da schon fast immun. Gegen das Erdmagnetfeld erst recht.

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@atoemlein

Das waren nur Beispiele wie Magnetfelder ab- und umgelenkt werden können. Wenn der Magnet am Zähler stark genug ist, dann kann das den Zähler erheblich beeinflussen.

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@atoemlein

Ein Zähler ist kein gigantischer Motor. Der ist vergleichbar mit einem Uhrwerk. Der läuft mit ganz, ganz wenig Energie. Da braucht es nicht viel den zu bremsen oder die Funktion zu dämpfen.

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cooler Artikel. Jetzt weiß ich auch endlich mal wie sowas funktioniert :D

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Also theoretisch ist das beim Ferraris Zähler durchaus möglich, jedoch zählt der Zähler dann nach entfernen des Magneten bis zu 1000 Prozent zu viel, da du die Wirbelstrombremse entmagnetisiert hast. Also darf der Magnet nicht mehr entfernt werden. Dass der Zähler viel zu viel Zählt ist nachweisbar, unabhängig davon, wie lange der Magnet am Zähler war.

Es wäre mit einem sehr starken Magnetfeld möglich sofern dieses auch wirklich das Zählwerk erreicht. Wenn das Magnetfeld bereits durch hochpermeable Materielien ums Zählwerk geleitet wird kann es das Zählwerk auch nicht direkt beeinflussen.

Eine Rückwärtsdrehung ist meines Wissens nach nicht möglich weil ja das Wanderfeld durch ein überlagertes Magnetfeld nicht einfach die Richtung ändert, du kannst quasi den Zähler quasi dadurch nur abbremsen. Im Zähler selbst ist zB auch ein Dauermagnet drinnen welcher ein Bremsmoment auf die Zählscheibe erzeugt. Dieses Bremsmoment würde dann durch den externen Magneten erhöht werden.

Ein Rückwärtsdrehen wäre in so fern nur Möglich wenn der Zähler nicht gesperrt ist und wenn der Energiefluss umgekehrt wird. Sprich es wird Strom ins Netz zurück eingespeist oder der Zähler wird quasi verkehrt ans Netz angeschlossen womit aufgenommene Leistung vom Zähler als Rückeinspeisung interpretiert wird, allerdings muss man dafür den Zähler umklemmen.

Eine Manipulation ist relativ schwer nachzuweisen aber gilt als Wahrscheinlich sofern hier einfach ein unglaubhafter Stromverbrauch gemessen wird. Einen sicheren Beweis gibt es aber nur wenn die Manipulation entdeckt wird.

Bei den modernen Elektronischen Zähler bringt ein externes Magnetfeld aber gar nichts mehr.

Was genau passiert wenn man versucht den Stromzähler mit einem Magneten zu manipulieren?

Sofern man entdeckt wird wird man angezeigt werden.

Die Wirbelstrombremse wird durch den Magne negativ beeinflusst. Sobald der weg ist läuft der Zähler wesentlich schneller und das lässt sich auch nachweisen.

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@CCCPtreiber

Das bedeutet wenn man den Ferrariszähler einmal einem Magnetfeld aussetzt läuft er schneller?

Also ich meine damit keine bauliche Veränderung sondern nur einen Magneten anbringen, welcher den Zähler bremst und dann wieder entfernt führt über zB Remanenzeffekte irgendwo im Eisen zu einer nachweisbaren bleibenden Geschwindigkeitsänderung?

Also ich mein ja er läuft schneller wenn man die Wirbelstrombremse ausbaut, was aber eine bauliche Veränderung am Zähler darstellt.

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@PeterKremsner

Richtig, denn spätestens wenn man dem EVU erklären muss weshalb der Stromzähler nun den 10x Wert misst kommt es raus. Fie sind übrigens auch nicht so doof

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@CCCPtreiber

Aber ist diese bleibende Abweichung dann ein Effekt durch die Remanenz oder wodurch kommt hier eine bleibende Abweichung zustande?

Dass die Dumm wären hab ich nie behauptet und auch nie gedacht.

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>Bei den modernen Elektronischen Zähler bringt ein externes Magnetfeld aber gar nichts mehr.

Stimmt eigentlich nicht: Die meisten SmartMeter haben sogar einen Fremdfelderkennungssensor, der einen Alarm auslöst. Sowohl die eingebauten Stromwandler odrr auch Hall-Sensoren lassen sich durch Magnete beeinflussen.

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@michiwien22

Stimmt ja die Hallsensoren kann man noch beeinflussen. Ich dachte hier Primär an Shuntmessungen welche nicht senstiv wären.

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Der Nachweis der Zählermanipulation ist durch Staatlich Anerkannte Prüfstellen sehr leicht im Wege einer Befundprüfung möglich, da manipulierte Ferraiszähler bestimmte Eigenschaften unverlierbar annehmen, selbst wenn der Magnet vorher entfernt wurde.

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Mit einem starken Magneten an der richtigen Stelle lässt sich die Scheibe auch von außen bremsen oder gar anhalten. Von einem gewöhnlichen Magneten lässt sich der Zähler aber nicht beeinflussen .

Woher ich das weiß:Beruf – ich war 30 Jahre als Elektriker tätig.

Mir hat mal jemand erklärt, dass in den Ferrariszählern irgendein "Plättchen" drin ist, das durch so eine Aktion heiss wird und dann kaputt geht. Und dann fällt es irgendwann in jedem Falle auf.

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@1011011101011

Das ist richtig,

Zählerstände in Ihrer Nachbarschaft werden aufsummiert und mit dem bekannten Stromverbrauch am Verteiler verglichen. Wird eine Differenz festgestellt, werden die Zähler auf Manipulation kontrolliert.

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@anti45

Schwierig stelle ich mir vor, wenn ein Vormieter den Zähler manipuliert hat und man selbst nichts davon weiß, dann aber der Dumme (Verdächtige) ist.

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Wenn ein anderer auf dem stromzähler ein Magnet legt , hat das irgendeine Auswirkungen auf den oberen Zähler ?

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Es wäre Betrug und du wirst angeklagt, wenn es rauskommt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium technische Physik, promoviert in Festkörperphysik

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