Strahlfäule, Blauspray?

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Oh wei, ich sag auf sowas hin meistens gaaaar nichts. Hilft eh nicht, man wird nur als der Meckerer angefeindet und es wird nichts verstanden.

Wie entsteht überhaupt Strahlfäule?

Es passiert, wenn die Hornkapsel irgendwie auf macht. Eine geschlossene Hornkapsel kann immer in Mist oder Nässe oder sonstwas stehen, der wird nichts passieren. Aber wenn sie sich öffnet, können Bakterien eintreten. Die Bakterien, die Strahlfäule verursachen, sind anaerob, d. h. die müssen enge Taschen oder ähnliches im Huf finden, um überhaupt was anrichten zu können, mit Luft können die nicht.

Wann reißt die Hornkapsel auf?

Wenn der Huf zu lange nicht mehr bearbeitet ist. Je nach Hornwachstum kann das schon nach 4 bis 5 Wochen passieren. Es wächst viel mehr Horn als sinnvoll im Bereich Strahl ist und das legt sich zur Seite um und bildet Taschen, in die die Bakterien eindringen können. Wenn ein Huf so enorm wächst, dass man schon alle 2 Wochen ausschneiden müsste, könnte man mit dem Hufbearbeiter reden, ob er dazwischen mal Strahl säubert oder man wischt die sich bildenden Taschen mit einem Mulltuch, dünnen Baumwolltuch (das könnte man waschen) oder ähnlichem gut aus. Geht halt nur, wenn man rein kommt, sonst hilft nur nachschneiden. Manche Hufbearbeiter bearbeiten auch den Strahl und die Eckstreben zu wenig, sodass das schuld ist, dass zu schnell wieder zu viel Hornmaterial da ist. Dann führen noch unphysiologische Spannungen zum Aufreißen der Hornkapsel. Oft verursacht durch unglückliche (schlechte) Hufbearbeitung, manchmal auch durch Anatomiefehler des Pferdes: z. B. Pferde aus der Zuchtlinie, aus der mein Wallach stammt belasten allesamt die Hinterbeine zu weit innen. Dadurch wächst auch bei bester Bearbeitung der Huf etwas schief und die verschiedenen Lasten innen und außen kann die Hornkapsel nicht immer abtragen ohne mal einen Riss zu bekommen. Aber durch gute Hufbearbeitung haben wir es jetzt geschafft, immerhin nur alle paar Jahre mal einen Miniriss zu haben und nicht ewig und drei Tage Strahlfäule mit uns rum zu tragen.

Was tun, wenn es mal da ist?

Freischneiden lassen. Der gute Hufbearbeiter schaut dann am Vorbeiweg mal vorbei und schneidet nach. Luft macht Strahlfäulebakterien kaputt. Dann einmal täglich mit Tuch auswischen. Da muss man halt mit dem Hufauskratzer oder einem anderen passenden Gegenstand das Tuch in den Spalt schieben, mit dem Finger kommt man da nicht ran - aufpassen, nicht dass das Pferd was dagegen hat, man sollte einem Schlag ausweichen können! Die meisten Pferde genießen das aber spätestens am zweiten Tag, weil sie spüren, dass es ihnen gut tut. Dann etwas rein, was desinfiziert und ein trockenes Milieu schafft.

Jodoformäther ist zum Glück verboten, der baut zwar die bakterielle Infektion ab, aber das gute Horn baut er auch gleich mit ab. Und das würde dann doch noch gebraucht.

Blauspray ist nicht nur bei Wunden, erst recht bei Strahlfäule ziemlich das dämlichste, was man verwenden kann und nicht umsonst eigentlich auch vom Markt bis auf ein paar Reste.

Es gibt ein paar Mittel, die hier gute Dienste tun, aber das kostengünstigste und wirksamste ist Zahncreme. Trocknet und desinfiziert. Man sollte nur beim Kauf schauen, keine mit "Putzkörperchen" zu erwischen, denn diese Putzkörperchen sind Mikroplastikanteile, die einfach mechanisch reinigen sollen und die will man da drin nicht wirklich haben. Diese mit einer Mullkompresse einbringen und so viel von der Kompresse abschneiden, dass die zum einen ganz rein passt und zum anderen den Huf richtig satt "ausstopft". Da muss man ein bisschen ausprobieren, wieviel man braucht und mit der Zeit braucht man immer weniger, denn es soll ja von innen raus wieder gutes Horn in die Taschen wachsen und somit schließen sich die Spalte langsam. Satt ausstopfen tut den Pferden gut, durch den Druck reiben nicht mehr zwei angegriffene Bereiche aneinander. Die meisten Pferde fangen direkt zu kauen an, wenn sie den ausgestopften Huf ausprobieren. Nach zwei, spätestens vier Wochen sollte dann alles Geschichte sein.

Ich kenne Blauspray eigentlich als Flächendesinfektionsmittel. Hast Du einen Zahnpastatipp? Ich habe immer welche mit Putzkörperchen. Wie die Hufbearbeitung bei dem Pferd aussieht, kann ich nicht beurteilen, der Hufbearbeiter ist auch ein anderer als meiner.

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@Resi73

Ich kaufe immer die billige aus irgendeinem beliebigen Discounter und wenn da Putzkörperchen drauf stehen, nehme ich eine andere.

Hufbearbeitung beurteilen kann man schon lernen, auch als Laie. Aber das ist ja nicht Deine Baustelle. Ich halte mich da völlig raus und freue mich, wenn man mir bei meinem Pferd meine Ruhe lässt. Nach 38 Pferdejahren fühle ich mich durchaus in der Lage meine Entscheidungen zu treffen und wenn ich mir bei einer unsicher bin, weiß ich, wen ich fragen möchte.

Was Blauspray und Flächendesinfektion angeht: Flächen, die nicht an Menschen- oder Tierkörpern sind, ok. Aber will man da die blaue Farbe haben? Bei Mensch und Tier gilt wie bei Jod:

  • Es desinfiziert erst mal, aber macht das Gewebe kaputt, aus dem sich neues bilden müsste, um die Wunde schließen zu können. Sprich, es dauert dann länger, bis das verheilt.
  • Die Farbe nimmt einem jegliche Möglichkeit der Wundbeurteilung.
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@Baroque

Wir haben damit mal eine Arbeitsfläche desinfiziert.Das Gute war,wir konnten sehen, dass wirklich alles desinfiziert wurde, schlecht war allerdings, dass die Färbung blieb :-( Na ja, ich werde ihr mal den Tipp mit der Zahnpasta geben, danke.

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@Resi73

So stell ich mir das mit der Fläche und der Farbe vor ;-)

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ich hab nicht direkt mit Blauspray Erfahrungen aber mit was ähnlicherem: simplem Desinfektionsmittel für Oberflächen. Mein Fazit: bringt fast nix. Schaden tut's aber nicht, solange man keinen Huf abkriegt. Meiner hat nie dabei gezuckt aber wer weiß, ob es bei anderen Pferden nicht evtl. bisschen brennt.

Was bei meinem als einziges geholfen hat: tatsächlich dieses teure hoof solution Zeug von Kevin Bacon (z.B. im Krämer erhältlich). Hat den zu weichen Strahl wieder fest gemacht und die Fäule zieht sich immer mehr zurück.

Was auch nicht schlecht ist, ist Wasserstoffperoxidlösung (2%ig gibt's die in der Apotheke).

Danke, ich gebe das mal weiter.

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Ganz bestimmt würde ich nicht mit Blauspray eine Strahlfäule behandeln - abgesehen davon, dass ich das nicht für zielführend halte, wäre mir die Unfallgefahr bei so einer Aktion viel zu hoch, denn die Reaktionen auf Blauspray sind ja bekannt und nicht grade toll, wenn man einen Huf in der Hand hat. Auch würde manches Pferd das übelnehmen und zukünftig eventuell Probleme bei der Hufpflege machen.

Früher habe ich den Huf gesäubert, Kupfersulfat rein gesträut, und dann den Strahl mit Watte ausgestopft. Heute würde ich mir ein Mittel vom Schmied empfehlen lassen. Da gibt es Sachen, die man einfach einpinselt.

Na ja, das Mittel hat ihr ja der Hufbearbeiter empfohlen. Sie will da jetzt auch nicht auf gut Glück rumexperimentieren, aber vielleicht sollte sie lieber noch mal den TA fragen. Mal ganz dumm gefragt, was passiert denn bei Blauspray auf Huf?

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@Resi73

Blauspray zischt und brennt. Die meisten Pferde scheuen deshalb schon, wenn du mit der Dose ankommst. Wenn du den Huf aufhälst und rein sprühst, hört das
Pferd das Zischen und spürt zugleich den stechenden Schmerz, falls die Fäulnis tief geht. Was macht das Pferd dann? Es springt los, und mit relativ großer Wahrscheinlichkeit tritt es dabei mit voller Wucht auf den Fuß dessen, der den Huf hochzuhalten versucht. Zugleich hängt es sich ins Halfter und schädigt sein Genick. Dann sind beide verletzt. Muß nicht passieren, wäre aber nicht unwahrscheinlich.

Seltsamer Hufbearbeiter. Normal haben die was besseres auf Lager.

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Wir behandeln Strahlfäule mit gutem Erfolg, indem das verfaulte so weit wie möglich zurückgeschnitten wird und die betroffenen Stellen mit

Keralit

https://www.amazon.de/Busse-KERALIT-undercover-neutral-235/dp/B00F7S5LSG/ref=pd_sbs_199_2/258-2538501-2332528?_encoding=UTF8&pd_rd_i=B00F7S5LSG&pd_rd_r=159019a9-9ae7-488b-a84f-357b16ae2bce&pd_rd_w=sxWt2&pd_rd_wg=vtGuU&pf_rd_p=184816e4-edb5-4587-8faf-776e0027d8d1&pf_rd_r=38Z1Q01APKYBGGXE13HV&psc=1&refRID=38Z1Q01APKYBGGXE13HV

oder wenn es wirklich schlimm ist, mit einer selber angerührten Salbe (gibt es nämlich nicht mehr zu kaufen)

Kupfersulfat + Lebertran-Zinksalbe (1:1 - 2:1) hat dann eine grünliche, Zahnpastaartige Konsistenz und hält gut in allen Ritzen und Spalten.

https://www.amazon.de/fischar-Kupfersulfat-140-g/dp/B003N80WHM

https://www.shop-apotheke.com/tiergesundheit/3674584/lebertran-zinksalbe-vet.htm

desinfiziert und abgedeckt wird. Die Salbe bzw. das Keralit wird dabei jedesmal in die Ritzen und Spalten gerieben, wenn keine mehr drin ist (ca. alle 2-4 Tage).

Das Pferd sollte außerdem auf möglichst trockenem und luftigen Boden stehen (trockenes Stroh z. B.) und in möglichst gut gemisteten Bereichen.

Viel Erfolg und gute Besserung.

Woher ich das weiß:Hobby – Bilde selbst Pferde aus

Ich habe Gott sei Dank keine Erfahrung mit Strahlfäule. Damals war wirklich Jodoformäther das Beste. gibt es aber nicht mehr. Blauspray, weiß ich nicht. Ich würde da den TA fragen.

Schau aber bitte auch, wie die Hufbearbeitung erfolgt. Der Strahl muss freigeschnitten werden und die Eckstreben müssen regelmäßig fachmännisch gekürzt werden, damit es keine Engstellen im Huf gibt, wo sich Fäulniserreger absetzen können.

Ist jetzt zum Glück nicht mein Pferd, aber ich werde es weiter geben, danke :-)

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