Plansprache erfinden

9 Antworten

Esperanto ist eher eine naturalistische Plansprache. Das heißt, sie orientiert sich stark an den Vorlagen, nämlich den Sprachen, die Ende des 19. Jahrhunderts die verbreitetsten Sprachen waren. Wer europäische Fremdsprachen gelernt hat, dem fällt es leicht, Esperanto zu lernen. Wer Esperanto gelernt hat, dem fällt es leicht, andere Fremdsprachen zu lernen, einschließlich asiatischer. Die internationale Kommunikation wird voraussichtlich auch noch in den nächsten Jahren über europäisch orientierte Sprachen laufen. Welche Rolle asiatische Sprachen einnehmen könnten, ist schwer vorauszusagen. Einen Kompromissweg zwischen den großen Sprachgruppen zu suchen birgt die Gefahr, dass niemand eine solche Sprache annimmt, zumal, wenn auch noch eine Schrift dazu erfunden wird, die alle gleich benachteiligt. Man denke nur, vieviele Asiaten bereits die lateinische Schrift gelernt haben beim Versuch, Englisch zu lernen. Bei dem geplanten Hobby könnte vermutlich eher eine Geheimsprache, als eine internationale Sprache herauskommen. Um sich die gestellten Fragen beantworten zu können, empfehle ich, sich mit dem Thema Interlinguistik, bzw http://de.wikipedia.org/wiki/Esperantologie zu beschäftigen.

Nachtrag: bemerkenswerter Weise ist China eines der asiatischen Länder mit der stärksten und aktivsten Internetpräsenz für Esperanto - Radioprogramm, Kurse, eBook-Bibliothek und sehr guten, fleißigen Chinesisch-Esperanto Übersetzern. Der erste in der endlosen Reihe von Weltspracherfindern war Pfarrer Schleyer - er vermied in seinem Volapük das R, weil er von Missionaren gehört hatte, daß 'der Chinese' das r nicht kann. Das focht 'den Chinesen' aber nicht an, sich für Esperanto zu entscheiden.

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Joj, da hast Du Dir aber etwas vorgenommen. Eine Plansprache einfach so zu entwickeln, stelle ich mir sehr schwierig vor, wenn Du sie allerdings ganz allein sprechen willst, was ja eigentlich nicht Ziel einer Sprache ist, denn die soll ja der Verständigung zwischen verschiedenen Menschen dienen, wobei es egal ist, ob es sich um eine Lautsprache oder Zeichensprache handelt. Eine Sprache, die zu allen Sprachen der Welt den gleichen Abstand hat, also auch von allen gleich erlernbar ist, ist eigentlich nicht möglich. Die Sprachfamilien sind einfach zu verschieden. Unter den mittlerweile mehr als 1000 Sprachprojekten kommt dem bisher nur Esperanto entgegen. Auch in Asien ist Esperanto weit verbreitet. In China läuft jetzt ein Kurs an einer Universität mit 750 Studenten. Wenn Du denn Dein Hobby umsetzt, reiht es sich sicherlich in die über 1.000 Projekte ein. Wenn Du Gelegenheit hast, besuch doch mal die Expolingua in Berlin, die in jedem Jahr im November stattfindet. Auch dort sind einige Projekte regelmäßig vertreten, neben Esperanto auch Ido und Saspel. Natürlich ist es eine sehr interessante Sache, so eine Sprache zu entwickeln. Zamenhof, der Esperanto erfand, kannte viele Sprachen und zog sozusagen das beste daraus und unterzog diesen gemeinsamen Nenner einer logischen Vereinfachung. Auch er arbeitete viel mit Suffixen und Affixen. Ein Geniestreich war z.B. die Vorsilbe "mal-", die das Wurzelwort in sein Gegenteil verkehrt. Somit reduzierte sich der Lernaufwand enorm. Also, viel Spaß und Erfolg bei Deinem Projekt, vielleicht hört man ja noch etwas davon. Ronaldo

Hallo "roserade25"

Du schreibst "Ich möchte als Spass eine eigene Plansprache erfinden." und "...wie sollte ich am besten mit meinem Hobby vorgehen? Es liegt noch in den Kinderschuhen..." und "...sondern es ist nur als Spass gedacht eben ein Hobby."

Zunächst dieses Ein Hobby soll Freude machen. Erlaubt ist so ziemlich alles, was man sich so ausdenken kann. Der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. (Grenzen liegen allenfalls dort, wo irgend ein ungeeignete "Hobby" Mitmenschen ärgert, schädigt oder gar gegen Gesetze verstößt.) Also Deine Pläne sind völlig in Ordnung. So lange dir die Erstellung einer Plansprache Freude macht, tue es!

Falls du Esperanto oder eine andere Plansprache gelernt hast oder wenigstens anfängst zu lernen, so ist dir aufgefallen bzw. wird dir schnell auffallen, welche unendliche Mühe in der Konstruktion einer Sprache steckt. An wie viele Dinge muß man denken, wenn die Sprache auch nur halbwegs Hand und Fuß haben soll. Ganz zu schweigen von der riesigen Zahl von Wörtern, die es zu schaffen gilt. Das ist eine Arbeit, die ein Einzelner in vielen Jahren kaum bewältigen kann. Selbst ein Team von Fachleuten wird Jahre benötigen bis zur Fertigstellung. Das ist wohl auch der Grund, warum so gut wie keine der von Rudolf Fischer genannten über 1000 Plansprachen auch nur ansatzweise zu einer verwendbaren Form gelangt. Hinzu kommt, daß wir alle nur einen winzig kleinen Ausschnitt der vielen Tausend Sprachen der Welt kennen, somit wird das Produkt Plansprache zwangsläufig unsere eingeschränkten Kenntnisse widerspiegeln.

Dein Hobby "liegt noch in den Kinderschuhen", sagst du. Unter den genannten Umständen könntest du überlegen, ob du deinem Interesse an Plansprachen nicht eventuell eine andere Richtung geben magst, natürlich immer vorausgesetzt, die Freude ist mindesten dabei ebenso groß oder kann gar noch gesteigert werden. Ich könnte mir da einiges vorstellen. Doch da es DEIN Hobby sein soll, will ich hier keine Vorschläge anbieten. Du kannst aber gerne mit mir Kontakt aufnehmen.

Ich habe für die Entwicklung meiner Plansprache "toki mi" (als PDF auf der Facebookseite Conlangs abrufbar) nur ca. 6 Wochen gebraucht, habe allerdings meine Vorkenntnisse in Toki Pona genutzt, einer Plansprache, die man binnen weniger Wochen lernen kann.

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@akesipalisa

Schön, daß Du so rassant gearbeitet hast. Gratulation. - Für die Alltagssprache nutzen wir um die 3000 Wörter, gehobeneres Deutsch vielleicht etwa 10.000. Goethe soll 80.000 verwendet haben. Wieviele konntest Du inzwischen in Deinen Wörterbuch einbringen?

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Ich habe auch schon Phantasiesprachen erfunden. Zwei davon waren wie Geheimsprachen, weil ich bei der einen für jede Silbe der deutschen Sprache eine Entsprechung festgelegt habe und bei der anderen für jedes Buchstabenpaar eine Entsprechung.

Für eine "echte" Phantasiesprache solltest du zuerst grobe Grammatikregeln festlegen, also ein Gerüst, in das später Wörter und Wortbestandteile eingesetzt werden können. Am schwierigsten dürfte es sein, Redewendungen und Sprichwörter zu erfinden. Aber das muss ja nicht unbedingt sein.

Was ich noch vergessen habe: Bevor du dir die Grammatik vornimmst, solltest du die Ausspracheregeln festlegen und dir überlegen, wie die Schrift aussehen soll. Man kann auch eine völlig neue Schrift erfinden. Einfacher ist es natürlich, die lateinische Schrift zu verwenden. Bei Bedarf können die Buchstaben auch noch mit diakritischen Zeichen versehen werden: å, ç, ê, ñ usw.

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Eine Plansprache zu erfinden ist ein anspruchsvolles Hobby. Der Zweig der Sprachwissenschaften, der sich mit Plansprachen beschäftigt, heißt Interlinguistik. Es sind über 1.000 Modelle von Plansprachen bekannt, jährlich kommen einige dazu, normalerweise ohne etwas echt Neues zu enthalten, was nicht schon mit seinen Vor- und Nachteilen je nach Zielsetzung bekannt ist.

Wenn die Plansprache nicht als gesprochene (aber doch wohl geschriebene?) Sprache gedacht ist, gibt es wirklich keine Richtlinien, wie man sie entwerfen sollte. Gütekriterien können sich ja nur an der Zielsetzung orientieren und beurteilen, in wieweit diese erreicht wurde.

"Gleich schwere Erlernbarkeit für Europäer und Asiaten" ist eine recht schwammige Richtlinie. Es wäre aber schon interessant zu sehen, ob oder wie weit dieses Ziel überhaupt erreicht werden kann. Immer auf dem Hintergrund, dass zuerst überprüft wird, ob die Sprache überhaupt "funktioniert", das heißt sich wenigstens im schriftlichen Gedankenaustausch bewährt hat.

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