Latein - Aussprache

4 Antworten

hallo musicus92, nein, die italienische Aussprache hat bei deutschen / österreichischen und allen Komponisten der Region der ehemaligen K&K Monarchie überhaupt nichts zu suchen. kirchenlatein ist ein blöder Ausdruck, genausowenig, wie es Medizinerlatein, allenfalls Jägerlatein gibt. Es ist einfach die bis in die 2. Hälfte das letzten Jhdts. gültige Schulaussprache. das ital. hat sich über die angelsächsische musikschwemme, mit ihren hervorragenden aufnahmen verbreitet. schauen sie doch mal unter lateinisch singen nach. vielleicht finden sie da mein handbuch der lat. ausspr. da habe ich alles minutiös dargestellt - übrigens natürlich auch die ital. ausspr. ihre anfrage ist schon eine weile her, aber ich bin erst heute zufällig drauf gestoßen.

Die korrekte Aussprache des Kirchenlatein lautet (exzelsis). Die italianisierte Form mag in Italien Norm sein, hier nicht. Auch die Engländer haben ihre Probleme mit der Artikulation des Lateinischen. Den Papst als Fachmann für korrekte Aussprache anzuführen, ist gewagt. Der kennt sich eher auf anderen Fachgebieten aus. Höre Dir entsprechende Lieder von renommierten Chören wie den Leipziger Thomanern oder dem Dresdner Kreuzchor an. Dort wirst Du fündig.

Wenn sich jemand wirklich für das m.E. wichtige Thema der "nach-antiken" Latein-Aussprache interessiert, dem kann ich folgendes Buch empfehlen:

Vera U. G. Scherr: Aufführungspraxis Vokalmusik - Handbuch der Lateinischen Aussprache, Bärenreiter-Verlag.

Latein hat sich als durchaus nicht-tote Sprache noch viele Jahrhunderte nach dem Ende des römischen Reiches weiter entwickelt und vielfältige Veränderungen erfahren. Dadurch haben sich in unterschiedlichen Ländern verschiedene Aussprache-Formen entwickelt, die eine mehr oder weniger große Verwandschaft mit der jeweiligen Landessprache (lingua vernacula) aufwiesen.

Hierzu gehört auch die traditionelle deutsche Lateinaussprache (pronuntiatus non-restitutus germano-austro-ungaricus), die bis vor ca. 20 Jahren hierzulande noch an den meisten Schulen unterrichtet wurde ("tséterum tsénseo Kartháginem esse deléndam"). Soweit ich das mitbekomme, ist in der katholischen Liturgie in Deutschland, Österreich und Polen diese Aussprache noch weitgehend vorherrschend. Allerdings entscheiden sich manche Kirchenmusiker zunehmend für die international inzwischen üblichere tranditionelle italienische Lateinaussprache ("tschäterum tschänseo Karthádschinem ässe deländam"). Diese war in vielen Ländern um 1900 eingeführt worden, nachdem Papst Pius X dies zur Vereinheitlichung der katholischen Liturgie angeregt hatte. Auch die meisten Lateinsprecher im Vatikan, incl. Papst verwenden diese.

Vera Scherr schreibt in o.g. Buch sinngemäß, daß diejenige Lateinaussprache am ehesten richtig ist, die einer am besten kann. Das finde ich auch. Mir gefällt zwar auch die italienische Aussprache am besten, aber nur wenn sie von einem Italiener gesprochen wird. Ich selbst bevorzuge für den Eigengebrauch deshalb weiterhin die traditionelle deutsche Aussprache. Keinesfalls soll damit der pronuntiatus restitutus abgewertet werden, der in den letzten Jahren in Mode gekommen ist und sich einigermaßen an das Latein annähert, das "Kikero" und "Kaisar" wohl gesprochen haben. Aber in die katholischen Liturgie paßt das - finde ich - nicht so recht.

Wer mal hören will, wie nicht nur der pronutiatus restitutus, sondern auch die einzelnen Varianten des Latein in unterschiedlichen Länden geklungen haben bzw. klingen, kann sich in Saarbrücken bei der Societas latina die Cassette "de pronuntiatu latino, phonocaseta nona" von Maximilian Mangold bestellen. Ich stimme vielem von Mangolds Aussagen allerdings nicht zu. Sicher erleichtert der pronuntiatus restitutus die internationale Latein-Verständigung zwar, aber ich finde die vielen unterschiedlichen regionalen Aussprache-Varianten, die Teil jahrhundertelanger lebendiger Latein-Realität sind, zu interessant, als daß man sie aussterben lassen sollte !

Interessant. Das Wort hätte ich jetzt auch als Beispiel benutzt. Bisher ist mir das nur bei Aufnahmen mit englischen Chören aufgefallen. Singen deutsche Chöre tatsächlich auch "in eksdschelsis". Mein Chor macht das nicht.

Mein Chor soll gerade "ekstschelsis", weil ich zumindest in meiner nebenamtlichen Kirchenmusiker"lehre" gelernt habe, dies sei die liturgisch korrekte Variante. Doch selbst die Zelebranten sprechen "anderes" Latein, der Papst jedoch das romanische, obwohl er "Germane" ist.

Ich bin verwirrt, was nun korrekt ist. Wenn nicht, sag ich: romanisch (= "eksdschelsis") ist für meinen Geschmack einfach schöner.

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