Nachträglich noch studieren?

4 Antworten

Ja, studieren lohnt sich quasi immer, auch mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung.

Ich war auch gelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, zunächst als Softwareentwickler tätig, habe damit dann relativ schnell wieder aufgehört und Informatik studiert, erst Bachelor, dann Master.

Ein Studium gibt Dir einen richtigen Karriereschub, weil es Dir vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet, Dinge, die Dir vorher aufgrund Deiner Qualifikation nicht möglich waren. Und gerade, wenn man eine Weile aus der Schule heraus war und gearbeitet hat, ist man doch wieder richtig motiviert, zu lernen. Direkt nach dem Schulabschluss hat man das ja in der Regel eher satt und es dauert ein bisschen, bis man die Freude daran wiederentdeckt. ;-)

Wie der Mehrverdienst in der Branche aussieht, weiß ich nicht. In meinem Bereich (Informatik) sind die Unterschiede ziemlich krass. Dort kann das Bachelorstudium das Einstiegsgehalt durchaus verdoppeln. Der Master bringt dann noch einmal 20 % mehr gegenüber dem Bachelor.

Ansonsten ist der TVöD immer ein guter Anhaltspunkt, da er zahlreiche Berufsfelder umfasst öffentlich einsehbar ist. Dieser legt momentan (Februar 2017) folgende Einstiegsgehälter fest.

Ungelernt: 1751.25 € - 2142.59 € (Median: 1951.92 €)
Berufsausbildung: 2249.11 € - 2711.10 € (Median: 2480.11 €)
Bachelor: 2711.10 € - 3279.57 € (Median: 2995.34 €)
Master: 3657.34 € - 5517.25 € (Median: 4587.30 €)

Wenn man nach dem Median geht, kannst Du mit Bachelor also anfänglich einen um 21 % höheren Verdienst erwarten, als mit einer Berufsausbildung und als Master noch einmal 53 % mehr, als mit Bachelorabschluss. Ziehst Du das Studium gleich komplett bis zum Master durch, wirst Du im Mittel 85 % mehr verdienen, als mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Mit fortschreitender Progression (d. h. längerer Betriebszugehörigkeit) werden die Unterschiede eher deutlicher, weil der "höhere Abschluss" mehr Spielraum bietet, was den Aufstieg betrifft, und nicht so schnell an Grenzen stößt.

Meiner Erfahrung nach überschätzt der Median allerdings den Unterschied zwischen Bachelor und Master und unterschätzt dafür denjenigen zwischen Berufsausbildung und Bachelor. Als Bachelor wirst Du in der Regel in die Entgeltgruppe 10 (Stand Februar 2017: 3056.61 €) eingestuft werden, als Master hingegen in die Entgeltgruppe 13 (Stand Februar 2017: 3657.34 €). Das sind dann auch exakt die erwähnten 20 % Unterschied zwischen Bachelor und Master, die in dieser Form schon seit mindestens 8 Jahren üblich sind.

Wenn Dir Dein jetziges Gehalt erlaubt, Rücklagen zu bilden, musst Du als Student nicht am Existenzminimum leben. Das war wohl der wesentlichste Vorteile, den ich durch meine berufliche Tätigkeit vor meinem Studium hatte. Auch wenn es natürlich finanziell "eng wurde", gerade zum Ende hin, hatte ich dennoch wesentlich weniger finanziellen Stress, als viele meiner Kommilitonen.

@NHB...mit deiner Erklärung bist du Fragestellern eine sehr gute Hilfe, liebe Grüße aus Köln

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Ein Stusdium lohnt sich fast immer, mit deiner beruflichen Vorerfahrung ohnehin. Meine Empfehlung wäre ein berufsbegleitendes Studium (ich habe meinen Master auch berufsbegleitend gemacht), bietet finanziell mehr Vorteile wie ein VZ Studium, da du weiter arbeiten kannst und du bist nicht so auf dich allein gestellt wie bei einem Fernstudium. Sehr anstrengend ist es aber natürlich schon.

Berufsbegleitend dauert es natürlich länger, als in Vollzeit.

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