Sollte man eine extrem kaputte psyche überhaupt reparieren?

13 Antworten

In der Therapie sollte es darum gehen, lieben zu lernen. Hassen hast du leider gut gelernt, aber die Fähigkeit zu wahrer Liebe konnte sich unter deinen damaligen Lebensumständen verständlicherweise kaum entwickeln. Aber das lässt sich nachholen, ist allerdings (ebenso verständlich) nicht einfach. Das braucht Zeit, Geduld und viel eigenes Bemühen.
Warum eigentlich können Menschen normalerweise schutzlos nahe zusammen sein ohne sich gegenseitig zu verletzen? Weil man normalerweise als Täter schon während der Tat den Schmerz seines Opfers selber fühlt. Man ist sich bewusst, wie sehr es dem Opfer körperlich und emotional schmerzt, und dass man sich deshalb im Grunde selber weh tut wenn man auf jemanden draufhaut. Das Fühlen von Schmerz schützt uns vor Feindseligkeit. Wächst man als Kind allerdings sehr lieblos auf, muss das Kind den emotionalen Schmerz (Angst, Demütigung, Minderwertigkeitsgefühl usw.) verdrängen. (Dein Therapeut kann dir das genau erklären. Frag' ihn danach, wie das mit der Schmerzverdrängung geschieht.)
Könnte es sein, dass sich deine Angst im Grunde nicht auf Aggression bezieht, sondern auf den verdrängten emotionalen Schmerz? Das wäre völlig normal, keiner will sich verletzt fühlen. Aber damit sich dein Herz wieder öffnet und lieben kann, werden die Verdrängungen nach und nach wieder bewusst werden, und dein Therapeut wird dir dabei helfen, mit Liebe auf die Gefühle des misshandelten kleinen Jungen, der du warst, zu reagieren. Dadurch wirst du mehr inneren Frieden finden.
Die Arbeit mit dem inneren Kind passt zu jeder Therapie und sollte man als Patient auch zwischen den Therapiestunden öfter selber machen. (Ich weiß, dass es bei youtube ein paar gute Erklärungen und Anleitungen dazu gibt.)
Deine Berichte hier lesen sich für mich wie eine Traumatisierung. Aus eigener Erfahrung möchte ich dazu raten, deinem Therapeuten alles was du aus deiner Kindheit erinnerst, zu erzählen und ihn geradewegs zu fragen, ob er sich zutraut, dich zu behandeln oder ob es besser wäre wenn du dich an einen Traumatherapeuten wendest. Für Menschen mit Entwicklungstrauma gibt es andere Therapiemethoden als für "normal" psychisch Kranke. Dafür braucht der/die Therapeut/in eine spezielle Ausbildung.

Hallo,

erstmal großen Respekt dafür, dass du den Mut aufbringen konntest dir helfen zu lassen.

Ich denke, es ist wichtig professionell an deinen verdrängten Problemen zu arbeiten, denn meiner Erfahrung nach holt es dich sonst irgendwann ein.

Ich verstehe, dass Du Angst davor hast, immerhin ist es ein lebenswandel und immerhin hast du die Sachen nicht umsonst verdrängt. Der Psychiater wird dir helfen an deinen Problemen zu arbeiten und sie nicht “aktivieren“ oder so ähnlich. Ich denke darüber besteht kein Grund zur Sorge.

Hallo weisnetwas,

Du schreibst, Dir geht es nicht gut, Du seist wie tot. Du würdest nicht leben.

Ich denke, das muss sich ändern. Und eine Therapie ist der richtige Weg dahin. ich kann mir schon vorstellen, dass da eine alte Wut aufbricht, wenn Du da anfängst an Dir zu arbeiten. Aber dann kannst du auch Medikamente nehmen, die die Aggressionen zügeln. Dein Denken wird dadurch nicht eingeschränkt, aber Deine Impulsivität. Damit lässt sich leben. Und hinterher wirst Du wieder ein richtiges Leben haben, wie nie zuvor. Aber eine Therapie ist kein Honigschlecken. Das was Du in der Vergangenheit erlebt hast, braucht erst einmal aufarbeiten. Aber es lohnt sich.

Alles Gute Dir.

Ach ja, da Du im Augenblick offensichtlich gewaltgrei lebst, kann man davon ausgehen, dass Du auch Therapierbar bist, Dir das also tatsächlich weiterhelfen wird.

Alles Gute

LG

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Also zuerst auch von mir mal großen Respekt weil du dich da ran traust. Das tun wahrlich nicht viele und du scheinst zumindest offen zu sein dafür etwas zu ändern bzw. hinzusehen was da passiert ist. Die Frage war: kann man es reparieren.
Sagen wir mal so - man kann es verstehen lernen, man kann damit umgehen lernen, man kann dafür sorgen, dass einem sowas nie wieder passiert und man kann dafür sorgen dass es einen nicht mehr belastet. Aber man wird wohl nie wieder wie früher - eben weil man eine Erfahrung reicher ist. Das ist aber nicht per se ein Nachteil.
Wenn du nichts tust steht schon alles fest. Es wird dich immer wieder einholen und du wirst ewig in dem Loch sitzen wo du jetzt sitzt. Wenn du was tust wird irgendwann der Tag kommen, an dem sich etwas ändert. Wenn dein Leben bisher so schlecht war kann es also nur noch besser werden. Veränderung ist gut. Und trauere nicht deinem alten Ich nach. Unser altes ich heißt genau deswegen so, weil wir es alle haben. Egal ob glücklich oder nicht wie werden nie wieder wie früher.

"Heilung" ist so ein großes Wort. Was bedeutet es? Hast du die Chance je wieder glücklich zu sein? Ja definitiv. Hast du eine Chance das alles je zu vergessen? Nein. Aber es wird dich nicht mehr kaputtmachen können. Der ganze Weg wird dich stark machen. Stärker als je zuvor. Und das nicht, weil du verdrängst und dir das einbildest sondern weil du verstehst. Wirklich verstehst.

Es ist immer sinnvoller, Erlebtes aufzuarbeiten, als es in einer Schublade abzulegen. Die Probleme sind damit ja nicht weg, sondern nur gut abgelegt. Sie schlummern ungesehen weiter in einem und könnten irgendwann einmal wieder ans Tageslicht geraten, dann aber unkontrolliert. Du hast viel Schlimmes erlebt...dafür wird es seine Gründe geben und ich denke es ist besser, das mit Hilfe verstehen zu lernen und die Einsicht zu bekommen, dass man sein Leben anders gestalten kann. Demzufolge würde ich Dir raten, Deiner Psyche die Chance zu geben, sich zu heilen, denn nur auf diesem Wege wirst Du auch ein zufriedenes Leben führen können. Es wird nicht einfach werden, wenn man sich seinen Dämonen stellen muss, aber man sollte sie aus sich heraus kriegen.