Warum hat sich Esperanto als Weltsprache nicht durchgesetzt?

13 Antworten

Da werden auch Argumente angeführt, die eben nicht alle so sehen, z.B. ich nicht.

Englisch sei von Vorteil für US-Amerikaner und Briten und daher für uns ein Nachteil. "Ja und" frage ich da, mich stört das nicht. Im Gegenteil, da hab ich doch schon eine Menge Leute mit denen ich mich unterhalten kann, eine riesige Menge an Kultur und Wissenschaft und auch einen Anhaltspunkt, wie die richtige Aussprache ist. Esperanto hat zwar auch eine "amtlich festgelegte" (durch Lautschrift dargestellte) Aussprache, aber es scheinen wohl die meisten mit ziemlich starkem Akzent auszusprechen.

Übrigens haben wir Deutschen gar keinen Nachteil bei Englisch. Das ist vielleicht schwieriger als Esperanto, da es aber dem Deutschen nahe verwandt ist, haben Asiaten und Afrikaner noch viel mehr Nachteile, wodurch wir in eine sehr begünstigte Position aufrücken - gleich nach den Muttersprachlern. Der Nachteil des Konkurrenten (in der Weltwirtschaft z.B.) ist immer auch der eigene Vorteil!

Esperanto ist aus historischen Gründen gescheitert. Frankreich hat die Verwendung von Esperanto im Völkerbund durch Veto blockiert. Dann kam nach Verboten und Verfolgungen durch Hitler und Stalin kurzzeitig nach dem Zweiten Weltkrieg ein leichter Aufwärtstrend. Aber bald setzte sich Englisch als Weltsprache durch. Vor allem nachdem die USA den Kalten Krieg gewonnen hatte.

Ansonsten finde ich persönlich (und vermutlich auch manch anderer), dass Esperanto nicht so gut klingt oder etwas komisch wirkt ("Onklino" heißt Tante z.B.). Interlingua wäre das als Plansprache besser. Aber auch Interlingua klingt bei weitem nicht so gut wie das ähnliche Italienisch. Wer das jetzt als unwichtig und reinen individuellen Geschmack abtut, der sieht nicht, warum manche Sprachen z.B. in VHS-Kursen so stark gefragt sind und andere nicht: Weil sie ein positives Image haben. Da hat Esperanto nur die dahinter stehend Absicht der Völkerverständigung und des Friedens zu bieten - ist zwar schön, aber reicht offenbar nicht. Kein "Esperantien" mit einem Eiffelturm, kein eigenes Fernsehprogramm, keine Rockkonzerte von Superstars. "Chic-Faktor" für mich Null, auch wenn das Sprach-Enthusiasten manchmal anders sehen:

http://how-to-learn-any-language.com/e/languages/esperanto.html

Betrachtet man die Sache rein ökonomisch, aus individueller Sicht, dann muss man in Betracht ziehen, dass Esperanto 4 mal einfacher sein soll, als eine für uns einfache Sprache (wie z.B. Englisch). Zum Ausgleich dafür, so meine ich, dürfte es dann auch 4 mal weniger Sprecher haben als Englisch, um konkurrenzfähig zu sein. Doch die hat es nicht. Es sind etwa 1000 mal weniger!! Nicht nur Englisch ist als Weltsprache weiter verbreitet, auch Spanisch, Französisch, Deutsch, Russisch und Italienisch haben mehr Zweitsprachler.

Ich glaube einer der ausschlaggebensten Gründen ist, dass es für die meisten wie mich keinen guten Grund gibt Esperanto zu lernen, da es kaum Medien etc. gibt in Esperanto wie Filme, TV usw. Man kann Esperanto auch fast nur im Internet verwenden.

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Das scheiterte, egal ob es Volapük oder Esperanto gewesen ist, bisher immer aus dem Grund, dass künstliche Plansprachen einfach immer nur künstliche Plansprachen sind und künstlich klingen, grammatikalisch schwer zu erlernen sind, es oft an qualifizierten Lehrmitteln sowie Muttersprachlern als Lehrern fehlt und die nationale Folklore, auf welche die einzelnen Länder und Völker zu Recht sehr stolz sind und zu der auch Sprachen wie Dialekte gehören, ganz einfach das Nachsehen hat. Dafür gibt es die Vorurteile nur auf dem Papier - so wie der Kommunismus auf dem Papier klappen sollte, sieht die Realität anders aus.

Speziell Volapük gilt darüber hinaus als ziemlich wirre Geschichte und das Wort als Solches wird in manchen Sprachen gar als Synonym für "Kauderwelsch" oder auch "Fachchinesisch" benutzt^^ ich denke, das sagt alles; Esperanto ist davon so weit nicht entfernt.

Außerdem kommt man mit einem guten Standard-Englisch als "lingua franca" (Verkehrssprache) und zur Not noch Französisch doch im Grunde genommen überall durch. Speziell von daher sollte sich das Thema irgendwie erübrigt haben.

Woher ich das weiß:Hobby

Wer die Esperanto-Grammatik im Vergleich zu anderen Sprachen schwierig findet, der soll mir mal sagen, welche europäische Sprache eine einfachere Grammatik ha als Esperanto.
Sprachen kann man übrigens nicht nur von Muttersprachlern lernen. Der meiste Englisch-, Französisch- und Spanischunterricht an unseren Schulen wird von Nicht-Muttersprachlern gegeben. Ebenso ist es bei Esperantokursen.
Mit Englisch und Französisch kommt man zwar nicht überall durch, aber doch sehr weit, das stimmt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass du auf der Straße jemanden findest, der dir den Weg zum Bahnhof auf Esperanto erklären kann. Dafür sind die Esperantosprecher gut vernetzt, sodass du in vielen Städten gleich persönliche Kontakte hast.

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@RobertWeemeyer

Das glaube ich dir wiederum gerne - es dürfte vergleichbar mit weltweiten Bewegungen wie z.B. Kolping sein, wo man in jedem Ort jemanden treffen und persönliche Kontakte haben kann. Das ist tatsächlich ein Vorteil von Esperanto oder auch Volapük.

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"dass künstliche Plansprachen einfach immer ...... grammatikalisch schwer zu erlernen sind"

Diese Behauptung ist garantiert falsch !

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Weil Sprachen wie Englisch sich viel besser durchgesetzt haben durch dem Einfluss von Filmindustrie, Social Media, Kunst, Internet (ü50% des Internets ist in Englisch) etc.

Außerdem ist das Vokabular von Esperanto mit 2000 Wörtern relativ limitiert. Es reicht natürlich für den täglichen Gebrauch, aber Sachen wie Politik werden da etwas komplizierter zu besprechen, was glaube ich auch ein großer Faktor ist.

Es gab auch schon früher viele Menschen die Englisch gesprochen haben, bei Esperanto ist es aber so dass man von 0 Starten muss und viele gar nicht den Grund dafür sehen Esperanto zu lernen.

Woher ich das weiß:Hobby

Esperanto hat weit mehr als 2000 Wörter. Ich kann dir versichern, man kann sich auf Esperanto über alle möglichen Themen unterhalten, auch über Politik. Es gibt zum Beispiel bei Facebook ein Forum für solche Diskussionen. https://www.facebook.com/groups/diskuto/

Wie bei jeder anderen Sprache muss man bei Esperanto bei null starten, das ist richtig. Der Witz ist aber, dass man bei Esperanto wesentlich schneller vorankommt als in anderen Sprachen, weil vieles, was in anderen Sprachen schwierig und unregelmäßig ist, in Esperanto einfach und regelmäßig ist.

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@RobertWeemeyer

Ok kann sein, dass es mehr Wörter gibt, aber kann ich mich in Esperanto genauso ausdrücken wie in Deutsch usw.?

Und fast keiner von uns musste in Englisch bei Null starten. Die meisten lernen es in der Schule und hören Englisch sehr oft durch Musik, Filme usw. also kennen die wenigsten, die nur Englisch gelernt haben als Fremdsprache, den Prozess, eine Sprache komplett von Null zu beginnen.

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Weil es Sprachen gibt, die von wesentlich mehr Menschen gesprochen werden

und

weil die Menschheit nicht wirklich eine Spezies ist, die sich gerne etwas von anderen vorschreiben lässt (mann wird in der Menschheit unzählige finden, die bereit wären die EIGENE Sprache als Weltsprache durchzusetzen, und nur ganz wenige, die auch bereit wären eine Sprache die sie selbst erst erlernen müssten , als solche durchzusetzen)

Fehlende Notwendigkeit und/oder fehlender Zwang.

Ist eigentlich Recht einfach. Insbesondere da Englisch zur Entstehungszeit von Esperanto ziemlich weit verbreitet war.

Entsprechend ist es sinnvoller Englisch zu lernen als etwas was man überhaupt nicht nutzen kann.

Imgrunde kannste soetwas nur durchprügeln. Wenn die EU jetzt festlege würde das Esperanto offizielle Sprache der EU wird und es wichtige Dokumente nur noch in der Sprache gibt oder das Fernsehen auf diese Sprache umgestellt wird.

Dann haste ne Grundlage. Englisch hat sich auch unter anderem so verbreitet.

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