Propagandapostkarte 1933 - Wer ist das auf dem Bild?

Das Bild - (Geschichte, Alltag, Drittes Reich)

6 Antworten

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Handarbeiter und Kopfarbeiter reichen sich unter der Schirmherrschaft der Diktatur die Hand. Im damals gängigen Jargon: Mann der Faust und Mann der Stirn. Heute würde man sagen: Arbeiter und Angestellter. Oder, wie es zu meiner Schulzeit auch noch hieß: Blaumann und weißer Kittel. Im Englischen spricht man von blue collar jobs und white collar jobs.

Die Angestellten in den technischen Büros trugen damals solche weißen Kittel wie die Leute in den Kliniken und wissenschaftlichen Labors, und dies kennzeichnete auch den höheren Status, sowohl in der Betriebshierarchie als auch im gesellschaftlichen Ansehen, der sich auch in einem höheren Einkommen widerspiegelt. Die heute gängige Bezeichnung für diese Gruppe der Gesellschaft ist: Mittelschicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Collar

https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht

Der erste Teil der Botschaft des Bildes ist, daß im Nationalsozialismus die Klassengesellschaft mit ihren Unterschieden zwischen "oben" und "unten" überwunden würde und stattdessen alle Deutschen nun "Volksgenossen" seien. Diesen Anspruch erhob die Nazibewegung auch in ihrer Selbstbezeichnung als National-"sozialismus" und in dem von der Arbeiterbewegung übernommenen Rot der Hakenkreuzflagge.


Der zweite Teil der Botschaft liegt in dem, was das Bild nicht zeigt. Der Kapitalist, für den sie alle beide arbeiten, genauer gesagt: alle drei, ist nicht mit auf dem Bild. Die Oberschicht nimmt an diesem Friedensschluß weder Teil noch scheint es sie überhaupt zu geben. Alles, was es an Unfrieden gegeben haben mag und hier nun feierlich beigelegt werden soll, betrifft nur diese beiden Gruppen von abhängig Beschäftigten und die kleinen Privilegien, die die mit den weißen Kitteln denen mit den Baumännern voraus haben. Weiter war da nichts.

Das Naziregime ist untergegangen, aber der zweite Teil der Botschaft des Bildes, die systematische Unsichtbarmachung derer, denen nahezu alles gehört, und die Fokussierung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf Konflikte zwischen Mitte und Unten bestimmt heute wie damals das politische Denken:

Der Selbstbetrug wird der Mittelschicht leicht gemacht. Die Reichen verschleiern ihren Wohlstand derart gekonnt, dass völlig unklar ist, wie reich sie wirklich sind. Fest steht nur, dass Billionen aus der Statistik verschwinden. Der Grund: Das Statistische Bundesamt erfasst keine Einkommen über 18.000 Euro netto im Monat - die wirklich Reichen tauchen in den offiziellen Zahlen also gar nicht auf. Die Mittelschicht überschätzt ihren Status aber auch, weil sie viel Kraft und Aufmerksamkeit darauf verwendet, sich vehement von der Unterschicht abzugrenzen. Nur zu gern pflegt die Mittelschicht das Vorurteil, dass die Armen Schmarotzer seien.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/soziale-gerechtigkeit-die-mittelschicht-betruegt-sich-selbst-a-687760.html

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Ja, die linke Figur steht sicher für einen Arbeiter. Die rechte Figur repräsentiert dagegen jemand, der mit seinem Kopf arbeitet. Es könnte auch ein Wissenschaftler sein.

Somit reichen sich also ein Vertreter der Arbeiterschaft und ein Intellektueller die Hand. Das Bild soll somit wohl ausdrücken, dass beide für den Aufbau des Landes wichtig sind. Zusammen mit dem Führer wirken sie zum Vorteil Deutschlands.

Wenn man die idealisierten Arier-Köpfe schon sieht, könnte einem schlecht werden. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie eine solche Propaganda gewirkt hat.

Danke für deine Antwort :)

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Der linke ist wohl ein Arbeiter, der schwere körperliche Arbeit verrichtet (Schürze, Werkzeug), der recht ist wohl ein "Kopfarbeiter", vielleicht ein Ingenieur (Kittel, Plan).

Was soll das Bild aussagen? Es preist die Zusammenarbeit zwischen denen, die schuften und denen die planen und forschen. Und warum klappt das wohl so gut? Das Bild "behauptet", weil der Führer darüber wacht.

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