Lehramt Latein studieren. Erfahrungen?

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Kann mir jemand aus Erfahrung sagen, wie das Lateinstudium so ist? Und auf was man sich alles einstellen muss. Mein Latinum hab ich schon, aber man braucht ja auch das Graecum, wenn ich das richtig verstanden habe. Ist das Graecum sehr schwer nachzuholen und ist ein Crashkurs empfehlenswert?

"Wie das Lateinstudium so ist": das kommt zum einen auf die Uni, zum anderen auf die Dozenten und Professoren und schließlich  -  nicht zum wenigsten!  -  auf den Studenten selbst an, wie sehr er sich für Latein als Sprache, als Literatur, als Geisteswelt interessiert, ob er bereit ist, sich auf eine für uns fremde Welt, die gleichwohl zu unserer Vorgeschichte gehört, intensiv einzulassen. Wer in dem von mir beschriebenen Sinne Freude an Latein, dann auch an der Beschäftigung mit der römischen, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen  -  ja, auch das Mittelalter und die Frühe Neuzeit waren, zumindest was die Geistesgeschichte angeht, "lateinische" Zeitalter  -  Geschichte und Kultur hat, der wird aus seinem Studium selbst und auch aus seiner späteren beruflichen Tätigkeit eine große Befriedigung ziehen.

"Und auf was man sich einstellen muss": nun, ohne Fleiß kein Preis! Nicht nur die Übersetzung aus dem Lateinischen, sondern auch in das Lateinische sind Pflichtübungen im Studium. Ich habe auf diese Weise die deutsche Grammatik im Vergleich zur lateinischen und zusammen mit dieser intensiv gelernt. Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit wird auf diese Weise hervorragend geschult. Ein so geschulter "Lateiner" ist gerade im Bereich deutscher Grammatik sehr vielen "Germanisten" deutlich überlegen! Von der sprachlichen Seite abgesehen, steht im Mittelpunkt des Studiums die Interpretation von Texten. Außerdem lernt man die philologische Arbeit kennen, also alte Handschriften zu lesen und Techniken der Edition  -  wenn das denn heute noch gelehrt wird.

Was das "Graecum" angeht: ja, das dürfte an den meisten Universitäten immer noch eine Voraussetzung für ein Lateinstudium sein. Die Römer waren zweisprachig gebildet, griechische Zitate findet man immer wieder in ihrer Literatur. Griechen und Römer hatten viele kulturelle Gemeinsamkeiten, die griechische Geistesgeschichte, z. B. die wichtigsten Philosophenschulen der Stoiker und Epikureer, war den gebildeten Römern geläufig. Bei der Interpretation lateinischer Literatur kann die Kenntnis dieser griechischen Geisteswelt und die Fähigkeit, wenigstens kleinere griechische Textstellen übersetzen zu können, sehr nützlich sein. Ob das Erlernen in den Unikursen, die üblicherweise angeboten werden, problematisch ist, kommt auf den einzelnen Studenten und seine sprachlichen Fähigkeiten an. In zwei Semstern ist die Angelegenheit i.d.R. erledigt.

Viel Freude im Studium und mit Latein!

MfG

Arnold




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Vielen Dank, für die ausführliche Antwort! Hat mir sehr weitergeholfen.

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Sprachen lernen an der Schule fand ich furchtbar, das ging mir alles viel zu langsam. An der Uni, wo es mehr so chrashkursmäßig abläuft, kam ich super klar. Es ist eine Typfrage und davon abhängig, wie du selbst am besten lernst.

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