Römische Kriegsmaschinen?

4 Antworten

Die Römer haben viele Kriegsmaschinen von den Griechen übernommen. In der Zeit des Hellenismus hatten die Griechen beim Bau von Kriegsmaschinen und in der Belagerungskunst/Belagerungstechnik einen ziemlich hohen Stand erreicht. Ein Fachausdruck für Belagerungskunst/Belagerungstechnik ist Poliorketik (griechisch πολιορκητικὴ τέχνη = Kunst/Technik der Belagerung; πολιορκία = Belagerung; πολιορκεῖν = einschließen, belagern).

Kriegsmaschinen sind vorwiegend bei Belagerungen (von Städten, Festungen/befestigten Plätzen, Militärlagern und ähnlichen schützenden Bauten) verwendet worden.

Es gab Schiffe mit Rammspornen. In Seeschlachten konnten große, schwere Schiffe mit Türmen und Katapulten ausgestattet sein (z. B. Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr.).

In offenem Gelände/freiem Feld (dies ist wohl mit „bloßer Kampf“ gemeint) sind schwere Kriegsmaschinen wegen Transportproblemen wohl seltener mitgeführt und eingesetzt worden. Die Verwendung leichterer Kriegsmaschinen, um Feinde auf Abstand zu halten oder einen Ansturm zurückzuschlagen, ist denkbar, wenn in der Lage keine Gefahr bestand, die eigenen Soldaten zu treffen. Die Darstellungen in den antiken Texten über Kämpfe enthalten allerdings dazu nur wenig. In der Schlacht bei Bedriacum/Betriacum/Bebriacum (an der Straße zwischen Cremona und Mantua) 69 n. Chr. zwischen den für Vespasian eintretenden Donaulegionen (sowie einigen Praetorianern) unter Führung von Marcus Antonius Primus und für Vitellius eintretenden Legionen haben die Truppen des Vitellius von einem Damm auf der Straße aus Torsionskatapulte eingesetzt. Mit einer großen Ballista, die gewaltige Steine schleuderte, brachten sie die gegnerische Schlachtreihe zum Niederstürzen. Allerdings haben zwei für Vespasian eintretende Soldaten dann Seile und Sehnen der Ballista durchschnitten (Tacitus, Historiae 3, 23).

Arten von Kriegsmaschinen

»Schildkröte« (griechisch: χελώνη [chelone]; lateinisch: testudo): meistens fahrbare hölzerne Schutzvorrichtung/Schutzgestell aus Holz

a) Schüttschildkröte: als Deckung für Leute Leute verwendet, die durch Aufschütten das Gelände einebneten, mit gedeckten Laubgängen (lateinisch: vineae) als einzelnen beweglichen Abschnitten

b) Schildkröte (lateinisch zum Teil musculus - »Mäuschen« - genannt) als Schutz beim Versuch, Mauern einzubrechen oder zu untergraben

c) Widderschildkröte (lateinisch: testudo arietaria): zum Schutz von Rammböcken/Sturmböcken, Stämme/Balken mit vorne angebrachtem Metall in der Form eines Widderkopfes, die als Mauerbrecher bzw. Ramme gegen Tore dienten

»Widder« (griechisch: κριός [krios], lateinisch: aries): Mauerbrecher, von Soldaten auf den Armen getragen oder in einem Gerüst schwebend, mit Schwung gegen die Mauer bzw. ein Tor gestoßen

Mauerbohrer (griechisch: τρύπανον [trypanon]; lateinisch: terebra): Stamm mit scharfem Spitzbohrer, mit Hilfe eines Seils gedreht und zugleich vorwärts gezogen, um in kleine Maueröffnungen (Fugen, Ritzen) einzudringen und die Mauer zu lockern

Wandelturm (griechisch: ἑλέπολις [helepolis]; lateinisch: turris ambulatoria): ein bewegbarer Belagerungsturm aus Holz (daher gleichsam ein wandelnder Turm) wurde dicht an die Mauer gebracht, um Soldaten auf eine gleiche Höhe oder noch ein wenig höher zu bringen, der Turm (griechisch: πύργος; lateinisch: turris; seit spätestens 350 v. Chr. konnte er mehrstöckig sein) konnte Widder, Katapulte oder Fallbrücken zum Ziehen (lateinisch: sambuca) oder Schieben (lateinisch: exostra) tragen, ähnlich der Fallbrücke auch die im Seekrieg die mit einem Haken versehene Enterbrücke, der »Rabe« (griechisch: κόραξ [korax]; lateinisch: corvus)

Katapulte/Wurfgeschütze

Am Beginn der Entwickkung standen armbrustartige Waffen. Ein Katapult ist eine Fernwaffe, die ihre Geschosse mittels Federkraft wirft. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurden federnde Bogenarme durch Seilbündel-Drehfedern (Torsionsfedern [lateinisch torquere = drehen, winden]; Seilbündel aus Haar oder Tiersehnen) ersetzt, diese Katapulte waren Torsionskatapulte (griechisch: παλίντονα [palintona]; Singular. παλίντονον [palintonon]; lateinisch: tormenta; Singular: tormentum). Katapulte wurden bei der Belagerung unter Heeresschutz eingesetzt. Sie hatten je nach Typ und Gewicht der Wurfgeschosse (Pfeile, Bolzen, Kugeln aus Stein oder Metall, Brandsätze) eine Reichweite bis zu mehreren hundert Metern. Die optimale Gefechtsentfernung betrug zwischen 50 und 170 Meter.

Pfeilkatapult (griechisch: εὐϑύνον [euthyon], auch σκορπίος [skorpios]; lateinisch: scorpio): konnte auf Karren montiert und von Heerestruppen mitgeführt werden, diente Beschießen der Gegner mit Pfeilen und Bolzen

Steinwerferkatapult/Ballista (griechisch: λιϑοβόλος [lithobolos]; lateinisch: ballista): schweres Torsionskatapult, gegen Deckung, Belagerungsgeräte und Katapulte der Feinde verwendet

Onager: der Onager (griechisch ὄναγρος [onagros] = Wildesel; lateinisch: onager oder onagrus) ist ein seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. bezeugter Steinwerfer, ein schweres einarmiges Katapult mit einer einzigen, horizontal gespannten Torsionsfeder

Literatur:

Dietwulf Baatz, Katapult. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 6: Iul - Lee. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1999, Spalte 340 – 343

Dietwulf Baatz, Poliorketik. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 10: Pol - Sal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 16 – 21

Yann Le Bohec, Das römische Heer in der späten Kaiserzeit. Aus dem Französischen von Antje und Gottfried Kolde. Stuttgart : Steiner, 2010 (Alte Geschichte). ISBN 978-3-515-09136-7

Marcus Junkelmann, Die Legionen des Augustus. 15., gründlich überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Utz, 2015. ISBN 978-3-8316-4418-6

Griechisches Feuer.  -Brandbomben-

Rammbock, Wurfgeschoss

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