Blickwechsel 18.05.2022
Deine Fragen an einen Ex-Scientologen
Im Rahmen seiner spirituellen Sinnsuche kam unser Nutzer DetlefRuchatz Anfang der 90er Jahre in Kontakt mit der Scientology-Sekte. 20 Jahre seines Lebens verbrachte er anschließend bei der sogenannten 'Sea Org' - eine Ordensgemeinschaft innerhalb von Scientology - bevor er der Sekte 2013 desillusioniert den Rücken kehrte. Im Blickwechsel beantwortet er am Mittwoch, dem 18. Mai, von 15 - 18 Uhr Deine Fragen zu seinen Erfahrungen mit der Scientology-Sekte und deren Philosophie, die er in Teilen weiterhin für sich anwendet. Alles zum Blickwechsel

Platt gefragt: Wie funktioniert Scientology?

1 Antwort

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Fragen im ersten Absatz kann ich alle verneinen.

Zum zweiten Absatz: Als „zahlender Kunde“ würdest du einfach dein Geld hinblättern und im Gegenzug Auditing und Kurse erhalten, es sei denn, du spendest für irgendetwas, wofür es keine Gegenleistungen gibt. Wenn du Mitarbeiter möchten wirst, musst du dies für 2,5 oder 5 Jahre bzw. in der Sea Org lebenslang tun. Stempeluhren gibt es nicht. Man muss aber regelmäßig, das heißt täglich erscheinen, wie bei jeder anderen Arbeit auch. Zu den Aufgaben: Das hängt davon ab, was gerade gebraucht wird. Es reicht von der Funktion als Hausmeister über Dinge wie Auditor, Kursüberwacher, Verkäufer, Verwaltungsangestellter bis hin zur Führungskraft.

Oder bin ich einfach Mitglied und warte auf einen Anruf mit Anweisungen?

Siehe oben. Für die ersten Services würde das angehende Mitglied nicht auf Anrufe warten. Es kommt selbstständig – aus Neugier oder mit der Absicht, einen bestimmten Services in Anspruch zu nehmen. Später gibt es Post und Anrufe, in denen einem das Absolvieren der nächsten Services nahegelegt wird.

Man wird nicht dadurch glücklich, dass man der Scientology sein Vermögen abtritt. So wird es in der Scientology-Kirche auch nicht dargestellt – außer von der International Association of Scientologists (IAS), welche Scientologen für Nichts und wieder nichts den letzten Cent aus den Taschen zieht und die Scientologen dann Erfolgsberichte schreiben lässt, wie toll es war, der IAS Geld in den Rachen zu schmeißen, das man eigentlich gar nicht hat, sondern in den nächsten 20 Jahren erst verdienen muss, um es seiner Bank zurückzuzahlen.

Man zahlt für Auditing und Kurse, welche bestimmte Fähigkeiten und Bewusstseinsstufen mit sich bringen. Diese kann man auf der sogenannten Brücke zur völligen Freiheit nachlesen. Siehe hier: Die Klassifizierungs-, Gradierungs- und Bewußtseinskarte - Die Brücke zur völligen Freiheit (scientology.de) Dem Neumitglied wird dabei nichts vorgegaukelt, es sei denn das Verkaufspersonal ist einfach unehrlich, was von der Scientology-Kirche nicht gutgeheißen würde.

Für was werden die Einnahmen eingesetzt?

10 Prozent oder auch etwas mehr gehen an die überregionale Kirchenleitungen in Kopenhagen, Los Angeles und die Int Base in Hemet, Kalifornien, um deren Betrieb zu finanzieren und Services wie etwa Übersetzungen oder Werbematerialien bereitzustellen. Das verbleibende Geld wird für interne Bedürfnisse verwendet: Instandhaltung des Gebäudes, Strom-, Wasser- und Telefonrechnungen, Werbung, Klopapier, Anwaltsgebühren usw. Fall noch etwas übrig bleibt, bekommen auch die Mitarbeiter ein paar Groschen für ihren Einsatz.

Einnahmen der International Association of Scientologists (IAS) und ähnlicher Institutionen, die keinerlei Services liefern, werden angeblich zum Großteil auf irgendwelchen Konten in Luxemburg gehortet. Ein winziger Teil davon wird für „Projekte“ der IAS verwendet, mit denen dem zahlenden Scientology-Mitglied vorgegaukelt wird, die IAS würde Großartiges für die Verbesserung der Gesellschaft bewirken.

Welche Art von Informationen dürfen nicht nach außen dringen und sind Nichtscientologykontakte gestattet?

Die Materialien der OT-Stufen dürfen nicht nach außen dringen (sind aber inzwischen im Internet frei erhältlich) sowie scientology-interne Angelegenheiten, insbesondere jene, welche ein schlechtes Licht auf Scientology werden würden.

Kontakte mit Nicht-Scientologen sind gestattet.

Hmm, deine Beschreibung klingt irgendwie nur nach einem etwas größeren Schulungsunternehmen.

So richtig ist mir die Gefahr und das Druckmittel bislang nicht klar geworden.

Vielleicht fragt noch jemand anderes in die Richtung und wenn du willst, kannst du dann dort antworten.

Danke auf jeden Fall für deine ausführliche Erklärung meiner vielen Fragen.

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