Sind die Kolonien in Afrika schuld, dass Arfrika heute in Armut lebt?

21 Antworten

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Na wer den Kolonialismus allein fuer Armut und Elend verantwortlich macht, der hat sich nicht wirklich mit dem Thema beschaeftigt oder ist Afrikaner...:-)

Eine bekannte kamerunische Schriftstellerin hat mal gesagt "Wir Afrikaner sind die einzigen Menschen die Denken, dass Entwicklung von aussen kommen sollte...", die Entschuldigung des Kolonialismus geht in die selbe Richtung und sicher war Afrika auch vor der Kolonialisierung nicht das Paradies, das sich westliche Romantiker und PC Vertreter vorstellen...

Afrika bestand vor der Kolonialisierung aus tausenden von Clan-Gebieten, kleinen Koenigsreichen und wandernden Nomadenstaemmen. Es gab weder eine Verkehrssprache (mit wenigen Ausnahmen) noch Waehrungen, keine einheitlichen Einheiten oder Gesetze, es galt das Recht des Staerkeren und so wie es (fast) keine Aufzeichungen gab so gab es auch keine Aufarbeitung der Vergangenheit.

Als die Araber im 8. Jh. anfingen die Ostkueste Afrikas zu erkunden und Handelsposten einzurichten, trafen sie auf eine duenn besiedelte Region ohne groessere Bauwerke und ohne politische Strukturen. Sie begannen den Sklavenhandel indem sie den lokalen Haeuptlingen Geschenke machten und diese Ihnen unterpriviligierte Stammesmitglieder oder ebend die Mitglieder des Nachbarstamms verkauften. Die Araber stiessen kaum mehr als 20km ins Landesinnere vor und beschraenkten Ihre Aktivitaet auf die wenigen Handelsplaetze an der Kueste. Ganz aehnlich verhilt es sich im 15. und 16. Jh. mit dem Sklavenhandel in Westafrika und der Erschliessung von Haefen an der Ostkueste durch die Portugiesen.

Der Sklavenhandel war das Hauptgeschaeft und nach heutigen Schaetzungen sind mehr als 25 Millionen Afrikaner in die Neue Welt verschleppt worden...

Die eigentliche Kolonialisierung Afrikas ereignete sich im Zeitalter des Neuen Imperialismus der von 1870 bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges andauerte. Waehrend die Englaender, Franzosen, Spanier und Portugiesen schon des laengeren mit Handelsposten und einzelnen Expeditionen in Afrika aktiv waren, stiegen der belgische Koenig (Kongo) und das Deutsche Reich erst weitaus spaeter in das Rennen ein. Bei der Kongokonferenz 1884 in Berlin wurden dann die Einflussgebiete der Kolonialmaechte festgelegt, die Grenzen willkuerlich mit den Lineal gezogen. Die afrikanischen Staaten hielten an dieser Grenzziehung fest, was in den meisten Faellen eher Vorteile hatte, denn 5.000 winzige Staaten haetten sicher noch groessere Nachteile als die jetzigen Staaten mit Ihren - z.T. der Grenzziehung geschuldeten - Problemen.

Die Eruopaer fingen an Verwaltungen, Polizei, Gerichtsbarkeit und Gefaengnisse aufzubauen, Einrichtungen die selbst heute noch unveraendert bestehen. Die Landwirtschaft war als Exportwirtschaft organisiert und stellte - vor allem in der Anfangsphase - die neuen Staaten vor erhebliche Probleme.

Die schnell wachsenden Missionarstationen zerstoeren mit Ihrer neuen Lehre zwar uralte Religionen und Kulte, machen die Menschen aber auch frei von maechtigen Medizinmaennern. Die Missionarschulen wurden von vielen priviligierten Haeuptlingssoehnen ignoriert, erhielten aber Zulauf von Tageloehnern, Sklaven und Waisenkindern, die einige Zeit spaeter zu Fuehrern der afrikanischen Unabhaengigkeitsbewegung werden sollten. Alle ersten Staatsoberhaupte Afrikas waren Schueler von Missionarsschulen und konnten durch das Erlernen der europaeischen Sprache und Kultur spaeter viel einfacher mit den Kolonialherren verhandeln.

Um es abzukuerzen...:-)...Afrika hatte zu Beginn der Umoja (Unabhaengigkeit) praechtige Vorraussetzungen. Die Weltbank erwartet, dass die afrikanischen Staaten sich vor den asiatischen und hinter den Osteuropaeischen einordnen wuerden, wenn es um Wohlstand und BSP ging. Kurze Zeit spaeter sah das ganze anders aus. Die ersten Praesidenten bereicherten sich fast sofort an der Substanz und setzten zudem Ihre Stammenbrueder in wichtige Positionen. Der Weltmarktanteil Afrikas fiel von 13% auf unter 5% in den ersten 20 Jahren der Unabhaengigkeit. Putsche und Buergerkriege weideten die Substanz weiter aus und mit Ausnahme von Praesidenten wie Jomo Kenyatta (Kenia, der sich auch bereicherte aber immerhin Bildung, Wirtschaft und medizinische Versorgung ankurbelte), Félix Houphouët-Boigny (Elfenbeinkueste) oder Léopold Sédar Senghor (Senegal), richteten die "Grossen Maenner Afrikas" Ihre Laender in kuerzester Zeit zu Grunde...

Der Zustand Afrikas ist das Ergebnis schlechter Politiker, einer ethnischen Gesellschaft voller Vorurteile und Benachteiligungen und sicher einer unfairen Weltmarktpolitik. Sicher schulden die Afrikaner den Europaern keinen Dank fuer Ausbildung, Sprache, Landesgrenzen oder die hinterlassene Infrastruktur und Verwaltungen, nur waere es ohne diese Grundlagen sicher noch viel schwerer. Liberia, Aethiopien und Somalia waren nie unter einer kolonialen Verwaltung sind heute aber wohl eher negative Beispiele

Afrika wird nur erfolgreich sein, wenn man Ihnen faire Weltmarktbedingungen eroeffnet, anstatt die Armut und das Leid mit stetigen Hilfsleistungen zu erhalten. Man muss den demokratischen Prozess weiter unterstuetzen und Diktatoren wir Mugabe weiter unter Druck setzen, denn solche Menschen haben Afrika weit aus mehr geschadet als der Kolonialismus, zumal sie in einer Zeit passierten, als die restliche Welt sich von Diktatur und Schreckensherrschaft entgueltig verabschiedete...

Das ist ein sehr guter Beitrag und eine sehr gute Zusammenfassung der Zustände in Afrika. Aber ein Detail fehlt. Wir haben uns beim letzten Mal, vielleicht sogar zurecht, über den Begriff der Stellvertreterkriege gestritten. Lassen wir diesen Begriff aus. Aber schauen wir uns die Tatsachen an. Seit der beginnenden Unabhängigkeit in den 50er Jahren wurde Afrika zum Interessengebiet der Sowjets und der USA. Die eine haben die Regierung die anderen die jeweilige Rebellengruppierung unterstützt um an die Ressourcen zu gelangen. Dieses Verhalten der ersten und zweiten Welt hat weitestgehend eine Entwicklung der dritten verhindert. Und dieses System, dass sich da eingeschlichen hat ist bis heute nicht geheilt worden. Jetzt mischen auch noch die BRIC-Staaten mit und zwar ohne die ganzen Vorgaben, die die G7 an Afrika richtet.

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Noch schlimmer wird es, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein subsistenzielle Landwirtschaft in Afrika und Asien fast nicht möglich ist, wegen der EU-Agrarsubventionen. Das, was früher Sklavenhandel war nennt sich heute EU-Agrarsubvention. Diese sind heute das schlimmste Verbrechen an der "Dritten Welt"

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@Nietzsche81

Voellig korrekt, ich hatte beteits abgekuerzt, denn das Thema ist sogar noch komplexer, ein sehr gutes Beispiel, war das Umschwenken der UDSSR von Somalia auf Aethiopien, dadruch verschaerfte sich nicht nur der uralte Krieg sondern einer der schlimmsten Diktatoren Afrikas - Mengistu, der heute trotz Todesurteils beo Mugabe in Harare weilt - wurde von Moskau unterstuetzt.

Die Chinesen sind heute die einzigen, die ohne Ruecksicht auf Verluste unsaegliche Regierungen weiter unterstuetzen und ohne Ruecksichtnahme auf Oekologie, Menschenrechte oder lokale Entwicklung bedingungslos Rohstoffe ausbeuten. Dazu muss man nur mal nach Angola, wo mehr als 150.000 Chinesen lokale Ressourcen ausbeuten und die chinesischen Waffen den Guerilla-Krieg zwischen Angola und Kongo weiter ausweiten...

Die Agrarsubventionen betragen weltweit mehr als 300 Mrd. Euro, dafuer werden Ueberschuesse wie Milchpulver oder Tomatenmark zu Dumpingpreisen in die 3. Welt exportiert, der Transport wird z.T. noch von den EU-Steuerzahlern uebernommen. Dazu kommen Haehnchenteile die wir in Eruopa nicht mehr moegen (Keule, Fluegel), die sind so billig, dass kein lokaler Zuechter da mithalten kann, weil das Futter (groesster Kostenfaktor) subventioniert wird...

Ich lebe seit 7 Jahren in Kenia und manchmal ist es mir fast peinlich wenn mich Politiker oder einfache Farmer nach diesen Ungerechtigkeiten fragen...

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Stimmt so nicht...

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@yeyee

Ach nee wirklich, was denn genau...:-)

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Klasse Antwort! Wo bleibt der Stern!!! Ein Punkt bezüglich der Wahrnehmung: Afrika, aber auch andere interessante Themen werden in unserer Mainstream-Gesellschaft gerne oder unbewusst ausgeblendet. Bzw. es existieren nur gewissen Schlagwörter (z.B. Kolonien sind Grund Nummer eins für die Armut Afrikas), die man für die Wahrheit hält. Ich hoffe, durch das Engagement wissender Menschen auf dieser Plattform, Halbwissen zu beseitigen und neue Blickwinkel in Betracht zu ziehen.

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Hier liegt einiges ganz schön daneben.

Die Kolonial-Mächte und Herren sind nicht weniger schuldig als die Sklavenhändler.

Und später manche eigenen ausbeuterischen Könige.

Zum andern... Somalia und Äthiopien waren wie Libyen von Italien besetzt.

In Somalia sind wir, auf vom Busch eingeholte Denkmäler von König Umberto noch gestoßen.

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@mutzzie

Man sollte sich schon auskennen...:-)

Die Sklaven wurden von den eigenen Landsleuten eingesammelt und an der Küste abgeliefert, vor der eigentlichen Kolonialisierung war der Einfluss dieser Sklavenhändler mit Ihren Schiffen minimal...

Somalia war im Norden von den Briten und im Osten von den Italienern besetzt, aber nicht als ganzes und ausserdem wurden nicht wie in anderen Kolonien komplexe Struckturen geschaffen sondern eigentlich nur Handels- und Versorgungsposten geschaffen.

Äthiopien war nie eine Kolonie, lediglich die heute unabhängige Provinz Eritrea, als die Italiener von dort versuchten, den Rest Äthiopiens zu anektieren, wurden sie von den kaiserlichen Truppen zurückgeschlagen...

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was ?? Na wer den Kolonialismus allein fuer Armut und Elend verantwortlich macht, der hat sich nicht wirklich mit dem Thema beschaeftigt oder ist Afrikaner... Aber zum Glück gibts ja die die gelehrten weißen (wie du)die uns dumme afrikaner aufklären können -.-* lächerlich Übrigens jaa ich bin eine Afrikanerin u. ich komme aus Ätiopien, dem einziegn afrikanichen land das zwar bezetzt würde aber niemals unter koloni stand, dann muste es uns ja nach deiner meinung besonders schlecht gehn (wo wir doch auf die hife der schlauen weißen gut und gern verzichten könnten) lol tut es aber nicht wir sind nun mal in ganz Afrika seher arm und es gibt da keinen unterschied zwichen und dund den anderen! Ich würde mich ja schämen so einen sch*** zu nschreiben !!!

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@Sabaa89

PS. Wer Rechtschreib und Grammatikfehler findet darf sie gerne behalten^^ Ich weiß mein deutsch ist nicht gut aber das musste mal raus^^ besser solche als inhaltliche Fehler!

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@Sabaa89

Liberia, Aethiopien und Somalia waren nie unter einer kolonialen Verwaltung sind heute aber wohl eher negative Beispiele

Jaa wie Traurig da ist uns aber was entgangen oder?? -.-* Nicht zu fassen.... wie kann eine einzelne Person soo ignorant u. arrogant sein ?!! und dann noch die Inhaltlichen Fehler.. die Hälfte stimmt einfach mal nicht -.- aber egal Hauptsachen eine runde wichtig getan wa !!?

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Ein simples Ja, Nein hilft Dir nicht. 1) ist Afrika kein Entwicklungsland, sondern ein KONTINENT mit vielen Entwicklungsländern. 2) sind, wenn überhaupt, nicht die "Kolonien" schuld, sondern die KOLONIALMÄCHTE. Dass viele afrikanische Länder in Armut leben, hat nicht NUR mit der Kolonialgeschichte zu tun, sondern auch mit Korruption, Diktaturen, ungünstigen klimatischen Bedingungen, Bodenqualität...

Du brauchst bloß mal in deinen Atlas schauen. Die Grenzen wurden willkürlich mit dem Lineal gezogen. Auf Volksstämme wurde überhaupt keine Rücksicht genommen. Teilweise konnten die Einwohner sich nur in der Sprache der Besatzungsmächte verständigen. Außerdem wurden sie buchstäblich bis auf das letzte Hemd ausgenommen. Erst kamen die Missionare, dann die Schnaps- und Waffenhändler und zum Ende dann die bewaffneten Armeeen. Diese haben dann die Violksstämme gegeneinander aufgehetzt.

:-))...die Landesgrenzen und Sprachen waren erstmal ein Vorteil. Afrika in 5. -10.000 Kleinststaaten einzuteilen waere sicher nicht sinnvoll gewesen und Afrikaner sprechen neben der Verkehrssprache mindestens eine andere Sprache, naemlich Ihre Muttersprache...

Der Rest ist pure Fantasie, Waffenhaendler gab es erst nach der Unabhaengigkeit und Schnapshaendler nie...Bewaffnete Aufstaende gab es auch nur in ein paar Laendern vor der Unabhaengigkeit...:-))

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@riara

Ich stimme Dir immer noch nicht zu, riara. Wir wissen nicht und werden nie wissen, ob Afrika tatsächlich in 10000 Kleinstaaten zersplittert geblieben wäre. "Was wäre, wenn" ist keine geschichtswissenschaftliche Option, das weißt Du....

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@Nietzsche81

Der Afrikaner ist in den meisten Faellen kein Nationalist oder Patriot, das hat sich frueher nur in sehr wenigen Laendern gezeigt, selbst heute ist in vielen Laendern Afrikas der Staat eher ein Feind, den man bekaempft und betruegt wo es geht.

Sicher haette man Nigeria ohne Probleme in zwei Staaten aufteilen koennen und sicher waere der Genozid in Ruanda nicht passiert wenn Hutus und Tutsis in verschiedenen Laendern gelebt haetten, nur eine generelle Trennung der Ethnien muss nicht sein. In Ghana hat Praesident Nkrumah alle Staemme in gemeinsame Schulen gesteckt, der Tribalismus existiert praktisch nicht mehr in Ghana, ansonsten hat er natuerlich nichts auf die Reihe bekommen...

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@riara

Auch Jugoslawien wa unter Tito "geeint". Was dabei heraus gekommen ist, sieht man ja

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