Mein Pferd hat Stumpfes Fell, was tun?

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12 Antworten

Hallo, 

ein Wunder-Shampoo o.Ä gibt es da nicht. Dein Pferd hat definitiv ein gesundheitliches Problem. 

Stumpfes und mattes Fell deuten oft auf ein Wurmbefall oder Mangel hin. Ich würde mal eine Kotprobe abgeben und Blutbild machen lassen. Wenn nix ist, dann Zink zu füttern (Zinkmangel lässt sich leider nicht leicht diagnostizieren, ist aber häufig vertretend). 

Wie wird das Pferd ernährt? 

Ich wünsche deinem Hotti gute Besserung! 

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

Wurmbefall in 2% aller Fälle als URSACHE ... Behandler, die von Endoparasiten wenig wissen, behaupten es leider öfter ... daher hätte ich den Zinkmangel an Deiner Stelle mehr betont ;-)

Kotprobe sollte man eh machen zur Entwurmung, da man mit einfach Medikament rein schieben gegen die tierärztliche Hausapothekenverordnung verstößt, nach der kein verschreibungspflichtiges Medikament ohne vorherigen Befund gegeben werden darf. Und da "blindes" Entwurmen, wie man es in vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, zu Resistenzen geführt hat, mit denen man heute seine liebe Last hat. Entsprechend würde sowas mit auffallen. Wichtig ist nur, dass man das richtige Laborverfahren für die Kotprobe auswählt. Viele flotieren nur, das reicht nicht aus. McMaster muss auf alle Fälle gemacht werden, immer mal wieder auch die kombinierte Sedimentation und Flotation.

Und beim Thema Kotprobe und Wurmkur kommt auch der Punkt, warum die Behandler auf "Verwurmung" gehen: Zinkmangel schwächt das Immunsystem, auch das Darmimmunsystem und entsprechend haben die Pferde mit dem stumpfen Fell, der Zinksystematik beim McMaster Test im Durchschnitt mehr Eier pro Gramm Kot, also meint man, einen direkten Zusammenhang zu haben. Aber er ist nur indirekt und die Wurmkur muss nur selten sein, doktort aber wieder nur am Symptom rum statt die Ursache, den Zinkmangel zu beheben. Oft sind auch Zinkmangelpatienten noch unter dem Schwellenwert, wo man behandelt, aber bei Flotation
meinen viele Therapeuten schon, das seien viele Eier und man müsse zwingend behandeln, weil man sich bei diesem Verfahren leichter verschätzt als richtig schätzt. Wenn man jedoch unnötig Medikament eingibt, schwächt man den Stoffwechsel nochmal, weil man ihm eine Zusatzaufgabe gibt (Medikament verarbeiten), wenn er eh nicht rund läuft. Dann dauerts noch länger, bis das Tier wieder auf den Beinen ist.

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Das völlig chemielose Mittel heißt "Sonnenblumenkerne". Zinkchelat ist ein organisches Zink, wird aber industriell hergestellt, vor allem, weil noch Trägermaterial dazu muss, dass man es füttern kann.

Ich rate dringend von jedem "Pflegemittel" ab, denn das hilft niemanden, schadet aber Deinem Geldbeutel, der meist über Pferdehaltung eh nicht jubiliert. Halt doch, es hilft schon jemandem: Der Industrie, die es herstellt, der Logistikbranche, die es transportiert und dem Händler, der es verkauft. Wenn die eh nicht so fitte Haut dann rebelliert, möglicherweise noch dem Tierarzt.

Stumpfes Fell ist in den allermeisten Fällen ein Zinkmangelsymptom. Zinkmangel herrscht in Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa mehr als man bisher angenommen hatte, weil man lange Zeit nicht wusste, dass das Blutbild den einfach nicht anzeigt. Das Blut wird vom Zink bevorzugt bedient, weshalb das Blutbild noch recht ordentlich aussieht, wenn die Zellen schon eine ganze Zeit unterversorgt sind. Oft wird fälschlich ein Selenmangel behandelt, weil der Selenspiegel bei Zinkmangel auffällig niedrig ist. Würde man auf Zinkmangel behandeln, würde der Selenspiegel ganz von selbst wieder ansteigen. Mit Selen kann man bei zu viel Gabe schwer vergiften, mit Zink nicht. Unser Böden führen einfach nicht mehr genug Zink. Bei den Pferden fällt es in der Fellwechselzeit besonders auf.

Ist das Pferd mit dem stumpfen Fell möglicherweise auch weniger bemuskelt als andere, die ziemlich genauso gut und genauso viel arbeiten? Ist es Immunanfällig, reagiert es z.B. mehr auf Stiche, ist es gelegentlich mal schlapper als andere Pferde, wirkt einfach nicht kraftstrotzend und fit? Wenn man mit den Fingern mit Druck über's gebürstete Fell fährt, bleibt dann bei diesem Pferd Talg am Finger? Heilen Wunden, auch kleine Kratzer langsamer als bei anderen Pferde, brauchen länger, bis sie wieder mit Haaren bedeckt sind? ... Es gibt noch viel mehr Symptome, aber das sind recht augenscheinliche für einen Zinkmangelkandidaten. Da das Blutbild hier keine belastbare Aussage zulässt, behandelt meine Tierärztin sowas auf Symptomatik und meist geht es den Pferden schon in kurzer Zeit besser.

Daher: Zink zufüttern. Für das erste Anschieben - grade, weil wir seit der Sonnwende bereits wieder in der zinkstrapaziösen Zeit des Fellwechsels sind - schon mal ein Zinksupplement. Am besten wirken reine Zinkchelatprodukte, wie es sie z.B. von Navalis und Dr. Weyrauch gibt, aber die werden nicht von jedem Pferd gefressen. Das Navalis lässt sich schwer so auflösen, dass es sich auf eine Maulspritze ziehen lässt, das hatte ich auch schon mal, es ist nicht wasserlöslich. Wie es mit dem Dr. Weyrauch ist, weiß ich nicht. Zinkchelat kann einfach am allerbesten verstoffwechselt werden. Ist das partout nicht ins Pferd zu bringen, muss man eben zu einem anderen Zinkprodukt greifen, auch wenn das weniger wirkungsvoll ist.

Damit das mit dem Zink zufüttern was bringt, muss aber auch sichergestellt sein, dass im Darm beste Bedingungen dafür herrschen, dass es gut aufgenommen werdenn kann. Das bedeutet: keine Müslis, Mash, Karotten, Äpfel, Leckerlis etc. füttern, nichts, was unnötigen Zucker enthält, denn zuckerreiche Nahrung kostet eine Menge der für die Aufnahme wichtigen Darmbakterien. Auch Kraftfutter nur, so viel wirklich nötig ist und das möglichst in Form von Hafer im ganzen Korn, denn der Speisebrei vom Kraftfutter gelangt weniger sauer in den Darm wenn mehr gekaut werden muss, also auch mehr Speichel produziert wird, der die Magensäure abpuffert. Sauer ist nämlich auch nicht lustig für die Darmflora. Am besten gibt man langfristig ein hochwertiges Mineralfutter, um schon mal ein gutes Grundlevel zu schaffen. Ein hochwertiges Mineralfutter zeichnet sich durch organische Verbindungen und ein Ca-P-Verhältnis von 1:1 bis 3:1 aus. Einem Phosphor-Überschuss, wie er schon in unserem Getreide, also auch im Hafer vorhanden ist, mit dem Mineralfutter noch eins drauf zu setzen, führt immer zu Mineralstoffmängeln im Stoffwechsel des Pferdes. Salz (in Form von Kochsalz oder Lecksteinen) sollten die Pferde nur bei Bedarf bekommen (leider "kennen" manche ihren Bedarf nicht wirklich, lecken auch mal zur Freude oder in der Box oft aus Langeweile), sonst haben wir wieder ungünstigerweise einen Na-Überschuss.

Und wenn der Stoffwechsel mal wieder rund läuft und das Pferd fit und gesund ist und man im Fellwechsel (beginnt um die Sonnwende und wird dann stärker, das Ende erkennt man ja meist recht gut) ein bisschen nachhelfen will: Wenn das Pferd nicht grade Mangel hat, tun's 10 bis 40 Gramm Sonnenblumenkerne am Tag. Da sitzt in der Schale ordentlich Zink und diese natürliche Form der Zinkzufuhr trainiert den Darm drauf, es sich aus der Nahrung zu ziehen ... und weil immer mal wieder ein Körnchen raus rutscht, das dann keimt, gehen auch hin und wieder beim Misthaufen Sonnenblumen auf, die einem neue Kerne spenden können - muss man dann nur gleich geben oder trocknen, dass sie nicht ranzig werden ;-)

Auch die Leberkrankheiten nicht außer acht lassen, viele Pferde mit stumpfem Fell haben Leberprobleme - weniger die Zinkprobleme. Im letzten Jahr bei uns alleine 3 Pferde. Nach Leberkur alles wieder o.k.

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@friesennarr

Die Leberprobleme meines Pferdes (Leberwerte bei Ankauf, dass der Tierarzt sagte "WAS? Sowas gibt's beim lebenden Pferd?") verschwanden mit in Ordnung bringen des Zinkstoffwechsels ;-)

Ok, verschwinden ist übertrieben, denn wenn die Leber mal überlastet war, vertragen sie beispielsweise Medikamente gar nicht mehr gut, aber man kriegt auch das weitaus besser gemanaged, wenn der Stoffwechsel rund läuft und der Zinkhaushalt wieder intakt ist.

Aber es spielt alles zusammen ... und als ich in der Benachrichtigung Deinen Usernamen sah, friesennarr, ging ich davon aus, dass Du eine ergänzende Hefekur zum Anschieben der Darmsanierung vorschlagen wolltest ;-)

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Zuerst mal müsste man die Ursache kennen.

Stumpfes Haarkleid ist meistens ein Hinweis auf Krankheit, so zumindest bei Wurmbefall und Leberkrankheiten ein gutes Symptom um schon mal zu wissen, das etwas nicht ganz stimmt.

Also würde ich hier erst mal eine Kotprobe untersuchen lassen und ein Blutbild auf Magelzustände hin untersuchen lassen.

Dann kann man erst über Fütterung oder Kräuter oder Heilmittelchen sprechen.

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